Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316270--49485-3344424- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
S LT No. 27 Schweiz Die Wahlen in den Vorstand der Landsmannschaft hatten folgendes Ergebnis: Dr. J.Horn-Zürich, 1. Vorsitzender; Dr. Camille Levy-Biel, 2. Vorsitzender; M. Färber, Dr. D. Straus-Zürich, Dr. Becker-Bern, Maurice Levy, Liestal und Albert Kimche, St. Gallen. Zionistischer Distriktstag in Stanislau In Anwesenheit von 30 Delegierten der Provinzvereine sowie aller D. K.-Mitglieder wurde der diesjährige südgalizische Distriktstag Sonntag, am 23. Juni, um 10 Uhr früh, im Lokale des Vereins „Erez Israel" eröffnet. Nach der kurzen Ansprache und Begrüßung seitens des Vize- Obmannes des D. K., Herrn Dr. Sußmann, wurde die Wahl des Präsidiums vorgenommen, und zwar: Obmann: Dr. Sußmann; Stellvertreter: Dr. Malz (Bursztyn) und M. Lachs (Kolomea); Sekretäre: Dr. Koch (Tlumacz), Wechsler (Buczacz) und Horowitz (Kossöw). Dem Rechenschaftsbericht, erstattet von Frl. Melier, ist zu entnehmen, daß das D. K. in organisatorischer und agitatorischer Beziehung erfolgreich tätig war. Hervorzuheben ist die Aktion im Januar 1906 betreffs der Schaffung nationaler Kurien, die geradezu aufreibende Arbeit während der Wahlkampagne und die stetige, ruhige, rein zionistische Arbeit. Was letztere betrifft, so kann die Tätigkeit für den Nationalfonds besonders hervorgehoben werden. Abgesehen von dem glänzenden Erfolge hierorts (Stanislau lieferte im letzten Jahre K. 1756.63 für den N. F.) ist es der N. F.¬ Kommission des D. K. unter Leitung des Gg. Herrisch gelungen, die Konzentrierung der N. F.-Tätigkeit für den ganzen Distrikt durchzuführen und die Provinz über die Wege und Ziele des N. F. sowie dessen Institutionen in einer populären, in jüdischer Sprache abgefaßten und in 5000 Exemplaren abgedruckten Flugschrift aufzuklären. Ein solcher Aufruf ist auch zugunsten des Schekels veröffentlicht worden. Was die Organisation betrifft, so sind 20 Neugründungen zu verzeichnen. Dieser Distrikt zählt somit 51 Vereine, hiervon 39 Männervereine und 12 Frauenvereine. Diesem Berichte folgte eine längere Debatte und sodann die Votierung des Dankes und Vertrauens an das abtretende Komitee. Zum Punkt „Organisation" referierten die Herren Dr. Füllenbaum und Dr. Halpern. Beide Referenten stimmten überein, daß die Struktur unseres Distriktes eine derartige sei, daß das Komitee die ihm zufallenden Aufgaben unmöglich bewältigen könne. Während aber ersterer die Lösung dieser schwierigen Organisationsfrage in der Schaffung von 5 Kreiskomitees sieht, welche, auf unserem Distrikte verteilt, den Charakter von Exekutivkomitees tragen werden, trat der zweite Redner für die Errichtung neuer zwei Distriktskomitees in Galizien ein. Nach langer Debatte wurde das Projekt bezüglich der 5 Kreiskonütees zum Beschlüsse erhoben, und zwar kommen folgende Städte in Betracht: Kolomea, Drohobycz, Stryj, Buczacz und Czortkow. Ferner wurde beschlossen, beim Parteitage in Bielitz die Teilung unseres Distriktes für zwei Komitees, d. h. die Kreierung eines neuen zweiten Komitees für den südgalizischen Distrikt zu beantragen. Zur Deckung der Verwaltungsspesen, wozu die 35 Perzent des Schekels nicht ausreichen, wurde die Einführung einer Distriktssteuer und zwar vier Heller monatlich pro Mitglied beschlossen. Die Vereine müssen für die Eintreibung dieser Beiträge sorgen. Über die Stellungnahme zum 8. Kongreß referierte Herr Dr. Schur. Er berührte die Frage der Landespolitik und verlangt deren Sanktionierung durch den Kongreß für alle jüdischen Zentren. Für die Lösung der Frage des Verhältnisses des Poale-Zionismus zum Zionismus habe er folgenden modus vivendi vorzuschlagen. Der Zionismus macht in sozialer Hinsicht eine Verschiebung nach links, dagegen schiebt sich der Poale-Zionismus in organisatorisch er Beziehung nach rechts und bleibt nach wie vor in der zionistischen Organisation. Er sprach auch noch über die „Gegen wartsar beit in Palästina" und zuletzt über die Kolonialbank und äußerte — was letztere betrifft — den Wunsch, sie möge sich künftighin weniger mit Escompte- und mehr mit landwirtschaftlichen, kolonialen und industriellen Operationen in Palästina befassen. Die vorgenommene Neuwahl ergab folgendes Resultat: Dr. Markus Brande, Dr. Schur, Dr. Halpern, Meier Henisch, Dr. Sußmann. Dr. Rittermann, Frl. R. Melier, H. Tropp, Markus Pfeffer und H. Hessel. Um 11 Uhr abends schloß die Tagung mit der Anregung, bei der Leitung dahin zu wirken, daß der nächste Parteitag in Lemberg abgehalten werde. Stanislau. M. H. Verschiedenes Berlin. In der Generalversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung wurde ein zwölfgliedriger Vorstand gewählt. Derselbe besteht aus dem bisherigen Präsidenten Rechtsanwalt Dr. Hantke, ferner aus den Herren Dr. Loewe, Rechtsanwalt Grone mann, Rechtsanwalt Steinitz, Rechtsanwalt Dr. Pincus, Dr. Hans Heymann, J. H. Wagner, L. Barth, Dr. Mühsam, Arthur Hirsch, Dr. Nossig und Dr. Elias Auerbach. Im übrigen werden wir den ausführlichen Rechenschaftsbericht des Vorstandes bringen. Suczawa. Am 24. Juni 1. J. fand ein vom hiesigen jüd.-nat. Vereine „Theodor Herzl" veranstaltetes Volksfest statt, das sich durch das reichhaltige Programm besonders auszeichnete. Um 8 Uhr referierte H. Dr. Max Diamant (Czernowitz) über den 8. Zionistenkongreß in Haag. Hierauf fand die Aufführung des Einakters von Ben Ir „Die drei Generationen" statt. In ausgezeichneter Weise wirkten dabei Frl.Malwine Bein er, mag. pharm. Herr Pilpel, Herr Engel (Stud.), Herr Eli Rosenbaum und Herr S. Smilovicz mit. Den Schluß bildete ein von Frl. Maiwine Beiner gehaltener dramatischer Vortrag. Wien. Am 28. Juni fand im Kongreßbureau eine zahlreich besuchten Versammlung der mährisch-zionistischen Studenten statt, welche von der Verbindung „Ivria" einberufen worden war, um über die Ivrialtätigkeit zu beraten. Das Referat erstatteten Gg. Rudolf Nassau und Dr. Kadisch. An der Diskussion, welche zahlreiche Anregungen und praktische Vorschläge brachte, beteiligten sich die Gg. Stern, Friedmann, Winterstein, Theodor Kohn, Thorsch, Beer. Iglau. Der Jüdische Yolksverein „Theodor Herzl" für Iglau und Umgebung veranstaltet Sonntag, am 25. Tammus (7. Juli 1. J.) im Saale des Hotel Czap eine Gedächtnisfeier für Theodor Herzl. Vortragende: Herr Rabbiner Dr. Julius Reach, Obmann des zionistischen Mährisch-schlesisch. Distrikts-Komites und Herr Reichsrats-Abgeordneter Univ.-Doc. Dr. Artur Mahler. Beginn der Versammlung präzise 8 Uhr abends. Gerini in Palästina Religiöse russische Bauern, die viel im alten Testament lasen und hier die jüdische Lehre kennen lernten, fingen an die jüdische Religion ihrer alten vorzuziehen. Und eine nicht ganz kleine Zahl trat auch offen zum Judentume über. Um den jüeischen Satzungen am besten nachkommen zu können, bekannt sowohl mit der Messiasidee als auch mit den zionistischen Zielen, entschlossen sich allmählich bis zu 100 Familien dieser Renegaten — sie hatten den bezeichneten jüdischen Beinamen die „Gerim" (= die Fremden) erhalten — nach Palästina abzuwandern. Die jüdische Orthodoxie und die Zionisten mag die Tatsache, daß hier einfache Menschen, die sich zum Judentume schlugen, bald herausfanden, daß sie ihr Judentum am besten in Palästina ausleben könnten, interessieren. Zwei weit wichtigere Punkte aber sind hier zu erörtern, die wissenschaftliches Interesse erheischen. Der erste lautet: Wie eignen sich diese einfachen Bauern zur Besiedelung Palästinas? Der zweite: Werden und können diese Gerim in der übrigen jüdischen Bevölkerung aufgehen somit ein mehr oder minder beachtenswerter Faktor in der Beurteilung des palästinensischen jüdischen Bauernstandes sein? Diese Gerim hätten doch einen festen Stamm einfacher und gesunder Bauern abgeben müssen. Die Juden in den Kolonien waren Neulinge in allen ökonomischen Fragen und sind es noch teilweise. Besonders gehen auch den Frauen die einfachsten Erfahrungen ab, die Bauernfrauen von Kind auf besitzen. Die Gerim hätten also den festen Kern abgeben sollen, an dem die Juden Rückhalt bekämen, Erfahrungen hätten absehen können. Trotz dieser rustikanischen Fähigkeiten erlebte man an ihnen das ärgste Fiasko. Selbständig vermochten sie sich im Lande nirgend ansässig zu machen. Die jüdischen Pioniere hatten das doch wenigstens teilweise bewerkstelligen können. Statt der Eroberung eines neuen Fleckens Erde begnügten sie sich, von der Ica auf