Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 33 (13.8.1909)
- Date
- 1909-08-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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hindurch zu produzieren; es gibt da keinen Vegetationsstillstand wie in den Ländern der gemäßigten Zone. Aus diesem Grunde könnte das Land bedeutend mehr Menschen ernähren als Länder der gemäßigten Zone. Und wenn Deutschland trotz seiner schwach produzierenden nördlichen und nordöstlichen Striche einftevölkerungsmaß von 105 Menschen pro Quadratkilometer aufweist, so kann Palästina mindestens ebensoviele Menschen ernähren. Jetzt hat aber Palästina eine Bevölkerung von nur 21 Menschen pro Quadratkilometer; fünfmal soviel Menschen könnten hier ihr Brot in ehrlicher Arbeit gewinnen. Millionen armer Juden können hier, eine richtige Kolonisationstätigkeit vorausgesetzt, eine dauernde Heimat finden. An das Referat Dr. Soskins schloß sich ein zweites Referat über die technische Erschließung des jüdischen Ansiedlungsgebietes, das Herr Kulturingenieur I. Treidel aus Hai ff a erstattete. Herr Treidel sprach über die, Bodenehtwässerung, Bewässerung, Wegebau und Parzellierung des Bodens. Der Referent, der elf Jahre im jüdischen Ansiedlungsgebiete tätig war, hatte Gelegenheit, daselbst umfassende Studien und Vermessungsarbeiten durchzuführen. In bezug auf die Bodenentwässerung führte der Redner aus, daß, wie eine alte Erfahrung lehrt, Sümpfe und feuchte Niederungen in den Subtropen wahre "Fieberherde sind. Die moderne Forschung schreibt die Übertragung und Verbreitung des Malariabazillus der Anophelesfliege zu, die ihre Brutstätten in den sumpfigen und feuchten Niederungen und stehenden Gewässern hat. Nimmt man durch Drainage dem Insekt die Lebensbedingung, so verschwindet erfahrungsgemäß die Malaria. Das stets wirksame Mittel zur Austrocknung der Sümpfe und feuchten Böden ist die Drainage vermittels offener Gräben und Drainröhren. Die Trockenlegung der Sümpfe vermittels Anpflanzung von Eukalyptusbäumen hat trotz des hohen Kostenaufwandes dieses Verfahrens nicht immer den gewünschten Erfolg gezeigt. Kleinere Sumpfgebiete findet man an der syrischen Küste überall, wo das Meeresufer eine entwickelte Dünenbildung aufweist und wo die Dünenkette den Abfluß der im Winter sich reichlich bildenden Regenmengen verhindert. Diese Linie kleinerer oder .größerer Sumpfgebiete laßt sich von Gaza südlich bis zum Promontoriurnalbum nördlich verfolgen. Weitere Sumpfbildungen und nasse Böden, die zum Teil im Sommer austrocknen, findet man in den Mulden der großen Ebenen, z. B. in der Battofebene, der Ebene Jesreel, im nordöstlichen Winkel der Saronebene, in der Einsenkung zwischen Libanon und Antilibanon, der sog. Beka'a, und vor allem im obern Jordantale, der sogenannten Huleniederung. Das Sumpfgebiet der Hule umfaßt einen zusammenhängenden Komplex von ca. 18 000 ha, der für die Winterkultur wegen der Bodennässe fast unbrauchbar ist und nur zum Teil mit Sommergetreide angebaut werden kann. Mit verhältnismäßig geringen Kosten könnten die sämtlichen Sümpfe und feuchten Niederungen trocken gelegt und die Malaria aus Palästina und Syrien verbannt werden. Die durch die Trockenlegung gewonnenen Ackerflächen könnten die Kosten der technischen Arbeiten reichlich bezahlt machen. In seinen weitern Ausführungen wies Herr Treidel auf die außerordentliche Wertsteigung des Bodens durch künstliche Bewässerung hin. Auch kann durch die künstliche Wasserzufuhr der Ackerbau viel unabhängiger von der Unregelmäßigkeit des Regenfalles gemacht werden. Der Landwirt hat es dann in der Hand, die Bodenfeuchtigkeit je nach Bedarf zu regulieren. Unter künstlicher Bewässerung kann man Orangen, Zitronen, Granatäpfel und andere Baumarten kultivieren. Aber auch Weizen und Gerste geben auf bewässertem Boden viel sicherere und reichere Erträge als auf trockenem Boden, vor allem aber ist der Mais, die-Luzerne und die Baumwolle eine äußerst lukrative Kultur, die bei künstlicher Bodenbewässerung abgebaut werden können. Der Ausbau des Wegenetzes muß nach Ansicht des Redners im gleichen Tempo mit dem Grunderwerb vorangehen, wenn man eine schnelle Entwicklung der Kolonien herbeiführen will. Diesbezüglich wurden im vergangenen Jahre insbesondere im Verwaltungsbezirke Tiberias große Fortschritte gemacht. Über die Parzellierung des Bodens führte der Referent zum Schlüsse folgendes aus: Eine gut geleitete Parzellierungsgesellschaft könnte die Ansiedlung von brauchbaren Einwanderern ganz besonders fördern. Die erste Schwierigkeit, die sich dem Einwanderer entgegenstellt, ist der Mangel an käuflichem Farmland. Die Bodenhändler bieten ihm zuweilen ganze Gemarkungen zum Verkauf an, mit denen ihm nicht geholfen ist, da er weder imstande ist, ein so großes Gebiet zu erstehen, noch es zu bewirtschaften. Selbst wenn ihm auch mitten im arabischen Fellachendorfe ein geeignetes Grundstück angeboten würde, was aber äußerst selten vorkommt, so wäre ihm auch damit kaum gedient, da er nicht aus eigenen Mitteln die allgemeinen Ameliorationen ausführen könnte, die von einer Parzellierungsgesellschaft mit Leichtigkeit bewältigt werden können, wie z. B.. Anlage von Zufuhrwegen, Trockenlegung der Sümpfe, Bewässerungsanlage, Wasserleitung usw. Die Parzellierungsgesellschaft in Verbindung mit einer Agrarbank können große Latifundien aufkaufen, ameliorieren, in Lose verteilen, Wirtschaftsgebäude errichten und die einzelnen Farmen gegen mäßige Amortisations- und Zinsraten verkaufen. Der neue Ansiedler könnte dann sofort mit der Bewirtschaftung einer solchen Farm beginnen, während er jetzt gezwungen ist, einen großen Bruchteil seines mitgebrachten Kapitals zu verzehren, bevor er den Boden gekauft, sein Haus errichtet und die ersten Ameliorationen durchgeführt hat. Herr Dr. Isidor Ginsberg referierte über die Aufgaben und bisherige Entwicklung der A. J. K. O. Aus dem ausführlichen und interessanten Referat ist zu entnehmen, daß die Idee dieser Organisation in namhaften jüdischen Kreisen mit großer Sympathie aufgenommen wurde. Der Referent bemerkte jedoch, daß, um ans Ziel zu gelangen, man sich nicht auf moralische Kundgebungen beschränken könne, sondern auch die finanzielle Seite ins Auge fassen müsse. Die A. J. K. 0. wird in einem etwas spätem Stadium, sobald sie mindestens eine halbe Million gesammelt und ihre vorbereitenden Studien abgeschlossen hat, an die " Gründung einer Erwerbsgesellschaft, einer Landkompagnie oder Parzellierungsbank herantreten. Vor allem aber muß sie einen großen Kolonisationsfonds schaffen, um ein großzügiges Ansiedlungswerk in Fluß bringen und dauernd für alle mit diesem Werk verbundenen Ausgaben sorgen zu können, die die auf Gewinn berechneten Erwerbsgesellschaften allein nicht zu tragen vermögen. Es freut mich nun, feststellen zu können, daß unsere Organisation schon in den ersten Wochen ihrer stillen Propagandatätigkeit nicht nur Verständnis und Sympathien in den führenden Kreisen der Judenheit gefunden, sondern auch einige finanzielle Ergebnisse erzielt hat. Gleich am Beginne unserer Tätigkeit hat Herr GeheimratAron die hochherzige Spende von 12 000 Ji für die Zwecke der A. J. K. O. gezeichnet; ihm folgte eine andere bekannte Berliner Persönlichkeit, die für einen genauer umschriebenert wirtschaftlichen Zweck 30000 Ji, stiftete. Ebenso hat das Moskauer Lokalkomitee der A. J. K.O. unter bestimmten Bedingungen 30 000 JC kollektiv gezeichnet. Hieran reihen sich zahlreiche weitere Spenden in Berlin und andern Städten. Es ist dies selbstverständlich bloß als der erste, bescheidenste Ansatz zu einem Fonds zu betrachten, der nur durch die Unterstützung opferwilliger Freunde unserer Bestrebungen ausgebaut werden kann. Die Verwaltung der Fonds der A. J. K. O. ruht in den Händen von Persönlichkeiten, die die vollste Garantie für die Sicherheit und die zweckentsprechende Verwendung der gezeichneten Beträge bieten. In dem Augenblick, wo eine Erwerbsgesellschaft gegründet werden wird, werden Sie die Verwaltung derselben den von Ihnen selbst gewählten Personen anvertrauen. Herr Stadtverordneter, Rechtsanwalt 1. Dzialoszynski schilderte in begeisterten Worten die Eindrücke, die er anläßlich eines Besuches in den jüdischen Kolonien Palästinas gewonnen habe. Auch Herr Justizrat Dr. Max Fuchs, der, wie er sagte, als einfacher Tourist Palästina besucht hatte, sprach mit großer Wärme über den starken Eindruck, den die Kolonie Rischon le Zion auf ihn gemacht hatte. Wer hinaustritt aus dem Schmutz und Lärm der türkischen Stadt, wird mit ganz besonderer Freude die Ruhe, die Sauberkeit und den Fleiß begrüßen, welche in dieser jüdischen Kolonie herrschen. Jüdischer Fleiß hat dort der Wüste ein großes Stück Land abgewonnen, um darauf umfängliche Wein- und Orangenpflanzungen anzulegen. Die Weinkellereien der Kolonien, die ich unter sachverständiger Führung besuchte, machen einen großartigen Eindruck, und die Mitteilungen, die mir von der Verwaltung über Art und Umfang des Weinexportes der Kolonie gemacht worden sind, nannten imposante Ziffern. In den Straßen der Kolonie sah man sauber gekleidete, intelligent aussehende Leute die offenbar sich alle eines gewissen Wohlstandes erfreuen. Jeder, der in diese Kolonie gekommen ist, wird überzeugt sein, daß auf dem Wege solcher Kolonisation das Heil von vielen Tausenden heimatloser Juden zu finden ist und daß Palästina, das Land, an dem jeder von uns hängt, durch eine solche jüdische Kolonisation allein einer gedeihlichen Zukunft entgegengeführt werden kann. Ich glaube nach meinen persönlichen Erfahrungen wohl berechtigt zu sein, Sie alle, meine Herren, aufzufordern, dem Werke jüdischer Kolonisation, das hier geplant wird, Ihren Beistand und Ihre Unterstützung im weitesten Maße zu leihen. 2