Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 3 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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58 DIES^ELT No. 3 zusammengesetzt, errang sich lebhaften Applaus. Der Reinertrag der Feier fällt der Siedlungsgenossenschaft zu. Jaslo. Am 22. Januar 1911 findet hier im Lokale „Jeszurun um 9 Uhr früh eine Konferenz des Kreiskomitees Jaslo-Rzeszöw Ryrnanöw mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung; 2. Berichterstattung des Kreiskoniitees; 3. Organisation; 4. Agitation und Presse; 5. Die kulturelle Arbeit in der Provinz; 6. Unsere Stellung zum nächsten Kongresse; 7. Anträge und Eventualia. Jede Gruppe, je 25 Mitglieder, wählt einen Delegierten. Am gleichen Tage veranstaltet der Verein „Jeszurun'1 eine Makkabäerfeier. Gg. Dr. Leon Reich aus Lemberg wird die Festrede halten. Kimpolung. Der jüdisch-nationale Verein „Theodor Herzi" hielt am 20. Dezember 1910 seine Generalversammlung ab. Dem abtretenden Ausschuß wurde das Absolutorium erteilt. Dem Präsidenten des Landeskomitees, Professor Dr. Leo Kellner, wurde das Vertrauen votiert und ihm der Dank für seine Tätigkeit ausgesprochen. In den neuen Ausschuß wurden gewählt die Herren: Dr. Josef Glücksmann, Präses; Dr. Simon Holdengräber, Vizepräses; Hermann Ja wetz, Kassierer; Berl Siegel, Bibliothekar und Zeitungsverweser; Aron Gärtner, Schriftführer für hebräische Sprache; Elias Schwarz, Schriftführer für deutsche Sprache; Leib Schächter, Ökonom; ferner ohne Funktion: Isak Kahan, Julius Kreindler, David Schäfer, Feivel Gliickstern und Max Lauer; in den Ersatz: Wolf Tanner, Sigmund Rosentower, Fritz Picker, Josef Schächter, Karl Weber und Salomon Klein; zu Revisoren per Akklamation: Alfons Storfer und stud. jur. David Stapler. Kimpolung. Samstag den 31. Dezember 1910 fand wie gewöhnlich in der Synagoge die Makkabäerfeier des Vereins „Theodor Herzl" statt, die bei großer Beteiligung sowohl des heimischen Publikums als auch auswärtiger Gäste einen glänzenden Verlauf nahm. Die Festrede hielt Herr Dr. Simon Holdengräber (A. H. der „Tikwah", Suczawa). Des Nationalfonds gedachte man durch eine ansehnliche Sammlung. Kotzman. Am 24. Dezember 1910 fand im hiesigen Verein „Dorschej Zion" zu Ehren des scheidenden Vereinsobmannes, Herrn Dr. Simon Händler, eine Abschiedsfeier, zu welcher fast die gesamte Judenschaft erschienen war, statt. Von den Rednern wurde auf die großen Verdienste des Scheidenden um den Zionismus, den Verein und um die hiesige Judenschaft überhaupt hingewiesen. Olmütz. Am 31. Dezember v. J. fand die Generalversammlung des Vereins „Zion" statt, die eine zahlreichere Beteiligung aufzuweisen hatte, als in den Vorjahren. Bei der vorgenommenenen Ausschuß wähl wurden gewählt : zum Obmann Herr Tierarzt Eduard Schwarzbart, zum 1. Obmann-Stellv. Herr Josef Grünberger, zum 2. Obmann-Stellv. Herr Dr. Bernhard Markus, zum 1. Schriftführer Herr Ing. Max Moizesko, zum 2. Schriftführer Herr Ing. Reinisch, zum Kassierer Herr Oskar Huber, zum Bibliothekar Herr cand. jur. Fritz Broch. Wien. Sanistag den 24. Dezember 1910 fand wie alljährlich eine Makkabäerfeier der Wiener zionistischen Mittelschüler statt. Sie wurde diesmal im größern Stil veranstaltet. Die großen Säle des Cafe Prückel waren von mehr als 500 Personen gefüllt. Aus dem Programm sei die Festrede hervorgehoben, die ein Mittelschüler mit viel Geschick hielt. Dann folgte die Vorlesung eigener Dichtungen von Heinrich York-Steiner. Hierauf gaben die Herren Winternitz, Fritz Gerst und Wasservogel einige Musikstücke zum besten, die das ganze Publikum entzückten. Herr Dr. Walter Friedemann, Oberregisseur des Deutschen Voikstheaters, las einige nationale Gedichte, die von wohlverdientem Beifall gefolgt waren. Nach der Tendenzrede, die ebenfalls ein Mittelschüler hielt, nahm Reichsratsabgeordneter Dozent Dr. Mahler das Wort zu einer Ansprache, die nicht zum geringsten Teil den agitatorischen Wert des Festes erhöhte und durch ihr begeisterndes Feuer alle hinriß. Darnach trug Herr Benno Wünsch, Mitglied der Jarnobühnen, Bedagedichte vor. In der Pause wurden einige zionistische Bücher verlost; auch fanden Nationalfondstnarken und Ansichtskarten reißenden Absatz. Nach der Pause trug Herr Benno Wünsch einige Chansons vor, die wahre Beifallsstürme erregten. An sie schlössen sich Gesangsvoträge von Herrn Hugo Stern und Violinvorträge von Herrn Fritz Haus ner an, die ungeteiltes Entzücken hervorriefen. Auch Herr Karl Farkas, der ein eigenes Gedicht „Die Premiere" rezitierte, fand stürmischen Beifall. Der Mittelschülerchor trug nationale Lieder vor und erwies sich als sehr gut geschult. Nachdem noch Herr Wilhelm Ullmann, IL Turn wart des I. Wr. Jüdischen Turnvereins, in einer inhaltlich wie formell vollendeten Rede mit Erfolg versucht hatte, den Herzen der Anwesenden die Turnsache näher zu bringen, fand das Fest durch die Ermahnung eines Mittelschülers seinen Abschluß, die empfangenen Anregungen zum Ausgangspunkte einer ernsten zionistischen Betätigung zu machen. Neben dem moralischen Erfolg brachte das Fest einen bedeutenden Reingewinn. Von diesem sind 50 K für die Siedlungsgenossenschaft, 50 K für das . Hygienische Institut zur Ehrung Dr. Nordaus, 50 K für eine schriftliche Agitation unter den Wienern jüdischen Mittelschülern bestimmt. Der namhafte Restbetrag wird zur Anlage einer zionistischen Mittelschülerbibliothek verwendet werden. Ungarn Szatmär=Nemeti. Der hiesige zionistische Verein veranstaltete am Vorabende des VI. Chanukahtages die Makkabäerfeier. Im Festsaale des Handelsklubs eröffnete der Ehrenpräsident des Vereins, Herr Bankdirektor Wilhelm Klein, den Abend. Cand. med. Viktor Jordan zeigte in einem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag das gegenwärtige wirtschaftliche, kommerzielle und kulturelle Bild des jüdischen Palästina. Die verblüffende Entwicklung des Landes und Volkes, als Resultat der unermüdlichen 13jährigen zionistischen Arbeit, mit vergleichenden statistischen Daten aus den Jahren 1897 und 1909 beleuchtet, übte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden aus und gewann unserer Bewegung neue Anhänger. Die Festrede hielt Advokat Dr. Nison Kahan (Budapest), Mitglied des U. L. C. Der glänzende Vertrag riß das Publikum zu heller Begeisterung hin. Nach Beendigung der Feier lud die akademische Jugend die Anwesenden auf einen gelungenen Festkommers. Oberrabbiner Dr. S. Jordan, Jakob Reiter usw., hielten begeisterte Ansprachen an die zionistische Jugend. Für die Siedlungsgenossenschaft wurde eine beträchtliche Summe abgeführt. Brief aus Frankfurt a. M. (Von unserm Korrespondenten) Für den Soziologen, der das Leben der westeuropäischen Judenheit der Gegenwart studieren will, gibt es keine geeignetere und interessantere Stadt hierfür als Frankfurt a. M. Die Größe und historische Berühmtheit der Frankfurter Gemeinde und die materielle und geistige Bedeutung ihrer Mitglieder auf der einen Seite, die hier wie nirgends so zahlreich, mächtig und bewußt auftretende Trennungsortodoxie auf der andern Seite, rufen im hiesigen jüdischen Leben all jene eigentümlichen und ungesunden Erscheinungen hervor, die eben die spezifische Eigenart des heutigen westeuropäischen Judentums ausmachen. Da nun alles heutige soziale Leben und Schaffen mit Hilfe von Organisationen vor sich geht, so bilden naturgemäß die jüdischen Vereine das beste Objekt für die Wahrnehmung und das Studium dieser Erscheinungen. Was nun die schon seit längerer Zeit bestehenden politischen und literarischen jüdischen Vereine anbetrifft, die hauptsächlich den schon gereiften Gemeindemitgliedern als Betätigungsfeld dienen, so sind sie wohl höchst interessant, verlieren jedoch an Bedeutung denjenigen Vereinen gegenüber, die unsere neue Generation in ihrem jüdischen Leben heranziehen, die also für die zukünftige Entwicklung des westeuropäischen Judentums vor allem wichtig sind; denn diese neue Generation können wir viel eher und nachhaltiger beeinflussen denn die gegenwärtige, von Jugend auf in ihren Anschauungen bereits lebende. Alles Frankfurter jüdische Leben wird durch den Gegensatz der zwei orthodoxen Gemeinden beherrscht. (Die liberalen Juden in ihrem Indifferentismus nehmen am aktiven jüdischen Leben nur geringen Anteil.) So haben wir auch zwei große Judenvereine: einen, der alle Kreise und Richtungen umfaßt, den „Montefiorev er ein", vom Rabbiner Dr. M. Horowitz s. A. gegründet und mit seinen 1200 Mitgliedern der weitaus größere, und den „N ach laß - Zwiverein", der — wie der Name schon besagt — sich aus Mitgliedern der „Religionsgesellschaft" rekrutiert: dieser letztere ist eigentlich nur ein Zweig des „Mekor-Chaimvereins". Was nun die Leistungen und geistige Beeinflussung ihrer jugendlichen Mitglieder seitens beiden Vereinen betrifft, so ist sie bei beiden gleich minimal, beim „Nachlaß-Zwi" infolge seines exklusiven Charakters wegen allerdings etwas stärker. Der Montefioreverein hat den Zweck, die „ideellen Interessen" jüdischer junger Leute zu pflegen, in Wirklichkeit wird fast ausschließlich den geselligen und sozialen Interessen Sorge zugewandt. Der Verein veranstaltet Kurse für Französisch und Englisch, für Stenographie, versammelt seine Mitglieder jeden Freitagabend bei Tee und Kuchen, bietet ihnen eine Bibliothek, Spielsäle und ein billiges Restaurant, ihre ideellen Interessen bleiben aber ziemlich unberücksichtigt. Daß dies so ist, liegt nicht etwa in einer nachlässigen Verwaltung, — der Vorstand arbeitet sehr eifrig — sondern