Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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16 DIE^ELT No. 30 allem persönlichen Leben feindlichen, um das „Gesetz" besorgten Strenggläubigkeit und dem von Aristoteles bestimmten, naturfernen Rationalismus, aber sie setzt dem Ethos der einen und dem des anderen kein eigenes entgegen, und so dringt ihr Sinn nicht ins Volk. Erst in der letzten Zeit dieser Epoche werden neue Kräfte offenbar. Die Vertreibung der Juden aus Spanien gab der Kabbala den großen messianischen Zug. Der einzige energische Versuch der Diaspora, im Exil eine kulturschaffende Gemeinschaft und eine Heimat im Geist zu begründen, hatte in Trümmern und Verzweiflung geendet. Der alte Abgrund tat sich wieder auf, und aus ihm stieg wieder, wie immer, der alte Erlösungstraum empor, ragend und gebieterisch wie nie zuvor seit den Tagen der Römer. Die Sehnsucht brennt: das Absolute muß Wirklichkeit werden. Auch der Messianismus der Juden war von jeher ein Wollen des Unmöglichen. Die Kabbala konnte sich ihm nicht verschließen. Sie nannte das Reich Gottes auf Erden „die Welt der Vollendung". Sie nahm die Inbrunst des Volkes in sich auf. Und als sie es tat, zog sie ins Volk ein, wie der Messias selbst in seine Stadt. (Schluß folgt) C o o o\ o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o JAHRESKONFERENZ DER ZIONISTISCHEN FEDERATION VON CANADA Die siebente Jahreskonferenz der Zionisten von Canada fand in der Labor Temple Hall in Toronto statt. Sie war von Delegierten sämtlicher jüdischer Gemeinden Canadas besucht. Die Konferenz war charakterisiert durch einen außerordentlichen Enthusiasmus und durch eine seltene Arbeitsfreudigkeit der Delegierten. Die Sitzungshalle war festlich geschmückt mit weiß-blauen Zionsfahnen und jüdischen Emblemen. Umkränzte Schilder an den Wänden trugen die Namen der zionistischen Führer. Den Vorsitz in der Jahreskonferenz führte der Präsident der Federation von Canada Mr. Clarence I. de Sola, der gleichzeitig Mitglied des Aktionskomitees ist. Die erste Morgensitzung war hauptsächlich den Berichten des Verifikationsausschusses und geschäftsordnungsmäßigen Beratungen gewidmet Der Bericht des Verifikationsausschusses ergab, daß 37 Städte durch ungefähr dreihundert Delegierte vertreten waren, die beispielsweise von so entfernten Orten wie Sydney und Vancouvergekommen waren. Unter den jüdischenöemeinden, die vertreten waren, nennen wirdie von Montreal, Quebec, Toronto, Hamilton, Winnipeg, London, Ottawa, Brandon, Manitoba,Wapella,Saskatchevan,St.Catharines, Windsor, Gretna und St. John. Ein überaus zahlreiches Publikum füllte die Qallerien und einen Teil des Saales. Bei Eröffnung der ersten Vormittagssitzung hielt der Präsident die Eröffnungsansprache, in der er eine Übersicht über die Tätigkeit des verflossenen Jahres unter besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse des letzten Kongresses gab. Er betonte das unverbrüchliche Festhalten der Canadaer Zionisten an dem vom Kongreß festgelegten Programm der Besiedlung Palästinas und seiner Nachbarländer, Alle Versuche, die Kolonisation, anderer Länder dem Programm einzuverleiben, müssen zurückgewiesen werden. Mr. de Sola erörterte hierauf die vom VII. Kongreß in Aussicht genommenen Mittel zur Durchführung des Programms und betonte: Es sei jetzt die Zeit gekommen, wo jeder Zionist klar das Morgendammern, den Beginn der Verwirklichung unserer Ziele sehen könne. Da heiße es denn tiefer in die Taschen greifen, die materielle Beihilfe für die Bewegung immer mehr zu steigern und die persönliche Hingabe an die Sache zu vergrößern. Mit Freude konstatierte Mr. de Sola den glänzenden Aufschwung der Organisation in Canada, das Anwachsen der Mitgliederzahl und die gesteigerte Höhe der Beiträge für alle Fonds. Mr. de Sola schloß mit einem begeisterten Appell an die Delegierten, auch im kommenden Jahre alles aufzubieten, um den Fortschritt des Zionismus zu ermöglichen. Es folgte hierauf der sehr zufriedenstellende Bericht des Kassierers, dem sich die Referate der andern Funktionäre anschlössen. Für die Zwecke der zionistischen Bewegung in Canada wurden 4000 Dollars gesammelt. Die Beteiligung Canadas an den russischen Hilfsfonds war'bekanntlich eine sehr große. Unter den Berichten der andern Funktionäre fand besonders der der Jewish Cadets großen Beifall. Ihre Delegierten, die in der kleidsamen Khakiuniform erschienen waren, wurden, als sie die Tribüne betraten, durch stürmische Ovationen ausgezeichnet. * * * Abends fand ein Massenmeeting statt, dem Mayor Coatsworth präsidierte. Unter den Sprechern befanden sich Ramsay Wright, Mr. Mc. Donneil, M. P., Mr. Robinette, K. C, Mr. Clarence de Sola und einige Herren, die hebräische Ansprachen hielten. Viele Briefe von Regierungsvertretern, die ihre Sympathie mit der zionistischen Bewegung ausdrückten, waren eingelaufen, darunter einer von Governor Clark. Letzterer schrieb, daß er das tiefste Interesse für die palästinensische Bewegung habe. Er wünsche den Zionisten Erfolg in ihren Bestrebungen und hoffe, sie würden sich durch keinen andern Vorschlag von dem großen Plane der Wiedererrichtung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina abbringen lassen. * * * Der zweite Tag war durchaus den Beratungen über eine möglichst gute Organisation zur Propaganda der Kolonialbank und für Sammlungen zugunsten des Nationalfonds gewidmet. Eine große Anzahl von Rednern beteiligte sich an der Debatte, die schließlich gefaßten Resolutionen kommen den Anforderungen einer durchgreifenden Organisation nach. Die Jahreskonferenz akzeptierte sodann eine Resolution, in der erklärt wird, das der Zionismus eine politische Bewegung ist, daß die Konferenz das Vertrauen in das Aktionskomitee setzt, daß es alle politischen Möglichkeiten zu-