Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 52 (25.12.1903)
- Article
- Die Charkower Konverenz
- Date
- 1903-12-25
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 52 „Di* * Welt" Seite 5 Natürlich fehlte es auch nicht an den Forderungen der alten Choveve Zion. Die Charkower Konferenz soll nicht nur einen Teil des alten Programines derselben in offenbarem Gegensatze zum Kongresse der politischen Zionisten akzeptiert, sondern diese Forderungen ebenfalls als conditio sine qua non ihrer ferneren Anteilnahme aufgestellt haben. Zur Eealisierung dieser Projekte sollen nach dem Wunsche der Charkower Separatisten Bank und Nationalfonds herangezogen werden. Zur Ausführung der Pläne von Charkow sollen die Sehekeleingänge nicht mehr nach dem üblichen Modus an die Leitung abgeliefert werden, sondern zum grösseren Teile für die russischen Bayonvorsteher verbleiben. Ausserdem soll ein grösserer Betrag, man spricht von einigen tausend Rubeln, für Ingen. Ussi sohle i n, als das für Reisen und Verhandlungen bestimmte Mitglied, und ein. weiterer Betrag für Dr. W e i t z m a n n behufs Agitationen aller Art im Auslände bestimmt worden sein. Alles dies und noch einiges mehr, so beschloss man in Charkow, solle als Ultimatum durch eine hiezu gewählte Delegation Dr. Herzl überreicht werden. Sollte sich Doktor Herzl fügen, dann solle er unter der von der Konferenz beschlossenen Ueberwachung weiter an der Spitze bleiben. Sollte er aber das Ultimatum ablehnen, dann sei die Delegation beauftragt, eine Konferenz der russischen A.-C.-Mitglied er einzuberufen, dann solle in Kussland und besonders auch ausserhalb liusslands der Kampf gegen ihn organisiert werden." Protestkundgebungen. Aus Heidelberg erhalten wir eine längere Arbeit von Frau Paula Wengeroff, die sich mit dem bekannten Auftreten des Herrn Ingenieurs Us s i s c h ki n befasst und in welchem die Verfasserin Klage darüber führt, dass man gewaltsam die Einigkeit und Disziplin in unserer jungen Partei stört. Der Artikel, den wir wegen Raummangels leider nicht ganz veröffentlichen können, enthält weiters eine dringende Mahnung zur Umkehr und zum Zusammenschluss aller gut gesinnten Elemente. .* In der Versammlung des zionistischen Arbeitervereines „Achdus Zion" in Petersburg am 22. Novomber 1903 wurde nach längeren Debatten über die Briefe des Präsidenten des A.-C. Dr. Th. Herzl und des Mitgliedes des A.-C. M. Ussischkin mit Mehrheit der Stimmen folgende Resolution angenommen : „Der Verein hält es für die politischen Zionisten für notwendig, ihren beständigen Protest gegen die Rückkehr zum engen Chowewe-Zionismus zu erheben. Durch die taktlosen Angriffe des Herrn Ussischkin gegen unseren Präsidenten Herrn Dr. Herzl tief empört, drückt der Verein seine Unzufriedenheit mit Herrn Ussischkin und seine Solidarität mit Herrn Dr. Th, Herzl aus." Das Komitee des Vereines wurde beauftragt, den Herren Dr. Herzl, Ussischkin und dem Bevollmächtigten des Petersburger Rayons diese Resolution mitzuteilen. Komitee des Vereines „Achdus Zion": S. H e p s c h t e i n, Präsident, A. C h a ti m 1 i an s k y, Sekretär, ^t^B nv&T» Fin.-Beamter. Mit gli e der: M. Baslavsku, T. Annyert. .* London, 1. Chanuka. Sehr geehrte Redaktion! Ich bitte Sie um Aufnahme nachstehender Zeilen: Als Delegierter am 6, Zionistenkongress, geschickt von den Zionisten der Stadt Plonsk, Gouvernemert Warschau, schliesse ich mich dem Antrage des Vereines „B'nei Zion" in Warschau vollkommen an und erkläre hiermit, meine Stimme, die ich auf diesem Kongresse für Herrn M. M. Ussischkin aus Jekaterinoslav als Aktionskomitee- Mitglied abgegeben habe, für null und nichtig. Diese Erklärung der Parteidisziplin, wie der Ehre der zionistischen Leitung überhaupt schuldig zu sein glaubt, hochachtend und mit ZLonsgruss J. M. Salkind. An die Delegierten des VI. Kongresses, Wie wir aus Odessa, Warschau und anderen Orten erfahren, soll in Charkow vor kurzem eine Konferenz der russischen A.-C.¬ Mitglieder stattgefunden haben, in welcher unter anderen kongresswidrigen Beschlüssen auch der gefasst wurde, dass eine Deputation nach Wien fahren solle, um dem Präsidenten des A.-C. ein Ultimatum vorzulegen. Die Deputation sollte vom Präsidenten des A.-C. die schriftliche Erklärung verlangen, dass er den Kongressbeschluss betreffend die ernstliche Untersuchung des ostafrikanischen Vorschlages nicht ausführen werde. Widrigenfalls sei ihm der schärfste Kampf anzukündigen. Gegen diese i offenbar kongresswidrigen Beschluss in Charkow sollen sich gleich dort die Herren Dr. Mandelsiamm und Rechtsanwalt Jassinowski und später wie wir hören, der nicht anwesende Dr. Jefsky sowie Rabbiner Rabbinowitsch in Sopotzkin auf das entschiedenste erklärt haben. Wir glauben aber, dass es eine dem Geiste gesunder Demokratie widersprechende Anmassung ist, die nicht geduldet werden kann, wenn einige Mitglieder des A.-C. sich in solcher Weise über den Kongress stellen wollen. Es ist nun schwer in einer Zeit, wo der Kongress nicht beisammen ist, Abhilfe gegen einen solchen Uebergriff zu finden. Gegenüber diesem jede Organisation zerstörenden Unterfangen fordern wir gleichberechtigte Delegierte, tiie Herren, die in Charkow für die Erlassung des Ultimatums gestimmt haben auf, ihre Mandate niederzulegen, da sie sich den Beschlüssen der Majori ät nicht fügen wollen. Alle Delegierte des VI. Kongresses, die unserer Meinimg sind, können ihre Zustimmung an das Sekretarial des Zionistenkongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, für den Obmann der Wiener Delegierten adressieren. D. Albachary, Julius Baad, Mina Baad, R. Feigenbaum, Ad. Friedmann, S. Friedmann, J. Gewitsch, Dr. J. W. Marmorek, E. Torczyner, Delegierte des sechsten Zionisten-Kongresses. Die Ansiedlnng eines Volkes. Von Dr. Franz Oppenheimer. Rede, gehalten in der zionistischen Volksversammlung vom M>. Dezember im Ronachersaale in Wien. Vide „Die Welt* Nr. 51. Meine sehr verehrten Damen u n cl II e r r n! Das Thema, das mir für den heutigen Abend gestellt ist, lautet : „Ansiedlung eines Volkes". Darunter ist nicht zu verstehen, dass ich einen Ueberblick geben werde, wie sich eine solche Ansiedlung historisch vollzogen hat, sondern man stellt mir als Problem, das ich zu lösen habe: Die neue Ansiedlung des Volkes. Und das kann unter Umständen sehr leicht geschehen. Wenn Sie mir ein Volk geben, wenn Sie mir ein Land geben von genügender Grösse und Fruchtbarkeit, so wird die Ansiedlung eines solchen Volkes, in einem solchen Lande nicht allzuviel Schwierigkeiten bereiten. Setzen Sie ein solches Volk, bestehend aus der nötigen Zahl von Bauern, Handwerkern, Händlern, geistigen Arbeitern und Regierungselementen, setzen Sie das auch nur mit den primitivsten Werkzeugen versehene Volk in ein Land, in