Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 47 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nfc 47 „bie # weit" Seite 13 Akademischer Verein Jüdische Kultur". (Uebersetzung aus dem Jüdischen.) Wien, im November 1905. Gegen das Ende des Mittealtersi lebte der grösste Teil des jüdischem Volkes in Deuitschland und sprach deutsch. Da S'ich aber die Juden des Hebräischen als Schriftsprache bedienten, mischten sich viele hebräische Wörter in ihre deutsehe Sprache. Diejenigen Juden, welche nach den Verfolgungen der damaligen Zeit in Deutschland zurückMieben, arbeiteten diesen Mischdiale'kt nicht zu einer eigenen Sprache aus und heute kann man ihn in Westeuropa nur noch von wenigen alten Juden sprechen hören. Anders war die Entwicklung bei dem grösseren Teile unseres Volkes, das, sich im dem slawischen Ländern Osteuropas niederliiess. Allmählich schlichen sich hier in ihre Sprache auch slawische Wörter ein und aus der deutschen Sprache, von hebräischen und slawischem Wörtern durchwirkt, bildete sich ein neues Idiom, die jüdische Sprache, heute die Muttersprache von acht Millionen Judein. Der Genius des jüdischen Volkes hat der fremden Sprache seine Seele eingehaucht und drückte ihr den .spezifisch jüdischen Charakter auf. Acht Millionen Juden reden und denken in dieser Sprache; Künstler, wie Perez, Mendele, 'Rosenfeld, Reisen, Pinski; und viele andere schreiben in ihr; zahlreiche Zeitungen und Bücher werden im ihr gedruckt. Trotzdem gibt es Leute, die die Anmassung haben, ihre Muttersprache einen Jargon zu nennen, das heisst ein Kauderwelsch, dessen, sich nur Diebe und Strolche bedienen, um nicht verstanden zu werden. Die Sprache des Volkes, die sprudelnde Quelle des. Volkslebens, das einzige Mitteil, das Voilik zu bilden, sein Niveau zu heben, haben wir als eine Sache betrachtet, de-rem wir uns schämen' müssen. Das kann nur bei Juden geschehen, deren Leben so ganz eigentumlich unnormal war. Aber als unser1 Volk sich in den letzten Jahrein wieder regelmässig zu entwickeln' begano, als unsere Bürger, deren Leben sich in engem Raum abspielte, anfingen, Menschen zu werden, zu erkennen, dass sie einem lebenden, Volke angehören und Pflichten gegen dasselbe zu erfüllen haben; und als sich unsere Müssiggänger und ge ängstigten Bankdrücker zu einem gesundem und kräftigen Proletariat herausbildeten, vor dem auch die Mächtigsten erzittern, da brach auch die neue Zeit für unsere Muttersprache an. Sie hat kommen müssen, so wie der Tag der Nacht folgen muss. Ein grosser Teil des jüdischem Volkes beginnt das Unrecht einzusehen, das es so lange an seiner Muttersprache verübt, es sieht dem Schaden ein, dem. seine Verblendung verursacht hat. Männer, wie der bekannte Verfasser vom „Die Juden der Gegenwarf4, Arthur Ruppin, der Redakteur des Berliner Journals „Die jüdische Rundschau", Heinrich Löwe[ und noch andere Westjuden, welche der jüdischem Sprache ganz fern stehen, anerkennen heute die Wichtigkeit der jüdischen Sprache. Eine der grosste|n jüdischen, Organisationen, der „Bund'4, fordert im seinem im vorigem Jahre veröffentlichten Programme „das Recht, sich in allen staatlichem und gesellschaftlichem Einrichtungen neben der Staatssprache der jüdischen Sprache zu bedienen". Dasselbe Ziel erstrebt auch ein grosser Teil der Ziomisten, besonders die „Poaile Zionisten". In New York, dem grössten jüdischen Zentrum, ist ein jüdischer Literaturverein gegründet worden, dessen Statuten folgendermassen beginnen: ..Wir betrachten die jüdische Sprache nicht als ein einstweiliges Mittel, um Kultu>ri im Volke zu verbreiten, sondern als eine nationale Sprache." In Rumänien sind in der letzten Zeit mehrere Vereine -mit ähnlichen Zielen» entstanden. Für dasselbe Prinzip hat der berühmte Dichter Abraham Reisen in seinem Journal „Das jüdische Wort" gekämpft und dieser gerechte Gedanke hat im dem bekanntein Schriftsteller und Denker Mathias Acher einen warmem Verteidiger gefunden,. Ueberall regen sich die Hände, überalili wird für unsere Sprache gearbeitet. Sollten wir Studenten, die wir die Blüte der Nation genannt werden, stumm und blind abseits stehen? Wir müssen uns, mehr als die anderen, auf die Brust schilagen, denn niemand hat so> sehr geigen1 unsere Muttersprache gesündigt als wir. Wir haben ums ihrer geschämt, wir habein sie verspottet — unsere Sünde ist grenzenlos:. Doch die Reue kann keine Hilfe bringen. Dies erkennend, haben wir. eine Anzahl von Studenten der Wiener Hochschulen, uns zu einem akademischen Vereine „Jüdische Kultur" vereinigt. So wollen wir unsere Schuld gutmachen. Wir hoffen, dass wir bei der Arbeit für unsere Muttersprache nicht allein bleiben werden und dass jeder, der sich als Judje fühlt, sei er nun Student, Bürger oder Arbeiter, zu unserer Fahne schwören wird, um für die jüdische Sprache zu kämpfen. Wir wollen hoffen, dass in kurzer Zeit in ganz Osteuropa viele solche Vereine entstehen werden, die der jüdischen Sprache ihre Aufmerksamkeit widmen werden, da ja die Sprache die Grundlage jeder Kultur ist. Der wichtigste Faktor, der ein Volk bildet, ist die Sprache und wehe dem Volke, das sie nicht pflegt. Der' akademische Verein ,,Jüdische Kultur". ftas der Biegung. ~ Bedenket des Sehekais I Voranzeigen. Wien. Der lit. Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria* wird Sonntag, den 26. d. M. seinen ersten diesjährigen lit. Nachmittag abhalten. Referent ist Herr Doktor Eg. M. Zweig: „Beginn präzise 4 Uhr nachmittags im Kongresssaale, IX., Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Sonntag, den 25. d. M„ um halb 8 Uhr abends, findet im Lokale des Vereines „Jehudah Hale?y*, IL, Untere Augartenstrasse Nr. 19, II. Stiege, Mezzanin, die Fortsetzung des Vortrages des Herrn S. D. Albachary über „Eindrücke seiner Palästinareise" statt. ■— Sonntag, den 26. d. M., um halb 4 Uhr nachmittags findet ein Vortrag im Lokal dag Vereines „Jehudah Halevy" statt. Referent und Thema vorbehalten. Gäste herzlich willkommen. — Samstag, den 19. d. m. sprach med. Stein über „Die Lösung der Judenfrage und der Zionismus". Beifall. Diskussion. N.-F. gesammelt. Verein „Poale-Zien*. Sonntag 26. November 1905, 7,10 Uhr vormittags, findet beim „Goldenen Widder*, 2. Bezirk, Taborstrasse 36, eine Protestversammlung mit folgender Tagesordnung statt: „Die Judenmassakers in Russland und ihie Lehren*. Gesinnungsgenossen, erscheint in Massen! München. An der hiesigen Universität hat sich in diesem Semester eine zionistische Studentenverbindung unter dem Namen „Jordania* konstituiert. Der Antrittskonvent fand am 23. Oktober, die Antrittskneipe am 11. November statt. Zuschriften etc. sind zu richten entweder an die Kneipe : Würzburger Hof. Goethestrasse 8/L, oder an den Schriftwart stud. jur. Georg Müllersheim, Theresienstrasse 52/1. Berichte. Wien. Verein zion. Hochschüler aus den südslavischen Ländern „Bar Giora". Ergebnis der Chargenwahlen: Präsident tech. G. Kunetz, Vizepräsident jur. Alex. Licht, Schriftführer tech. L. Ofner, Kassier ing, F. Rosenzweig. Pisek. Am 12. dieses fand hier eine vom jüdischen Volksvereine „Zion" einberufene, zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher Herr Ludwig Propper aus Prag über den VII. Zionistenkongress in Basel referierte und Herr J. U. Dr. Meisel aus Prag, einen fesselnden und wirkungsvollen Vortrag, über die zionistische Bewegung hielt. Insbesondere wurden auch die schrecklichen Verfolgungen unserer Brüder in Russland mit scharfen Worten gebrandmarkt, und eine Sammlung für die unglücklichen Opfer derselben beschlossen. Diese Sammlung, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde-Repräsentanz unternommen, ergab bis heute K 400.—. Budapest. Am 19. d. M. gründete sich hier unter den besten Auspizien ein neuer Verein unter dem Namen: „Judäa, Vereinigung zionistischer Privatbeamier*. Die am obigen Tage abgehaltene konstituierende Versammlung wurde von Prof. Bokor, Mitglied des L.-K., eröffnet. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen, welche folgendes Resultat ergaben: Präsident Armin Beregi, Vizepräsident Ludwig Batö, Sekretär: Leo Schiller, Schriftführer B61a Zädor, Schatzmeister: Emanuel Widder, Nationalfondkommissär: N. Kaufmann, Kontrolor Franz Löwinger. — Die Judäa hat sich zum Ziele gesetzt: die zionistische Idee unter den Privatbeamten und Handeleangestellten der ungarischen Hauptstadt zu propagieren und wird zu diesem Zwecke zu propagieren und wird zu diesem Zwecke Vortragsabende veranstalten, wie auch mit den übrigen hiesigen Zionistenvereine für die Verbreitung des Zionismus Hand in Hand arbeiten.