Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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DIE ELT 321 No. 14 — — Bericht der österreichischen Sammelstelle des J. N. F. erstattet von Herrn Wilhelm Beigel auf dem zweiten ordentlichen westösterreichichen Zionistentag am 28. März 1910 zu Wien (Fortsetzung) Unsere Sammelstelle darf, ohne unbescheiden zu sein, sich zu den bestorganisierten rechnen. Wir waren allerdings in der günstigen Lage, daß wir nicht — wie es in andern Ländern der Fall war — etwas ganz Neues schaffen mußten, sondern nur das weiter auszubauen hatten, was das früher in Wien befindliche Hauptbureau unter der Leitung Kremenezkys geschaffen und begonnen hat. . Indessen war die Arbeit nicht leicht, weil wir in Österreich keine festgefügte Organisation hatten und nur in einigen wenigen Städten planmäßig für den N.F. gearbeitet wurde. Wir waren also in erster Linie bestrebt, in allen österreichischen Orten, wo Juden wohnten, zionistische Vertrauensmänner ausfindig zu machen. Als uns das gelang, gingen wir einen Schritt weiter und versuchten, neben den Vertrauensmännern der Distriktskomitees, denen vor allein die Schekelagitation und die organisatorischen Arbeiten oblagen, N.F.-Komrnissäre zu ernennen, die sich ausschließlich mitN.F.-Arbeiten zu befassen hatten. Auf diese Weise schufen wir eine ganz Österreich umfassende Organisation von N.F.-Kommissären, die meistens direkt mit uns in Verbindung stehen und deren Zahl sich jetzt auf ca. 400 beläuft. Unsere weitere Arbeit geht — in Anbetracht dessen, daß wir nicht mehr die Sammelstelle des N.F. allein, sondern auch die Sammel- und Agitations/entrale fast aller zionistischen Institutionen sind — dahin, den einzelnen N.F.-Kommissären eine Kommission beizugeben, in welcher jedes Mitglied ein anderes Ressort inne hat. Wie richtig diese Ernennung eigener Vertrauensmänner war zeigte sich bald, als die galizischen Gg. ein eigenes Zentralkomitee zu bilden beschlossen. Wir waren auf Grund eben dieser eigenen Organisation in der Lage, uns eine exzeptionelle Stellung zu sichern. Erst neuerdings erwies sich die Nützlichkeit der von uns geschaffenen Organisation, als wir in Konflikt mit dem Bukowinaer D. K. gerieten, in welcher alle Ortskommissäre unsere Partei ergriffen. Wir dürfen das Verdienst für uns in Anspruch nehmen, daß wir eine Dezentralisation der N.F.-Verwallung verhütet haben, und heute ist es bereits eine allerorts bekannte und rechtlich feststehende Tatsache, daß wir die oberste N.F.-Behörde in Österreich sind. Nur in Böhmen liegen die Verhältnisse etwas anders, da dort von alters her die N.F.-Kommission des D. K. gut organisiert war und mit ihren Vertrauensmännern in direkter Verbindung stand. Herr Moritz Löwy, der die Arbeiten der Kommission leitet, hat es in einer so ausgezeichneten Weise getan, daß wir keinen Grund hatten, gegen dieses Gewohnheitsrecht irgendwelche Einwände zu erheben. Unsere nächste Aufgabe war, die Geldgebarung zu ordnen und zu zentralisieren. Es bestand zur Zeit unseres Amtsantrittes die schlechte Sitte, daß jeder Spender seine Gelder dorthin abführte, wo es ihm gerade einfiel. So lagen unsere Gelder in den Administrationen aller möglichen Blätter, in den D.-Kassen, in Köln und in London, und der Spender erhielt oft keine Quittung über den abgelieferten Betrag und wußte nicht, wohin er seine Beschwerde zu richten habe. Wir waren nun mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bestrebt, diese Unsitte abzuschaffen und gaben die Instruktion aus, alle Spenden direkt an uns zu überweisen. Jeder Heller wurde sofort nach Einlauf ausgewiesen und die Spender gewöhnten sich allmählich daran, sofort zu reklamieren, wenn sie ihre Namen nicht veröffentlicht sahen. Mit den Zeitungen trafen wir ein Übereinkommen, wonach alle bei ihnen einlaufenden Spenden unverzüglich an uns weitergeleitet werden sollten. Die galizische und zuletzt auch die Bukowinaer D. K. verzichteten allmählich auf die Forderung, daß die Spenden aus ihren Rayons zuerst an sie gehen sollten, und heute stehen wir, wie erwähnt — mit Ausnahme von Böhmen — mit allen Ortskommissären in direkter Verbindung. Der böhmische N.F.-K., Herr Moritz Löwy, rechnet wöchentlich mit uns ab. Nachdem es uns gelungen ist, die Zahlung für den N. F. zu zentralisieren, beschlossen wir, dasselbe auch bezüglich anderer Spenden für zionistische Zwecke zu tun. Jetzt stehen wir mit der P.L.D.C, und dem Bezalel in Unterhandlungen wegen der Überlassung des alleinigen Inkassorechtes dieser Institutionen in Österreich. Wir bezwecken damit nicht nur die einheitliche Ordnung der Geldgebarung, sondern wollen auch verhüten, daß die Vertrauensmänner, die doch oft für alle Institutionen dieselben sind, gleichzeitig verschiedene Instruktionen erhalten. Wenn alle Anregungen von einer Stelle ausgehen, so können sie nach einem gewissen Plane erfolgen, was gewiß für alle Institutionen nur von Nutzen sein kann. Außerdem gewinnen wir einen genauen Überblick, was jeder Ort leistet, was für eine zweckmäßige Agitation und eine richtige Statistik gewiß wünschenswert erscheint. Wir können mit Befriedigung feststellen, daß diese unsere Anschauung immer mehr durchdringt, und auch das E. A. C. die Frage ventiliert hat, ob nicht das gesamte Inkasso für Parteizwecke den Landessammelstellen zu überlassen sei. Herr Professor Warburg übertrug uns einstweilen provisorisch das Recht, für die P.L.D.C. Propaganda zu entfalten und alle Gelder für diese Institution einzuziehen. Der Bezalel erhob zwar noch Bedenken dagegen, ist aber der Idee nicht mehr abgeneigt, und Herr Präsident Wolffsohn hat sich während seines letzten Aufenthaltes in Wien mit diesen unseren Bestrebungen einverstanden erklärt und sie als vollkommen berechtigt bezeichnet. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, zu bemerken, daß wir in unseren Zentralisationsbemühungen nur seitens einer Stadt in Nordböhmen immer auf Widerstand stoßen, die ihre Spenden direkt nach Köln resp. Berlin abführt. Es ist dies um so bedauernswerter, als diese Stadt in ihrer unerklärlichen Bekämpfung alle Bestrebungen, die von Wien ausgehen, wie dargetan auch gegen die Instruktionen der Kölner Leitung handelt, und daher jedes Entschuldigungsmoment gänzlich wegfällt. Wenn wir nach unten hin eine unverzügliche Abführung der gesammelten Gelder verlangen, so haben wir dasselbe Prinzip nach oben hin für uns selbst angewendet. Die bei uns eingehenden Spenden werden unverzüglich nach Abschluß des Ausweises am Dienstag jeder Woche nach London an die Bank abgeführt. Was die Organisation der Sammtungen anbetrifft, so haben wir uns bemüht, alle Sammelmittel des N.F. zu verbreiten, und vor allem eine genaue Kontrolle derselben einzuführen. Die Sammelbücher, die sich in Österreich einer besonderen Beliebtheit erfreuen, werden schon jetzt in größter Ordnung geführt und regelmäßig gemahnt; hingegen sind wir mit den Sammelbüchsen noch nicht so weit gekommen. Wir haben da die Schwierigkeit zu überwinden, duß wir über die von uns ausgegebenen Büchsen keine genauen Verzeichnisse besitzen, und daß die Evidenzhaltung von 13 000 Büchsen eine eigene Kraft erfordert, die wir bisher noch nicht bestellen konnten. Erst jetzt gehen wir daran, eine Büchsenkartothek anzulegen, und hoffen, daß wir dieses wichtigste Sammelmittel endlich so organisieren werden, daß es uns dieselben Dienste leisten wird, die es andern Organisationen, in erster Linie der „Chaluka" leistet. Wie wichtig diese Organisierung der Büchsenverwaltung ist, beweist die Tatsache, daß in Wien, wo wir sie schon durchgeführt haben, und wo ein Inkassant zwecks regelmäßiger Entleerung der Büchsen angestellt wurde, die Sammlungen im letzten Jahre aufs doppelte gestiegen sind. Hoffentlich v/erden uns unsere Gesinnungsgenossen in unseren Bemühungen unterstützen und uns insbesondere bei der Ausforschung alter Büchsen behilflich sein. (Schluß folgt.) Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Osterreich: (Adresse: Wien IX, Türkenstraße 9. — Publikationsorgan: „Jüdische Zeitung", Wien.) Vom 14.—21. März d. J. eingegangen und in Nr. 12 der „Jüdischen Zeitung" detailliert ausgewiesen: Allgemeine Spenden..............Kr. 119.33 Selbstbesteuerung...............„ 39.60 Sammelbogen..................„ 51.20 Goldenes Buch (Teilzahlungen)..........„ 692.79 Summe Kr. 902.92 Ji, 1<>2.9?>