Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 50 (11.12.1903)
- Article
- Makkabi
- Date
- 1903-12-11
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Talephon 14*199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1/2I2 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Rp7linClirpiQPa Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: DG£U|Jo|JI OIOC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs, 8.50, vierteljährig Frcs. 4,25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr 50. Wien, II. Dezember 1903 — 22. Kislev 5664, 7+ Jahrgang. Makkabi. „Mit Gott unser gutes Schwert zur Hand, Und drauf, die Syrer zu jagen! Ob auch unsre Führer verrieten ihr Land, Wir andern, wir wollen's nun wagen. Sie predigten Frieden, Wir waren bereit, Dem Lande den Frieden zu wahren. Und nun unser Lohn! Der Tempel entweiht, Im Lande des Feindes Scharen! Und unsere Führer? Die prassen in Ruh. Was kümmert sie Sengen und Rauben? Wir trugen das Schwerste und schwiegen dazu — Doch jetzt gehts um Freiheit und Glauben! Drum, wer sich um Freiheit and Glauben wehrt, Zu mir! Und gings ins Verderben! Und drauf, in der Faust unser gutes Schwert, Zu seligem Sieg oder Sterben!" Siegmund Werner. Modernes Makkabäertum. Von Dr. phil. Isaak Mirkin. In allen Teilen und Enden der Welt versammeln sich während der. Ghanukatage unsere Volks- und Gesinnungsgenossen in Gruppen und Vereinen, um gemeinsam in freudiger und gehobener Stimmung die Makkabäerfeier zu begehen. Was feiern wir? Wir feiern die Heldentaten, die todesmutigen Kämpfe, die wundervollen, ruhmreichen Siege unserer Ahnen, der Makkabäer, die erfochten wurden vor mehr als zweitausend Jahren. Ja, wenn wir Juden von Ereignissen unserer Vergangenheit erzählen, so sprechen wir nicht, wie andere Völker von Jahrhunderten sondern von Jahrtausenden. Mehr als -zweitausend Jahre sind seit diesen Kämpfen der Makkabäer über die Lande dahingebraust. Wer vermag die ungeheuere Kette von Generationen zu überschauen, die sich ■ seitdem im Leben abgewechselt? Wer zählt die Nationen, die sich in ihrem Daheim abgelöst, wer die endlose Reihe von Staaten, die sich während dieses Zeitraumes gebildet und wieder aufgelöst und sich nacheinander auf unserer Erde Platz gemacht haben? Unzählige Formen hat das Leben seitdem angenommen und wieder aufgegeben. Unzählige Ideen und Weltanschauungen haben sich seitdem bekämpft und verdrängt. Unzählige Taten sind seitdem vollbracht und zum grossen Teil wieder vergessen worden! Wir Juden aber feiern heute wie vor zweitausend Jahren die Kämpfe und die Siege unserer Ahnen, der Makkabäer, in gleicher Art, in gleicher Weise, und so werden noch unsere Nachkommen nach Jahrtausenden sie feiern! W i e feiern wir sie? Hat unser Volk diesen Makkabäerheroen Tempel 4 errichtet, Prachtbauten geweiht? Haben wir ihnen Monumente von Stein und Erz gesetzt? Lassen wir zu ihrer und ihrer Taten Verherrlichung Höhenfeuer auflodern, die weithin sichtbar sind und meilenweit den Himmel röten? Nein! Nichts von alledem! Wir entzünden einige wenige winzige Lichtlein. Aber welche magische Kraft besitzen diese Lichtlein, welchen Zauber strömen sie aus! Diese kleinen, matten Flämmchen scheinen die dichten Nebel der Jahrtausende zu zerstreuen, die schweren, dunklen Schleier der längst entschwundenen Vergangenheit zu zerteilen und diese Vergangenheit in unsere nächste Nähe zu rücken. Bei dem matten Schein dieser winzigen Lichtlein sehen wir lebhaft und leibhaftig unsere todesmutigen Ahnen mit einem an Zahl und Kriegskunst zehnfach, ja hundertfach überlegenen Feind kämpfen und ringen, ringen und ihn besiegen. Bei dem matten Schein dieser Lichtlein sehen wir dies alles so lebendig, so unmittelbar, dass wir uns selbst auf dem Schlachtfelde zu befinden, ja dass wir mit ihnen mitzukämpfen glauben. Ist das bloss Illusion? Nein, es ist keine Illusion, es ist wahre und wirkliche Tatsache! Wir kämpfen noch heute den alten Makkabäerkampf, wir befinden uns heute in derselben I^age wie unsere Ahnen, die Makkabäer — wir kämpfen für dasselbe Gut, wir ringen um dasselbe Ziel! Was focht diese sonst so harmlosen Männer und Frauen an, was feuerte sie an, zu einem so ungleichen Kampfe? Wollten sie ihre Macht auf fremde Nationen