Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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NACHRICHTEN ^^=1) Die jüdischen Nationalisten über die polnische Autonomie (Von unserem Korrespondenten) Im Warschauer Jüdischen Nationalklub, über dessen Ziele und Tendenzen wir bereits gemeldet haben, fand vor wenigen Tagen eine Sitzung statt, welche der Frage über die Stellung der Juden zu dem vom „Kolo Polskie" der Duma vorgelegten Projekte der Autonomie des Königreiches Polen gewidmet war. Der Referent Herr Grün bäum, wies darauf hin, daß die Juden als Nationalität vom Projekte vollständig unberücksichtigt blieben, obgleich sie berechtigt sind gleich den anderen nationalen Minderheiten, Litthauern, Rutheneil berücksichtigt zu werden; denn während die Ruthenen 2,5%, Lithauen 2,6'Vo der Bevölkerung ausmachen, stellen die Juden 14,6,J/" der Bevölkerung des Königreichs dar. Nach lebhaften Diskussionen hat der Nationalklub die folgende Resolution angenommen: „Indem der Nationalklub seine Solidarität mit der Forderung der Autonomie für das Königreich Polen ausspricht, erachtet er es für notwendig, folgendes festzustellen: 1. Angesichts dessen, daß die Juden des Königreiches Polen bei der jetzigen Zusammensetzung des russischen Reiches durch gemeinsame politische Interessen mit der jüdischen Bevölkerung des Kaiserreiches und im Kampfe um die bürgerlichen, sozialen und nationalen Rechte mit dieser unlösbar verbunden sind, erachtet es die Versammlung für notwendig, die Judenfrage als eine Nationalitätsfrage zu lösen; die Frage mul3, ähnlich wie die Fragen aller anderen Nationalitäten, für das ganze Territorium des Reiches gelöst werden; die Organisationsprinzipien der Judenschaft, welche durch die zu diesem Zwecke einberufene Nationale Versammlung ad hoc formuliert werden sollen, werden von der gesetzgebenden Institution des Reiches bestätigt. Die jüdische Organisation des Königreiches Polen unterliegt der Sanktion der gesetzgebenden Institution des Königreiches Polen. 2. Was das Projekt der Autonomie betrifft, so erachten wir es für notwendig in die §§ 8 und 19 des Projektes die folgenden Modifikationen einzuführen: Zum § 8 die Mod. „ohne Unterschied der Nationalität, der Religion und des Geschlechts beim System der proportionalen Wahlen." Zum§ 19 „Anerkenung der Rechte der jüdischen Sprache/' Aus der Reichsduma Auf einer geschlossenen Sitzung der Duma während der Debatten über Rekrutenfrage fand ein Deputierter aus der „Rechten", Prof. Rein, es für angebracht, die berühmte Beschuldigung der Verweigerung des Militärdienstes seitens der Juden aufzufrischen. Auf diese Beschuldigung antwortete der Deputierte Abramson, welcher an der Hand von statistischen Angaben die ganze Grundlosigkeit und Ungerechtigkeit dieser Behauptung zeigte. Es ist sehr zu bedauern, claI3 diese Rede nicht in die Öffentlichkeit drang. Doch ist es möglich, daß in den nächsten Tagen ein Bericht über diese geschlossene Sitzung mit der Erlaubnis des Kriegsministers veröffentlicht wird, der dann auch die Rede des Deputierten Abramson erhalten wird. Die Duma und die Judenfrage Petersburg, 17. Mai. Die Kommission der Reichsduma, die mit der Ausarbeitung des Gesetzentwurfes, betreffend die Gewissensfreiheit, beauftragt worden ist, faßte den.Bescnluß, daß der Gesetzentwurf einen besonderen Artikel betreffend die Aufhebung der Einschränkungen der Rechte der Juden enthalten soll. Von der russisch-jüdischen Lehrerschaft Vor wenigen Tagen fand in Petersburg die 3. Konferenz des Russischen Lehrerverbandes statt, an der die Vertreter fast aller nationalen Lehrerorganisationen, darunter auch die Vertreter des Jüdischen Lehrerverbandes, teilgenommen haben. Die Konferenz hat beschlossen, den Verband in eine „Federation der nationalen und territorialen Verbände" umzugestalten. In der Frage über die Organisation des Schulwesens nahm die Konferenz die Resolution an, daß die Sache der Volksbildung der lokalen Selbstverwaltung und den nationalen Organisationen übergeben werden muß. Die Vertreter des Jüdischen Lehrerverbandes beantragten, daß die Federation den Kampf für die .Berufsinteressen der Lehrer sich zum Hauptziele setzen solle. Dieser Antrag wurde aber von den Vertretern aller anderen Verbände abgelehnt, weil die Federation einen mehr politischen als beruflichen Charakter trägt. Letzte Nachrichten aus Österreich Lemberg, 22. Mai. Infolge einer Vereinbarung wird die sozialdemokratische Partei bei der Wahl im Stadtbezirk Tarnopol für den zionistischen Kandidaten Adolf Stand und die zionistische Partei bei der Stichwahl im dritten Lemberger Stadtwahlbezirk für den sozialdemokratischen Kandidaten Dr. Diamand, der gegen den Handelskammerpräsidenten Samuel v. Horowitz kandidiert, stimmen. Wien, 23. Mai. Der berüchtigte Ritualmordhetzer Schneider ist in Wien gegen den sozialdemokratischen Kandidaten unterlegen. Wien, 24. Mai. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Die heutigen galizischen Städtewahlen ergaben für die Zionisten folgendes Resultat: Dr. Salz kommt in Stryj in Stichwahl mit einem polnischen Sozialdemokraten, Adolf-St and in Brody in Stichwahl mit einem polnischen Demokraten, Dr. Rappaport in Brzezany in Stichwahl mit dem Vizeobmann des Polenklubs Dulemba. -- Dr. Neu man n- Wender ist in Czernowitz in der Stichwahl gegen den rumänischen Sozialdemokraten unterlegen. Von den am 24. Mai in Stichwahl stehenden Kandidaten der jüdisch-nationalen Partei (Dr. Braude, Dr. Birnbaum, Dr. Gabel) hat zunächst Dr. Gabel sichere Aussicht, gewählt zu werden. In den galizischen Stadtbezirken arbeitet die herrschende Partei mit ungeheurem Terrorismus. Briefkasten der Redaktion J. L. Dunajow. „Selbstwehr", Prag, Poric 7. „Der Tag" Berlin. Zu unsern Diskussionsrubriken Die „Welt" ist jederzeit gern bereit, für die Behandlung der Kongreßfragen und der speziellen Fragen der Landsmannschaften allen sachlichen Einsendungen Aufnahme zu gewähren. Wir bitten jedoch die Einsender, sich in Anbetracht des ohnehin beschränkten Raumes, der uns zur Verfügung steht, möglichster Kürze zu befleißen. Die Redaktion. Gesinnungsgenossen! Am 4. Juni d. J., dem zehnjährigen Gründungstage unseres Blattes, erscheint eine Jubiläumsfestausgabe der „WELT". Durch Beiträge unserer hervorragendsten Mitarbeiter und eine sonstige gute Ausstattung wollen wir in dieser Nummer unsern Freunden und Gesinnungsgenossen eine dem Anlasse würdige Erinnerung bieten. Wir erwarten von unsern Lesern und Gesinnungsgenossen, daß sie für eine möglichst große Verbreitung des Festnummer sorgen werden. Jeder Zionist möge sich diese Nummer anschaffen! Der Preis wurde mit 40 Pfennig exklusive Porto festgesetzt. 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