Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 41 (13.10.1911)
- Date
- 1911-10-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 DIE3^ELT -: AUS PALÄSTINA 1083 Vom Bezalel Die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem hat Ende September ihr Geschäftsjahr beschlossen. Dieselfcc hat sich im verflossenen Jahre in ganz außerordentlicher Weise entwickelt. Die Zahl der an der Schule beschäftigten Arbeiter resp. Arbeiterinnen ist von 270 auf über 400 gestiegen. Die von der Anstalt engagierten neuen Lehrkräfte, die Herren Richard und Erich Goldberg, sowie der neue Leiter des Teppich-Ateliers, haben sich auf das beste bewährt Eine Anzahl neuer Ateliers wurde errichtet und die Erzeugnisse der bereits bestehenden Werkstätten wurden in Qualität und Geschmack bedeutend verbessert. Eine Kollektion der neuen Modelle wurde auf der im Anschluß an den zehnten Zionistenkongreß in Basel veranstalteten Ausstellung vorgeführt und fand allgemeinen Beifall. Die außerordentliche Entwicklung der Schule ist um so höher einzuschätzen, als dieselbe seinerzeit ohne irgendwelches Betriebskapital begründet wurde und der Mangel desselben die Entwicklung hätte aufhalten können. Die Schule tritt in das neue Geschäftsjahr mit zahlreichen neuen Bestellungen ein, und es ist daher mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der Arbeiterbestand demnächst eine weitere Vermehrung erfahren wird. Neues aus Pethach-Tikwah In einer Trauerversammlung, die zur Ehrung des kürzlich verstorbenen Vizedirektors der Anglo-Palestüi -e Company E. Saphir in Pethach-Tikwah veranstaltet wurd«, beschlossen die versammelten Bewohner der Kolonie im E irnerständnis mit dem Wa ad (Gemeindevorstand), eine öffentliche Bibliothek in Pethach-Tikwah auf d<n Namen des Verstorbenen zu errichten und im Bibliotheksaal das Bildnis Saphirs zur ewigen Erinnerung anzubringen. Zum Kolonie arzt in Pethach-Tikwah wurde in der vor kurzem abgehaltenen außerordentlichen GeiKffalversammlung Herr Dr. S. Kahan, der dieses Amt schon seit zwei Jahren versieht, einstimmig wiedergewählt. Henr Dr. Kahan hat sich durch seine außerordentliche Tüchtigkeit und. Gewissenhaftigkeit das ungeteilte Vertrauen sämtlicher Bewohner der Kolonie erworben. D'W jüdische Bevölkerung von Akfco Unsere aufstrebende Hafenstadt zählt etwa l&O jüdische Seelen. Die meisten Juden Akkäs sind Handwerker; namentlich die Schneider und Schuhmacher des Stadtchens sind fast ausschließlich Juden. Es gibt hier auch einige jüdisdie Kaufleute und einen jüdischen Mühlenbesitzer. Leider haben es die Juden Akkäs bisher zu keinem geordneten Gemeinwesen gebracht. Baron Edmund Rothschild in Paris stellt für «die jüdischen Armen der Stadt eine jährliche Beihilfe von 100 Pres., ferner 360 Frcs. jährlich zur Anstellung eines Schächters und Kultusbcamten zur Verfügung. Der empfindlichste Mangel, der sich innerhalb der jüdischen Kolonie bemerkbar macht, ist das Fehlen einer jüdischen Schule. Eine ganze AnzaM jüdischer Familien hat einzig und allein aus diesem Grunde Akkä verlassen und sich in Haifa oder Beirut niedergelassen. Größtenteils besuchen die jüdischen Schulkinder ik drei hier bestehenden christlichen Volksschulen. AitSerdem gibt es noch eine Regierungsschule, an der ein Jude, Herr B e h a r, als Lehrer der französischen Sprache wirkt. Auch der städtische Apotheker ist ein Jude aus Aleppo. Das Lokalkomitee -für „Einheit und Fortschritt" zählt gleichfalls einen JucSen, Herrn Samuel M ah ras, zu seinen Mitgliedern. Infolge eines „Takrir", den der Kommandant der Garnison äni Haurän, Sami Pascha Alfaruki, dem Ministerium für Öffentliche Arbeiten in Konstantinopel überreicht hat, geht die Regierung mit dem Plan um, Akkä zum Hedschas-Hafen zu machen. In diesem Falle würde die in Haifa befindliche Hauptstation der Hedschashahn nach Akkä verlegt werden, was einen großen wirtschaftlichen Aufschwung unseres Städtchens zur Folge haben müßte. Dies würde sicherlich auch zu einer bedeutenden Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Akkäs fuhren. Bekanntlich geht schon jetzt der gesamte Getreideer|>ort Galiläas und der Ebene Jesreel nach Europa durch die Bucht von Akkä. Die Tätigkeit fachkundiger jüdischer Kaufleute Iwnnte nun diesen Handelszweig einer ungeahnten Entwicklung entgegenführen und Akka zu einem Hauptorte des syrischen Getreideausfuhrhandels machen. Achad-Haam in Palästina Der bekannte hebräische Schriftsteller Achad-Haam <Ascher Ginzberg) weilt seit kurzem in Jaffa. Er wird die jüdischen Kolonien in Judäa und Galliläa besuchen und voraussichtlich auch einige Zeit in Jerusalem Aufentsalt nehmen. Vom hebräischen Lehrerverband In der jüngsten Generalversammlung des Hebräischen Lehrerverbandes im Palästina wurde Dr. Joseph L o u r i e zum Vorsitzenden des Zentralkomitees gewählt. Neue englische Ausgrabungen in Jerusalem Eine neue britische Expedition verließ dieser Tage London, um in Jerusalem die in den letzten beiden Jahren begonnenen Ausgrabungen auf der Stätte des alten Zion fortzusetzen. Der Hauptzweck der Ausgrabungen ist die Auffindung der Begräbnisstätten Davids und Salomos. Die Expedition steht unter Leitung des Kapitäns Parker, des Bruders des Grafen M o r 1 e y. In seiner Begleitung befinden sich Mr. Clarence Wilson und drei oder vier englische Schachtarbeiter, Die Forscher reisen nach Monte Carlo, wo sie sich auf Mr. Wilsons Jacht nach Jaffa einschiffen. Bei ihrer Ankunft in Jerusalem werden die Arbeiten sofort an dem unterirdischen Gang am Berge Ophel aufgenommen. Diese Gegend ist jetzt in einen Gemüsegarten umgewandelt, und hier soll das alte Zion gestanden haben. Die Arbeiten werden von dem Hauptquartier der Expedition in Kafr Silwän (Siloah) geleitet und stehen unter der Oberaufsicht von türkischen Regierungsinspektoren, die von der türkischen Regierung in Konstantinopel hierzu ernannt wurden. Eine ungarische Gesellschaftsreise nach Palästina Eine Gruppe ungarischer Großkaufleute und Industrieller — meist Juden — plant die Veranstaltung einer größeren Gesellschaftsreise nach Aegypten und Palästina. Die Reise soll womöglich schon am Ende dieses Jahres angetreten werden. Der Zweck derselben ist die Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen in der Levante, In den größeren Städten Aegyptens und Palästinas sollen Ausstellungen ungarischer Industrieprodukte stattfinden. Auch wird sich die Gesellschaft für den Import palästinensischer Bodenerzeugnisse nach Ungarn interessieren. Man hofft bei der Durchführung dieses Unternehmens auf die tatkräftige Förderung des ungarischen Handelsministeriums. Eine deutsche Zeitung in Jerusalem Vom 1. Januar 1912 ab erscheint, der „Neckar-Ztg." zufolge, in Jerusalem eine deutsche Zeitung, die „Jerusalemer Warte". Die Herausgeberin ist die Deutsche Tempelgesellschaft, der die sechs deutschen Kolonien in Jaffa, Jerusalem, Haifa, Sarona, Wilhelrna und Bethlehem (Galiläa) angehören. Die Zeitung ist der Ersatz für die „Warte des Tempels", die heute noch in Stuttgart herauskommt, mit dem neuen Jahr aber ihr Erscheineneinstellt. Die ,,Jerusalemer Warte" bedeutet eine neue wesentliche Steigerung des deutschen Einflusses an der syrischen Küste. Sie wird zunächst einmal wöchentlich herausgegeben und soll in erster Linie den Zusammenhalt unter den zumeist schwäbischen Kolonisten stärken. Das Blatt fügt hinzu: Neben dem in Konstantinopel erscheinenden „Osmanischen Lloyd" ist die „jerusalemer Warte'4 die zweite deutsche Zeitung in der Türkei und die einzige in europäischer Sprache in Palästina. Da der „Osmanische Lloyd" einen mehr offiziösen Charakter trägt, wird die „Jerusalemer Warte" wohl in der Türkei weite Verbreitung finden. Zu dieser Notiz wird uns von Herrn Trietsch geschrieben : ,,Nach obigem dürfte die Absicht vorliegen, der „Jerusalem Warte" einen weit über den verhältnismäßig beschränkten Rahmen der „Warte des Tempels'' hinausgehenden Inhalt zu geben. Das Erscheinen eines solchen Blattes kann nur begrüßt werden. Auch vom Standpunkt der Zionisten aus. Denn ein Erstarken des Deutschtums in Palästina schützt das Land vor den Begehrlichkeiten der anderen Mächte, während die deutschen Interessen rein wirtschaftlicher und kultureller Art sind und zur Stärkung der Türkei bei-