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Die Welt · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 2 DIEl^ELT 51 ratungen teil. Es wurde über die bisherige Tätigkeit des Zentralkomitees Bericht erstattet und Beschlüsse über die Ausgestaltung der Organisation gefaßt. Von Wichtigkeit ist insbesondere der Beschluß, wonach die Arbeiterorganisation mit den verschiedenen palästinensischen Informationsbureaus zwecks Vervollkommnung des Informationsdienstes in Verbindung treten soll. Bezüglich des von den ausländischen Poale-Zion begründeten Palästinaarbeiterfonds wurde beschlossen, daß derselbe für die sozialen Einrichtungen der palästinensischen Arbeiterschaft Verwendung finden soll. Endlich wurde ein Komitee eingesetzt, das sich mit der Organisierung ärztlichen Beistandes für die landwirtschaftlichen Arbeiter befassen soll. Gleichzeitig mit dem Delegiertentag der Arbeiter fand eine a u ß e r o rdentliche Generalversammlung der Kolonisten von Pethach-Tikwah statt, die sich mit verschiedenen kommunalen Angelegenheiten beschäftigte. Der Waad der Kolonie wurde heftig angegriffen, weil er ohne Genehmigung der Generalversammlung größere Beträge aus Gemeindemitteln ausgegeben hatte. Schließlich wurde dem Waad Entlastung erteilt und das Vertrauen der Generalversammlung ausgesprochen. Auch die Angelegenheit der Klagemauer in Jerusalem gelangte zur Sprache, und die Generalversammlung faßte in dieser Sache eine Protestresolution, die dem Waad Ha fr in Jerusalem und dem Chachambaschi U s i e 1 in Jaffa zur Weitergabe an die Behörden übermittelt werden soll. Die diesjährige Orangensaison in Pethach-Tikwah schließt mit einem außerordentlich günstigen finanziellen Ergebnis ab. Die Kolonie hat bisher über fünfzig tausend Kisten Orangen auf den Markt gebracht, und der Reinertrag einer Kiste stellt sich im Durchschnitt auf 11/2 Frcs. Sehr erfreulich ist auch der Umstand, daß diesmal beim Pflücken, Verpacken und Verladen der Früchte eine weit größere Anzahl jüdischer Arbeitskräfte Beschäftigung fand als in früheren Jahren. Der Besuch des Chachambaschi von Jaffa in den jüdischen Kolonien Der neue Chachambaschi von Jaffa, Rabbi Benzion U s i e 1, unternahm dieser Tage eine Rundreise durch die jüdischen Kolonien in Judäa. Er wurde überall mit großer Begeisterung empfangen und seitens der Waadim eingehend über die Lage der einzelnen Kolonien informiert. Aus Rechoboth Die hiesige öffentliche Bibliothek und Lesehalle erhielt von Herrn W. G1 u s k i n in Warschau eine Spende von 100 Frcs., ferner von einem jüngst verstorbenen russischen Palästinafreund ein Legat im gleichen Betrage zur Vergrößerung ihres Bücherbestandes. Für die schulentlassene Jugend sowie für die bildungsbeflissenen Erwachsenen unserer Kolonie sind Abendkurse eingerichtet worden, in denen Vorlesungen aus dem Gebiete der Bibel, der hebräischen Sprache und Literatur, der jüdischen und allgemeinen Geschichte usw. gehalten werden. Organisation für hebräische Sprache und Kultur (Histadruth Ibrith) Am Montag, den 15. Januar, 8'^ Uhr abends präz., findet im großen Saale des „Ti ergartc n-Hof es" (am Bahnhot Tiergarten) eine große öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: „D ie Auferstehung der hebräischen Sprache". Referenten: Herr Rabbiner Dr. Emil Levy, Herr Dr. Schemarja Lewin (hebräisch), Herr Dr. Heinrich Loewe. Gäste werden höflichst eingeladen, Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 30 Pf. erhoben. Das Zentralkomitee. Ein Lektorat für talmudische Wissenschaft an der Leipziger Universität Das sächsische Kultusministerium hat beschlossen, an der Universität Leipzig eine Lektorstelle für späthebräische, jüdisch -aramäische und talmudische Wissenschaften zu errichten. Sie wird vom 1. April ab dem Privatgelehrten Israel I ssar Kahan in München übertragen mit der Maßgabe, daß dessen Unterricht mit dem alttestamentlich-exegetischen Seminar in Verbindung steht und gleich diesem der Oberleitung des Professors Dr. Kittel unterstellt ist. Die Leipziger Universität ist die erste, die endlich die Bedeutung der talmudischen Wissenschaft durch die Schaffuno dieses Lektorats anerkennt. Theodor Herzls „Feuilletons"*) Von Siegfried Schmitz. Aus Tagen wird der Mensch, aus der Dauer die Gestalt. Sie ist losgelöst von den Tagen. Darum ist die Gestalt ein anderes als der Mensch, aus dem sie gebildet ist, gebildet, gezeugt vom Gedanken. So mag wohl die Heldenmythe der Völker entstanden sein oder — ihre Geschichte. Eines fließt ins andere. Das Tagewerk des Menschen verblaßt mehr und mehr, und sein Wesen formt sich aus der großen Tat in der Dauer. So ist die Gestalt der vollkommenste Mensch, das einheitlich kraftvolle . Werk des Volksschaffens. Theodor H e r z I wird jetzt zur Gestalt. Sieben Jahre ist er fort von uns. Viele fragen: „Schon sieben Jahre?" Ich frage manchmal: „Erst sieben Jahre?" Denn die Vielfältigkeiten des Menschendaseins sind mir schon entschwunden und ich sehe eine mächtige Gestalt, gestaltet aus dem einen unfaßbar großen Werk, aufragen in die Höhen der Dauer. Den Träger eines Mythos, eines Mysteriums vom befreiten Jerusalemgedanken. Der ein Volksrätsel löste — sich und dem *) Im Verlage J. Singer & Co., Berlin, erschienen vor kurzem die zwei Bände der H e rz I sehen Feuilletons in zweiter Auflage mit einem Vorworte Raoul Auernheimers. =^v 1 Jt Volke. Ist die Tat Theodor Herzl Menschenwerk? . . . Vor wenig Tagen erschienen Theodor Herzls „Feuilletons" in neuer Auflage. Ich muß mich erst besinnen: Feuilleton . . .? Das ist jenes niedliche Nichts, das so unterhaltsam ist, weil es plaudert und nicht erzählt, weil es geschmeidig ist und nicht herrisch-gerade, weil es nett und klein ist und immer originell, doch nie neu, nie wahrhaft schön und nie, ach nie — groß. Es hat noch keinen fortgerissen in das Fühlen des großen Seins, keinen geläutert, keinen erweckt. Viel Können ist darin, keine Kunst. . . Wer hat es doch erfunden? Richtig — ein Jude war es, Heinrich Heine. Diese Art zu schreiben entsprang dem Erwachen seiner Sinne, die nach Ausdruck strebten. Der Eindruck der Sinne, der sich zu gestalten strebt, — ein Neues in den sinnenlosen Galuthherzen. Eine neue Ahnung vom Ganzsein. Heine fühlte sie; doch das Gestalten war zu schwach, weil selbst die neuerwachten Sinne das Gallith nicht abschütteln konnten, das ewige schrankenlose Verknüpfen der Sinne mit der hastigen Frage nach dem Sinn. Denn die Sinne sind nur mächtig, wenn sie in das Eigene dringen, wenn sie eigene Berge sehen und eigene Lieder hören. Dann, nur dann wird ihr Eindruck, wenn er gestaltet, Kunst. Sonst ist er bloßes leeres Können. Das Problem des Schaffens im Gallith. Sein FEUILLETON

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