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Die Welt · 1903-12-18 · 51 (18.12.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
51 (18.12.1903)
Article
Die Wiener Makkabäerfeier
Date
1903-12-18
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 51 „bie # weit" Seite 7 Das Entree war von luftigen Verkaufszelten flankiert, in denen Noten, Bücher, Bilder und Blumen von reizenden Verkäuferinnen feilgeboten wurden. Für den Nationalfonds strengten sich schöne Damen, sowie die Herren Dr. Herzl und Dr. Oppenheimer an, weich letztere ihre heissbegehrten Unterschriften nur gegen einen Obolus für den Fonds unermüdlich auf Ansichtskarten schrieben. Ausser den genannten Herren, von denen Herr Dr. Herzl mit seiner Mutter erschienen, war, bemerkte man sämtliche Zionisten von Namen; die Herren Architekt Marmorek, Dr. Kokesch, Dr. Kahn, Direktor Kremenezky vom A,-C. mit ihren Damen, die Herren vom L.-C. mit Herrn Dr. Krenberger an der Spitze, Herrn Oberst Ritter v. Eiss mit Familie, den Vorstand der Jüdischen Volkspartei, Dr. Richard Rappaport, Dr. Carl Lifczicz, die Redaktion des „Jüdischen 'Volksblattes'4, der „Wahrheit", „Neuzeit14 u. v. a. Es herrschte eine freudig erregte Stimmung, der richtige Ton eines wirklichen Volksfestes, zu dessen Bedeutung wir ja die Makkabäerfeier allgemein im Judentum bringen wollen. Der herzliche Ton, in den selbst Fremde gegeneinander fielen, weil sie sich hier als jüdische Brüder fühlten, machte die Aufrechterhaltung der Ordnung trotz der Ueber^üllung leicht. Unter lautloser, andächtiger Stille sprach Dr. Bernhardt zur Eröffnung stürmisch aufgenommene nationale Worte. Den Glanzpunkt des Abends bildete selbstverständlich die Festrede 'des Herrn Dr. 0 p p e n h e i m e r, die wir an anderer Stelle bringen, und die wiederholt stürmischen Beifall hervorrief, Der jüdische Männergesangverein „Schir Zion" brachte drei Lieder zum Vortrage. Es waren drei Erstaufführungen. Das Manuskript des ersten Chores (Dichtung von B.Fei we 1), welches von dem verstorbenen Chormeister des Vereines, Prof. Löwenstamm, verfasst ist, trägt die Widmung: „Das erstemal aufzuführen bei der Makkabäerfeier 1903." Mit Feuer und Begeisterung sangen die Sänger das Lied ihres ihnen leider so früh entrissenen Meisters und erzielten eine zündende Wirkung. Der nächste Chor „Sabbatsegen'4 (gedichtet von Zlocisti, komponiert vom Chormeister Prof. Sulzer) überraschte durch die künstlerisch vollendete Art des Vortrages. Leise erzitterten Töne des jüdischen Heimatsempfindens. Auch hier wurden die Sänger und vor allem ihr trefflicher Leiter mit reichem Beifall belohnt. Nun folgte Grünaus herrliche Dichtung „Unser Wein", von B. Ulimann in trefflicher Weise vertont. Der Wein, den die Sonne der Heimat gereift, er bringt uns Grüsse der Heimat. Jubelnd, ertönte das Lob des Weines von Jeruscholajim. Ein Lied der Freude, der frischen, wieder erwachten Lebensfreude war es, das wir hier hörten, einer Freude, so innig und so rührend, wie sie eben nur das jüdische Herz empfinden kann. Der jüdische Männergesangverein „Schir Zion" hat, trotz der kurzen Zeit seines Bestandes., bereits glänzend bewiesen, dass seine Gründer nicht zu viel gesagt haben, als sie behaupteten, es werde im Verein und durch ihn das neue jüdische Lied erstehen, 'das Lied, in welchem alle edlen Regungen des neu erwachten jüdischen Lebens durch die Macht der Töne zu schönstem Ausdruck gelangen. Das Hauptverdienst der Erfolge dieses Vereines gebührt unstreitig seinem als Musiker hervorragenden Dirigenten Herrn Prof. Josef S u 1 z e r, einem hervorragenden Mitgliede des Wiener Hofopernorchesters und Cellisten von Ruf. Herr Prof. Sulzer dirigierte bei der Feier persönlich und erntete stürmischen Beifall. Der Liedervortrag der Frau Dr. Marcuse - Berlin und das Violinspiel des Herrn Prof. Fiedler fanden ein dankbares Publikum, das sie durch reichen Applaus auszeichnete. Um 1 Uhr war der offizielle Teil der Feier zu Ende. Während der Räumung des Saales fand die Ordnung der eröffnenden Paare in einem Nebensaale statt. Zu allererst wurden die Patronessen in feierlichem Zuge zu ihrer Estrade geleitet., worauf unter den Klängen der Hofmusikkapelle Strauss der Tanz begann, der leider ein vorzeitiges Ende fand, da die polizeiliche Erlaubnis dafür nur bis 3 Uhr gegeben wurde. Hoffentlich wird es das letztemal so sein. Denn, ausgenommen eine Aenderung der Verhältnisse, wird die Wiener Makkabäerfeier eine bekannte und gern besuchte, daher feststehende Einrichtung des Wiener Judenlebens bleiben. Es sind nicht nur die Darbietungen, die in stets hoher Güte in ihrem Rahmen geboten werden, die vom Publikum so gerne genossen, sondern ein unbeschreibliches Etwas veranlasst eifahrungsmässig den einmaligen Besucher zum weiteren Wiederkommen, ein unsichtbarer Geist, der den Juden zum Juden ruft, eine Freude, sich unter Leuten zu wissen, die kampfesfroh das niedergedrückte, verschmähte Judentum auf den Schild gehoben haben, und Judentum und Juden zu Ehren bringen wollen. Ein grosser Teil der Juden Wiens folgt einem unbewussten nationalen Empfinden, indem er zur selben Makkabäerfeier geht, die, wie alles jüdische Leben, von der Kultusgemeinde ignoriert, resp. verschlafen wird. Ein Wort ist noch zu berichten über die Damenspende: Sie hatte die Form eines Buches mit reichem Inhalt. (Jungjüdische Gedichte, Programmatische Erklärungen des Zionismus, Bilder (Dr. Herzl, Quittung des Goldenen Buches), die in Oesterreich gemachten Eintragungen ins Goldene Buch und den Nationalfonds-Artikel aus der letzten Nummer der „Welt44.) Auf der Rückseite war das Goldene Buch abgebildet. Das Programm war auf die vier leergemachten Umschlagseiten der letzten Nummer der „Welt44 gedruckt. Die Freude, die weite jüdische Kreise Wiens der zionistischen Makkabäerfeier entgegenbringen, ist nicht enttäuscht worden und wird die Beteiligung in künftigen Jahren gewiss auf gleicher Höhe erhalten. Das sind gute Aussichten für den Zionismus, der nur gehört zu werden braucht. Eine jüdische Volksversammlung in Wien. Dieselbe war für Montag den 14. d. M. in den Ronachersaal einberufen und zeigte uns ein anspornendes Beispiel tüchtiger zionistischer Arbeitsfreudigkeit. Denn weder hatte das hiesige Distriktskomitee nach den aufreibenden Vorbereitungen zur Makkabäerfeier seine Werbearbeit auch nur einen Moment ruhen gelassen, noch hatte Herr Dr. Oppenheimer den unbequemen und lästigen Aufenthalt in der Fremde abgebrochen, als man . ihn zu neuer Arbeit rief. Die angestrengte Arbeit der Herren vom A.-C, von denen sich Herr Architekt Marmorek wieder ausgezeichnet hervortat, brauchen wir nicht erst zu erwähnen. Und so hat denn der allgemeine Eifer dem jüdischen Publikum Wiens einen Abend geboten, bei weichem die verwöhntesten Ansprüche auf interessante Wissenschaft und gutbegründete Politik vollkommen befriedigt wurden. Es sprach Herr Dr. Oppenheimer über „Die Ansiedlung eines Volkes44 und Herr Architekt Marmorek über „Der Zionismus in Wien und anderwärts44. Man kann sich diese Titel übersetzen in: „Wie wir's machen44 und „Was wir wollen44. Aus Gründen der Genauigkeit verschieben wir den vollen Bericht über Oppenheimers Referat um ein kleines, und begnügen unsere Leser vorderhand mit einer verkürzten Zusammenfassung aus der Rede dieses Meisters, der uns über die Grundlagen unseres künftigen Lebens geistvoll und unwiderleglich belehrte. Er hinterliess in all den anwesenden Zionisten das Gefühl hoher Genugtuung über die Mitarbeiterschaft eines so modernen und glänzenden Gelehrten, dessen SpezialwisseTischaft das Wohl der Völker ist. Auch die hunderte noch nicht zionistischer Zuhörer, Frauen und Männer, hingen gespannt an den Lippen des Referenten, der nicht nur zeigte, welche Wege wir Juden bei einer späteren Siedelung zu gehen hätte, sondern auch bewies, dass die gezeigten Wege die besten seien. Es war der Vortrag im ganzen ein Kommentar zu des Redners Kongressreferat, in welchem er bekanntlich ausführte,

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