Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 21 DIE ELT 465 -Die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Österreich hat Anfang April d. J. an die Vorstände sämtlicher jüdischer Gemeinden Österreichs folgendes Zirkular versandt: Löblicher Kultusvorstand! Sehr geehrte Herren! Die ergebenst gefertigte Sammelstelle erachtet es für ihre Pflicht, den Vorständen der israelitischen Kultusgemeinden stets von neuem den hohen Wert des Jüdischen Nationalfonds zu beweisen und ihnen seine Förderung aufs wärmste nahezulegen. Diese Institution ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und darauf die jüdischen Flüchtlinge, die heute die Welt in unversieglichem Strom, von Ort zu Ort bettelnd durchziehen, bodenständig zu machen. So allein wird statt augenblicklicher dauernde Hilfe geboten. Der Fonds hat, Ende 1901 vom V. Zionistenkongreß in Basel gegründet, bereits die Höhe von 1 800 000 Kronen erreicht, wovon vorerst ein Teil zum Landkauf an wichtigen Punkten Palästinas verwendet wurde. Auf Nationalfondsland erheben sich zu Jerusalem die Bauten der Kunstgewerbeschule „Bezalel" und des Jüdischen Museums, längs der Bahnstrecke Jaffa—Jerusalem trägt Nationalfondsland die landwirtschaftliche Schule „Kiriath Sefer" und die Ölbaumpflanzungen des Herzlwaldes, am See Genezareth ist Nationalfondsland an die Landentwicklungsgesellschaft für ihre Musterfarm und an jüdische Bauern aus dem Kaukasus verpachtet, und auf Nationalfondsland wird die technische Hochschule in Haifa aufragen. Doch soll das große Werk gelingen, muß der Nationalfonds ins Vielfache wachsen durch die hochherzigen Opfergaben unserer Brüder. Und wessen Beispiel wird da eher zünden als jenes der Kultusvorstände, der gesetzlichen Repräsentanten der Judenschaft! Bald naht wieder das hohe Fest, das uns zurücklenkt in die Zeit der Gefangenschaft uqd Befreiung Israels. Wenn der Familienälteste von den Leiden unserer Väter aus der Hagadah vorliest, wenn unser Gefühl mächtig bewegt wird, sollen wir da nicht auch der Leiden unserer jetzt lebenden Brüder gedenken und zur Abhilfe beitragen? Werte Herren! Das jüdische Volk verlangt eine dauernde Hilfe, und das Instrument dazu ist der Jüdische Nationalfonds. Darum ist es Pflicht eines jeden bewußten Juden, diese Institution nach Kräften zu fördern. Wir stellen daher unter Beischluß einer Broschüre, die näheren Aufschluß über den Nationalfonds gibt, an den verehrlichen Vorstand das höfliche Ersuchen, er möge in der nächsten Sitzung eine Spende an den Jüdischen Nationalfonds beschließen. Diese Spenden werden in der „Jüdischen Zeitung", Wien, außerdem für Böhmen in der „Selbstwehr", Prag, für Mähren- Schlesien in der „Jüdischen Volksstimme", Brünn, und für Galizien im „Wschod", Lemberg und im „Jüdischen Tagblatt", Lemberg, ausgewiesen. Im Jahre 1908 flössen aus Österreich für den Nationalfonds über K. 60 000.— ein, darunter die Subventionen folgender Kultus vorstände: Mähr.-Ostrau K. 100.—, Pilsen K. 50.—, Bisenz K 20.--, Eger K 20-, Göding K 20.—, Amstetten K 10.—, Budweis K. 10.—, Maschau K 5.—, Radenin K. 5.—, Straßnitz K. 5.—, Waidhofen a. d. Thaya K. 5.—. Wir appellieren daher nochmals an Ihr jüdisches Herz und zeichnen, dem Erfolge unseres Schreibens entgegensehend, mit vorzüglicher Hochachtung! Die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Österreich Wien IX, Türkenstraße 9. (Postsparkassenkonto 100208) Aus den Spendenausweisen in der „Jüdischen Zeitung" ersehen wir zu unserer großen Genugtuung, daß das vorstehende Zirkular der österreichischen Sammelstelle von gutem Erfolg begleitet war Bisher finden wir folgende Beiträge jüdischer Gemeinden auf Grund dieses Rundschreibens ausgewiesen: Waidhofen Kr. 5.—, Budweis 10.—, Ragusa 4.—, Ung.-Hradisch 10.—, Gablonz 25.—, Kladno 20.—, Neubydzow 10—, Ohnütz 10.—, Pohrlitz 20—, Radenin 5.—, Gewitsch 5.—, Kralup 10.—, Luditz 5,—, Pilsen 20—, Troppau 20.—, Zolynia (Galizien) 1.—. Wir empfehlen sämtlichen Landessammelstellen des J. N.-F. wärmstens, sich mit einem ähnlichen Rundschreiben an die jüdischen Gemeinden ihres Gebiets zu wenden und diese Aktion womöglich alljährlich zu erneuern. Dem Rundschreiben ist am besten ein Exemplar unserer Broschüre „Was ist und will der Jüdische Nationalfonds?" sowie unsere Flugblätter Nr. 1 und Nr. 6 beizufügen. Wir sind überzeugt, daß eine derartige Aktion, umsichtig durchgeführt, in den allermeisten Ländern den gewünschten Erfolg bringen wird. SPENDEN AUS WEIS J Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Osterreich: (Adresse: Wien IX, Türkenstraße 9. — Publikationsorgan: „Jüdische Zeitung", Wien.) Vom 3. —10. d. M. eingegangen und in Nr. 20 der „Jüdischen Zeitung" detailliert ausgewiesen: Allgemeine Spenden..............Kr. 273.23 Selbstbesteuerung ...... .(.........146.81 Sammel bogen..................., 200.57 Büchsen ....................„ 267.66 Summe Kr. 888.27 Jt 755.03 Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Belgien: (Adresse: Oscar Fischer, 4 Rue Rembrandt, Antwerpen. — Ptiblikationsorgan: „Hatikwah", Antwerpen.) Im Mai d. J. eingegangen: Goldenes Buch*).........Frcs. 250.— Ji 202.50 Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Argentinien: (Adresse: Juan Juritz, Lavalle 1236, Buenos Aires. — Publikationsorgan: „Die jüdische Hoffnung", Buenos Aires.) Vom 1. März bis 1. April d. J. eingegangen und in Nr. 4 der „Jüdischen Hoffnung" detailliert ausgewiesen: Allgemeine Spenden . ........... .Arg. $ 236.90 Selbstbesteuerung..............„ „ 2.70 Summe Arg. $ 239.60 Jl 426.49 *) Siehe die Rubrik »Eintragungen ins Goldene Buch«, Nr. 3033.