Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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den Zionisten des Staates Texas veranstaltet wurde. Nach der Eröffnung der Konferenz durch Dr. S. Burg aus San Antonio, und nachdem Rev. S. Margolis aus Dallas ein Gebet verrichtet hatte, begrüßte Rev. W. Wilner aus Houston, der gescrfäftsführende Vorsitzende der Texas Zionist Association, die Konferenz in einer warmen Ansprache. Ihm antwortete namens der Stadt Waco Rev. B. J. French. Nachmittags erstattete der Sekretär J. D. Geethe und der Schatzmeister Philipp Garonzik den Rechenschaftsbericht. Jede Gruppe des Verbandes konnte von einer erfreulichen Entwicklung berichten, die geldliche Lage der Vereine ist ausgezeichnet, die Mitgliederzahl hat beträchtlich zugenommen. J. N. Mehl, Fort Warth, stellte den Antrag, die Texas Zionist Association solle zur praktischen Unterstützung der Bewegung schreiten, indem sie den Grundstein zu einer jüdischen Kolonie in Palästina lege, die den Namen „Texas" führen soll. 'Der Antrag wurde einstimmig angenommen, die Gruppe Fort Worth stiftete einen ersten Beitrag von 100 Dollars. Andere Gruppen schlössen sich der. Sammlung an. Abends fand eine große Massenversammlung im Majestic Theatre statt, die von Juden und Nichtjuden gleich stark besucht war und vom Gemeinderat offiziell begrüßt wurde. Ansprachen hielten die Herren Rev. W. Wilner, Dr. Blumenthal, Rev. S. Margolis und A. H. Fromenson, der im Auftrag der Federation of American Zionists, auf einer Agitationstour durch Texas begriffen ist. Die Verhandlungen am zweiten Verhandlungstag gestalteten sich sehr anziehend. Referate wurden erstattet über Propaganda, Palästinaarbeit usw. Es wurde beschlossen, bei der nächsten Jahreskonferenz eine Ausstellung von Palästinaprodukten zu veranstalten. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: L. Freed, San Antonio, Präsident; Rabbi Margolis, Dallas und L. F. Shanblum, Fort Warth, Vizepräsidenten; J. Geethe, Dallas, Schriftführer; Miss Lydia Littmann, Austin, zweite Schriftführerin und J. N. Mehl, Fort Worth, Schatzmeister. Es wurde beschlossen, mit den Vorarbeiten für die geplante Kolonie in Palästina sofort zu beginnen. :-=;^^= §° ^=^^L NACHRICHTEN Deutschland Li^^mZm^mZI Nach Schluß der Redaktion erhalten wir aus Hamburg die tiefbetrübende Nachricht, das Gustav Tuch daselbst am 2. Februar im Alter von 75 Jahren gestorben ist. Der Zionismus, das Judentum, die Menschheit erleidet mit dem Hinscheiden dieses wahrhaft großen und guten Juden einen gleich schweren Verlust. Wir behalten uns vor, in der nächsten Nummer auf die Verdienste des Entschlafenen zurückzukommen. Köln: Der Jüdische Turnverein hielt am 28. Januar seine Generalversammlung ab, die sich eines starken Besuches der Mitglieder erfreute. Der Vorsitzende Herr J. Berger, konnte in seinem Berichte mit Genugtuung feststellen, daß sich der Verein im abgelaufenen Jahre ausnehmend günstig entwickelt habe. Das Jahr 1908 sei in jeder Hinsicht das erfolgreichste Jahr seit der Gründung des Vereins im Jahre 1902 gewesen. Die Mitgliederzahl ist von 102 auf 153 gestiegen, der Turnbesuch hat sich um ca. 35° o gehoben. An den drei wöchentlichen Turnabenden turnten durchschnittlich je 30 Herren und 14 Damen, insgesamt wiesen die 142 Turnstunden eine Teilnehmerzahl von 2369 Damen und Herren auf. Das Spielturnen hat dadurch, daß die Stadt dem Verein die Benutzung des städtischen Spielplatzes am Lindentor gestattete, eine besonders günstige Entwickelung erfahren. Der Verein veranstaltete im abgelaufenen Jahr 2 Tagesmärsche, 4 Ausflüge mit Damen, 3 Vorträge, 4 gesellige Veranstaltungen und die Makkabäerfeier, die in diesem Jahr stärker besucht war als in je einem Jahre zuvor. Die Finanzen des Vereins sind befriedigend, der Etat schließt in Einnahmen und Ausnahmen mit JC 1936,24 ab. Die Synagogengemeinde Köln gewährte dem Verein auch im verflossenen Jahre wiederum eine Subvention von JC 300. Hervorzuheben ist die Abhaltung der Ersten Allgemeinen Vorturnerstunde der Jüdischen Turnerschaft, die zu Pfingsten 1909 stattfand und von zahlreichen Vorturnern der in der Jüdischen Turnerschaft zusammengeschlossenen jüdischen Turnvereine Deutschlands und Österreichs beschickt war. Dankbar gedenkt der Bericht der warmen Anteilnahme der Kölner Jüdischen Gemeinde an dieser so bedeutenden Veranstaltung. Die Generalversammlung nahm ein neues Statut an. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der Herren J. Berger, (erster Vorsitzender), Heinrich Mayer, (erster Turn wart), Karl Gutmann, (zweiter Turnwart), M. Goldreich, (Kassierer). Zu Schriftführern wurde gewählt Herr Ingenieur Pietrkowsky und Fräulein Löwenthal, als zweiter Vorsitzender Herr Lehrer Reinhard und als Beisitzer die Herren Th. Berger und Lehrer Baum. Österreich (Von unserrn Berichterstatter) Verein;;Jüdische Bühne" Freitag, den 29. d. M. hielt der neugegründete Verein „Jüdische Bühne" im Saale des Zionistischen Zentralvereines eine konstituierende Versammlung ab. Dr. Oskar Rosenfeld referierte über die Notwendigkeit und die Aufgaben einer Bühne, die, die Aufführung dramatischer Werke jüdischer Autoren zum Zwecke hat. Es folgte die Wahl des leitenden Ausschusses. In den Spielplan der „Jüdischen Bühne" wurden aufgenommen: „Winter" von Schalom Asch, „Vom Glück vergessen" und „Eisik Scheftel" von Pinski, „Die Schwestern" von Perez, „Die Versprengten" von Scholem Aleichem. Der Leiter der Bühne Herr Brecher gedenkt in einigen Wochen auch das „Neue Ghetto" von Herzl zur Aufführung zu bringen. Frau Pevsner in Galizien Im Auftrage der paole-zionistischen Parteiexekutive weilt seit mehreren Wochen in Galizien Fran Br. Pevsner. Die bekannte Volksrednerin sprach bereits in etwa 30 Versammlungen der österreichischen Paole-Zion, die von vielen Hunderten besucht wurden, über Palästinaarbeit, den „Bezalel" und die Aufgaben der jüdischen arbeitenden Frauen. Die Rednerin erntete überall geradezu begeisterten Beifall. Das materielle Ergebnis der Agitation, die vor allem dem „Bezalel" zugute kommt, beweist, daß die stürmischen; Zustimmungskundgebungen der Versammlungsteilnehmer keine platonischen sind. Der Erfolg der Agitationstour der Frau Pevsner zeigt, daß die jüdischen Massen Galiziens die Größe des gegenwärtigen Momentes begreifen und zu namhaften Opfern für die Sache der Palästina-Kolonisation bereit sind, wenn man durch kräftige Agitation ihre schlummernden Sympathien in die Tat umzusetzen versteht. Rumänien;;More judaico* redivivus Leider stellt es sich nur zu bald heraus, daß die Freude über die angebliche Beseitigung der barbarischen Eidesformel „more judaico" verfrüht war. Am 3./16. Januar, also wenige Wochen nach dem von sämtlichen jüdischen Zeitungen gemeldeten Urteilsspruche des Kassationshofes, wonach diese Eidesformel abgeschafft sei, wies das Appellationsgericht zu Jassy die Berufung des Rabbiners Taubes, der seine Assistenz bei solcher Eidesleistung verweigert, zum dritten Male zurück, legte ihm eine Geldstrafe von 300 Frcs. auf und traf zugleich die Entscheidung, daß diese Eidesformel nach wie vor in traditioneller Form aufrecht zu erhalten sei. Es sind dies dieselben Jassyer Richter, welche vor kurzem vom berüchtigten Professor Cuza und Gesinnungsgenossen des Philosemitismus beschuldigt wurden und vom Justizminister wegen Begünstigung von Juden bei Rechtssachen einen Verweis erhielten. . . Diese Überraschung war übrigens, bei den zurzeit besonders in den richterlichen Kreisen vorherrschenden Stimmungen den Juden gegenüber, vorauszusehen; zumal ja jener Urteilsspruch des Kassationshofes bereits der zweite dieser Art war ... Die Richter lassen sich eben dieses ihr Recht der — Judenquälerei nicht so leicht nehmen. Die jüdischen Gemeinden Rumäniens und deren Rabbiner werden voraussichtlich kaum eher den „Judeneid" los werden, als bis sich die Landesrabbiner — die dazu besonders berufen erscheinen — entschließen werden, bei der Regierung einen entscheidenden Kollektivschritt in dieser Angelegenheit zu tun-. Palästina-Reisen Die Palästina-Kommission der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland" ersucht uns um Veröffentlichung des nachstehenden Schreibens des Palästinaamts in Jaffa. Wir nehmen an, daß der Inhalt des Briefs für weitere jüdische Kreise von Interesse sein dürfte. Das Palästinaamt schreibt: Wir teilen Ihnen höflichst mit, daß wir mit dem Österreichischen Lloyd in Triest wegen einer zionistischen Touristenfahrt nach