Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 49 (4.12.1903)
- Article
- Dublin [Nachricht]
- Date
- 1903-12-04
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 „bi* W^lt11 Nr. 49 Dublin. („Chovevi Zion\) Generalversammlung am 25. September 1. J : Gesammelt: 20 Pfd. 10 sb. Nationalfonds, 20 Pfd. Odessa Chowewe Zion, 19 Pfd. Kischenew. Verkauft 12 Shares J. K. B. Wahlen: Cornik, Obmann; Koczis, Obmann-Stellvertreter; Ellmann, Kassier; Benjamin, Schriftführer. Montreal. Verein „Hagudas Zion". 11. Oktober in der „Empire Hall* Versammlung. Bericht des Präsidenten M. Leo „Ueber den Stand des Vereins und des Zionismus". Mr. Clarence de Sola referierte „Ueber den VI. Kongress". Ueber Antrag Mr. A. Falick wurden gewählt eine Nationalfonds-Kommission aus den Herren : H. Bernstein, A. Falick, A. Levin, M. Levin, und M. Lavis; eine Shareklub-Kommission aus den Herren A. Falick, B. Zuokermann. Glaubermann. Pretoria. Zur Feier der Eröffnung des VI. Kongresses wurde vom Vorstande des zionistischen Vereines ein Konzertabend mit allgemein jüdischem Charakter veranstaltet. Der Vereinspräsident J. Silber eröffnete den Abend mit einer Ansprache über die Bedeutung des Kongresses. Eine neue Fahne wurde enthüllt. (Nationales Lied von H. G o 1 d.) Ansprache durch Herrn Rev. Rosenfeld, Gesang. Hebr.-nationale Ansprache Frau Mil stein. Chor Hatikwoh. Toaste auf die Führer. Gesang Frau Mil st ein, Herr Schapiro. Ausgezeichneter Erfolg. N.-F. 30 ^. Calvinia (Süd-Afrika). Unser Verein „Tickwath Zion, hat am 4. d. M. 12 Pf. Sterling für den Nationalfonds gesammelt und62Shars der Jüdischen Kolonialbank verkauft. Auch hat die ausgezeichnete Rede unseres lieben Gesinnungsgenossen Sachsanowitz aus Kapstadt unserem Vereine viele neue Mitglieder gewonnen und ich bin beauftragt, Herrn Sachsanowitz den Dank unseres Vereines auszudrücken. Mit Z'onsgruss A. N. Miller. (Fortsetzung folgt.) Peciilletoi). Beschwerdekästchen. A. K., Mainz. Der „Israelit von Mainz4', der sich seit jeher durch die denkbar mangelhafteste Textkritik seiner Beiträge ausgezeichnet hat, bringt jetzt wieder eine Notiz über den „Rabbinertag" in Grodno, die Einern inniges Mitleid mit der Urteilskraft der Mainzer Redaktion einflösst. Wir wollen annehmen, dass die Herren Redakteure die Notiz vor der Drucklegung nicht gelesen haben, oder dass sie den Beitrag, wiewohl sie ihn gelesen, überhaupt nicht verstanden haben. Denn es fällt Einem schwer, anzunehmen, dass ein jüdisches Blatt mit ungetrübtem Bewusstsein derartige denunziatorische Ausfälle gegen die jüdischen Studenten Russlands vorbringen könnte. Der Bericht macht den Eindruck, als wäre ille K r u sehe w a n Korrespondent des Mainzer Blattes. Theaterfreund, Wien. Sie sehen mit grösster Spannung ausführlichen Berichten über den Inhalt des neuen Pariser Sensationsstückes entgegen. Die Depeschen, die bisher eintrafen, sind sehr kärglich, so dass der ergänzenden Phantasie weite*r Spielraum gelassen ist. Da heisst es: „Nach den Hauptproben von Donnays Zeitbilde „Rückkehr von Jerusa- 1 e m" zu schliessen, dürfte diese Neuheit des Gymnase- Theaters grosses Aufsehen machen. Es handelt sich um die Liaison eines jungen Katholiken mit einer hübschen Israelitin.44 Daher die Bezeichnung: „Zeitbild''. Die Liaison eines jungen Katholiken mit einer hübschen Israelitin ist offenbar eine so häufige Erscheinung, dass man getrost von einem Zeichen der Zeit sprechen kann. Beachten Sie auch den diskreten Ausdruck „Israelitin". Eine „Jüdin44 würde sich neben einem jungen Katholiken minder geziemend ausnehmen als die immerhin angemessenere und sympathischere „Israelitin44; auch würde das Wort „hübsche Jüdin'4 geradezu wie eine Contradictio in adiecto erscheinen. — Dann heisst es in den Depeschen weiter: „Beide gehören gebildeten Pariser Kreisen an. Die Einrichtung der gemeinsamen Wohnung veranlasst Differenzen konfessioneller Natur. Die geplante Heirat kommt infolge dessen nicht zustande. Der Autor, welcher bei der nächsten Vakanz einen Akademiesitz anstrebt, macht dem Antisemitismus kleine Zugeständnisse.44 — Ueber die Differenzen konfessioneller Natur, die bei der Einrichtung der gemeinsamen Wohnung entstehen, können wir vorläufig nur Vermutungen anstellen. Ob die Heirat daran gescheitert ist, dass der junge Katholik das „milchige" und „fleischige44 Gerät in engstem Nebeneinander unterbringen wollte, oder ob die hübsche Israelitin so ungeschickt war, eine Photographie des Pariser Oberrabbiners neben einem Landschaftsbüd von Lourdes aufzuhängen, das werden die ausführlicheren Berichte lehren. Bemerkenswert ist, dass den Depeschen zufolge kleine antisemitische Zugeständnisse ein Anrecht auf einen Akademiesitz gewähren; wir dürfen somit erwarten, dass demnächst Drumont auf Grund seiner mehr als kleinen literarisch-antisemitischen Zugeständnisse das Verlangen stellen wird, man solle ihm zuliebe die Mitgliedszahl der Academie francaise auf 41 erhöhen. s Ethnologe, Wien. An Bileams Esel mussten Sie sich erinnern, als Sie den Artikel im Hauptorgan der Wiener Antisemiten lasen. Da zog Einer aus, um Israel zu fluchen, und schliesslich ertappen wir ihn bei liebenswürdigen Komplimenten. Ein Führer der sogenannten Wiener antisemitischen Intelligenz ergeht sich in Klagen, dass bei der Vorstellung von Liszts „Elisabeth-Legende44 in der Hofoper das Parkett sehr schwach besucht war, und nach einigem Nachdenken nennt er auch die Ursache der fühlbaren Lücken im Parkett: „Sie kehren fast regelmässig bei „Elisabeth44 wieder — das spezifisch christliche Sujet findet bei den Juden keinen Beifall. An den zahlreichen Lücken erkennt man das zahlreiche Kontingent der jüdischen Theaterbesucher.4' Hierauf tadelt er in herben Worten das defekte Kunstinteresse seiner Parteigenossen und gibt eine Schilderung des typischen Urwieners, die wohl, da sie von wohlunterrichteter Seite stammt, ethnologisches Interesse beansprucht. Er schreibt: „Es gibt in Wien noch immer wohlhabende Christen genug, um nicht ein, sondern mehrere solcher Parketts vollständig zu füllen. Aber gerade in diesen Kreisen liegt der Fehler. Für die grosse Mehrzahl ist das Theater, sit venia verbo, nur eine „Hetz". Der Mann will lachen, und selbst um diesen Preis bekommt man ihn nur selten zu sehen; eher im Tingl-Tangl, beim Grinzinger oder bei der Tarockpartie, wo mancher mit Gleichmut mehr Gulden verspielt oder vertrinkt, als ihm der klassische Genuss gekostet häte. Er kann ja dabei auch rauchen, schlechte Witze reissen, sich eventuell auch mit dem Ellbogen auflehnen und die täglich unförmiger werdende Gestalt schliesslich mit dem Behagen nach Hause tragen, einen Abend mehr totgeschlagen zu habe n." Man \muss zugeben, dass die Schilderung an plastischer Anschaulichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. „Die täglich unförmiger werdende Gestalt4' des Urwieners, der sich im Wirtshaus mit den Ellbogen auflehnt und über den sittlichen Tiefstand der Juden erbitterte und nach Tabak und Alkohol duftende Reden führt, ist sehr gut gezeichnet. Im weiteren Verlaufe des Artikels grämt sich der Verfasser, dass der Jude sein Geld zur Theaterkasse statt in die Kneipe trägt: „Der Jude vor allem weiss immer, wofür er sein Geld und seine Zeit ausgibt. Die Silber- oder Goldstücke, die dem wahren Kunstgenüsse gewidmet werden, danken sich immer reichlich. Nicht nur in der Erhebung des Abends selbst; mehr noch in der Forterhaltung des Kontaktes mit den geistigen Produkten der Menschheit, in der Fortentwicklung des inneren Lebens, an dem kein Mensch zu bilden aufhören darf, wenn er nicht zurückgehen will.44 — Für die Juden, die mit ihren angeborenen Anlagen nicht zufrieden sind und sich herzlich gerne anderen Vorbildern mit „Leib und Seele44 zu assimilieren trachten, ist in dem Modell des Urwieners ein empfehlenswertes Muster zur Nacheiferung und Anpassung geboten.