Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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18 •'iE^KELl No. 1 JUeDISCHfiR MATIQflAL-FOMDS Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes eu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Höhe von über 2 Millionen Mark erreicht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Agitation in den Kultusgemeinden Die österreichische Sammelstelle hat wie in den frühem Jahren das nachfolgende Zirkular an sämtliche Kultus- und politische Judengemeinden Österreichs versendet. Die Versendung pflegte sonst zu Pessach zu erfolgen; da die meisten Gemeinden aber ihr Budget Ende des Jahres aufstellen, war es richtiger, das Zirkular schon im Dezember abgehen zu lassen. Wir empfehlen diese Maßnahme unserer österreichischen Gesinnungsgenossen der Aufmerksamkeit aller unserer Sammelstellen, die auf diesem Wege wohl dieselben Resultate wie in Österreich erzielen könnten. Das Rundschreiben hat folgenden Wortlaut: Wien, im Dezember 1910 Löblicher Vorstand! Sehr geehrte Herren! Die ergebenst gefertigte Sammelstelle erachtet es als willkommene Pflicht, Ihnen über die großzügige Tätigkeit und blühende Entwicklung des Jüdischen Nationalfonds Beri cht zu erstatten. Diese Institution ist bekanntlich dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und ihn mit unsern Brüdern, welche heute •die Welt in unversieglichem Strom, von Ort zu Ort bettelnd durchziehen, zu besiedeln. So allein wird statt momentaner dauernde Hilfe geboten und zugleich der jüdische Name zu Ehren gebracht. Der Fonds ist, Ende 1901 gegründet, bereits auf 3 000 000 Kronen angewachsen, wovon vorerst ein Teil zu Landkauf und anderweitiger Förderung produktiver Arbeit in Palästina Verwendung gefunden hat. Einen nähern Einblick in dies segensreiche Wirken des J. N. F. und zugleich in unsere Sammeltätigkeit, welche sich mit reichstem Erfolg an die breite Masse unseres Volkes hält, möge Ihnen das beiliegende Büchsenflugblatt gewähren. Das Ergebnis der Sammlungen speziell aus Österreich ist im unaufhaltsamen Aufstieg begriffen; es betrug im Jahre 1908 60 000 Kr., 1909 schon 80 00O Kr. und wird 1910 voraussichtlich 125 000 Kr. betragen. Doch soll das große Werk gelingen, Palästina wieder zum stolzen Kulturzentrum des Judentums zu erheben, dann muß der Nationalfonds ins Vielfache wachsen durch die hochherzigen Opfergaben unserer Brüder. Und wessen Beispiel wird da eher zünden als jenes der jüdischen Gemeinden, dieser gesetzlichen Repräsentanten des Judentums? Brauchen wir da erst auf die politischen Gemeinden Österreichs zu verweisen, welche ausnahmslos den nationalen Zwecken ihrer Majoritäten (Deutscher Schulverein, Matice skolska, Towarzystwo Szkoly Ludowej usw.) die größtmöglichsten Zuwendungen machen? Sind doch im letzten Jahre schon wackere 35 Judengemeinden Österreichs unserm Rufe gefolgt, und draußen im Deutschen Reich hat die Judengemeinde Dessau sogar 6ooo Mark zur Pflanzung eines Olivenwaldes von 100O Bäumen auf N. F.-Land in ihren Etat eingesetzt. Darum, sehr geehrte Herren, eifern Sie jenen Vorbildern nach, und verschließen sie sich nicht unserer dringenden Bitte, Ihre werte Gemeinde möge den jüdischen Nationalfonds, dies eminent große Werk, durch eine angemessene Subvention auszeichnen. Indem wir vertrauensvoll an Ihr jüdisches Herz appellieren und einer günstigen Erledigung unseres Gesuches entgehensehen, zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung für die Landessammelstelle des J. N. F. Wien IX, Türkenstraße 9 Postsparkassenkonto 100 208. gez. cand. ing. Samuel Nußbaum gez. Hof- und Gerichtsadvokat dzt. I. Schriftführer. Dr. Egon M. Zweig dzt. Obmann. Propagierung der Telegramrnablösungen Zu der vor einigen Wochen publizierten Anregung zur Verbreitung und Popularisierung der Telegrammformulare geht uns heute eine ergänzende Mitteilung von unserm bewährten Mitarbeiter Herrn Mendel Grimberg in Bukarest zu, die wir unsern Lesern ebenfalls dringend zur Beachtung empfehlen. Herr G. schreibt uns: Bukarest, 20. Dezember 1910. An das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds Köln a. Rh. Gestatten Sie mir gütigst, zu der von Herrn Dr. B. Tomaschoff in Nr. 50 der „Welt" veröffentlichten Anregung zur Telegrammablösung einige Worte zu bemerken. Zur Hochzeit meiner Tochter im August 1909 habe ich die Einladungskarten mit einem Vermerk abgefaßt, der die Eingeladenen aufforderte, ihre Gratulationen nicht telegraphisch, sondern brieflich einzusenden und die Differenz dem Jüdischen Nationalfonds zur Pflanzung von Ölbäumen zuzuwenden. Das Resultat war, daß 85 der 260 Eingeladenen meine Anregung sehr wann begrü!3ten und verschiedene Beträge in Höhe von Frcs. 0.50 bis 5.— in Postmarken ihren Gratulationsbriefen beilegten. Es ergab sich im ganzen eine Summe von Frcs. 80.95, wofür ich 11 Ölbäume auf den Namen des Ehepaars pflanzen ließ. Meines Erachtens eignet sich für Gelegenheiten, wie Hochzeit usw. die Ölbaumpflanzung am besten, um die gute Stimmung der Gratulanten noch mehr zu erhöhen, indem diese das Bewußtsein haben, durch ihre Spende nicht nur ein gutes Werk zu tun, sondern gleichzeitig dem Ehepaar besondere Freude und eine bleibende Erinnerung zu bereiten. Wenn sich alle N. F.-Sammelstellen die nötige Mühe geben wollten, diesen Brauch in Israel einzuführen und einzubürgern, so könnte durch dieses eine Sammelmittel allein dem N. F. sehr leicht eine Million Mark jährlich zufließen. Mit Zionsguß Mendel Grünberg