Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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84 DIE^ELT No. 4 Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des fädisclien Volkes zu erwerben. Vom V. Zionistenliongreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Holte oon nahem 2 Millionen Mark erreicht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Die Bezalelhäuser des J. N. F. in Jerusalem Von den beiden Häusern des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem war bekanntlich bisher nur eines an die Kunstgewerbeschule „Bezalel", das andere aberan Private vermietet. Das erfreuliche Wachstum des „Bezalel", der jetzt in seinem Teppichatelier mehr als 60 Mädchen, im Silberatelier 40 jemenitische Juden und in den übrigen Abteilungen ebenfalls eine große Anzahl Arbeiter beschäftigt, hat es notwendig gemacht, der Anstalt auch das zweite Haus mietweise zu überlassen. Sie hat dieses Haus nunmehr bezogen und ist dadurch endlich in die Lage gekommen, ihre Klassen, ihre Werkstätten und ihr Museum in genügend großen Räumlichkeiten unterzubringen und ihren Arbeitskreis den immer steigenden Anforderungen entsprechend zu erweitern. Aus der tunesischen Stadt Beja ist uns das folgende Schreiben zugekommen: Beja, den 12. Januar 1010. An den Präsidenten des Hauptburealis des Jüdischen Nationalfonds Köln. Geehrter Herr und Glaubensgenosse! Veranlaßt durch mehrere Glaubensgenossen, die sich sehr freuen würden, in Beja ein Agitationszentrum für den Jüdischen Nationalfonds zu bilden, möchte ich Sie höflichst ersuchen, mir von allen erschienenen Broschüren usw., die diese interessante Institution betreffen, einige Exemplare zu senden. Wir gestatten uns, zu bemerken, daß, wenn B6ja die Initiative ergreift, um den Zionismus in Tunesien zu propagieren, dies deshalb geschieht, weil die Hauptstadt Tunis in diesem Augenblick von der Frage der Unterstellung der Israeliten unter die französische Jurisdiktion in Anspruch genommen ist, einer brennenden Frage, die gegenwärtig alle Geister im Banne hält. Sobald diese Angelegenheit günstig erledigt sein wird, werden unsere Freunde in der Hauptstadt Tunis die Bildung eines Komitees in die Hand nehmen, welches ganz Nordafrika umfassen soll. Von den erschienenen Schriften wollen Sie uns, bitte, solche in französischer und hebräischer (der heiligen) Sprache schicken. Das in Beja gebildete Komitee hat sich der Aufgabe unterzogen, die erschienenen Broschüren in die jüdisch-arabische Sprache zu übersetzen, welche von den Juden in ganz Tunis verstanden wird. In der angenehmen Erwartung, sobald als möglich eine Autwort auf diesen Brief zu erhalten, verbleibe ich, Herr Präsident, mit dem Ausdruck meiner Ergebenheit Fernand Toubiana * Die vorstehende Zuschrift ist ein neues Zeugnis für die große Werbekraft, die dem Jüdischen Nationalfonds innewohnt. Wie bei den sephardischen Juden des Orients äußert sich auch bei den nordafrikanischen, sogenannten maghrebiirischen Juden das eben erwachte Interesse für die Bestrebungen des Zionismus zunächst in der Aufnahme, einer Propaganda für den J. N. F. Die Gewinnung der arabisch sprechenden Juden Nordafrikas für das zionistische Ideal bildet eine bemerkenswerte Etappe auf dem Wege der Nationalisierung der Judenschaft aller Länder und Sprachkreise. Erfreulich und von hohem Interesse ist hierbei insbesondere der Umstand, daß unsere nordafrikanischen Gesinnungsgenossen bemüht sind, die volkstümliche judäo-arabische Literatur in den Dienst des Zionismus und des Nationalfonds zu stellen. Die Schaffung einer zionistischen Agitationsliteratur in der jüdisch-arabischen Volkssprache wird unserer Bewegung sicherlich neue Anhänger in großer Anzahl zuführen, die unserer Werbearbeit bisher unzugänglich waren. Nachfolgend veröffentlichen wir ein uns zugegangenes Schreiben, da uns die in demselben gegebene Anregung sehr beachtenswert erscheint: Geehrter Herr Redakteur! Ich erlaube mir, folgenden Vorschlag zu machen, von dem ich gern gewünscht hätte, daß er in Hamburg zum Beschluß erhoben worden wäre, da ich überzeugt bin, daß die Durchführung desselben dem Nationalfonds nicht unbeträchtliche Summen zuführen würde. Bei der Popularität, deren sich der Nationalfonds erfreut, darf jedoch die Hoffnung ausgesprochen werden, daß ein vernünftiger Gedanke auch ohne Kongreßbeschluß von den Freunden des Nationalfonds begrüßt und zur Durchführung gebracht werden wird. Nach meiner Erfahrung werden alljährlich mindestens 40—50 zionistische Vereine aufgelöst. Manche dieser Vereine lassen Spuren ihres Daseins oft nur in der Erinnerung eines Druckers zurück, weil sie ihm die Schulden für Drucksorten nicht bezahlt haben. Viele hingegen besitzen jedoch bei ihrer Auflösung Mobiliar und mitunter auch Bärgeld, das sie zumeist irgendeinem lokalen wohltätigen Zweck zuwenden. Ich möchte nun anregen, daß in die Statuten aller zionistischen Vereine und auch Institutionen, wie Volkshäuser usw., eine Bestimmung aufgenommen werde, wonach im Falle der Auflösung des Vereins sein Vermögen dem Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Le Jisroel) Ltd. in London zufällt. Auf diese Weise würden selbst nicht mehr lebensfähige oder von vornherein mißglückte Vereine, die oft nur dem Ubereifer ihre Entstehung verdanken, wenigstens bei ihrem Aufhören Gutes stiften. Indem ich für die freundliche Veröffentlichung der vorstehenden Zeilen verbindlichst danke, zeichne ich mit Zionsgruß stud. iur. Alfred Weiner Mit Bezug auf den in Nr. 2 der „Welt" veröffentlichten Vorschlag des Leiters unserer kroatischen Landessammelstelle (Abschluß von Lebensversicherungen zugunsten des J. N. F.) ist uns folgendes Schreiben zugekommen: Rotterdam, den 18. Januar 1910. An das Hauptbureau des J. N. F., Köln a. Rh. Ich habe den Aufsatz des Herrn Leopold Singer, der den Vorzug der Ursprünglichkeit besitzt und sich wahrscheinlich dem Gedeihen des J. N. F. zweckdienlich erweisen wird, mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Dennoch möchte ich den Vorschlag