Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 50 (11.12.1903)
- Article
- Quittung über eine Eintragung ins "Goldene Buch" [Illustration]
- Date
- 1903-12-11
- Page
- 5 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 50 „bi$ # W*ltM Seite 5 ^w^av'yy-f*- 1 AV5D01 GÖUMENm .ftW3ESnPAfg^ itßftisßmw^ '- zlL-J'-";'v^,-'f^ trnyn^o OÄ^ftnsrtrt i ^rÄ^rtrwsöo! — - J ^^^V4-*?^, V/ * ' J&Xte** .rgaatt EINGEIRÄGJEN * '* *V J , „ #\\'<&tst»-<$ '^faf*^ vf <^ % # vfM *U D2DTT OE7 V * 1 » * * « l*^§.f'' „- ä^<|s^,<; / * Quittung über eine Eintragung ins „Goldene Buch". Der Wanderer. Ich aber war der Wanderer in der Wüste! Des Wort verhallt im todesstarren Schweigen* Die Sterne sah gen Mitternacht ich neigen, Eh5 noch mein Blick das Land der Sehnsucht grüsste. Wach ward das Weh, das dämmernd in mir schlief, Und wühlt in meiner Brust mit scharfer Kralle, Mein Ruf erscholl gleich schmetterndem Metalle Und meine Wunden waren heiss und tief. Ich dacht' der Zeit, da wir zum Schwerte schwuren Und blutig rangen mit dem Tempelschänder, — Vom Monde wallten breite Silberbänder Und weinend sucht ich windverwehte Spuren. Hugo Zuckermann. Der Zionismus und seine Gegner. Von einem Christen. Diese Aufschrift sollte eigentlich befremden, denn nach den letzten 7 Jahren und der Abhaltung des VI. Kongresses müsste jeder unbefangen Denkende und Urteilende unwillkürlich fragen: „Ja, kann denn der Zionismus Gegner haben? Wes Geisteskind hat Ursache ihn zu bekämpfen?* Doch der Zionismus hat tatsächlich Gegner, und zwar unter Juden und Christen, wobei freilich die Frage schwer zu beantworten ist, welche Gegnerschaft mehr in Erstaunen setzt. Die jüdische Aversion gegen die zionistische Bewegung erinnert an kleine Kinder, die in der Krankheit ja auch-die gerechte Medizin abzuwehren pflegen und kann auf die Naivität der grossen Menschenkinder zurückgeführt werden. Die Haltung der Christen indes lässt sich schon nicht mehr auf so harmlose Weise erklären. Die Mehrheit der Christen verhält sich dem Zionismus gegenüber gleich giltig, bei vielen ist der Gleichgiltigkeit eine Dosis Verachtung beigemischt und am häufigsten hört man folgende trivial klingende Ansicht äussern: „Was? Die Juden wollen nach Palästina? Gott sei dank, wenigstens werden wir sie los!K Dabei bedenken die sich so Aeussernden nicht, welche bodenlose Schande für uns Christen darin liegt, dass die Juden diesen Ausweg suchen müssen, welcher auch der einzige und beste ist. Der Antisemitismus, der diese verächtlichen Aeusserungen zeitigt, hat mehrere Ursachen, aber seine eigentlichen Nähreltern sind der böse Instinkt und die Gedankenlosigkeit der Menschen, der "gemeinhin gewöhnliche Rassenhass ist hier vereint mit dem absichtlich gezüchteten Vorurteil gegen die „Gottesmörder". In den Schulen wird den Kindern beim Religionsunterricht die tiefe Abneigung, ja eine gewisse Scheu vor den Juden eingeflösst. Die grosse Menge kann sich, selbst erwachsen, von diesem Hasse nicht losmachen. Sie hasst gedankenlos, und wenn ihr die Begründung dieses Hasses fehlt, meint sie: „Ich kann sie nicht ausstehen, weil sie eben Juden sind!41 — Die Klügeren hüten sich vor diesem Argument und begründen die vorhandene Abneigung mit der. Behauptung, die jüdischen Fehler wären unerträglich. Die Begründung ist freilich auch furchtbar ungeschickt* denn, wenn >sich überhaupt die Völker untereinander nach <i ihren Fehlern und Vorzügen