Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316452--54028-3347824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Deutschland Berlin, Die Organisation für hebräische Sprache und Kultur, Ortsgruppe A, veranstaltet Montag den 28. November, im 9 (Jhr abends, im Kestaurant Gipsstraße 12a, eine Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn S. Hurwitz über: l.Das Wesen des Judentums des Achad ha-Am; 2. Diskussion. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Gäste, Damen und Herren herzlich willkommen. Bonn. Unsere Gesinnungsgenossen veranstalteten am 21. d. M. im Hotel „Zum Krug" eine Agitationsversammlung, welche die Neugründung, einer Bonner Ortsgruppe des Distrikts Verbandes Rheinland zum Ziele hatte. Nach einer Begrüßungsansprache des Herrn Dr. med. Edelstein erstattete Herr Karl Levy aus Köln über das Thema: „Die Grundlagen und Aussichten des Zionismus" ein einstündiges, beifällig aufgenommenes Referat, an das sieh eine lebhafte Diskussion anschloß. Der Abend bedeutet einen Erfolg für die Bestrebungen unserer Bonner Gesinnungsgenossen, da eine Anzahl von Gästen ihren Beitritt zur neuen Ortsgruppe angemeldet hat. Duisburg. Am 14. d.M. sprach anläßlich der hier stattfindenden Ausstellung des Bezalel und des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina in der zionistischen Vereinigung der Maler Adolf Uzarski aus Düsseldorf über die Kunst des Orients, Der Vortragende verstand es trefflich, den Zuhörern die Geheimnisse der orientalischen Kunst zu enthüllen und zu zeigen, wie sie die Grundlage aller abendländischen Kunst geworden ist. Frau Bertha Epstein, Duisburg, schilderte im besondern die Entstehung und Bedeutung des Bezalel und des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und gewann in warmherziger Darstellung die Zuhörer für ihre Sache. Beide Vorträge wurden durch mne große Zahl schöner Lichtbilder erläutert. Die Ausstellung* ist besonders geschmackvoll hergerichtet. Prankfurt a.M. Der Jungjüdische Abend der Zionistischen 'Jugendgruppe brachte wiederum einen vollen Saal. In der Begrüßung stellte der Vorsitzende L. Perlmutter das gesteigerte Interesse fest, das die jugendgruppe finde, skizzierte das reiche Feld der Arbeit und forderte zur Mitarbeit auf. Für die Einführung in die jungjüdische Literatur hatte Herr Dr. Gottlieb mit feinem Verständnis eine Reihe von ausgewählten Gedichten zusammengestellt, die in Fräulein E. Cassel und den Herren S. Rosenheim er und B. Leppe ihre glänzenden Interpreten fanden. Es gelangten zunächst Dichtungen von Früg undRos enf eld zur Wiedergabe, denen sich ein Jargonlied anschloß, Herr Dr. Gottlieb sprach den verbindenden Text. Der zweite Teil brachte nach einem Referate über „Jüdische Mystik" die Vorlesimg der abgeklärten Erzählung „Der Meister des Gebets" aus Rabbi Nachman von Brazlaw von Martin Bub er, die Wiedergabe jungjüdischer Gedichte voller Lebenslust und Frische, beschloß den Abend. Am 22. er. fand im Kursaale Milani ein Referatabend über „Die soziale Lage der Juden in der Gegenwart" statt, in dem u. a. Herr Dr. W. Hanauer über das Thema „Zur Statistik der Juden" sprach. Halle a. d. S. In der hiesigen Ortsgruppe sprach am vergangenen Sonntag Herr Kurt Blumenfeld über „Zeit- und Streitfragen im modernen Judentum". Die rhetorisch und inhaltlich gleich vorzüglichen Ausführungen des Redners übten auf die Versammlung einen außerordentlich starken Eindruck aus. Eine relativ große Zahl früherer Gegner des zionistischen Gedankens oder indifferent abseits Stehender wurden unserer Bewegimg gewonnen. Es hat sich wieder einmal die Erfahrung bestätigt, daß eine zielbewußte Aufklärungstätigkeit — und darin hat der Redner Hervorragendes geleistet — wohl imstande ist, auch auf sogenanntem „steinigem Boden44 gegen Voreingenommenheit und Trägheit mit gutem Erfolge anzukämpfen. Österreich Wien. Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt. Die Neuwahlen für das Wintersemester 1910/11 ergaben folgendes Resultat: Präsident Ernst Deutsch, Vizepräsident Bela Diamant, Kassierer Emil Friedmann, I.Schriftführer Israel Kohn, II. Schriftführer Hersch Andermann; N.P.K. Albert Wein er. „Esperanza", akademischer Verein der spanischen Juden in Wien. Chargenwahlen: eand. iur. Sumbul Atias. Präses; cand. med. Nissim T e sta, Vizepräses; jur.Vita D. Kaj on und cand. med. Sal. Abrahamoff Schriftführer; med. Sal. Davidovits, Kassierer und med. Isak S amoko vlija, Bibliothekar. Ungarn Preßburg. Hier hat sich eine Tischgesellschaft „Theodor Herzl" gebildet. Den Vorsitz führt Herr Dr. Langfelder, ein angesehener hiesiger Rechtsanwalt. Bulgarien Sofia. An der Religionsschule des Hilfsvereins ist von Herrn Dr. Rosen was sei* ein Kursus für Neuhebräisch eingerichtet worden, der guten Zuspruch hat. England London. Am 3. November hat in London eine Sitzung des Exekutiv-Komitees der English Zionist Federation stattgefunden, in welcher die gegenwärtige Lage der Organisation in England ausführlich besprochen wurde. Es wurde beschlossen, daß die gegenwärtigen Mitglieder des Exekutiv-Komitees bis zu der im Januar stattfindenden Jahreskonferenz im Amte bleiben sollen. Die angeschlossenen Vereine werden aufgefordert, ihr Schekelkonto für das Jahr 5670 ohne weitere Verzögerung zu schließen. — Am 20. November hat in der Zion Hall, Fulbourne St. E., eine öffentliche Versammlung stattgefunden, in welcher mehrere Mitglieder des Exekutiv-Komitees Ansprachen hielten. — DieZionisten in Eastend sind von einem schweren Schicksalsschlag getroffen worden. Am 10. Oktober ist Herr Ginsburg im 50. Lebensjahr nach kurzer Krankheit gestorben. Herr Ginsburg, der im Jahre 1891 von Grodno nach London übersiedelte, hat an der zionistischen Arbeit reges Interesse genommen. Er war bis zu seinem Tode Mitglied des Exekutiv-Komitees der English Zionist Federation und nahm auch an mehreren Kongressen als Delegierter teil. Manchester. Die Manchester Men's Zionist Association hat in einer vor kurzem abgehaltenen Sitzung einstimmig eine Resolution angenommen, in der sie ihrer Meinung Ausdruck gibt, daß das ununterbrochene Fortbestehen der E. Z. F. für die Entwicklung des Zionismus in England unbedingt unerläßlich ist. Der Verein verpflichtet sich, die Interessen der Federation, als der Zentral- Organisation Englands, als der einzigen offiziellen Vermittlerin zwischen den Vereinen und dem Actions-Comite, auf das nachdrücklichste zu unterstützen. Der Verein ergreift die Initiative zur Einberufung einer Vorkonferenz von Delegierten der angeschlossenen Vereine, um ein erfolgreiches Resultat der Jahreskonferenz der Federation, die im Januar stattfindet, zu sichern. Amerika Houston (Texas). Die beiden hiesigen zionistischen Vereine rüsten eifrig für den anfangs Januar 1911 hier stattfindenden VI. Delegiertentag der zionistischen Vereine in Texas. Durch die Veranstaltung verschiedener Festlichkeiten wurden die für die Tagung nötigen Kosten aufgebracht. Brief aus Ungarn Die erste jüdische öffentliche Bibliothek in Budapest Endlich wird dem unglaublichen Zustande, den Rüben Brainin während seines letzten hiesigen Aufenthaltes so scharf gerügt hat, daß nämlich das große Judenzentrum Budapest mit seinen 200000 Juden bisher einer öffentlichen jüdischen Lesehalle und Bibliothek entbehrte, wenigstens teilweise ein Ende bereitet, indem der Ungarische Landes-Ku ltur-Verein noch heuer seine große öffentliche Bibliothek eröffnet, bei deren Schaffung ihm die ähnlichen Institutionen in Wien, Berlin und andern Großstädten vorschwebten. Außer „konfessionellen Werken" (so heißt es im offiziellen Communique) wird die Bibliothek alle hervorragenden Werke der Weltliteratur umfassen. Das Büchermaterial hat der Verein teils gekauft, teils als Spende erhalten. Ob diese Institution in wahrhaft jüdischem Geiste geleitet werden wird, ist nicht vorauszusagen, da die bisherigen Leistungen des im Vorjahre gegründeten Vereins — seinen unlängst erschienenen „Kulturalmaftachinbegriffen — äußerst mäßig sind und assimilatorische Tendenzen in der Vereinsleitung vorherrschen. Agrarier und Juden In dem Kampfe, der wegen der allgemeinen Teurung und Fleischnot zwischen der Bürgerschaft und den Agrariern entbrannt ist, sollen, wie schon so oft, wieder die Juden die Kosten tragen. Der