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Die Welt · 1910-08-05 · 31 (5.8.1910) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 31 DIESqKELT 763 JU£D1SCH£R MATIOnAL-FOPIDS)^ Der Jüdische Nationalfonds ist dam bestimmt, in Palästina Grund and Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu enverben. Vom V. Zionistenkonrjreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Höhe von über 2 Millionen Mark erreicht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Vorschlag des Palästinaatnts betreffend Ansiedlung von Arbeitern des Filigran= Ateliers am Bezalel auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds in Ben-Schamen bei Lydda In der Filigran-Abteilung des Bezalel arbeiten etwa 50 jüdische Arbeiter, — mit Ausnahme des Werkmeisters und seines Stellvertreters ausschließlich Jemeniten; weitaus die meisten — Familienväter. Dieses Atelier hat in kurzer Zeit einen ganz außerordentlichen Aufschwung genommen. Es ist dies hauptsächlich dem Umstände zu verdanken, daß die Jemeniten zumeist von früher her in der Silberbearbeitung bewandert sind und bei ihrer eminenten Anspruchslosigkeit mit den im Bezalel erzielten Löhnen höchst zufrieden sind und sich als zuverlässige und fleißige Arbeiter bewähren. Die Nachfrage nach den Artikeln des Filigran-Ateliers ist in fortgesetztem Steigen begriffen und es ist hier die Möglichkeit gegeben, noch zahlreichen andern Familien einen Erwerb zu verschaffen. Anstatt nun neue Räume im Bezalelgebäude in Jerusalem anzubauen, haben wir den Beschluß gefaßt, mit der Verlegung einer Abteilung erprobter Arbeiter aus der Filigran- Werkstatt nach den Besitzungen des Jüdischen Nationalfonds den Anfang mit der Verpflanzung der Hausindustrie auf das flache Land zu machen. Als Ort wählten wir Ben-Schamen bei Lydda, weil derselbe von Jaffa aus sehr leicht zu erreichen und es für uns deshalb leicht ist, die ersten Organisationsarbeiten zu leiten. Auch ist die Wirtschaft der Ölbaumspende dort bereits soweit fortgeschritten, daß sie eine gute Stütze für eine junge Ansiedlung bietet, und unser dortiger studierter Agronom wird gerne die Unterweisung der neuen Ansiedler auf landwirtschaftlichem Gebiet übernehmen. Der Anfang soll mit zehn Familien gemacht werden, die sich im Bezalel seit zwei Jahren aufs beste bewähren und jedes Vertrauen verdienen. Jede Familie soll neben ihrer eigenen Wohnung, bestehend aus zwei Räumen, ein kleines Grundstück von zwei Dunam in Pacht bekommen. Während nun der Familienvater als Arbeiter des Bezalel ein festes monatliches Einkommen haben wird, werden die übrigen Familienmitglieder in der Bearbeitung ihres Grundstücks, durch Gemüsebau, Geflügelzucht und dergl. oder als Saisonarbeiter in der Gutswirtschaft des N. F. oder schließlich in andern vom Bezalel einzuführenden Hausindustrien, wie Teppichknüpferei, Spitzenklöppelei usw. ansehnliche Nebeneinnahmen erzielen. Auf diese Weise wird eine Jemeniten-Farnilie, die mit etwa 50 Pres, monatlich in Jerusalem auskommt, hier zirka 80 Frcs. verdienen und, da die Lebensweise hier bedeutend billiger ist, und jede Familie ihr eignes Gemüse, Geflügel und Milch haben wird, nicht nur besser und gesünder leben, sondern auch Kapital sparen können. Es ist daher sicher, daß diese Arbeiter sowohl das für die Errichtung ihrer Häuser investierte Kapital amortisieren, wie auch ihren Kindern ermöglichen werden, späterhin mit selbst erworbenem Geld eine gesicherte Existenz in Palästina zu begründen. Die Zahlungen der Arbeiter werden durch die Leitung des Bezalel durch Abzüge von ihren monatlichen Löhnen erfolgen. Darin liegt die beste Gewähr für die Rückzahlung, ohne daß man jemals zur Anwendung äußerer Gewalt wird greifen müssen. Wenn sich nämlich ein Arbeiter in irgendeiner Hinsicht als schädliches Mitglied der Genossenschaft erweist, braucht man ihm nur die Arbeit zu entziehen, um ihm den weiteren Aufenthalt in der Genossenschaft unmöglich zu machen oder ihn wieder zu Vernunft zu bringen. Wir haben alle Hoffnung, daß dieser neue Versuch gelingt. In diesem Falle aber wird er von großer Tragweite für unsere kolonisatorische Arbeit sein. Wir hoffen nämlich, daß der Bezalel in kurzer Aufeinanderfolge aus verschiedenen Werkstätten ähnliche Gruppen, sei es auf N. F.-Besitzungen, sei es in den jüdischen Kolonien wird ansiedeln können. In dieser Industrie wird die landwirtschaftliche Ansiedlung eine wichtige Stütze finden, und kleine blühende Gartenstädte mit zufrieden, frei und gesund lebenden Menschen werden auf diesem Wege am leichtesten ins Leben gerufen werden. Unser Vorschlag geht demnach dahin: Der J. N. F. möge einen Kredit von 20 000 Frcs. für die Errichtung von Wohnungen und einer gemeinschaftlichen Werkstatt auf seinem Boden in Ben-Schamen fürzehn Arbeiter aus dem Filigran- Atelier des Bezalel bewilligen. % *4= * Der obige Vorschlag des Palästinaamtes wurde in der Direktoriumssitzung des. Jüdischen Nationalfonds vom 1. d. M., über die wir noch näher berichten werden, angenommen.

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