Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 31 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 31 „bi* & weit" Seite 9 ausdrückte, fühlen sich die Unterzeichneten veranlasst, dem Zentralkomitee und der Familie ihr tiefgefühltes Beileid zusammen mit allen Leidtragenden Israels auszusprechen. Der Gemeindevorstand. Philadelphia. Wir können es nicht fassen und kaum daran glauben. Mich. Brown. New-York: Beweine nationales Unglück. Lewin Epstein. Trauerfeiern : Karlsbad. „Einzelverein Zion". Anlässlich des Ablebens Dr. Theodor Herzls beschloss unser Eabbiner Dr. Ignatz Ziegler seine am 9. Juli im Gotteshause gehaltene Predigt mit einem warm empfundenen Nachruf für unseren heissgeliebten und tiefbetrauerten Führer. Die Trauerfeier des Vereines fand am 14. Juli im Hotel Glattauer statt. Redner: Oberpostkontrollor S. Auerbach, Dr. I. W. Marmorek (Wien). U. a. anwesend: Ludwig Moser, Präsident der isr. Kultusgemeinde, Lektor M. Friedmann (Wien), Rabbiner Dr. Ignatz Ziegler etc. Nationalfond 28 K. Der Verein „Zion" trägt Herzl ins »Goldene Buch8 ein. Eudenbach. Dienstag abends fand im Bethaus über Anregung von Gg. ein Trauergottesdienst für Dr. Theodor Herzl statt, an welchem der gesamte Vor*tand und zahlreiche Gemeindemitglieder teilnahmen. Der Chor sang Trauerpsalmen. Gg. Rabbiner Max Freund hielt die warm empfundene, rührende Trauerrede, mit welcher er einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden, meist Nichtzionisten, machte. Freudenthal. Ueber Veranlassung eines Komitees versammelte sich fast die ganze Judenschaft zu einer Trauerfeier, bei welcher Herr Goldberger und Herr Leo Grün deklamierten und Herr Ch. F. Marburg die tiefempfundene Gedenkrede hielt. Für den N.-F. wurde gesammelt. Tepliz-Sßhönau. Die Trauerfeier wurde hier nicht, wie irrtümlich angegeben, von der Gemeinde, sondern von Gg. veranstaltet. Brunn. Sonntag den 24. Juli fand die Trauerfeier der Brünner zionistischen Organisation statt. Dieselbe gestaltete sich zu einer würdigen Kundgebung der gesamten Judenschaft Brünns. Der Kultusvorstand, das Präsidium der B. B. Loge und Abordnungen aller jüdischen Vereine waren erschienen. Nach Absingung eines Psalmes ergriff Rabbiner Dr. Sonderl ing das Wort, um der Verdienste des grossen Toten zu gedenken. Dr. S c h a 1 i t aus Wien sagte u. a. in seiner Trauerrede: Unsere Trauer gilt einem Grossen. Ein Grosser war es, der am 7. Juli in Wien begraben wurde, ein Grosser in Israel, so gross, wie das Goluth keinen zweiten kennt. Ein Mann ward zu Grabe getragen und ein ganzes Volk trauert in tiefster Verzweiflung um ihn, ein Jude war gestorben, und die christliche Welt fühlt den grossen Schmerz des Judenvolkes mit! Was ist es denn, dass diesen einen, Theodor Herzl, über des Tages Erscheinungen hebt und ihn loslöst von der Menschheit Allgemeinheit und ihn emporträgt zu der Geschichte Gestade? Weil er ein Jude war wie kein zweiter, weil der jüdische Weltschmerz in ihm seinen erhabensten und edelsten Ausdruck gefunden hat, weil in ihm alles lebte was das Judenvolk durch Jahrtausende auf das innigste bewegte, der grosse Schmerz um die Not der Brüder, der wundertätige Glaube an der Zukunft des Volkes, das Vertrauen zur eigenen Kraft und zur Selbsthilfe, und weil in ihm die Kraft des Riesen wieder erstand, der unaufhaltsam, unbeirrt gegen Vorurteile, Selbstverleugnung und Selbstentmannung ankämpfte. In Theodor Herzl war nichts von Ueberhebung, nichts Jvon unechtem Pathos, nichts von allem Missionsdusel Eines Tages hörte er die Not seines Volkes und er sah zu seinem Entsetzen ein armes, irrendes Volk, von Ort zu Ort gehetzt, ohne Ruhestätte, ohne Heim, ohne ein schützendes Asyl. Und das war sein Volk, sein Volk in höchster Not und Pein, mit dem Blutmal auf der Stirne. Der ewige Jude klopfte an seiner Türe, und er machte ihm auf und sprach zu ihm: Komme herein zu mir, denn Dein Gott ist auch mein Gott und Dein Volk ist auch mein Volk. Dass Theodor Herzl die Schwachen und Entmutigten wieder aufrichtete, war gross. Aber grösser war seine Tat, da er den Hilflosen nicht nur den Weg gab und das Ziel zeigte, sondern ihm auch die Mittel gab, diesem Ziele zuzustreben, da er einen Scheintoten wieder ins Leben rief und einen Träumer zur Arbeit wies, zur zielbewusstpn, pianmässigen, fruchtbringenden Arbeit. Drei grosse Marksteine hat er aufgerichtet, die seinen Namen der Ewigkeit sichern: den Kongress, die Bank und den Nationalfonds. Aber noch eine weitere grosse Tat verdankt das jüdische Volk Theodor Herzl. Er machte aus der Judenfrage, die nur eine Frage der Juden war, der Notschrei: Wo hinaus mit uns, wo ist Rettung, wo unser Heil? eine Frage der menschlichen Gesittung und Kultur. Er wusste die Grossen dieser Erde und die Edelsten unserer Zeit für die Lösung der Judenfrage zu interessieren und das Befreiungswerk allen Europäern verständlich zu machen. Tausende umstanden sein Grab. All ihre Hoffnungen und Wünsche, all ihre Sehnsucht und Träume senkten sie mit hinab in die Gruft, auf dass der Leib Theodor Herzls zum Samenkorn werde der jüdischen Freiheit. Aber mit Tränen und Seufzern macht man tote Erde nicht wieder fruchtbar, mit Hoffnungen und Wünschen führt man einen Bau nicht zu Ende, die Zeit der Wunder ist vorbei, nur eines bringt Wunder: zweckmässige, ernste Arbeit. Und so müssen wir alle weiter arbeiten, nicht um den Grossen und Herrlichen zu ersetzen, sondern um seinen Tod nicht zum Nationalunglück der Juden werden zu lassen. Hinaus in jenes Land, wo die Sonne den Erdball küsst, wo Juden für ihr Land und ihre Freiheit den Heldentod starben, hinaus in unser Land, das seines grossen Sohnes wartet, der nun in fremder Erde ruht! Sprengen wir die vier Bretter, die den Schatz des jüdischen Volkes bergen, aber nicht allein mit unseren Tränen und Gebeten, sondern auch mit werktätiger Liebe und schaffender Arbeit, auf dass alles, was unseren Meister in seinem Leben erfüllt hat, durch die Schollen dringe, in die Lüfte sich schwinge und die jüdische Welt durchzittere : Leben und Sterben für Zion! Der Vorsitzende, Max Hickl, sohloss die Versammlung mit dem Gelöbnis, immerdar im Geiste Herzl's zu wirken. Krems. Hier fand eine Trauerfeier statt, bei welcher der Obmann des zion. Vereines, Herr Kultusvorsteher Schick, eine wirkungsvolle Trauerrede hielt. Der Kultusvorstand war hier und bei der Wiener Trauerfeier vertreten, Tobitschau. Die Trauerfeier für Dr. Herzl fand hier am 9. Juli im Gotteshause statt, wobei Herr Kantor Weiss ergreifende Trauerpsalmen rezitierte. Schian. Bei seiner Predigt am 9. d. M. widmete der Herr Rabbiner Dr. Herzl einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er das Wirken des Entschlafenen voll würdigte. Gaya. Die Trauerfeier fand am 24. Juli im Tempel statt! Cand. Rabb. Dr. Johann Stossler hielt die ergreifende Trauerrede. Der Besuch war sehr zahlreich. Chodoröw. Mittwoch, am 13. d. M., am Schluss der „Schiwah", wurde hier eine Trauerandacht unter zahlreicher Beteiligung abgehalten, bei der Herr Dr. Kanner eine rührende Trauerrede hielt. N.-F. K 4. Zaleszczyki. Am 12. d. M. veranstalteten die Zionisten eine Trauerfeier in der Hauptsynagoge, weiche überfüllt