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Die Welt · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 19 DIE ELT 417 zerbrechen sie sich den Kopf der Regierung. Nur fehlt ihnen der jüdische Kopf. (Heiterkeit.) Was kümmern uns Polen und Regierung? Unser Selbsterhaltungstrieb ist maßgebend! (Beifall). Schließlich vertritt Redner die Forderung des allgemeinen Wahlrechts. Nur auf dieser Grundlage känh der Gemeindebund eine Vertretung der 1 250 000 Juden Österreichs sein. Sonst ist er ein Rumpf. Der Bundestag muß aus direkten Wahlen hervorgehen, oder aus Kultusräten zusammengesetzt sein, die dem allgemeinenen Wahlrecht ihre Wahl verdanken. Weichen Siefen Wünschen, bevor Sie der Forderung der Massen weichen müssen. (Beifall). Im weitem Verlauf der Debatte sprechen die Herren Dr. Körner, Dr. Straucher, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Pappenheim und andere. . Die Orthodoxen protestieren gegen,die Organisation. Präsident Dr. Stern telt mit, daß 206 Gemeinden Galiziens gegen die Gesamtorganisation Einspruch, erhoben haben. In der Nachmittagssitzung plädierten die Herren Dr. Fiola, Kais. Rat Po Hak, Dr. Eben für eine nu r westösterreichische Organisation. (Schluß folgt). Nachschrift. Der Antrag^.Galizien, vor* vornherein aus der Gesamtorganisation auszuschließen, ruft eine sehr bewegte Debatte Hervor. Abg. Dr. Straucher erklärt, im Falle, daß Galizien aus der Reichsorganisation ausgeschieden werden sollte, die jüdischen Gemeinden der Bukowina gleichfalls dem Verband fernbleiben werden. Die Mitglieder des Jüdischen Klubs erklärten, den Gesetzentwurf, der für Galuien keine Gültigkeit hat, im Reichsrat verhindern zu müssen. Unter dem Eindruck dieser Enanziationen wurde der Antrag, Galizien auszuscheiden, abgelehnt. Komitee zur Herausgabe der gesammelten Schriften Mathias Achers In Czernpwitz hat sich ein Komitee gebildet, um die Herausgabe der gesammelten Schriften Mathias Achers in die Wege zu leiten. Die Schriften dieses Klassikers der jüdisch-nationalen Bewegung sind in vielen Zeitungen und Zeitschritten verstreut oder schon vergriffen und dadurch nicht leicht zugänglich. Um dem abzuhelfen, will das Komitee eine Gesamtaufgabe der jüdisch-nationalen Schriften Mathias Actiers veranstalten und wendet sich an die jüdische Öffentlichkeit mit der Bitte, es in diesem Bestreben durch Subskriptionen auf die herausgegebenen Schriften wie auch durch Widmungen für den .Verlagsfonds zu fördern. Der Aufruf trägt nachfolgende Unterschriften: Schalom Asch (Kazmerz), Dr. G. Belkowsky (Petersburg), S. Dubnow (Petersburg), Dr. J. Eliaschoff (Kowno), Berthold Feiwel fCharlottenburg), Dr. J. Friedländer (New York), Ephraim Frisch (Berlin), Heinrich Loewe (Berlin). Dr. L. Magnes (New York), Oberrabbiner Dr. J. Niemerower (Jassy), Dr. G. Pasmanik (Genf), J. L. Perez (Warschau). Sal. Rabinowicz (Nervi), Felix Saiten (Wien), Fabius Schach (München), Dr. J. Schalit (Wien), Dir. Prof. Boris Schatz (Jerusalem), Salomon Schiller (Lemberg), Davis Trietsch (Berlin),. Dr. Theod. Zlocisti (Berlin). Ver. jüd. Stud., Berlin — Ver.'jüd. Stud., Breslau — Ver. jüd. Stud., Charlottenburg — Ver. jüd. Stud., Straßburg —' Ver. jüd. Stud., Freiburg — Ver. jüd. Stud., Königsberg — Ver. jüd. Stud., Marburg — Ver. jüd. Stud., München — Ver. jüd. Stud. Makkabaea, Berlin (alle im B. J. C.) — Barissia, Prag — Bar-Giora, Wien — Bar-Kochba, Wien — Bar Kochba, Stanislau — Bar Kochba, Tarnow — Chermonia, Radautz — Emunah, Czernowitz — Emunah, Stryj — Esperanza, Wien — Hasmonaea, Czernowitz — Hebronia, Czernowitz — Jordania, Wien — Ivria, Wien — Jüd. Kultur, Wien — Jüd. Lese- und Redeha'le, Brünn — Kadimah, Wien — Ognisko, Lemberg — Przeds'wit-Haschachar, Krakau — Ver. Theodor Herzl, Wien — Urjitas, Wien — Veritas, Brünn — Ver. zion. Stud., Leipzig — Zephirah, Czernowitz — Zephirah, Wien. Die Zahlstelle für Widmungs- und Subskriptionsbeträge, die man evil. schon jetzt einzuzahlen wünscht, ist die Jüdische Volks- Vorschußkasse in Czernowitz (Jüd. Haus) pr. P.-A. Direkte Subskriptionsanmeldungen und nähere Auskünfte bei dem Exekutivkomitee in Czernowitz, Petersplatz 2. Dänemark Kopenhagen. Auf der Bühne des hiesigen königlichen Theaters erregte die Aufführung des Schauspiels „Daniel Hertz" von Rechtsanwalt Henri Nathansen großes Aufsehen, einmal wegen der künstlerischen Qualität des Werkes, die weit über das Durchschnittsmaß der in den letzten Jahren entstandenen dänischen Dramen emporragt, sodann aber wegen der Tendenz des Stückes. Das Stück beschreibt die seelische Entwicklung des hochkultivierten Juden Daniel Hertz, der, von sozialdemokratischen Ideen begeistert, seine ganze Stellung und Persönlichkeit diesen Idealen opfert. Dadurch wie auch durch seine Ehe mit einer Christin gerät er in Konflikt mit seinem ganzen Kreis und muß zuletzt auch die Enttäuschung erleben, sich von den Arbeitern verhöhnt und als Jude verspottet zu sehen, da er. einen seiner Meinung nach ungerechten Streik durch ein Kompromiß beendet. In dieser Krisis findet Daniel Hertz, dessen Sohn ein selbstbewußter und aufrechter Jude ist, sich selbst wieder. Das jüdische Stammesgefühl, das tiefer in ihm wurzelt, als er geglaubt hat, kommt zum Durchbruch und verhilft ihm wieder zur Selbstachtung. Einen ähnlichen Entwicklungsgang erlebt seine Cousine, die, von einer öden Ehe mit einem Nichtjuden durch dessen Tod befreit, sich wieder zu ihrem alten Geschlechte zurückfindet. Unter den Schauspielern zeichnete sich der jüdische Schauspieler JacobTexiere als Bruder des Daniel Hertz besonders aus. Überhaupt war die Aufführung ausgezeichnet. Der Verfasser, der selbst die Inszenierung seines Werkes geleitet hatte, wurde nach diesem gelungenen Versuche sofort als Regisseur des königlichen Theaters engagiert. Lund (Schweden). Hier wurde jüngst eine Unterabteilung des „Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" gegründet. Den Vorsitz hat Fräulein E. Levin übernommen. Überhaupt macht die zionistische Bewegung hier gute Fortschritte. Es besteht eine .ständige Lesehalle, wo allwöchentlich zionistische Vorträge abgehalten werden. Persien In Kirmanschah in Persien ist das Judenviertel ausgeraubt worden. Den yorwand bot die Ausstreuung, daß ein „Seyed'Y d. i. ein von Ali abstammender Priester, im Dienst eines Juden stehend, von diesem mißhandelt und zu Tode gekommen sei. Es war kein Wort davon wahr, aber es reichte aus, eine regelrechte und vollständige Ausplünderung des Judenviertels herbeizuführen. Die Konsule, an der Spitze der englische Konsul, haben die Abberufung des Gouverneurs verlangt, der nichts getan hatte, um die Plünderung hintanzuhalten. Der englische Konsul besteht auch unbedingt auf Entschädigung der Beraubten. Die Alliance IsraeMite Universelle, von den Unglücklichen um Hilfe angegangen, hat sofort telegraphisch 6000 Francs für die erste Hilfeleistung nach Kirmanschah überwiesen. Ein eigentümliches Mittel im Kampf um die Gleichberechtigung Die National Liberal Immigration League hat eine Aktion eingeleitet, die darauf hinzielt, den amerikanischen Missionaren in Rußland volle Bewegungsfreiheit zu sichern. Bisher war den Missionaren nur gestattet, vor Angehörigen nichtorthodoxen Glaubens zu pred'gen. Die Aktion wünscht, auch die griechisch-orthodoxe Masse des russischen Volkes dieser Wohltat teilhaftig werden zu lassen. Eigentümlicherweise verspricht sich die League hiervon auch einen erfreulichen Einfluß auf die Judenfrage. Sie behauptet nämlich, daß alle Griechen, Bulgaren, Armenier und andern orientalischen Christen, die von amerikanischen Missionaren bekehrt worden seien, zugleich auch tolerant und Gegner der Blutbeschuldigung gegen die Juden geworden seien. Amerikanische Menschlichkeit Unter dieser Überschrift brachten wir in unserer letzten Nummer einen Bericht über die erfolgte Verschickung eines dreijährigen Knaben, der zur Verzweiflung seiner Eltern mutterseelenallein von der amerikanischen Einwanderungsbehörde nach Rotterdam zurückgeschickt Wurde. Gleich nach Erhalt dieser Nachricht hat sich die Redaktion unseres.Blattes mit unserm bewährten Gesinnungsgenossen, Herrn D. Cohen in Deventer, in Verbindung gesetzt und ihn auf den Fall aufmerksam gemacht. Es freut uns sehr, mitteilen zu können, daß es den Bemühungen des Herrn Cohen sowie dem Einschreiten des Vereins Montefiore in Rotterdam gelungen ist, den Knaben ausfindig zu machen und ihn vorläufig in Pflege zu nehmen. Die unglücklichen Eltern sind von der Rettung ihres Kindes benachrichtigt. Wie uns das Odessaer Komitee mitteilt, hat dasselbe beschlossen, außer der dem Bezalel bewilligten jährlichen Subvention von Frs. 1200 noch eine weitere jährliche Subvention von Frs. 300 zur Errichtung einer billigen Küche für die Schüler des Bezalel zu gewähren. i ' < l. »4 ,K \ /' j* v ■ & >-u? :t ii it. i

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