Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 DIE^EELT 195 genommen wurde. — Herr Löbel Taubes referierte über dieses Thema in den Städten Radautz, Kotzman, Waszkoutz und Sadagöra. Sambor. Am 13. Februar wurde hier die Konstituierung eines zionistischen Kreiskomitees vorgenommen. An der Konferenz nahmen Delegierte aus den politischen Bezirken Sambor, Stary- Sambor, Turka, Dobromil und Rudki teil. Es wurden verschiedene Referate erstattet. Aus Anlaß der Kreiskonferenz fand auch eine Volksversammlung statt, in welcher Gg. Dr. Josef Löwenherz aus Lemberg über die Bedeutung des Hamburger Kongresses eine mehr als zweistündige Rede hielt. v Rußland Uman (Gouv. Kiew). Eine hier am 12. Februar stattgehabte allgemeine Zionistenversamnilung hat nach Anhörung eines Referates und nach der darauffolgenden Debatte über den 9. Kongreß die möglichst baldige Einberufung des 10. Kongresses als notwendig erklärt. Odessa. Die unterfertigten Mitglieder des Vereins „Kadimah" haben folgende Zuschrift an das „A. K." abgesandt: „Wir unterfertigten Zionisten, Schekelzahler in Odessa, erklären hiermit, 1. daß wir uns mit dem Vorgehen der russischen Landsmannschaft überhaupt und der Odessaer Delegierten insbesondere auf dem IX. Kongreß in Hamburg nicht solidarisch erklären und jede Verantwortung dafür auf das entschiedenste ablehnen, 2. daß wir die Art und Weise, wie manche von den Herren ihre Kritik übten, mit der Würde des Kongresses nicht vereinbar halten und aufs schärfste verurteilen, und 3. daß wir zum Engeren A. C. das vollste Vertrauen haben und besonders für die Person unseres allverehrten Präsidenten Herrn Wolffsohn mit Bewunderung und Dank erfüllt sind. — .Wir bitten, diese Erklärung in unserem Zentralorgan „Die Welt" gütigst veröffentlichen zu wollen. N. Reibmann. J. Konstantinowsky. S. Subok. W. Sokelsky. Ch. Woloschin. A. Gutmann. G. Maranz. Ch. Majmind. Z. Sandler. K. Marder. S. Sewen. N. Sokelsky. Sch. Beitor. R. Nementschinsky. A. Schimkin. J. Mirkin. R. Sakelsky. R. Rojtniann. D. Jankelewitsch. P. Resnikow. G. Simchowitsch. D. Spoliansky. Deutschland Der Gruppenverband Sachsen=Anhalt i)ie Verhandlungen zur Gründung eines zionistischen Gruppenverbandes Sachsen-Anhalt, die bereits seit Jahren schweben, haben erfreulicherweise endlich ein positives Resultat gezeitigt. Die zionistische Vereinigung „Tikwath Zion" in Halberstadt beruft daher für Sonntag, den 27. Februar, nachmittags 4 Uhr, die konstituierende Versammlung des Gruppenverbandes nach Halberstadt, Hotel „Prinz Eugen", Breiteweg, ein. Die in dem Distrikt wohnenden Gesinnungsgenossen sind herzlich eingeladen. Zahlreiches Erscheinen ist dringend erwünscht. Tagesordnung der Versammlung: L Begrüßung; 2. Referat des Herrn Isaak Feuerring-Halberstadt über „Organisation und Agitation". — Diskussion; 3. Wahlen; 4. Vortrag des Vertreters der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Rechtsanwalt Dr. Eduard Lenszinsky-Charlottenburg: „Die gegenwärtige Lage der zionistischen Bewegung". An den Gruppenverband schließt sich abends eine große Propagandaversammluiig im Saale des „Jüdischen Kasino" an, in der Herr Rabbiner Dr. Rudolf Lenszinsky-Berlin über das Thema „Der Zionismus und die deutschen Juden" sprechen wird. Konstanz. In unserer jungen Ortsgruppe herrscht ein frisches Treiben; die Monatsversammlung verlief sehr interessant und der öffentliche Vortrag am 20. d. M. war anregend und belehrend; als Redner wurde Herr Dr. Strauß, Redakteur aus Zürich, gewonnen. Eingangs seiner fließenden, gewandten Rede führte er die Zuhörer in den Begriff der „Jüdischen Rennaissance", des Themas seines Vortrages, ein. Treffend beleuchtete er das 18. Jahrhundert mit seinen Männern, die dem Judentum neue Wege gebahnt, nannte im Zusammenhang damit auch Moses Mendelssohn und rückte den Philosophen in ein etwas anderes Licht, wie man ihn sonst zu sehen bekommt. Rückkehr zu jüdischer Kultur, Kunst, Literatur und Sprache legte Redner besonders der Jugend ans Herz und ließ seine Rede in einem Appell an jüdisches Empfinden ausklingen. In der Diskussion beantwortete Herr Dr. Strauß mehrere Fragen mit sicherer Gewandtheit und Beweiskraft, Die Versammlung hat der zionistischen Sache viele neue Freunde erworben. Rumänien Focsani. Die'am 21, Februar hier stattgefundene zionistische Versammlung hat folgende Resolution zum Beschluß erhoben: „Nach Anhörung des von Herrn Rabbiner Dr. J. N acht erstatteten Referates über den IX. Zionistenkongreß sprechen die Zionisten von Focs:mi dem hochverehrten Präsidenten des A. C, Herrn David Wolffsohn, ihr vollstes Vertrauen aus." Brief aus Saloniki AUiance und Hilfsverein in Saloniki Eine jüngst stattgehabte Sitzung des Saloniker Gemeinderats befaßte sich mit der Reform des jüdischen Schulwesens in der Stadt. In der Behandlung dieser Angelegenheit ließen sich zwei entgegengesetzte Strömungen bemerken, eine, die das Schulwerk gern dem Einfluß der AUiance unterstellen möchte, und die andere, die der Protektion des Hilfsvereins den Vorzug gibt. Der Wortführer der letztern ist der Großrabbiner Jakob MeTr. Es handelte sich zuerst darum, die große Talmud Thora zu heben. Ein Antrag sprach sich dafür aus, sie vollständig der AUiance in Regie zu geben; dieser drang jedoch nicht durch, vielmehr wurde beschlossen, die Schule weiter von der Gemeinde verwalten zu lassen und neue 350 Pfund in ihr Budget einzustellen. Hierauf machte Rabbi Jakob Me'fr den Vorschlag, neben dieser Talmud Thora noch eine neue Schute mit dem Beistande des Hilfsvereins der deutschen Juden zu errichten; die Gemeinde solle zehntausend Franken jährlich beisteuern und der Hilfsverein zwanzigtausend Franken, der Rest des Budgetbedarfs solle aus den Schulgeldern gedeckt werden, wobei die freie Zulassung einer großen Zahl' armer Kinder festzulegen wäre. Auf diese Weise würde eine Schule für tausend Kinder geschaffen werden. Die Versammlung begrüßte diesen Plan, fand es aber für angebracht, vor Gründung einer neuen Anstalt erst die Festigung der bestehenden zu sichern. In erster Reihe stände daher die Schule „Allatini", für die soeben ein neues Gebäude errichtet wird. Da aber die AUiance sich seit sehr langer Zeit für diese Schule interessiert, so sei es unumgänglich, sich erst an diese Organisation um Beihilfe zu wenden, obwohl natürlich die Gemeinde dem Hilfsverein nicht weniger dankbar für seine Bemühungen auf dem Gebiete der Erziehung der Jugend in Saloniki sei. Es wurde daher folgender Antrag gestellt: „Die Gemeinde möge weitere zehntausend Franken der AUiance für diese Schule zur Verfügung stellen, unter der Bedingung, daß sie noch neue fünfhundert Schüler in sie aufnehme und sich verpflichte, ein Drittel derselben gratis zuzulassen." Der Großrabbiner entgegnete auf diesen Vorschlag, er sei zwar sehr gut, aber es blieben gleichwohl immer noch fünfhundert Kinder oder noch mehr ohne Unterricht auf der Gasse; für diese müsse also immerhin auch eine neue Schule noch geschaffen werden. Aus diesem Grunde möge man seinen Antrag und den vorliegenden zusammen zum Beschluß erheben. Diesen Worten gemäß wurde sodann folgende Entscheidung getroffen: „Die Gemeinde wird sich zuerst der Schule „Mose Allatini*4 wegen an die AUiance Israelite Universelle wenden; stimme diese zu, so werde man die Reform dieser Anstalt im Laufe einiger Monate zur Realisierung bringen. Hierauf werde man sofort mit dem Ersuchen an den Hilfsverein herantreten, die Gründung der neuen Schule gemäß dem Vorschlage Rabbi Jakob Meirs zu unterstützen. Sollte jedoch die AUiance auf den ersten Vorschlag negative Antwort erteilen, so werde man sich sofort mit dem Hilfsverein in Verbindung setzen." Man darf gespannt sein, was sich aus diesem „embarras de richesses" ergeben wird. Eine Volksbank in Saloniki Seit einiger Zeit schon ging eine Gruppe Saloniker Juden damit um, ein volkstümliches Bankinstitut zur Kreditgewährung an die Handwerker ins Leben zu rufen. Wie nunmehr mitgeteilt wird, sind die Statuten dieser Bank bereits vom Staatsrat genehmigt worden. Vom Militärdienst der Juden In Saloniki waren im ganzen dreitausend jüdische Männer zum Waffendienst eingetragen worden. Eine große Anzahl von ihnen, etwa 900, legten aber gegen ihre Eintragung Protest ein, da ihr Alter in den behördlichen Registern falsch angegeben sei. Zwei Drittel dieser Reklamationen wurden insofern berücksichtigt, als man eine Berichtigung ihrer Altersdaten vornahm, sie wurden aber gleichwohl waffenpflichtig befunden. Nur dreihundert wurden nachträglich ihrem Antrage gemäß vollkommen vom Dienst befreit.