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Die Welt · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 15 ELT 343 JUCDISCHfiR MATIOriAL-POMDS Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Höhe von nahezu 2 Millionen Mark erreicht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Bericht der österreichischen Sammelstelle des J. N. F. erstattet von Herrn Wilhelm Beigel auf dem zweiten ordentlichen westösterreichischen Zionistentag am 28. März 1910 zu Wien (Schluß) Zum Zwecke der Verbreitung von N. F.-Marken und Telegrammblanketten haben wir uns entschlossen, in jeder Stadt, die den Wunsch danach ausspricht, eine Verkaufsstelle dieser Materialien zu errichten. Wir gehen dabei vom streng kaufmännischen Gesichtspunkte aus und geben die Materialien nur an Kaufleute, die uns von den Vertrauensmännern empfohlen werden, nach Zeichnung eines entsprechenden Vertrages in Kommission. Dabei erzielen wir die größtmögliche Sicherstellung und den Vorteil, daß die Materialien in einem öffentlichen, jedermann zugänglichen Lokale aufliegen. Um den Kaufmann zum Absätze der N. F.-Artikel anzueifern, gewähren wir ihm eine Provision, die so bemess.en ist, das sich der Prozentsatz in gleichem Maße wie die Menge der verkauften Artikel erhöht Auf diese Weise haben wir zirka 70 Verkaufsstellen eingerichtet die sich in der Regel gut bewähren. Andere Sammelmittel, wie die Selbstbesteuerung und das Goldne Buch sind bei uns noch wenig populär. Besonders mit der Selbstbesteuerung will es nicht besser gehen, so daß wir bald die Hoffnung verloren haben, daß sich dieselbe noch in einem größeren Maßstabe jemals wird durchführen lassen. Die Philatelieabteilung unterhält die angeknüpften Beziehungen und liefert im Durchschnitt recht günstige Beträge. Solange wir aber nicht einen Fachmann finden, der sich der Sache widmet, wird sich diese Abteilung auch nicht gehörig entwickeln können. Die Propaganda betreiben wir ausschließlich auf schriftlichem Wege. Unser Korrespondenzausgang beträgt jetzt monatlich durchschnittlich 350 Briefe, der ganze Postauslauf zirka 700 Stück. Diese Zahl steigt fast von Tag zu Tag und wird wahrscheinlich bald das volle Tausend erreichen. Vor jedem jüdischen Feiertage und überhaupt bei . allen Gelegenheiten, die Anlaß zur Vornahme von Sammlungen bieten können, versenden wir an die Vertrauensmänner Instruktionen und entsprechendes Agitationsmaterial. Als letzteres gelten die vom Kölner Hauptbureau herausgegebenen sehr zweckentsprechenden Flugblätter. Bei besonderen Gelegenheiten fertigen wir spezielle Drucksorten an, so z. B. bei der Herzlwaldagitation und letztens ein Kinderfiugblatt in polnischer Sprache und einen Aufruf zur Sammlung von Materialien. Es freut uns auch, feststellen zu können, daß auf unser Ansuchen das Hauptbureau sich veranlaßt sah, eine ausgezeichnete Broschüre über den N. F. herauszugeben, die von der Feder unsers Gg. Böhm stammt und wahrscheinlich große Verbreitung finden wird. In der Presse veröffentlichen wir von Zeit zu Zeit Aufrufe und Mitteilungen über den N.F. und die anderen Institutionen. Besonderen Wert legen wir auf dje Statistik, die unserer Meinung nach nicht nur den instruktiven Wert hat, daß sie uns die. Übersicht über unsere Leistungen sowie die Leistungen der einzelnen Orte und Distrikte gibt, sondern auch einen eminent agitatorischen, indem sie den N. F.-Kommissären ihre Erfolge vor Augen hält und sie durch Zusammenstellung mit anderen Orten zur regeren Arbeit aneifert. In Anbetracht dessen führen wir jetzt eine genaue Statistik über die Leistungen eines jeden Ortes,' die wir am Ende Jahres in der Parteipresse publizieren. Um uns^ein genaues Bild über den Stand unserer Bewegung in den einzelnen Orten zu verschaffen, haben wir Fragebogen an die Kommissäre verschickt und legen jetzt eine Kartothek an, in welcher jeder Ort mit seinen zionistischen und jüdischen Vereinen, der Zahl der Juden, den Namen der führenden jüdischen Persönlichkeiten und der eifrigsten Zionisten verzeichnet sind. Wir denken auch daran, uns allmählich - ein Verzeichnis der reichen Juden ' Österreichs anzulegen, um sie bei Gelegenheit für die palästinensischen Institutionen zu gewinnen. Den Anfang haben wir schon gemacht, indem wir zwecks Agitation fürdie P. L.D.C. die Vertrauensmänner aufforderten, uns die Adressen der Gutsbesitzer und Pächter ihrer Umgebung bekanntzugeben. Wir hoffen, daß es uns mit der Zeit gelingen wird, auch Nichtzionisten von der großen nationalen und sozialen Bedeutung unserer Institutionen zu überzeugen und sie zur Mithilfe an deren Ausbau zu bewegen. Es ist eine schwere Arbeit, aber wir glauben an das jüdische Empfinden und an den sozialen Sinn unserer Mitbrüder und dürfen nicht nachlassen, diese besseren Gefühle anzufachen und zu steigern. Seit einiger Zeit sind wir auch bemüht, unsere Propaganda in ein geordnetes System zu bringen. Es ist nicht gut, den Vertrauensmann aufzufordern, gleichzeitig die Propaganda für zwei oder mehrere Zwecke in Angriff zu nehmen, wir haben die Erfahrung gemacht, daß solche Direktiven beiden Institutionen zum Nachteil gereichen. Deshalb verlangen wir auch von allen zionistischen Institutionen, daß sie uns die Propaganda für ihre Ideen in Österreich überlassen, weil wir es eben vermeiden wollen, daß unsere Instruktionen von den gleichzeitig aus Berlin oder Köln ausgehenden Aufforderungen durchkreuzt werden. Es ist uns auch gelungen, gewisse Tage für spezielle Zwecke zu bestimmen, und heute wird daran allgemein festgehalten. So gilt Purim der allgemeinen N. F.-Agitation und haben wir seit zwei Jahren um diese Zeit die größten Erfolge zu verzeichnen. Sukkoth und Pessach dienen speziell zur Büchsentleerung. Pessach benutzen wir außerdem noch seit zwei Jahren zur Versendung von Gesuchen um Subventionierung an die israelitischen Kultusgemeinden. Diese Agitation hatte im Jahre 1908 nur ganz geringe Erfolge ergeben. 1909 haben uns bereits folgende Kultusgemeinden Subventionen bewilligt; Mähren: Prossnitz 160.--, Mähr.-Ostrau 100.—, Freistadt 29.—, Pohrlitz, 20.—, Troppau 20.—, Gödirig 20.—, Ungar.-Brod 10.—, Ungar-. Hradisch 10.—, Olmüiz 10.—, Gewitsch 5.—. Böhmen: Gablonz 25.—, Kiadno 20.—, Pilsen 20.—, Budweis 10.—, Beraun 5.—, Neubydzow 10.—, Kralup 10.—, Radenin 5.—, Luditz 5.—. Innerösterreich: Amstetten 10.—, Waidhofen 5.—, Ragusa 4.—. Galizien: Rohatyn 70,—, Zloczow 50.—, Zalesczyki 25 —, Skole 50.—, Zolina 10—, zusammen 720.—Kr. Bemerkenswert ist, daß Mährisch-Ostrau für heuer bereits spontan die Subvention wieder beschlossen hat. Wir wollen heuer die Gesuche auch an die politisch-jüdischen Gemeinden versenden und hoffen, bei einiger Unterstützung seitens der Gg., die merkwürdigerweise in dieser Beziehung immer versagten, schon heuer bessere Erfolge zu erzielen und allmählich alle Gemeinden für unsere große Sache zu gewinnen. Der Todestag Herzls gestaltet sich immer zu einer imposanten Agitation für den Herzlwald. Es ist uns noch nicht gelungen, anderen Feiertagen einen ebenso charakteritsischen Stempel aufzuprägen, doch zweifeln wir nicht, daß es mit der Zeit;geschehen wird.' Zu diesem Zwecke planen wir auch die Herausgabe eines zionistischen Kalenders, welcher außer den Daten aus der jüdischen Geschichte und der Geschichte unserer Bewegung auch Instruktionen über die an gewissen Tagen oder* in gewissen Zeiträumen vorzunehmende zionistische Arbeit enthalten soll. Auf diese Weise wird der Vertrauensmann immer vorher wissen, was er zu tun hat und wird sich entsprechend vorbereiten können, woraus wir uns bessere Erfolge und wertvolle Anregungen versprechen.

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