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Die Welt · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ansicht der Kolonie Rischon Lezion RISCHON LEZION Am 25. Juli dieses Jahres feiert die Kolonie R'ischon Lezion die fünfundzwanzigste Wiederkehr ihres Qrüniungstages. Am 15. Ab unseres Jahres 5642 (1882) wurden die Verkaufspapiere unterzeichnet, auf Grund deren ein Stück Boden von ca. 300 Hektar Fläche an eine Gruppe von Juden überging, die von Rußland nach Palästina übergesiedelt waren. Zehn Mitglieder zählte die Gruppe Jamals. Drei von ihnen leben heute noch als Kolonisten in Rischon*), und einer von diesen, Freimann, läßt soeben in Jerusalem eine hebräische Festschrift von ca. 15 Bogen drucken, die eine Art Chronik der Kolonie darstellt und einen tiefen Einblick in die Entstehung, ßntwickelung und mannigfachen Ereignisse gewährt, lus denen Rischon als eine der interessantesten jüdischen Ansiedelungen hervorgegangen ist. In dem Buche wird geschildert, wie man zuerst gerechnet hatte, die Kolonie gemeinsam zu bewirtschaften, wie aber schon nach einem halben lahre dieser Plan aufgegeben werden * nußte; wie man dann herausfand, daß der Boden sich für Ackerbau licht eigne und wie man dann zum Weinbau überging — wie die bessergestellten Kolonisten zuerst im Interesse der ärmeren Mitglieder in West-Europa Stimmung für die Kolonisation zu machen suchten, und wie dann das dort (besonders bei Baron Rothschild in Paris) erweckte Interesse ihnen selbst zur Rettung *) Dies sind: A. M. Freimann, Rüben Judelewitsch und Wolf Abramowitsch. Die Namen der andern sind: Zewi Levontin aus Nicolajeff, David Levontin (jetzt Direktor cler Anglo-Palestine Company in Jaffa), Josef Feinberg, Jacob Perez Freimann, Feiwel Heismann und Levin Eisenband aus Nicolajeff, und Jehuda Chankin aus Krementschug. — Später kamen noch hinzu Elieser Schalit, Moses Cohn, Hurwitz, Mendel Rosalowsky, Noach Potuschenzky, Naftali Hillel und Isaak Gerberg. Diese sechszehn Namen finden sich unter dem ersten Statut der Kolonie vom Jahre 1882. wurde, — alles dies und vieles andere zieht in dieser Chronik an uns vorüber. Gegen Ende des Jahres 1882 zählte Rischon etwa 20 Familien mit ca. 100 Seelen; nämlich die vorerwähnten 16 Kolonisten, einen Schächter, einen Tischler, einen Klempner und einen Mann, der einen kleinen Laden hielt. Jetzt zählt man an 200 Familien mit über 800 Seelen, und auch das Areal ist viel größer geworden: die Kolonie umfaßt jetzt über 1150 Hektar. Unter der Bevölkerung sind außer dem Kolonistenelenient (85 Familen) jetzt schon alle nur erdenklichen Handwerke vertreten, außerdem gibt es 5 Läden, 2 Hotels, eine Sodawasserfabrik und — einen Antiquitätenhändler. Auch die Bearbeitung des Landes ist vielseitiger geworden. Während früher der Weinbau fast die einzige nennenswerte Kultur darstellte, gibt es jetzt nicht nur viel mehr Mandelgärten als früher, sondern auch Olivenpflanzungen, Ethrogim-Qärten, Orangerien, Qeraniumanlagen, und Eukalyptus-Pflanzungen. - Außerdem wird ein immer wachsen- | des Areal für Gemüsebau, und — seit dem Zukauf geeigneten Landes — auch für Getreidebau verwendet. Heute ist Rischon eine recht stattliche Kolonie. Die Häuser machen einen ziemlich städtischen Eindruck, . die Hauptstraßen sind breit und sauber gehalten l). Der Wert der Häuser, mit Ausnahme der Kellereigebäude, beträgt fast eine Million Franks, und auch die Arbeit, die in die Bodenbewirtschaftung gesteckt worden ist, ging nicht verloren, sondern findet sich in dem gesteigerten Wert des Koloniebesitzes wieder. Auch das innere Leben der Kolonie läßt jedenfalls an Vielgestaltigkeit der Interessen nicht viel zu Wasserturm von Rischon l) Es gibt eine Rothschild-Straße und weitere auf die Namen Erlanger, Pinsker, Mohilewer, Herzl, Levontin, Freimann sowie eine Jerusalemer Straße.

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