Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316254--49095-3344018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 DIE ELT No. 10 Für das studentische Herzldenkmal sind ferner eingelaufen: 1. Sammelbogen Nr. 16, Dr. Sandor Friedmann (Ivria) Josef Fleischmann, Bernardo Pint ä Kr. 5.—-, Königsberger, Katscher, Teich, Becker a Kr. 2.—, Alkalon, March ä Kr. 2.20, Mani Alkalay, Alkalay, Albachary, Attias, Sternbach, Hochfeld. Sumbul, Jarael, Spaczir, Deutsch, Stein, Cappar, Finci ä Kr. 1.—......Summe 33 Kr. 20 h. 2. Sam'm|elbogen Nr. 87, phil. Ernst Gütig (Unitas) Summe 7 Kr. 30 h. 3. Isack Lackler, Brasklyn........... 5 Kr. 4. „Barissia", Prag ..."............ 10 Kr. 5. Sammelbogen Nr. 38, iur. Leon Wechsler, Buczacz Rosenblatt, Aschkenazy, Ringel, Dr. Alter, Bleicher ä Kr. 2.—, Ellner, Reichstein, Dr. Kroö, Pallek, Dr. Meerengel, Dr. Bienenwald, Celler, Marbach, Reichstein, Griffel, B. Stern ä Kr. 1.--, Weiß 50 h., Spierer, Mann ä 40 h., Frenkel 20 h..............Summe 22 Kr. 50 h. 6. Sammelbogen Nr. 39, iur. Leon Wechsler, Buczacz iur. Leon Wechsler 1 Kr. 32 h., Frau Malcia Ringel 1 Kr. Summe 2 Kr. 32 h. 7. Sammelbogen Nr. 33, Emil Kien, „Veritas", Brünn Summe 25 Kr. 8. Sammelbogen Nr. 34, Eisner, für zionistische Mittelschüler, Brün n Summe 11 Kr. 70 h Gesamtsumme 117 Kr. 2 h. Mit bestem Dank und herzlichen Zionsgrüßen Studentenkomitee zur Errichtung eines Herzldenkmals in Moza bei Jerusalem Frühjahrskuren In der gesamten organischen Natur zeitigt der Frühling frische Lebenskraft, wie das Pflanzenreich am deutlichsten erkennen läßt. Auch im menschlichen Organismus findet im Frühling eine Säfteveränderung statt, darum ist gerade diese Jahreszeit bestgeeignet für eine gründliche Aufbesserung des durch schlechte Luft, Mangel an Bewegung und falsche (oder zu üppige) Ernährung anormalen Stoffwechsels, wodurch mangelhafte Blutmischung entsteht, als Ursache der meisten modernen Krankheiten. Zu diesen zählen: Nervosität, Magen- und Darmleiden, Stoffvvechselstörungen, Blutarmut, Erkrankungen der Atmungsorgane und viele Frauenleiden. Gegen diese und andere Leiden ist nach den Feststellungen der neueren Wissenschaft das beste Heilmittel eine Radikalkur in einer erstklassigen physikalisch-diätetischen Kuranstalt, weil nur in einer solchen durch Ineinandergreifen verschiedener Heilfaktoren eine wirkliche Regenerationskur durchgeführt werden kann. Vor allem ist es wichtig für jeden, der sich leidend fühlt, solche Kur jetzt sofort vorzunehmen und nicht bis zum Sommer zu warten, weil sonst oft gefährliche Komplikationen entstehen können. Die Frühjahrskuren sind die wirksamsten! Für diese muß aber eine Kuranstalt durch natürliche Lage und Spezialeinrichtungen auch geeignet sein, sonst ist der Erfolg zweifelhaft. Durchaus empfehlenswert ist das Sanatorium Oberwaid bei St. Gallen (Schweiz), welches durch seine sehr günstigen klimatischen Verhältnisse als ein Frühjahrsauienthalt par excellence gilt. Von diesem 640 Meter über dem Meer liegenden Etablissement hat man einen wundervollen Ausblick auf die Alpen und den nahen Bodensee, man befindet sich in einer entzückend schönen Landschaft. Alle modernen Kurmittel stehen zur Verfügung, und ein zur Anstalt gehörender großartiger Waldpark bietet bequeme Gelegenheit für Promenaden und Terrainkuren. Die leicht erreichbare Stadt St. Gallen bietet Theater, Konzerte usw., auch in der Anstalt selbst ist bestens für Unterhaltung gesorgt. Zwei Ärzte und eine Ärztin leiten die Behandlung. Der für Frühjahrskuren ermäßigte Aufnahmepreis beginnt mit ca. 8 Mk. pro Tag inklusive aller Kuranwendungen. Ausführlicher Prospekt kostenfrei. Ssederphiuderei. Wenn .Purini mit seinem ausgesprochenen jüdisch heiteren (leprägv vorüber ist, die Megillarollen wieder auf ein Jahr in den Schrein gestellt werden, beginnt für uns eine Zeit, in der d;is menschliche (leinüt im r.owulhsein des herannahenden Frühlings freudig erregt wird. - J>er Frühling naht und wir nähern uns dem i'essachfeste. Wir feiern mit Pessacli, die Erinnerung;in unsere körperliche und seelische Hefreiung vom Sklavenjoche Ägyptens. Zum Andenken daran, daß unsere Vorfahren durch die im Anblicke der Leichen ihrer Erstgeborenen kopflos gewordenen Ägypter aus dem Lande gejagt wurden und dadurch nicht einmal mehr Zeit hatten, den Teig des zur Heise bestimmten Bredes säuern zu lassen, denselben vielmehr ungesäuert mitnehmen und essen mußten, ist uns als ewiges (leset/ der Chonie/.gcnuß während ganz Tessach verltoten. — Nieht nur, dal.! wir das Choniez nicht essen dürfen, auch in unseren Häusern darf es sich am IVssneh nicht vorfinden. — Es dürft«.-, wohl kaum eine echt jüdische Ilausfrau geben, die nicht schon gleich nach Purini anit dem gründlichen Peimnachen ihrer 'Behausung beginnt. — Tn diesen vier Wochen wird das Oberste zum l'ntersten gewendet und umgekehrt; es wird nichts als gescheuert, geputzt, und gerieben. Die Herren der Schöpfung' finden es das ganze Jahr hindurch nicht so ungemütlich, als in dieser Keinigungszeit und wissen nicht., in welcher Ecke der Wohnung sie Ruhe finden könnten. — Abei tröstet euch, ihr .Männer! mit Anbruch des 14. Nissans habet ihr es wieder gemütlich in eurem Heime, welches euch während der Ssederabende noch ein Mal so traut, wie sonst scheint. — da, wie schön, wie herrlich schön ist es, wenn man den Sseder im Kreise seiner Lieben feiern kann. Ks dürfte avoIiI kaum im Jahre auch nur eine Stunde geben, in der ein in weiter Ferne weilender jüdischdenkender um! empfindender Jüngling so sehr die Fremde fühlt, als gerade am Pessaelu speziel während der Ssederabende. Wie viele solche dürfte es wohl geben, die das Eintunken der Kräuter in Salzwasser für überflüssig finden, wird doch das Einzutunkende, wenn sie an die Ssederabende, die sie bei ihren Lieben verbrachte)), zurückdenken -- durch »las sie unwillkürlich beschleichende Heimweh schon voi ihren Tränen gesalzen! .Mein väterlicher Freund, der bei mir wohl eine derartige wehmutsvolle Stinnnun^ ahnen mochte und diese im Keime ersticken wollte, lud mich vergangenes Jahr ein. die ersten Possachabende hn Kreise seiner lieben Familie zu vorbringen. Daß irl dieser Einladung mit Freuden Folge leistete, wird man sich wohl denken können ebenso braucht es wohl nicht erst erwähnt zu werden, dal» mein liebenswürdige^ Oastgeber und seine als gastfreundlich bekannte (Jattin, das erdenklich Möglichst! taten, mir das Weilen in ihrer Mitte recht heimisch zu machen. -— Wir feierten den Sseder in gehobener, angenehmer Stimmung und, nachdem de: vorgeschriebene Teil der llagadah gesagt und vom Hausherrn wunderschön erklär worden war, wurde das Beste der Küche aufgetragen. — Wir waren beim letztei (lang des wirklich hervorragend guten Diners angelangt, als ich mich plötzlich vo- Schrecken einer Ohnmacht nahe fühlte! Ja, was Avar das, sehe ich recht, oder L es nur ein Traum'/ Man stellte Butter auf den Tisch! Butter bei einer fleischiger Mahlzeit! Lud dies mulite ich im Hause der mir als gewissenhaft und streng re.li giüs bekannten Familie, die selbst die kleinste Vorschrift mit gleicher Wichtigkeit als den größten I>in11 befolgt, sehen, leb war einfach sprachlos. Die Hausfrau, die sieh an meinem Schrecken zu weiden schien, rief mir zu „Bedienen Sie sich nur ganz ungeniert, denn Butter auf Mazzoh gestriehen, schmeck: einfach wunderbar.*' — Bevor ich einer Antwort mächtig war, fuhr dieselbe in ihren (iespräche fort: „Es tut mir herzlich leid, da Ii ich Sie so erschreckte, mein liebe Ocntahi wird Ihnen, da ich ra<ch zur Küche nuili, über diese Butter Aufklärung gebe, oder wollen Sie diese von mir hören'/ Wenn ja, so gedulden Sie sieb nur eine; Augenblick, ich bin gleich wieder da." — In der Tat war meine liebenswürdig' Wirtin nach kaum einigen Minuten Avieder ins Zimmer getreten. „So", sprach sb „eigentlich müßte ich Ihnen zürnen und Ihnen keine Aufklärung geben, Aveil Se auch nur den kleinsten (icdaukeu aufkommen liolien, wir führten keinen gan koscheren Haushalt.** „Ja. aber", — fiel ich ihr, auf die Pütt er zeigend, ins Wer ..(Jemach, lieber Freund, lassen Sie mich nur aussprechen. Es scheint mir, ai hätten Sie keine Ahnung davon, dal.! es jetzt in der Nahrungsmittelbriuiche ein neue Erfindung gibt; es ist das ein vegetabilev Butterersatz und wird unter dei Namen „Toinor" in den Handel gebracht. — Versuchen Sie mal dies .,Tonior'; un Sie werden sehen, dal'» Sh> keinen Unterschied zAviscben der feinsten Sülirahnibutt« und ,.Tom:»v finden." — ..Ja, woher wissen Sie aber, verehrte Frau, dal» nToin»r' koscher ist und auch zu Fleischspeisen verwendet werden darf/'* erlaubte ich ini: schon etwas kleinlauter, zu erAvideru. „Ich dürfte Ihnen eigentlich zum zweite. Male Avegeit Ihres Mißtrauens keinen aufklärenden I.escheid geben, aber ich wi Uli- (iewissen nicht länger beunruhigen. .,Toim>r* wird unter Aufsicht und Leitun eines von!Sr. Ehnvürden Herrn Habbiner Dr. H. Wolf, Köln, angestellten und insp zierten .Beamten hergestellt und darf sowohl für Fleischals auch Milchspeis« verwendet weiden.1' — „Ja, dies ist aber eine herrliche Erfindung", erwiderte W „und ich bin durch diese Neuigkeit für den ausgesta idenen Schrecken reichlh belohnt." „Sie hätten eigentlich schon bei den Eisehen einen .solchen Piesr; schrecken bekommen müssen", sprach die liebenswürdige Dame, „da auch di» mit „Tumorzubereitet waren, denn wie wäre es möglich gewesen, ohne „Tome eine solch' Avunderbare Huttersauce herzustellen. Haß Ihnen das Kalbfleisch ve ziiglieh mundete, sagten Sie ja vorhin selbst und sehen Sie, lieber Freund, am dieses war mit „Tomor" zubereitet.'' Nachdem Avir das Tischgebet verrichtet und den zweiten Teil der Ihigad: gesagt und gesungen hatten, verabschiedete ich mich von meinen reizenden Oa gebern, da inzwischen Mitternacht schon vorüber Avar. — Auf dem Wege zu meiner Wohnung und daheim angelangt, niulhe ich imlange an diese unschätzbare Erfindung und über die Vorzüglichkeit dieses „Toni" denken. — Wahrlieh, wer „Tonior" auf Mazzoh streicht, kann kaum mehr von <i Mazzoh sagen: „Das ist das Prot des Elends." fedfll HERZL-BILDBK Prachtausgabe auf Black in Größe 60X95 cm Mk.40.— „ „ 30X40 „ „ 6.40 „ „ 24X30 „ „ 4.80 in Größe 18X24 cm Mk. 4- „ „ 13X18 „ „ 2.40 Kabinett-Format ,, 1.60 Visit-Format Mk. 0.80 Preise exklusive Porto und Verpackung. Versand nur gegei Nachnahme oder Vorhereinsendung des Betrages. ==' Bestellungen nimmt entgegen: Jüdischer Verlag, Köln a. Rh., Ubierring 23. Verlag: „Die Welt", Ges. m. b. H. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DtiMont Schauberg, Köln.