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Die Welt · 1903-12-04 · 49 (4.12.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
49 (4.12.1903)
Article
[Ohne Titel] / Die Welt <Administration>
Date
1903-12-04
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Mr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag:. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—V«I2 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif, Der Inseratenteil wird Diemtftg abends ge»chJoi§en Einzelne Nummern 30 Heller. R07lincnroico* Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, ^imeljähng Kr. 3.—. Für das Ausland: DU£Uyo|JI OIOO. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Alk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. Ii.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten garzjährig Frc». 17.—, halbjährig Fies. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli, 3 40, halbjährig Doli. 1.70. vierteljährig Doli. —.85. Nr, 49. Wien, 4. Dezember 1903 — 15. Kisiev 5664. 7. Jahrgang. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, welche mit der Zählung des Abonnementsbetrages im Rückstände sind, um rechtzeitige Einzahlung desselben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Unsere Hauptvertretung für Russland hat die Buchhandlung „Hazefira" in Warschau, Marianska 2. Die Administration der „Welt". Boykott. Eine der traurigsten Erscheinungen der traurigen jüdischen Geschichte der letzten 1800 Jahre bildet der Boykott, unter welchem das jüdische Volk unsäglich viel zu leiden hatte, und der es in alle Länder seines Exils hartnäckig begleitete. Es gibt kein Gebiet menschlichen Schafifens und Wirkens, keinen denkbaren Beruf, der den Juden im Laufe ihrer Geschichte in der Diaspora nicht unmöglich gemacht, erschwert oder doch wenigstens sauer gemacht worden ist. Seiner Heimatsschoile grausam entrissen, wird es dem jüdischen Volke unmöglich gemacht, sich anderswo heimisch einzurichten. Von einzelnen Ausnahmen (den jüdischen Stämmen auf der arabischen Halbinsel, wo dieselben autonome, aber unzusammenhängende Staatswesen bis zum Auftreten des Islams innehatten) abgesehen, finden wir nicht, dass es dem jüdischen Volke gegönnt gewesen wäre, irgendwo in den vielen Weltgegenden, wohin es geschleudert worden war, sich ruhig und dauernd dem Ackerbau, dieser ersten und Kardinalbedingung festen Fussfassens in einer neuen Heimat widmen zu können. Einmal, und dies unmittelbar nach dem Verluste ihrer Staatlichkeit, machten es ihnen die Unruhen und die Unbeständigkeit auf politischem Gebiete unmöglich, sich in ihrer neuen Heimat Babylonien und auch in ihrem Erblande Palästina als Bauern betätigen zu können. Noch schlimmer erging es ihnen, als sie später, dem Drange der Verhältnisse weichend, ihren Weg nach Europa nahmen. Hier wurde ihnen die Betätigung nach dieser Seite hin unmöglich gemacht, indem man ihnen den Landbau und den Grunderwerb einfach verbot. Und auch da, wo dieses Gesetz nicht bestand, war durch andere Beschränkungen und Ausnahmsgesetze dafür gesorgt worden, den Juden die Agrikultur zu Vtrleiden. Oder konnte etwa da von einem ausgebildeten Ackerbau oder nur von einer JNeigung zu demselben die Rede sein, wo sie jeden Moment der Vertreibung von ihren bisherigen Wohnsitzen gewärtig sein mussten? Es war dies der erste und der wirksamste Boykott, dessen man sich dem jüdischen Volke gegenüber bediente und es konnte wahrlich kein besseres Mittel ausfindig gemacht werden, es gegenüber den übrigen Völkern in Nachteil zu setzen und seine Existenz zu erschweren. Nicht viel besser erging es den Juden mit dfcm Handwerk. Auch auf diesem Gebiete ersann inari für sie zu allen Zeiten und in allen Ländern Erschwerung auf Erschwerung, um ihnen schliesslich in vielen Ländern die Ausübung des Handwerks überhaupt unmöglich zu machen. Und in all diesen Fällen war der Boykott umso wirksamer, als er der Ausfluss religiöser und wirtschaftlicher Motive war. Und er musste umso wirksamer sein, als zu seiner Geltendmachung kein Mittel gescheut wurde. War es doch leicht, so überaus leicht, einer schwachen, nach jeder Seite hin eingeschränkten und gebundenen Minderheit beizukommen, da doch der Schwache in jedem Kampfe, sei er politischer oder wirtschaftlicher Natur, den Kürzeren ziehen muss. Und war doch nichts leichter* als das gegen die Juden als solche herrschende Vorurteil zu diesem Zwecke zu benützen, und dieses Mittel verfing immer. Und so hatten die Juden unter der bedauernswerten Tatsache der verschiedenartigen Boykotts viel zu leiden und wurden immerfort auf ein sich stets verkleinerndes Gebiet von Existenzmöglichkeiten beschränkt. Als nun das an den Juden Jahrhunderte hindurch begangene Unrecht einigermassen gut gemacht wurde, indem man sie in allen Kulturstaaten als gleichberechtigte Bürger des Staates anerkannte, da hegt* man jüdischerseits die Erwartung, dass nun auch der Boykott gegen sie aufhören würde. Man erwartete, und man durfte auch erwarten, dass mit der Gleichstellung der Juden wenigstens von Staätswegen alles vermieden würde, was auf eine Boykottierung der nun emanzipierten jüdischen Bürger hindeuten könnte. Aber weit gefehlt. Die Staaten, sie fallen den Juden gegenüber in den Usus einer Zeit, wo Pflichten und

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