Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 DIE3SELT 53 ihn einging, wer so ganz ist, daß er in den Dingen und Menschen sich entpersönlichen kann, wer so ganz ist — wie Herzl, daß er die Ganzheit des Kindersinnes erfaßt. In einem Feuilleton über Maupassant läßt Herzl den irren Dichter sprechen: „Armer Guy! Geschieht dir recht! Du willst den Dingen auf den Grund kommen. Darum bist du hier. Denn, unter uns gesagt: Die Dinge haben gar keinen Grund . . Hier hört das Feuilleton scheinbar auf. Sein Sinn aber wirkt weiter und formt sich zu Worten in dem wunderzarten Bilde „Nauheim": „Wer schon viel gelebt oder gelitten hat, dem kommt ein Abschied von allem nicht notwendig als das Bitterste vor. Der Scheidende wird vielmehr die letzten rosenrotem Täuschungen des Sonnenuntergangs mit Heiterkeit betrachten und nach keinem anderen Tag verlangen, da er diesen schwindenden gründlich kennen gelernt hat." Das ist der große Sinn des Herzlichen Wesens: Das volle Erfassen der Dinge und Menschen wird zur Wahrheit nicht dem, der ihnen auf den Grund kommen will, sondern dem, der sie ganz erleben kann und darum auch nach keinem anderen Tag verlangt. Das volle Erleben ohne Erklären, es ist das große Bekennen Herzls. Den Tod zu bekennen, nicht zu betrachten, das Leben zu umfassen, nicht zu erklären, das ist Herzls Grundart. Aus ihr schafft er die kleinen Dingelchen für den Tag, die man Feuilletons nennt, alle die Perlen, wie „Trudeis Träne", „Breslauer Spaziergang", „Englische Nebelbilder", „Barnums Geist". Herzls Reisen führten ihn durch die halbe Welt. Wäre er ein „mit der Illusion des Wissens" Begabter gewesen, er hätte nicht einige wenige Feuilletons daraus geschöpft. Aber ihm war das Schaffen heilig; sein großes Können war nur ein Mittel dazu. Und doch schrieb er Feuilletons, jene Zierlichkeiten des Könnens, — ihm waren auch sie Kunst, denn er erlebte auch sie. Und sein Werk, sein übermächtiges Werk ist ein ungeschriebenes. Denn wer voll erleben kann, schafft durch die Tat. Und jenes volle Erleben Herzls — es ist unsere große Sehnsucht. Wieviele Mühe haben wir uns gegeben, es zu erlangen! Im Galuth haben wir seine Kunst und Kraft verloren und nur das täuschende Können ist uns geblieben. In einer Form heißt es „Feuilleton". Immer war unserer Mühe Lohn eine Enttäuschung. Bis Herzl kam. Er hatte das volle Erleben und gab es uns. Theodor Herzls geschriebene Werke, die im Tag entstanden, sind die Ahnungen des Lebenswerkes, dessen Spur w i r sind in unserem Bereitsein. Und das ist jenseits der Tage. Erfaßt wird es — wie die Feuilletons — im Befreitsein. — Jemand sagt, Herzl sei in seinen Feuilletons „über seine charmanten Anfänge nie hinausgekommen". Es mag etwas Wahres darin liegen: Denn in Herzl einten sich Anfang und Ende zu einer unfaßbaren Ganzheit. Die Feuilletons sind nur ihr Tagesschimmer, wir das ewige Licht, und wir leuchten durch ihn, durch Theodor Herzl, der unsere Erfüllung ist. Und was seine Feuilletons sind, erfühlen wir nur in der Dauer: Unser gegenwartbefreites Zukunftslächeln. Herzls Lächeln . . . Schluß des redaktionellen Teiles Unsere geehrten Rbonnenfen, deren Bezuyszeit am 5I.Dezember 1911 abgelaufen tuar, bitten cuir die flbonnementserneuerung urmerzüglich porzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Alle Abonnenten, die das Blatt nicht direkt bei uns, sondern bei der Post abonnieren, müssen bei ihrer Abonnementsbestellung als Erscheinungsort Hauptpostamt-Zeitungsstelle: Schöneberg-Berlin, Hauptsfr. 25 angeben. 6s ist dies IMF" unbedingt erforderlich, um Verwechselungen mit einer bereits in Berlin erscheinenden gleichnamigen Wochenschrift zu oermeiden. — Bestellungen auf Cinbanddecken für den Jahrgang 1911 der „Welt" bitten uoir möglichst sofort aufzugeben. Preis einer Einbanddecke inkl. Po to und Verpackung ]YI. 2,50. — Ruch in diesem 3ahre toerden toir jede Woche eine Anzahl oon Exemplaren der „Welt" auf holzfreiem papfer herstellen lassen. Wir empfehlen unseren geehrten £esern, insbesondere aber allen Vereinsbibliotheken, nrchioen usi». den Bezug dieser besseren Ausgabe der „Weif. - Diese Ausgabe kann selbstoerständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert roerden und kostet: für Deutschland und Oesterreich-Ungarn ITL 18.— pro Jahr „ alle übrigen Eänder......„ 24.— ,, Der gebundene Jahrgang 1911 kann ab Februar zum Preise oon JNI. 25.— bezogen toerden. — Wir empfehlen insbesondere zu GcschäftsztDecken die Anschaffung dieses lahrganges. Verlag „Die Welt". Jüdische Buchhandlungsreisende und Kolporteure die gute Referenzen nachweisen und kleine Kaution stellen können, finden guten Nebenverdienst. Offerten unter V. W. 1912 an die Expedition dieses Blattes. KONFITÜREN S-i PACKUNG für Pralinös, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben BERLIN SCHOKOLADEN M— N—V Milch Num Vanille Dto IM NtMfi Edtlsohekoladen Dr«9d«n 1911t Kgl. Steht. Staatspreis