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Die Welt · 1904-01-01 · 29 (1904) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
29 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Seite 20 Jtbi* $ Weit" Nr, 29 Kolonisten Petach-Tikwah Ganz Israel beweint den grossen Verlust. Zionisten Swenigorodka: Herzl ist nicht gestorben, er lebt und wird ewig leben. Potchefstroom (Südafrika): Wir nehmen Teil an euerem Schmerz. Gott tröste euch un<J uns. Die Vereine: „Bne-Zion", „Bnoth-Zion" und uPirche-Ziontf. Es telegraphierten ferner u. A. hebräisch : Der hebräische Verein „Safaberurah" in Berlin, ,Tausende Mitglieder" derVereinenRabi-Akibatf, „Scheerith-Israel",„VereinNordau«, „Gemuloth-Chasodirn" in Bukarest, „Misrachi" in Zürich, David Wölk, Frankfurt a. M.; „Haschachar", Skala; „Zion" Krakau; „Ohawe Zion", Kaiisch; Julius Siberstein, Husi; „Chowewe - Zion", Wirballen — Edydtkuhnen; „Agudas Ebenezra", Saveni; „Zionistenverein", Teleneschti; ,Bne Jehuda", Kalisz; Zionisten von Dünaburg; „Tusehijah", Krakau; „Misrachi*, Lodz; „Zionoh\ Kibarti; „Agudath hazionim", Wilkowischki; Handwerker verein Roman, H. S. Lieben, Prag, etc. etc. Richtigstellung: In der Depesche Msx N o r d a u s, die wir in der vorigen Nummer veröffentlicht haben, soll es nicht heissen : „Was unser unglückliches Volk an Herzl besessen, das wird es erst jetzt inne werden, da er so unfassbar vorzeitig verschieden", sondern: »da er so unfassbar vorzeitig verschwunden." * * * Der hebräische Schriftsteller Rüben Brainin ist von dem Verlage „Tuschijah" mit der Abfassung einer Biographie Dr. Herzls als Mensch, Schriftsteller und Schöpfer der zionistischen Bewegung beauftragt worden. Alle Freunde und Verehrer des Verewigten, die im Besitze von Briefen, Dokumenten und sonstigen Mitteilungen sind, werden gebeten, dieselben Brainin zur Verfügung zu stellen. Adresse: R. Brainin, Marienbad, Böhmen. Zeitungsstimmen. Der „Basler Anzeiger" schreibt: Als in den Tagen vorn 29. bis 31. August 1897 der erste Zionistenkongress in Basel abgehalten wurde, betraten viele den Saal voll Neugierde und zweifelnd, ob es sich wirklich um etwas handle, das ernst zu nehmen sei'. Diese Zweifel sind bald zerstreut worden. Am Schlüsse des Kongresses durfte der Präsident Dr. Herzl sagen: „Wir haben etwas zustande gebracht. Ich glaube, man hat an vielen Orten mit einiger Schadenfreude darauf gelauert, dass hier viel Narreteien und ungesunde Schwärmereien vorkommen. Ich glaube, der Zionismus braucht sich seines ersten Kongresses nicht zu schämen. Der Kongress war massvo-11 und doch entschieden. Wie die Zukunft der ferneren Arbeit sich gestalten wird, lässt sich heute nicht sagen. Aber dass wir für unser Volk, das unmittelbar und mittelbar leidet, etwas tun, wenn wir uns in solcher Weise versammeln, das werden alle zugeben. Wenn wir den Erniedrigten den Pflug in die Hand drücken wollen, ist es da noch die Frage, oh sie die Arbeit dem Elend und der Wehrlosigkeit, der Ehrlosigkeit vorziehen? Man frage* sie! Au dem Tage aber, wo der Pflug wieder in der erstarkten Hand des jüdischen Bauers ruht, ist die Judenfrage gewesen." So hoffnungsvoll die zionistische Bewegung begann, so inehrten sich doch mit jedem Jahre die Schwierigkeiten. Die Begeisterung der Zionisten nahm zwar nicht ab, ihre Zahl mehrte sich, aber die Grossen des Judentums standen ihr gleichgütig, wo nicht feindlich gegenüber. Keiner der Jüdischen Geldfürsten bekennt sich zum Zionismus, und die jüdische Presse bekämpft ihn oder sucht ihn totzuschweigen. Ja selbst die „Neue freie Presse" in Wien, deren Feuilleton-Redakteur Herzl war, zollt in einem langen Nekrolog dem Menschen und Feurlletonisten Herzl die wärmste Anerkennung, während sie für den Zionisten Herzl kaum ein paar Worte übrig hat Und doch war es der Zionismus, der Herzls Namen in der ganzen Welt bekannt machte, der Herzl mit dem Sultan, dem deutschen Kaiser und anderen Fürstlichkeiten in persönliche Berührung brachte und den Herzl selbst als sein eigentliches Lebenswerk betrachtete. So oft sich die Zionisten seit 1897 versammelten, war Herzl der Mittelpunkt des Kongresses. Der geistreiche Dr. Nordau sprach packender und blendender, aber Herzl war der Mann der Tat, der für die zionistische Idee am erfolgreichsten wirkte und der allein die nötige Autorität besass, um dies Gegensätze innerhalb der Partei zu versöhnen und bei allern Widerstreit der Meinungen ein Auseinanderfallen der Partei zu verhindern. Und nie . tat den Zionisten ein solcher Mann mehr not als eben jetzt! Palästina den Juden! Mit dieser Losung trat der Zionismus ins Leben. Auf dem letzten Kongresse wurde beschlossen, weil einstweilen eine jüdische Kolonisation des heiligen Landes sich als untunlich erweise, vorläufig es mit der Aufrichtung eines Judenstaates in Britisch-Ostafrika zu versuchen, um den Pflug wieder in die erstarkte Hand des jüdischen Bauers zu legen. Die starke Minderheit, die gegen diese« Beschluss protestierte, weinte und tobte, und nur ein Herzl war imstande, sie zu beruhigen. Dadurch aber, dass die treibende! Idee des Zionismus, die Aufrichtung des Judenstaates im Lande der Väter, in weitere Ferne gerückt und so doch einigermassen in den Hintergrund getreten ist, hat die Bewegung an Kraft eingebüsst. Und in diesem kritischen Moment wird Herzl den Zionisten entrissen. Die „Basler Zeitung" schreibt: Es ist kein Grosser der Erde, um den heute Hunderttausende trauern, es ist ein Mann, der bei den Mächtigen dieser Welt für die Aermsten seines Volkes als Anwalt auftrat, der, erfüllt von hohen Idealen, ein Wagnis unternahm, das andere längst aufgegeben, der Tausende für ein grosse Sache zu begeistern wusste und in seinem kühnen Geistesflug mit sich riss. Wohl jedermann in Basel kennt ihn, den Führer der Zionisten, Dr. Theodor Herzl, dessen Tod wir gestern meldeten . . . Der unermüdliche Leiter und Förderer des Zionismus war Dr. Theodor Herzl. Seinem organisatorischen Talent und seiner diplomatischen Gewandtheit ist es gelungen, all die verschiedenen Elemente zusammenzuhalten und ihre Wünsche und Begehren auf ein Endziel zu konzentrieren. Wer hat ihn nicht an den Kongressen in Basel bewundem müssen, wie er oben auf dem Präsidentensitz mit vornehmer Ruhe und Sicherheit die oft so heftig brandenden Debatten leitete. Eine ernste, hohe Gestalt, das bleiche, edel geschnittene Gesicht mit den blitzenden Augen von tiefschwarzem Haar und Bart umrahmt, repräsentierte er gewissermassen den Typus des jüdischen Führers aus altem Stamm. Die faszinierende Macht, die von ihm ausging, bannte die Menge. Seübst in den schwierigsten Situationen gelang es ihm, die bedrohte Ordnung aufrecht zu erhalten und die stürmischen Beifalls- und Protestkundgebungen der mit parlamentarischer Sitte noch vielfach auf gespanntem Fusse stehenden Versammlung in ihre Grenzen zurückzuweisen. Auch seinen Gegnern gegenüber erwies er sich als kluger Diplomat. Schwer fällt der silberne Hammer auf das Pult nieder und. mit unerschütterlicher Ruhe ruft Herzl in den Saal: „Ich glaube es ist ein dringendes Bedürfnis, Herrn X. das Wort zu gewähren. Ich bitte, lassen Sie ihn reden, auch wenn Sie nicht mit allem einverstanden sind." — „Verstehen Sie nicht, dass es Herrn X. nur dient, wenn Unruhe ist. Bitte, ihn ruhig reden zu lassen. Sie tun uns einen viel grösseren Gefallen, wenn Sie X. ruhig anhören, als wenn Sie unterbrechen." — Nun ist Dr. Herzl tot. Am Sonntag den 3. Juli erlag er in Edlach bei Reichenau einem schweren Herzleiden. Im blühenden Mannesalter raffte ihn, den erst Vieruindvierzigjährigen, der Tod hinweg. Sein Hingang lässt eine schwer auszufüllende Lücke zurück. Doch würde man wohl zu weit gehen, wenn man den Scbluss ziehen wollte, dass mit dem Tode des

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