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Die Welt · 1911-04-12 · 15-16 (12.4.1911) · page 27

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
15-16 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
– (sequence 27)
Language
German
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No. 15 D!E3§£elt 359 In Münchhausens späteren Dichtungen, in seinen „Balladen und ritterlichen Liedern" ist ein Bibelstoff nicht mehr verarbeitet, doch wirkt der Einfluß der Bibel noch fort, wenn er z. B. im „Lied der Zurückgebliebenen" das Hiobsche Motiv: „Der Herr hat's gegeben . . als Refrain verwendet. Aber ein anderer, auch ein alter jüdischer Stoff, die Geschichte eines wohl erdichteten Kabbalisten, des Rabbi Manasse Kohen ist in diesem neuern Werk dichterisch gestaltet. Hier ist Münchhausen, so scheint es mir, weniger Führer, als Nachfolger. Diese alten jüdischen, nachbiblischen Stoffe haben in der modernen deutschen Dichtung eine lange Tradition, die mindestens auf Heines „Rabbi von Bacharach" in der Erzählung, auf Gutzkows „Uriel Acosta" in der Dramatisierung zurückgehen. Diese Entwicklung von da an zu verfolgen, würde zu weit führen. Ich möchte nur hier erwähnen, daß in diesen Stoffen die jüdischen Autoren die künstlerisch höherstehenden Werke geschaffen haben, besonders in Einzelgedichten, wie Feiwel in der schlichten Gestaltung des Beruriastoffes, Werner in einigen Gedichten, Donath mit dem schön nachempfundenen „Rabbi Amnon" und vor allem Heller mit den künstlerischen Nachdichtungen der mittelalterlichen jüdischen Dichter in den „echten hebräischen Melodien" — besonders aber die Geschichten aus dem alten jüdischen Ghetto sind hier eine unerschöpfliche Fundgrube für Stoffe und neben den Erzählungen der bekannten Ghettoschilderer von Bernstein und Mosenthal an bis Kompert und Franzos von L. A. Frankls im Prager Ghetto spielenden „Primator" bis zu seiner „Libanon"-Sammlung und den Sippurim- Satnmlungen der jüdischen Universalbibliothek kehren einzelne Figuren wie der Prager Rabbi Low, den u. a. Hugo Salus zum Helden eines humorvollen Gedichtes macht, dessen Ton er restlos trifft, immer wieder. Jüngst hat Bub er die Geschichten vom Baal-Schern, dem großen deutschen Lesepublikum erschlossen. An den vorhin genannten Salus'schen „Rabbi Low" erinnert nun Münchhausens „Manasse Kohender auch in Prag zu Hause ist und der, eine faustische Natur, im Suchen nach der Wahrheit und nach sich selbst auf den Weg der Leidenschaft gerät. Doch sie hält ihn nicht fest, sondern läutert ihn und als berühmter Mann sitzt er im Alter in derselben hohen Schule zu Prag und belehrt das Volk, das die sündhafte Hexe vor ihn bringt. Und wie bei Salus der Rabbi Low, so sagt auch er mit der gleichen Wirkung zu dem beschämten Volk: „Wer von Euch hat niemals nach Liebe begehrt, Wen hat nicht die Liebe erst leben gelehrt? \a Neben dem ergreifenden „Hesped" auf die Toten von Kischenew steht in diesem neuen Buche des Freiherrn Börries von Münchhausen ein kurzes Schlußgedicht, das die drei Arten der dichterischen Bibelbearbeitung, die ich so bei Münchhausen wie bei den andern modernen deutschen Bibeldichtem aufwies, in sich vereinigt: in der Form und im Ton klingt es an die heilige Dichtung der großen jüdischen Vergangenheit an, den Inhalt nimmt es aus der jüdischen Gegenwart und alten jüdischen Hoffnungen wünscht es in einer schönern Zukunft Erfüllung. Das Gedicht des christlichen Bibeldichters am Schlüsse seiner „ritterlichen Lieder" aber lautet: Theodor Herzl. „Wasser des Lebens aus steinernem Herzen schlug deine Hand, Du führtest dein Volk aus der Fremde ins Vaterland Und sahst doch nur von den Bergen die weite Flur, Die der ewige Gott der Väter dem Samen des Abraham schwur, Du Mose der Zeit, da das Heimweh in Israel stieg, DuMoseunsererTage,Gott gebe deiner Sache denSieg!" o o o o o o o c i o o o o o o o J AUS DER BEWEGUNG Sitzung des Großen Actions- Comites Die Sitzung des Großen Actions-Comites wird, wie wir bereits in Nr. 14 der „Welt" mitteilten, am 27. April und den f olgendenTagen in den Räumen des Zionistischen Zentralbureaus zu Köln, Karolingerring 31, abgehalten werden. Tagesordnung: 1. Organisationsstatut. 6. 2. Lage in der Türkei. 7. 3. Lage in Rußland. 8. 4. Finanzlage. 9. 5. Palästinasammlungen. 10. 11. Eventualia Zehnter Kongreß. Ausstellung. Ehrengericht. Institutionen. Verschiedenes. Sitzungstafel Direktorium des Jüdischen Nationalfonds: 26. April, vorm. 10 Uhr. Engeres Actions-Comite: 26. April, nachm. 4 Uhr. Qroßes Actions-Comite: 27. April, vorm. 10 Uhr. _£ o o o o o o o 1 o o o o o o o Direktorium des Jewish Colonial Trust: 28. April, vorm. 10 Uhr. Qeneralversammlung des Jüdischen Nationalfonds: 28. April, vorm. 10 Uhr. Aufsichtsrat des Jewish Colonial Trust: 28. April, nachm. 4 Uhr. Aus dem Berichte des E. A. C. Dem Berichte, den das E. A. C. dem Actions- Comite aus Anlaß der bevorstehenden Sitzung erstattet hat, entnehmen wir folgendes: Organisationsstatut Der nach den Beschlüssen der Organisationskommission vom 8. Januar 1911 abgeänderte Entwurf des Statuts nebst Motivenbericht befindet sich in Ihren Händen und wird Gegenstand der Beratungen auf der bevorstehenden Sitzung sein. Wir haben uns mit dem Entwurf in unserer letzten Sitzung beschäftigt und werden unsere Stellungnahme in unserer nächsten vor der A. C.-Sitzung stattfindenden Sitzung präzisieren. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß diese An-

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