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Die Welt · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
48 (27.11.1903)
Article
Eine Rede Mr. Greenbergs
Date
1903-11-27
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 48 „bis # weit11 Seite 5 seinen Gegnern zu disputieren, denn er macht kurzen Prozess und sagt: „Sie braucht man gar nicht in Betracht zu ziehen, sie gehören überhaupt nicht hierher." Das ist zwar eine Waffe für den momentanen Erfolg bei der Masse, gibt aber zu bedenken, dass derjenige, der solche Waffen gebraucht, seiner Sache nicht ganz sicher ist. Es erinnert mich an einen Fisch, von dem Sir John Lubbock spricht, der auch eine schneidige Kampfesweise hat, und dieser Fisch heisst zufällig „crerriatogaster". Ich möchte wissen, mit weichein Rechte sich Dr. Gaster für eine Autorität im Zionismus ausgibt. Ich gebe zu, dass er eine grosse Autorität ist, bestreite aber, dass er das Recht hat, alle diejenigen, die eine einzelne Phase der grossen Frage nicht mit seinen Augen sehen, in den Bann zu legen. Dr. Gaster schrieb an die jüdischen Zeitungen, dass er um Zions willen nicht ruhen wird, ja und um Zions willen erschien Dr. Gaster nicht beim letzten Kongress. Er hatte ja das Recht hinzukommen oder zu Hause zu bleiben, aber er hat gewiss nicht das Recht, die Heterodoxen von seinem Lehrstuhl aus mit dem Bannstrahl seiner Episteln zu treffen. Dr. Gaster sagt ferner im Artikel: Wie ganz anders ist doch der Zionismus, den wir predigen und dem wir huldigen. Wie gut auch die Stellung sei, in welcher der Jude sich befindet, so muss er doch mit Herz und Geist der alten Heimat gedenken, und den Aufenthalt unter den Völkern als die Erfüllung der göttlichen Drohungen und Strafe betrachten und zugleich der hofmungsfreudigen Botschaft lauschen, dass auch die göttlichen Verheissungen in Erfüllung gehen werden. Wir erstreben die Wiedergeburt der Juden innerhalb des Judentums und nur durch das Juden tu m. Nicht um einen politischen Staat zu bilden, nicht um eine jüdische Bureaukratie zu schaffen, sehnen wir uns nach dem Lande unserer Väter, sondern um dort überhaupt erst ganz und voll als Menschen leben zu können und als das von Gott auserlesene Volk . . . Das ist der Zionismus . . .k Wenn das und das allein der Zionismus ist, so möchte ich fragen: Wo ist die nationale Idee im Judentum und was ist aus ihr geworden? Wenn Zionismus bloss heisst nach Palästina zu gehen und dort zu leben, wenn Zionismus bloss heisst, nach dem Osten zu gehen, so gibt es doch in Palästina bereits 60 000 Menschen, die allen Segen des Zionismus laut der Version des Chachams gemessen. Aber die Sache steht nicht so. Ich vermisse in der Definition des Dr. Gaster den eigentlichen Kernpunkt der zionistischen Bewegung, närnlich das Streben, die Juden in Palästina wieder anzusiedeln, nicht als Individuen, sondern als eine politische Nation. Ich behaupte, dass der Zionismus des Dr. Gaster nur ein politischer Traum ist. Und ich will nicht sterben für Zion, ich will leben für Zion. Palästina ist für uns keine heilige Reliquie, keine glorifizierte „Strasse des Bundes" wollen wir dort in der Zukunft bahnen, sondern einen modernen jüdischen Staat, der den Juden ökonomische und politische Sicherheit gewähren soll. Aber der Hauptzweck des Artikels des Dr. Gaster war, seine Opposition gegen das Ostafrika-Projekt zu begründen. Er brachte mehrere Argumente vor, die andere gegen Palästina gehrauchen, und ich bin sicher, dass manche seiner Worte auf ihn selbst zurückfallen werden. Sein Hauptargument aber ist, dass der Gedanke an Ostafrika eine Abwendung von Palästina ist. Er s c h e i n t nicht einzusehen!, dass diese Frage mit Palästina i n g a r keiner Verbi n d u n g steht. Wir können zugleich für Palästina arbeiten und mit dem Ostafrikaprojekt nicht bloss unserer Bewegung einen Vorschub leisten, sondern der gesamten Judeuheit Nutzen bringen. Dr. Gasters nächster Einwand ist, dass, wenn eine Siedlung in Ostafrika gegründet sein wird, alle Nationen da sagen werden, dass alle Juden hingehen mögen. Dieses Argument wurde auch gegen Palästina ins Feld geführt. Er meint dann, die Arbeit für Ostafrika werde uns für ganze Generationen von der Arbeit in Palästina abhalten u. s. w. Aber ich will nicht weiter seine Gründe aufzählen, da er doch selbst eine Woche darauf in einer Versammlung sagte, „er wäre sehr froh, wenn die Ica die Ostafrikafrage prüfen wollte". Wenn dem so ist, warum hält er dann diesen Plan für schädlich der Judenheit und dem Judentum? Wenn der Plan schlecht ist in den Händen der Zionisten, wird er es auch in den Händen der Ica sein. Dr. G a s t e r will die zionistische Bewegung nur an Palästina binden und betrachtet jeden anderen Versuch als einen Verrat. Aber als man demselben Dr. Gaster vorgehalten hatte, er wäre nach Rumänien nicht als Zionist, sondern als Mitglied der Assoziation gekommen, antwortete er, er wäre hingekommen bloss als Jude, der seine Pflicht den Juden gegenüber erfülle, ohne Rücksicht darauf, zu welcher Partei er gehöre. Kann denn nicht ebenfalls die zionistische Körperschaft die Ostafrikafrage in Betracht ziehen, ohne Verräter an den Grundprinzipien zu sein? Es ist bloss ein Wortspiel, zu behaupten, dass etwa das, was Dr. Gaster tun darf, andere nicht tun dürfen, ohne dem Bannstrahl der Exkommunikation seinerseits zu verfallen. Dr. Gaster hat uns ferner etwas erzählt, was der allgemeinen Aufmerksamkeit entgangen ist. Er erzählte nämlich, dass ein ähnliches Angebot ihm seitens Cecil Rhodes durch einen gemeinsamen Freund gemacht wurde, dass aber verschiedene Ursachen ihn verhindert haben, das Angebot auszunützen. Wenn ein derartiges Angebot dem Dr. Gaster gemacht wurde, möchte ich wissen, warum er es so lange verheimlicht hat. Hat er denn gänzlich vergessen an das Elend seiner eigenen Brüder in Rumänien, dass er die Offerte des Cecil Rhodes nicht angenommen hat? Ich glaube, die Ursache seines Schweigens über diese Angelegenheit und seiner Untätigkeit in dieser Beziehung sei nur in den „verschiedenen Umständen, die dazwischen kamen und hinderten, das Angebot auszunützen", gelegen. Sonst hätte er gerne das Angebot sich zunutzen gemacht. Wenn Dr. Gaster eine ähnliche Offerte angetragen wurde, nicht nur eine Siedlung, sondern eine beträchtliche Landfläche mit jüdischer Selbstverwaltung, und Dr. Gaster sie abgelehnt hat, so liegt auf ihm eine schwere Verantwortlichkeit. Aber ein Passus in seinem Artikel berührt am peinlichsten. Ich meine denjenigen, wo er die Motive der englischen Offerte berührt. Er sagt, die wahre Ursache dieser Offerte wäre der Wunsch der Regierung, die Einwanderungsbeschränkungsbill leichter durchzuführen. Das ist eine unwürdige Insinuation. Die Regierung kann auch ohnedies die Bill durchführen, wenn sie will, und das winzige Häuflein von Juden kann sie nicht beeinflussen. Der wahre Kern des Artikels von Dr. Gaster scheint der Passus in seinem Artikel zu sein, wo er deutlich genug darauf hinweist, dass die Führer der Bewegung nicht zugleich zwei Ideen dienen können. Aber auch dieses Bestreben des Dr. Gaster, die Führer und speziell, d e n Führer aus der Bewegung hinauszudrängen, wird zu nichts führen. Ich glaube, dass, ob der Ostafrikaplan angenommen wird oder nicht, Dr. Herzl immer Führer bleiben wird.44 Hierauf ging Redner zum Referat des Dr. Max Be r liste i n über und polemisierte dagegen, indem er erklärte, dass die Behauptung Bernsteins, er (Greenberg) hätte Palästina aufgegeben, direkt ein Unsinn sei. Ostafrika sei nur ein Nachtasyl, eine Station am Wege nach Zion. Die Siedlung in Ostafrika werde die Unterhandlungen wegen Palästina erleichtern. Er schloss seine Rede mit der abermaligen Versicherung, er gebe Palästina nicht auf, Ostafrika aber sei eine Notwendigkeit, die dem jüdischen Volke grossen Nutzen bringen werde. Nach Greenberg sprach Mr. Z a n g w i 1 1, der ebenfalls das ostafrikanische Projekt verfocht. * Südafrika über Ostafrika. (Nach dem „Jew. Chron.") Vor einigen Wochen fand in Johannesburg eine grosse zionistische Volksversammlung in der zionistischen Halle statt. Der Saal war übarfüllt. Den Vorsilz führte Mr. B. Dan zig er, Obmann der Zionist Association, das Referat hielt Mr. Max Langemann, Präsident des Jüdisohen Board ofDeputies (Landesrepräsentanz) für Natal und Transvaal.

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