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Die Welt · 1903-12-04 · 49 (4.12.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
49 (4.12.1903)
Article
Die Kischenewer Waisen in Triest
Date
1903-12-04
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 49 „Die * weit" Seite 7 richtungen ein warmes Herz und verständnisvollen Sinn hat, hat sich schon seit einer Woche ausschliesslich der Sorge finden Aufenthalt und die Beköstigung der Kinder gewidmet. Er war auch die ganze Zeit um die Kinder, die von seiner Güte und seinen reichen Liebesgaben ganz entzückt waren. Es soll hier nicht alles aufgezählt werden, wie man für die Kinder gesorgt hat. Eine Sammlung seitens des Herrn Präsidenten Enrico Salem und Q. Morpurgo hat ungefähr 2000 Kronen ergeben. 1200 Kronen sind dem Begleiter der Kinder, M. Beikind, für die Kinder übergeben worden mit dem ausdrücklichen Bemerken, dass einem jeden Kinde 40 Kronen gehören; ungefähr 300 Kronen sind für die Kinder verbraucht worden, der Rest soll den Kindern noch zugute kommen. Es sei. noch erwähnt, dass der greise Oberrabbiner mit gerührtem Herzen den Kindern in der „Scola Vivante" seine innigsten Segensworte mit auf den Weg gegeben hat. — Die Triester Gemeinde hat in der Tat ausserordentlich liebevoll und mitfühlend für die armen Waisen gesorgt — ein prächtiges Vorbild gut judischer Gemeinden! —z. Zion und Ostafrika. Aus dem „Transvaal Leader." Ostafrika ist in allen praktischen Unternehmungen eine blosse Redefigur, ein roter Fleck auf der Karte Afrikas, der unsere (d. h. die südafrikanische) Gemeinde so viel interessiert, wie die Politik von Timbuktu. Aber es wird nicht immer so bleiben. Es ist ein Land des kommenden Tages, ein Land der Zukunft. Wir reden von einer neuen Fiskus-Politik, von dem britischen Reiche als dem alleinigen Produzenten für alle Bedürfnisse des Reiches. Wir sehen mit Bangen dem Tage entgegen, an welchem Afrika in die Lage kommen wird, sich selbst zu erhalten und diskutieren kühn, ob es möglich sei, Transvaal zu einem reichen Ackerbauland zu machen. Nur die Zeit wird auf diese Frage antworten. Aber indem wir da diskutieren und kostspielige Versuche anstellen«, denken wir gar nicht daran, dass beinahe an unserer Schwelle Länder liegen, deren Boden nur aufgeschaufelt zu werden braucht, um eine reiche Ernte zu bringen. Und unter diesen reichen Naturgärten, diesen unseren ostafrikanischen Besitzungen, nimmt Uganda den ersten Platz ein. Es ist ein Land mit einem beinahe idealen Klima, ein Land, das nur auf eine weisse Bevölkerung wartet, die die reichen Naturgaben ausnützen könnte. Mr. A. Marsden, Chef des Zollhauses im Ostafrika- Protektorat, der in Johannesburg weilt behufs der Einbchliessung Transvaals in den Zollverein, der neulich von Lord Milner in Mpmbasa ausgesprochenen Hoffnung gemäss, teilte einem der Redakteure des „Leader" seine reichen Erfahrungen und Beobachtungen mit. Eines der hauptsächlichsten Ziele seines Besuches war die Erforschung der besten Mittel zur Erhöhung des Handels zwischen Ost- und Südafrika. Man könnte von dort ungeheuere Quantitäten von Produkten auf unseren Märkten absetzen, wenn gewisse Privilegien gewährt werden und Mr. Marsden verspricht sich sehr viel für die Kolonisten des Landes, das er vertritt. Mit der Konstruktion der Eisenbahn und mit der Erreichung des politischen Zieles, ist auch der Grund zur systematischen Entwicklung des Landes gelegt. Die Hauptbedingung ist aber die Schaffung neuer Absatzmärkte. Die ungeheueren, beinahe grenzenlosen Quantitäten der Erzeugnisse des Bodens können dem Kolonisten nicht zu gute kommen, wenn er sie nicht verkaufen kann. In Nairobi, 350 Meilen entfernt von der Küste, gibt es bereits 150 Pflanzer und Siedler, die Kartoffeln, Weizen, Hafer und andere Zerealien bauen. Sie könnten die Ausgiebigkeit des Bodens bis zu einem beliebigen Grade erhöhen, wenn sie einen Absatzmarkt haben würden. Eine Zeitlang haoen sie ihre Kartoffeln nach Südafrika geführt und 1000 Tonnen derselben sind schon jetzt auf Lager. Uganda hat noch den Vorzug, dass es Kartoffeln produzieren kann zu einer Zeit, wo es in Südafrika unmöglich ist, da dort jährlich zwei oder drei Ernten stattfinden. Der Getreidehandel in unserem Lande ist auch von grosser Bedeutung. Nicht weniger als 100.000 Tonnen werden jährlich aus Australien, Argentinien und Nordamerika importiert, über Natal und Delagoa-Bay. Warum sollte Britisch - Ostafrika nicht auch an diesem Handel |teilnehmen? Nairobi, der Hauptort der Eisenbahn, ist bloss vierzehn Tage von Loren90 Marques und Durban entfernt und es lohnt sich sicherlich besser, das Getreide aus^Mombasa herbeizuschiffen. Zur Stundesind die Schiffsfrachten ein grosses Hindernis. Die Frachten für eine Tonne kommen auf 2 Pfd. Sterl. Aus dem Grunde kann der Handel sich nicht höher entwickeln. Man könnte aber diesem Uebel abhelfen. Die drei Schiffahrtsgesellschaften, die British India, dieJGerman Linie und der Oesterr. Lloyd würden bei einer gesteigerten Ausfuhr auch entsprechend die Frachten herabsetzen. O. A. ist ein Land, dasnicht nur für den Ackerbautauglich jist,sondern auch ein Anlageort für Kapitalien werden kann. Als man das Land durchdieEisenbahn eröffnete, da sah man ein grosses Landgebiet von 45.000 Quadratmeilen vor sich, eine Weide, die den Vergleich mit den besten Weiden von Neuseeland und Australien aushält. Ungezählte Herden von Wild laufen auf diesen wogenden, grasreichen Ebenen herum und die Möglichkeit der Viehzucht kann man gar nicht zu hoch anschlagen. Wilde Strausse tummeln sich dort und liefern eine Menge von Straussfedern, wie kaum in irgend einem anderen Lande. Die Regierung ist sehr bestrebt, Kolonisten anzulocken und bietet ihnen sehr billige Bedingungen an. Meiereien zu 1000 Acres werden verpachtet zum Preise von Penny per Acre jährlich und verkauft zum Preise von 8 bis 15*4 Penny per Acre. Es ist eine grosse Anzahl von Anfragen aus Neuseeland und Australien eingelaufen und man kann in der nächsten Zukunft auf einen grossen Zufluss hoffen. Man mussauch das im Auge behalten, dass das Land keineswegs für einen mittellosen Mann ist. Mindestens 500 Pfd. Sterl. sind nötig, aber mit dieser Summe könnte schon der Siedler sich eine Farm erwerben. Die Lebensmittel sind nicht teuer. 5 Pfund Kartoffel kosten 1 Penny und die übrigen Produkte sind ebenfalls billig. Auch Mineralreichtümer birgt das Land in sich. Es wurde an der Ostseite des Sees Goldquarz gefunden. Das Land ist gleich Transvaal auf einem hohen Plateau gelegen. Die Kiu-Station liegt auf einer Höhe von 5000 Fuss über dem Meeresspiegel. Es ist ein gesundes Land und Kinder können dort gedeihen. Stein und Holz gibt es in Hülle und Fülle. Das Holz hat sogar einen hohen Handelswert, da es dem Holze der Olivenbäume ährlich ist und für Anfertigung von Möbelstücken verwertet wird." * Der Widerspruch als welterhaltender Faktor und der Ostafrika-Streit. Kant hat als den Zweck der Religion definiert, dass sie sich selbst überflüssig macht. Diese parodoxe Behauptung will aber — bei Licht besehen — nicht mehr besagen, als dass die Aufgabe der Religion nur die sein kann, den Menschen moralisch und sittlich so hoch zu gestalten, dass dann dir: von der positiven Religion eingesetzten Formen und Symbole, welche bestimmt sind, dem Individuum seine moralischen Pflichten vor Augen zu halten, von selbst wegfallen. In eben demselben Sinne darf man sagen: das Ideal des Staates ist, dass er sich selbst aufhebt, d. h. der Staat muss von dem Grundsatze ausgehen: er wolle die sozialen Gruppen soweit in dem Lehrsätze „Für- und nicht gegeneinander' unterweisen, bis sie seiner nicht mehr bedürfen. Diese negativen Ideale werden aber nicht durch negative Arbeit, sondern nur durch positive Leistungen erreicht. Die Verneinung des Willens zum Leben, sagt Hartman, wird nur durch intensive Bejahung vollzogen. Nicht anders wie mit Religion und Staat verhält es sich mit allen Vor-

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