Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316226--48570-3343504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Ungarn Essegg. Am 12. d. veranstaltete der vor ungefähr einem Monat gegründete Verein „Theodor Herzl" seinen ersten Vortragsabend. Da Se. Ehrwürden Dr. Ehrenpreis, der Oberrabbiner von Bulgarien, sich zufällig eine kurze Zeit in der Nähe von Essegg aufhielt, lud ihn der Verein zu einem Vortrag ein, wozu sich Dr. Ehrenpreis in der liebenswürdigsten Weise sofort bereit erklärte. Die in aller Eile einberufene Versammlung fand auch im großen Sitzungssaale der Kultusgemeinde statt. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht. Das Thema des Vortrages war „Zehn Jahre Zionismus". Dr. Ehrenpreis schilderte in glänzender Weise die Vorgeschichte des Zionismus, legte die Gründe der zionistischen Bewegung dar und bekämpfte die verschiedenen Einwände, die von den Gegnern unserer Bewegung aufgeführt werden. Die Rede, welche anderthalb Stunden lang dauerte, wurde von den Zuhörern oft durch stürmische Beifallskundgebungen unterbrochen, und als der Redner mit seinen Ausführungen zu Ende war, da kannte die Begeisterung keine Grenzen. Die Jugend stimmte die jüdische Nationalhymne an, die von allen stehend angehört wurde. Präsident Schulhof dankte dem Herrn Vortragenden im Namen aller für seine glänzenden Ausführungen, und nachdem noch Sekretär Dr. AI. Klein bekanntgab, daß die Lesehalle (Saal der Kultusgemeinde) von den Vereinsmitgliedern täglich von 4 bis 7 Uhr nachmittags besucht werden kann, wurde die Versammlung geschlossen. Weil diese Rede zur Aufklärung sehr viel beizutragen vermag, hat auch der genannte Verein beschlossen, dieselbe im deutschen Original und auch in kroatischer Übersetzung herauszugeben. Diejenigen Vereine und Korporationen, die eine größere Anzahl Broschüren zu Propagandazwecken bedürfen, mögen sich rechtzeitig an den Verein „Theodor Herzl" in Essegg wenden. Der Preis der Broschüre wird nach der Größe der Auflage entweder 10 oder 20 Heller sein. Holland Amsterdam. Hier hat sich ein zionistischer gemischter Chor „Jehuda Halevie" gegründet. Am 2. September fand hier die Neuwahl eines Mitgliedes des Synagogenrates statt. Zwei Kandidaten waren aufgestellt :M. L. Prins und Jules N. de Vries. Der letztgenannte war zwar nicht als Kandidat der zionistischen Partei aufgestellt, wurde aber nur wegen seiner offen ausgesprochenen zionistischen Gesinnung von der Gegenpartei auf das Heftigste bekämpft. Trotzdem wurde er mit einer beträchtlichen Mehrheit gewählt. Dieses Wahlresultat ist insofern interessant, als die Wahlordnung zum Synagogenrat in Amsterdam einen ausgesprochen plutokratischen Charakter trägt. Nun konnten aber trotz einer eifrigen und skrupellosen Wahlagitation doch nur ca. 150 der sogenannten „Elite" zur Wahlurne gebracht werden, die denn auch sämtlich gegen den Zionisten stimmten. Die 229 Wähler, die für unsern Gesinnungsgenossen eintraten, zählten meistens nicht zu den „allejersten" Kreisen. Es hat sich eben auch hier wieder gezeigt, daß das Volk, vielleicht unbewußt, den demokratischen Charakter des Zionismus zu erkennen weiß. Und noch eins geht aus dem Stimmverhältnis hervor: Die „Aristokraten" zeigen immer weniger Interesse für die Angelegenheiten der Gemeinde, während die Anteilnahme der breiten Masse offensichtlich von Tag zu Tag wächst. Das dürfen wir ruhig zu einem guten Teil der Arbeit derZionisten zuschreiben. (De Joodsche Wächter.) Amerika Die B'noth Zion in Brooklyn haben mit gutem Erfolge versucht, die Jugend dem Zionismus zuzuführen. Sie haben eine Vereinigung gegründet, die unter ihrer Aufsicht steht und deren Mitglieder nicht älter als 16 Jahre sind. Die Mitglieder werden in regelmäßigen Kursen über den Zionismus und seine Institutionen unterrichtet, nationale Literatur wird vorgelesen, Diskussionsabende werden veranstaltet usw. Die Sammlung der American Federation für den Nationalfonds war indiesem Sommer größer als je. In New York allein wurden im Sommerhalbjahre 4000 Mark gesammelt und in den anderen Vereinen 2500 Mark. Die „Young Austro-Hungarian Zionists of New York" haben ein neues Klubhaus in der Pittstreet 65 eröffnet. Südafrika Dem Berichte über die am 7. August in Johannesburg stattgehabte Sitzung der Exekutivkomitees der südafrikanischen Federation entnehmen wir folgendes: Es wurde beschlossen, alljährlich an zwei Tagen öffentliche Sammlungen im ganzen Lande zugunsten der Erziehung jüdischer Waisen in Palästina zu veranstalten. Ferner wurde beschlossen, die Sammlungen für den Ölbaumfonds nach Kräften zu unterstützen und die ersten Bäume auf den Namen des Präsidenten der Federation, Herrn Goldreich, zu pflanzen. Die Vereine sollen ersucht werden, diesem Zweige der Sammlungen ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Vereine sollen dringend ersucht werden, die Schekelsammlungen zum Abschlüsse zu bringen, die allgemeine Lage des Zionismus erfordere unbedingt ein kräftigeres Arbeiten der Zionisten in dieser Richtung. Mr. L. Kessler hat sich bereit erklärt, die Zentralstelle für die Nationalfondssammlungen in Südafrika zu übernehmen. Die Federation verspricht sich davon einen guten Erfolg. Es wurde beschlossen, daß das Exekutivkomitee in Zukunft den einzelnen Vereinen nur mehr dann Redner zur Verfügunostellen soll, wenn diese die Reisekosten bezahlen. Auf diese Weise sollen die Ausgaben der Federation vermindert werden. Es wurde ein Bericht über die anläßlich der Herzl-Jahrzeit in Kapstadt stattgehabte Versammlung verlesen, bei der es bekanntlich zu stürmischen Vorgängen gekommen ist (über die wir berichtet haben, Anm. d. Red.) — Es wurde beschlossen, dem Leiter dieser Versammlung, Herrn M. Alexander, das vollste Vertrauen der Federation und ihren Dank auszusprechen. Es wurde vorgeschlagen, die Jahreskonferenz der Federation an den Chanukatagen zu veranstalten. Ein Beschluß darüber soll erst nach Anhörung der verschiedenen Vereine gefaßt werden. China Shanghai. Am 12. August fand hier unter dem Vorsitze des Präsidenten der Vereinigung, Jacques Blumenfeld, eine äußerst gut besuchte zionistische Versammlung statt. Der Vorsitzende verlas eine Erklärung zugunsten der unterdrückten russischen Juden und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Judenfrage nur durch den Zionismus gelöst werden könne. Hierauf hielt Herr N. E. B. Ezra einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Bedeutung der zionistischen Bewegung. Die Versammlung nahm hierauf einstimmig folgende Resolution an: Diese Verammlung von Juden aus Shanghai bedauert aufs tiefste die Erneuerung der russischen Judenmassakers, sie betrauert den Tod der unglücklichen Opfer und protestiert auf das schärfste gegen die Handlungsweise der russischen Regierung anläßlich der Massakers. Die Versammlung drückt ihre unveränderliche Anhänglichkeil an die zionistische Bewegung und den Präsidenten David Wolffsohn aus und bleibt fest in ihrer Überzeugung, daß nur in einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina die endgiltige und dauernde Erlösung des jüdischen Volkes liegen kann. Straits-Settlem ents Aus Singapore wird uns berichtet, daß die von dort aus unternommenen Bemühungen, eine zionistische Vereinigung in den Straits-Settlements zu gründen, nunmehr die beste Aussicht auf baldige Verwirklichung haben. Qßrr □o" o o o~t%° KORRESPONDENZEN Wir erhalten von Herrn Heinrich Rosenbaum, Präsidenten des „Palästina-Klub", London, folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Im Namen des „Palästina-Klub" erlaube ich mir, anläßlich des im Jahre 1907 stattfindenden 25jährigen Jubiläums der Gründung der ersten Kolonien in Erez Israel (1882) und des gleichzeitigen 5>0fi iaa 10jährigen Jubiläums der politisch-zionistischen Arbeit (1897 erster Zionistenkongreß) folgendes anzuregen: 1. Unsere zionistische Zentralleitung oder die Kommission zur Erforschung Palästinas möge an die Federationen einen Aufruf erlassen und sie auffordern, in den betreffenden Ländern Ausstellungen palästinensischer Produkte zu veranstalten. Zu diesem Behuf müßte ein einheitlicher Plan ausgearbeitet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.