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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 35)
Language
German
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ier Schaffung des Parteifonds) ein Wort weiter zu verlieren, wäre liberflüssig.....darum kann kein Zweifel darüber bestehen, daß :; sich jeder von uns zur Ehrenpflicht machen muß, den Beitrag leisten....." Und wieder vier Wochen später brachte „Die Welt" den ersten usweis der bis dahin eingegangenen Beträge. Ganze 13000 Mk., irunter 5000 Mk. allein vom Präsidenten! Damals schrieb das Zentralureau: „Der heutige Ausweis spricht von der Arbeit dreier Landsmannschaften, die nächsten müssen die ganze zionistische Organisation urnütig zeigen an der Arbeit usw. usw. ..." In der vorliegenden Nummer wird, wie ich erfahren habe, ein veiter Ausweis enthalten sein. Nicht ganz 3000 Mark; zwei . andsmannschaften, sind zu den bisher aufgezählten dreien als \rbeiter für den Parteifonds hinzugekommen. Was sollen wir angesichts dieses Ergebnisses tun? Sollen wir ■ utlos und verweifelt die Hände sinken lassen? War die Begeiste- ,iig des Kongresses unecht und gab sich das zionistische Zentraiireau einem falschen Wahne hin, als es annahm, daß jeder Zionist irenhalber verpflichtet sei, nach seinem Vermögen beizutragen? ollen wir annehmen, daß die Landsmannschaften etwa ihrer Pflicht cht nachkommen wollen? Wir vermögen es nicht zu glauben. Wir wollen annehmen, iß der Ruf noch nicht laut genug erschallte, daß das Deutliche )cli nicht klar genug geworden, daß die Notwendigkeit noch nicht ringend genug beschrieben worden ist. Gerne und oft hat man in der Organisation den Vorwurf hoben, daß sie nicht genug Arbeitsmöglichkeiten biete. Und auch iz\ werden wieder Stimmen laut, die es entrüstet von sich weisen, i dieser „Kleinarbeit" mitarbeiten zu sollen. Wie liegen denn c Dinge? Es fällt schwer, Banalitäten zu wiederholen. Aber es scheint, s könne man nicht genug darauf hinweisen, daß das Haupthindernis und in diesem Augenblick vielleicht das einzige Hindernis — •r Realisierung unserer Ideen die Schwäche unserer finanziellen raft ist. Muß man es denn noch einmal und immer wieder sagen? i diese Selbstverständlichkeit denn noch nicht offen genug zutage ..'treten? Was immer man auch erstreben mag, kulturelle Hebung, raktische Kolonisation, politische Arbeit: was bedeutet denn dies lies mehr als Worte, hohle, leere Phrasen, solange nicht die löglichkeif, solange nicht das bare Geld vorhanden ist, sie aus Gegriffen zu Realitäten umzugestalten? Ist es nicht beschämend, aß dieses immer wieder gesagt werden muß? Ist man sich denn der Verantwortlichkeit bewußt, die heute uf den Schultern der Zionisten liegt? Wir haben es unternommen, . m die endgültige Lösung der Judenfrage zu gehen. Ein festes ersprechen haben wir gegeben. Mehr noch, wir haben die orbereitenden Schritte getan, als Leute, die in der Lage sind, nicht ei Worten stehen zu bleiben. Weiß man, was dieses bedeutet? Erfaßt man die ungeheure Verantwortung, die wir nicht dem iclischen Volke, die wir der jüdischen Geschichte gegenüber überkommen haben? Und ist man sich endlich klar, worin unsere löglichkeiten bestehen und was es ist, das wir haben müssen, um im Ziele zu gelangen? Die Parteisteuer! Wahrlich, keine große Sache. Jeder Zionist oll einmal, soll in diesem Jahre 5 Francs für die Bewegung bei- ■euern. Man könnte es verlangen und man müßte es geben, auch enn nicht das auf dem Spiele stände, was heute zu gewinnen ist. '^der soll nach seinem Vermögen geben! Zehn Mark, fünfzig, ändert, tausend, ja, was ist denn das dieser Aufgabe gegenüber? ■V'ie stellt man sich denn vor, daß sie gelöst werden soll? Hört Misere Begeisterung auf, wenn sie sich in dreistelligen Ziffern, wenn ie sich überhaupt in Ziffern ausdrücken soll? Dann hätten wir ias Werk nicht beginnen dürfen. Aber wir haben es gewagt, und Air wollen es doch auch, fürwahr, zu einem guten Ende, zu dem linde bringen. Die Sache ist so einfach! Jeder gebe, was er in diesem Augenblick der Bewegung opfern kann, was er von seinem Vermögen für den Zionismus entbehren kann; mindestens aber gebe jeder 5 Francs. Ist da noch ein Wort zu verlieren? Oder weiter: Jeder sorge, daß der andere gebe; tue, was in seinen Kräften steht, um den Fonds groß zu machen. Ist da noch etwas hinzuzufügen? Denn, das wird man wohl jetzt eingesehen haben, er kann gar nicht groß genug sein. Die größte Summe, die wir uns erdenken können, wird gering sein im Vergleich zu dem, was notwendig ist Aber sie wird die Ausführung ermöglichen. Denn sie wird den <'indern der Beweis dafür sein, daß wir es ernst meinen, daß mit l!"s zu rechnen ist, daß wir wirklich mehr sind als Träumer und Schwätzer. Mehr noch: Von ihrer Größe hängt es ab, ob wir überhaupt arbeiten können. Das soll einmal gesagt werden und darüber soll man sich bald und ganz klar werden. Wird jetzt noch einer zurückstehen wollen? Wird er's noch über sich bringen, den Namen Zionist tragen zu wollen und jetzt abseits zu stehen? Hochverrat wäre dies. Und dieses Wort soll nimmer in der Geschichte des Zionismus gebraucht werden müssen. Izchack Wie gearbeitet werden muß! In Dessau hatte die zionistische Ortsgruppe die Sammlung begonnen. Die Wohlhabenderen hatten ihr Scherflein gegeben, die Liste war nach Berlin abgesandt Etwas über 100 Mark war das Ergebnis. In Berlin war man nicht sehr befriedigt davon. Ein Brief wurde geschrieben und wirkte Wunder. Zwei Tage später hatte die deutsche Zentrale das Dreifache des erstmalig gesammelten Betrages aus Dessau in Händen. In Hamburg wird jeder Schekelzahl er persönlich aufgesucht. Niemand wird außeracht gelassen, auch nicht die zufälligen Versammlungsbesucher, die ihren Schekel mehr gelegentlich als aus prinzipieller Überzeugung gegeben haben. Und der Erfolg ist bisher recht gut. Ein ähnliches Verfahren mit ausgezeichnetem Erfolg wurde in Teplitz angewandt. _J. Kbg. Wiesbaden: Der hiesige Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat eine Toynbeehalle errichtet. Jassy: Die hiesige Gemeinde macht auf kulturellem und philanthropischem Gebiete erfreuliche Fortschritte. Da jüdische Schüler nur in beschränktem Maße aufgenommen werden, wurde auf Anregung der Herren Dr. Nimirower, Dr. Steuermann, Lippe und Bornstein eine erste hebräische Gymnasialklasse eingerichtet, im Hofe des jüdischen Hospitals ließ Frau C. Lcion eine sehr schöne Leichenhalle errichten. Wahlergebnis „Emunah", Bielitz: iur. Artur Felsen X med. Rudolf Rosner XX phil. Leo Fink XXX Die Reproduktionen der auf der Jüdischen Kunstausstellung in Berlin ausgestellten Werke von Gottlieh, Ury, Kaufmann, Hirszenberg, Pilichowski, Adler, Salonion, Israels, Oppenheimer, Pissaro und Glicenstein sind uns durch den Verlag „Ost und West" freundlichst zur Verfügung gestellt. Die beiden Vignetten „Chanukahmysteriuni" zeichnete Otto Feldmann - Köln. Infolge des besonders reichhaltigen Inhaltes dieser Nummer mußten eine größere Anzahl von Nachrichten, Notizen und Mitteilungen aus der Bewegung zurückgestellt werden. „Morgen", Wochenschrift für deutsche Kultur, Berlin, W. 60, Marquardt & Co. Inhalt der Nr. 25: Karl Jentsch: An die preußische Regierung; Karl Schnitzler: Spiegelung; Thierry-Cazes: Ist Frankreich kriegsbereit? Georg Brandes: Alexander L. Kielland;'S. Saenger: Zum Kampf gegen das Übermenschentum; Guy de Maupassant: Frisches Lakritzenwasser; Roman Rolland: Claude Debussy, Pelleas und Melisande; Hans Rosenhagen: Künstlerbund und Kunstausstellung in Paris; Bruno Buchwald: Prognosen; Musik, Bristolbriefe, Der Erste. „März", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma, Hermann Hesse, Albert Langen, Kurt Aram. Zweites Novemberheft 1907. Preis Mk 1.20, im Abonnement: das Quartal (6 Hefte) Mk. 6.—. Verlag von Albert Langen in München. Im zweiten Novemberheft, das uns vorliegt, stellt Ludwig Thoma in einem Artikel ..„Der große Skandal" seine Betrachtungen über den Prozeß Moltke-Harden an. Über ,,Die Erfolge des Grafen Zeppelin", dessen erfolgreiche Fahrten mit seinem Luftschiff noch in aller Erinnerung sind, verbreitet sich Herr von Kehler und unterstützt seine Ausführungen durch eine Anzahl Abbildungen. Der frühere französische Minister Tves Guyot untersucht die Gründe, die Krankreich daran hindern, „Die deutschen Werte an der Pariser Börse" zunächst zuzulassen „Die Reise des Kaisers nach England-1 findet in diesen Tagen statt. Da wird es interessieren zu erfahren, wie der Herausgeber der „Wcstminster Gazette", T. A. Spender, über den gegenwärtigen Stand der englisch-deutschen Beziehungen denkt, und welche Hoffnungen er auf den Besuch des Kaisers setzt. Ferner bringt das Heft die Fortsetzung des Romans „Zwölf aus der Steiermark" von Rudolf Hans Bartsch, einen zweiten „Märzbrief" von Jakob Schaffner, der uns ein Bild von Hamburg gibt, wie es sich in dem Kopf dieses prächtigen Poeten spr gelt, und von dem Entdecker der Nordwest-Passage, Roald Amundsen, eine köstlich und amüsant geschriebene Schilderung der Sitten und Gebräuche der „Eskimos um den magnetischen Nordpol". Professor Dr. Ludwig Stein nimmt in seinem Aufsatz „Mechanismus und Vitalismus" zu dieser Frage Stellung. Besonders aktuelle Themata behandeln die Rubriken Rundschau und Glossen.

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