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Die Welt · 1905-04-14 · 15 (14.4.1905) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15;,bie * weit" Seite 13 Die Wiedergeburt des jüdischen Jargontheaters in Russland. Das jüdische, Jargontheater in Russland, welches in den ersten Jahren der Regierung Alexanders III. verboten wurde, hat vor wenigen Tagen seine Wiedergeburt gefeiert Das Ministerium des Innern gab dem Gesuche des ehemaligen jüdischen Theaterdirektors Fischsohn um Aufhebung des Verbotes statt und erteilte gleichzeitig die Erlaubnis zur Aufführung jüdischer Theaterstücke sogar in Petersburg. Ende März fand auch im Newski-Theater zu Petersburg die erste Vorstellung im jüdischen Jargon statt. Die jüdische Theatergesellschaft unter Leitung Spiwakowskis, eines bekannten ehemaligen Mitgliedes der von Goldfaden, dem Schöpfer des jüdischen Jargontheaters, seinerzeit gebildeten Truppe, führte das unter den Juden in Russland populäre Melodrama „Sulamith" von S. Sandberg, Musik von Goldfaden, auf und errang einen un bestreitbaren Erfolg. Fräulein Nerosslawskaja spielte und sang die Sulamith mit grossem Talent und erwies sich als KÜDstlerin ersten Ranges. Hervorragend wirkten auch die Schauspieler R y b o 1 s k y (Absalon) und N a p p e 1 (Muroach). Die russischen Blätter zollten den Leistungen der jüdischen Theatergesellschaft rückhaltloses Lob. Gt. Feuilleton. Prolog der zum Besten dar osleuropäischen Auswanderer veranstalteten Purimfeier vom jüdisch-wissenschaftlichen Verein zu Altona, am 15. Adar If. 5665. Wir haben euch zu einem Fest gebeten, Das euch auf schwankem Schiffe soll vereinen, Und seid ihr ob der seltnen Wahl betreten, So lasst mich euch erklären, wie wir's meinen. Zwar war' es unser gutes Recht, aliein Dem ailertollsten Maskenscherz zu fröaen; Denn Purim ist es, wo mit Gaukelein Wir Jahrzeit halten allen Hamanssöhnen. Doch nicht das Spiel nur einer flücht'gen Stunde Sollt jetzt ihr sehen, wie wohl manche wähnen, In diesen bunten Bildern wird euch Kunde Von uns'res Herzens tiefgeheimstem Sehnen. Ein Schiff, noch ist's ein Schiff der Träume nur, Das eilt dahin an blühenden Gestaden, Des schwersten Segens voll ist Feld und Flur, Der Weinberg blüht, es reift das Korn in Schwaden. Und die vorüberfahren all dem Blüh'n Und all die wundervollen Ufer grüssen, Sind frohe Kinder, die i ach Hause ziehn, Nachdem sie lange haben wandern müssen. Ihr Weg war schwer und manchem schien es oft, Als gab' ihm nur die Hoffaung Mut und Kraft, Und mancher hat verlernt gar, wie man hofft, Und mancher hlieb am Weg erschöpft, erschlaffe — Doch alles ist vorbei wie Windesweh'n, Nun, da Erfüllung soll die Sehnsucht lohnen, Da sie auf dem geschmückten Schiffe steh'n, Und Zion grüsst als letzte der Stationen-- Ein Schiff der Träume! Mancher schilt's vielleicht, Der tut nicht recht; blickt nur durch diese Räume, Wo Freude herrscht, soweit das Auge reicht. Was war' auch unser Leben ohne Träume! Kalt, grau und freudlos zöge es dahin, Von keinem gold'nen Schimmer hold geschmückt, Den nächsten Tag nur im versorgten Sinn So schlichen wir im Alltagsjoch gebückt. Und uns're Brüier erst im Russenland, Die nie der Stunde sorglos leben dürfen, Die dort gehetzt, geächtet und verbannt, Den Kelch des Leides bis zur Neige schlürfen, Was mnit ihr wo'il, e;hi't dm zihm Sta mm, Dem Dornbusch gleich, der stets in Flammen steht, Dem Feuer trotzend, das nicht töten kann, Wenn jener Traum nicht, den ihr vor euch seht! Drum ehrt den Traum und lasst den Hader schweigen, Reicht fröhlich euch zu frohem Fest die Hände, Damit aus dieser Stunde flüchtigen Reigen Für uns're Brüder quelle reiche Spende. Ihr aber sollt aus diesen bunten Räumen Mit Bildern von den wundervollsten Fernen Vor allem lernen unsern Traum zu träumen, Vielleicht wollt ihr ihn später leben lernen. L. T. Zeitschriften-Rundschau. Das angesehene kroatischradikale Blatt rNarodna Obrana* —Osiek, das schon vielfach seine Sympathie unserer Bewegung gegenüber bewies, bringt in der Nummer vom 4. April unter dem Schlagwort „Zionisten und dieNationen" eine Besprechung einesimn Jüdischen Volks blatferschienenen Artikels. Es nimmt zur Kenntnis, dass die Zionisten ein« besondere nationale Gruppe bilden, und begrüsst es, dass sie sich — wie das „Jüdische Volksblatt" berichtet — nicht den herrschenden Nationen, sondern vielmehr den Unterdrückten, den Kroaten, Sei ben und Rumänen, anzuschliessen gedenken. Dies sei eigentlich leicht zu glauben, denn gerade die Juden wüssten, was es heisst, geknechtet zu sein. Er fährt fort: „Wir zweifeln nicht an der Aufrichtigkeit der Zionisten, wünschen wir bloss, dass sie keine fremden Sprachen, wie Deutsch oder Magyarisch, hierzulande benützen.a Es ist für Kroatien bezeichnend, dass mehrere Blätter offtjn dem Zionismus das Wort reden, dass die Juden aber sich nicht recht an den Zionismus heranwagen, es wäre denn, dass sie ihn ein klein wenig rot-weiss-blau acstreichen. Consensia Philippopel. Ein kleines spaniolisches Blatt, in sehr populärem Tone gehalten. Ernst und aufrichtig tritt es auf den Plan fürs Volk und für Zion. Nr. 12 wird mit einem Artikel über die gefallene Würde des Oberrabbiners eingeleitet. Wir werden demnächst dnrüber berichten. Ein zweiter lesenswerter Artikel beschäftigt sich mit den sozialistischen Anwürfen und beweist deren Grundlosigkeit und Gehässigkeit. Lewi Cheskija bringt einen unklaren Artikel „Sollen wir nach politischen Rechten trachten?u und beweist, respektive glaubt zu beweisen — indem er Ursachen und Wirkungen durcheinanderwirft— dass äussere Anpassung,patriotische Betätigung, politischeRechte bringen, wobei auch der politische Zionismus gewinnt. Den Rest machen Berichte und Wochenschau. Nr. 14. Der Leitartikel „Wien oder London" weist darauf hin, dass London nach Wien der annehmbarste Ort für das A.-C. wäre, da die Not des Volkes die Bestrebungen des Zionismus nach Afrika lenken (?). S. Aron, der Autor des Artikels, scheint übrigens unter den Sephardim recht viele Gleichgesinnte zu haben. Ich fürchte aber, dass die Mehrzahl der Sephardim Cgandisten — Ugandisten aus Bequemlichkeit sind — weil die Erwerbung des Charters — unseres Charters — noch in einiger Entfernung liegt. Ferner werden Zangwills amerikanische Reden reproduziert, wie auch Berichte, Korrespondenzen, Wochenschau und ein Feuilleton Nordaus. Nr. 15. „Unsere Palästinophilen" — ein Leitartikel, der, hoffen wir es, nicht verleiten wird. Der leitende Gedanke ist: Bis Palästina erreicht wird, gehen tausende zugrunde — wozu in die Weite schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Viel mehr Wert hat der folgende Artikel über die Arbeiter und ihre Beteiligung am Zionismus. Nr. 16. Zangwills amerikanische Reden eröffnen das Blatt. Nebst zahlreichen Berichten und reicher Wochenschau bringt das Blatt das Programm Ussischkins und wirft ihm ironischerweise vor. dass er nur infolge „grosser Bescheidenheit" seinen Programmentwurf, „unser" Programm nennt. Iteha. Wie sehr das „Lemberger Tagblatt" einem tiefempfundenen Bedürfnis der galizischen Judenheit entspricht, beweist der Umstand, dass es bald das zweite Jahr seines Bestandes erreicht haben wird. Daraus lässt sich eine überaus fruchtbare Lehre ableiten. Denn der Begründung dieses Blattes ging nicht die geringste Reklame voran, sondern das Blatt musste sich allein, aus sich selbst heraus

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