Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen zur statistischen Tabelle der im Juli d. J. ausgewiesenen Nationalfondsspenden Wenn man von der außerordentlichen Zuwendung der Frau Klur im Betrage von 30 000 J6 absieht, so erhebt sich die Gesamtsumme der Spendeneingänge im verflossenen Monat noch immer über 27 000 Jt, beträgt also annähernd um 3000 mehr als der Ertrag der vorhergehenden zwei Monate und um 13 000 J6 mehr als die Gesamtsumme der Spenden im Juli 1908. Da die Sammlungen in der Nationalfondswoche und zum Teil auch die Herzlwaldspenden anläßlich der Wiederkehr des 20. Tammus erst im August zum Ausweis gelangen werden, so dürfte die Endsumme des laufenden Monats den Ertrag der regelmäßigen Spendensammlungen im Juli sicherlich übersteigen und kaum erheblich hinter den höchsten Monatsziffern dieses Jahres zurückbleiben. Ein Vergleich der Spendenleistungen der einzelnen Länder im verflossenen Monat mit denen des gleichen Monats 1908 ergibt folgende Ziffern (die Beträge des Vorjahres setzen wir in Klammern): Rußland — abzüglich der obengenannten Schenkung der Frau Klur — 6714.30 (3359.21), Österreich 6451.73 (1662.52), Deutschland 3776.60 (3159.83), Nordamerika 3179.88 (420.—), Südafrika 1805.75 (744.60), Rumänien 1397.58 (917.26), Belgien 339.08 (236.97), Ägypten 352.32 (3.20), Kroatien 305.65 (207.42), Türkei 127.83 (107.35). Einen Rückgang gegen den entsprechenden Monat des vorigen Jahres weisen folgende Länder auf: Ungarn 658.11 (885.81), England 578.62 (898.20), Bulgarien 526.50 (530.15), Argentinien 290.98 (458.08), Frankreich 99.85 (228.88). Wenn wir die Erträge der einzelnen Sammelmittel im Juli 1909 und 1908 einander gegenüberstellen, so erhalten wir folgende Zahlen: Allgemeine Spenden (abzüglich der Schenkung Klur) . . . . Jt 5050.01 (4181.79) Selbstbesteuerung..... „ 959.88 (579.85) Büchsen.......... „ 5777.14 (2321.40) Sammelbogen.......„ 1490.52 (646.98) Goldenes Buch......„ 5775.05 (3214.36) Nationalfondsmarken . . . „-2871.54 (436.72) Telegrammblankette .... „ 458.40 (12.49) Ölbaumspenden......„ 4814.26 (2625.65) Überaus bemerkenswert und erfreulich ist in der vorstehenden Zusammenstellung der Aufschwung der Büchsensammlungen. In unseren Bemerkungen zur Juni-Statistik d. J. gaben wir unserer Überzeugung Ausdruck, daß die Nationalfondsbüchse alsbald die erste Stelle unter allen Sammelmitteln hinsichtlich der Höhe des Ertrags einnehmen werde. Diese Voraussage hat sich bereits bewahrheitet, indem in der vorliegenden Juli-Tabelle das Erträgnis der Sammelbüchsen zum erstenmal, seitdem wir unsere Monatsstatistiken veröffentlichen, den Ertrag jeder andern Spendenart übersteigt. Hoffentlich hält dieser Aufschwung der Büchsensammlungen auch weiterhin an — und er wird anhalten, wenn die Landessammelstellen die Verteilung und Leerung der Büchsen im Sinne unserer Instruktionen organisieren und diesem Sammelmittel überhaupt diejenige Sorgfalt widmen, die es vermöge seiner großen Bedeutung verdient. Aus Melbourne (Australien) erhielten wir folgende interessante Zuschrift: Melbourne, den 19. Juni 1909. An das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, Köln. Obwohl gegenwärtig fern von den großen jüdischen Zentren in einem Lande lebend, das kaum 20000 Juden zählt, fühle ich mich doch gedrängt, Ihnen meine Beobachtung über die Entwicklung des Jüdischen Nationalfonds in den verschiedenen - Ländern zur freundlichen Erwägung mitzuteilen. Hierzu wurde ich vor allem durch eine Institution angeregt, die nicht nur in negativer, sondern zum Teil auch in positiver Hinsicht manches Lehrreiche bietet. Ich meine die Organisation der Chalukah. Diese Institution, der nicht wie dem Nationalfonds Hunderte von freiwilligen begeisterten Agitatoren zur Verfügung stehen, die keine Gratulationsablösungen kennt, kein Goldenes Buch besitzt, keine Marken ausgibt, sondern sich fast ausschließlich auf die Büchsensammlungen beschränkt, erzielt ein jährliches Einkommen von mehreren Millionen. Man wird einwenden, daß der Chalukah die religiösen Empfindungen der Juden zugute kommen, was beim Nationalfonds nicht der Fall sei. Dies ist jedoch, wie ich gerade in den außereuropäischen Ländern zu beobachten Gelegenheit hatte, nicht richtig. Hier in Melbourne, wo durchweg wohlhabende Juden wohnen, die fast ausschließlich ihren Geschäften und dem Vergnügen leben und nichts weniger als fromm sind, gelingt es den Sendboten der Chalukah, bei fast ganz assimilierten Familien Büchsen unterzubringen. Es gehört dazu keine besondere Geschicklichkeit, vielmehr genügt es, wie ich mich oft überzeugen konnte, wenn der Sendbote darauf hinweist, daß die Büchsensammlungen für Palästina bestimmt seien, und kein Jude und namentlich keine Jüdin wird eine solche Büchse zurückweisen. Ist einmal eine solche Büchse im Hause, so wird dieselbe, sei es aus Gründen der Pietät, sei es, daß die Inhaber sich genieren, den Sendboten mit leeren Händen wegzuschicken, in den seltensten Fällen ohne Ertrag bleiben, und zwar um so weniger, je öfter die Leerung der Büchse vorgenommen wird. Aber gerade daran scheint es meines Erachtens bis jetzt beim Nationalfonds sehr zu mangeln. Unzähligemal bekam ich von zionistischen Familien, insbesondere in Nordamerika und Südafrika, wo ich mich früher aufhielt, zu hören, daß bei ihnen schon jahrelang Nationalfondsbüchsen aufgehängt seien, ohne daß jemand käme, um sie zu leeren. Ich glaube nun nicht, daß der Nationalfonds nach Muster der Chalukah sich ausschließlich auf die Büchsensammlungen beschränken und deren Leerung bzw. Verteilung bloß durch bezahlte Kräfte vornehmen lassen soll. Dies zu tun, ist der Nationalfonds bei seinen derzeitigen Einkünften schwerlich in der Lage. Wohl aber möchte ich auf Grund meiner langjährigen Erfahrungen betonen, daß freiwilligen Kräften absolut nicht zugemutet werden darf, sich ununterbrochen das ganze Jahr hindurch mit der Leerung und Verteilung von Büchsen zu befassen. Hingegen möchte ich folgendes vorschlagen: In den Großstädten sollen die Föderationen mit der Büchsenmanipulation vornehmlich bezahlte Kräfte betrauen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Kosten sich hierdurch ein wenig erhöhen. Dieselben werden meiner Überzeugung nach mit Zinseszinsen wieder hereingebracht werden. In den klein er n Städten sollte jedoch die Büchsenleerung durch freiwillige Kräfte auf gewisse Gedenk- und Feiertage beschränkt werden. Wenn ich mich recht erinnere, ist bereits von russischen Gesinnungsgenossen einmal angeregt worden, daß die Büchsen ausschließlich an den Chol-Hamoed- Tagen des Pessach- und des Sukkoth-Festes geleert werden sollten. Ich möchte diese Anregung dahin modifizieren, daß eben dort, wo nur freiwillige Kräfte vorhanden sind, diese