Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 48 (27.11.1903)
- Article
- Mitteilung des A.-C.
- Date
- 1903-11-27
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: ÜBEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1.2I2 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Inseraterlteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Ro7lincnroicoa Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Dc£liyo|JI Clou. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3,45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr, 48. Wien, 27. November 1903 — 8. Kislev 5664, 7. Jahrgang. Mitteilung des A.-C. Das grosse Aktions-Comitee hat einstimmig beschlossen, den Zionisten, welche Aktionäre der Jüdischen Kolonial-Bank sind, zu empfehlen, die Dividende, welche diese Bank auszuzahlen beschlossen hat, dem Aktions-Comitee zu dem Zwecke zur Verfügung zu stellen, um die Kosten der El-Arisch-Expedition, sowie etwaiger weiterer Expeditionen nach Palästina, dann die Kosten der Palästina-Kommission zu decken. Dr. Herz 1, Dr Kahn, Leon Zolotkoff, J. de Haas, Dr. Bodenheimer, J. Moser, Dr. Kokesch, G. Belkowsky, I. Bernstein-Kohan, E.WiT s c h 1 en o w, L S. G o 1 d b e r g, S. I. R a b b i n o w i t z, Wl. T e mkin, M. Scheinkin, Dr. Klee, Dr. H. Bruck, Dr. Jacobsohn, Dr. I. Sapir, J. Iasinowski. Dr. Farbstein, Dr. Moses. Die Vereine werden ersucht, die Kupons im Sinne dieser Beschlüsse bei ihren Vereinsmitgliedern einzuheben und dem Aktions-Comitee in Wien abzuliefern. _• Väter und Söhne. Alle jüdische Politik hat einen einzigen Ursprung. Wir können ihn mit einem alten ZangwhTschen Wort in einem neuen Sinne bezeichnen : „Die Judenfrage ist eine Christenfrage/4 Unsere Art des Lebens steht immer genau so tief als die Gesittung rings um uns, und die Verordnungen der Antisemitenführer haben längst mehr Einfluss auf Ehre und Erwerb der Juden als die Gesetze des Staates. Die jüdische Politik, der Kampf der Sklaven gegen ungerechten und harten Druck, hat es gegen den letzteren mit zwei Mitteln versucht. Die jüdischen Liberalen kämpften gegen die Ungnade. Sie arbeiteten unter den Christen, um deren Hass zu schwächen. Die jüdischen Radikalen kämpfen gegen die Herrschaft. Sie arbeiten unter den Juden, um deren Kraft zu stärken, Bis vor kurzer Zeit führten die Ersten das grosse Wort. In den westeuropäischen Hauptstädten widerhallten die Versammlungssäle und die Leitartikel der liberalen Presse von ihren Fehderufen gegen, den Antisemitismus, Die Vereine zu seiner Abwehr waren fabelhaft ausgerüstet. Es kamen die Stützen der Gesellschaft mit ihrem Ansehen, es kamen die Juden mit vielem Geld. Die angesehenen Leute und das Geld waren rasch verschwunden, und es blieben nur die Juden und der Antisemitismus. Aus den Leitartikeln über die Vereine wurden bald , kurze Chroniknotizen — und in Wien endlich die vielbelachte Berichtigung: Der Verein lebt noch, er hat noch einen Präsidenten und einen Schriftführer! Diese Quittung haben jetzt die Wiener Juden für die vielen, vielen Tausende, die sie den Zwecken des Vereines geopfert haben. Für eine furchtbare Niederlage. Zum Proteste gegen die Beleidigungen einer frechen antisemitischen Minorität sind die Juden zusammengekommen. Jetzt müssen sie ihr bischen Erwerb gegen eine brutale Majorität schützen, gegen die Gemeinheit des Wortes schon durch Gewohnheit abgestumpft. Wehe den Besiegten! ist der erbarmungslose Ruf unserer Feinde, von deren Macht unser Mittelstand genug zu klagen weiss. Noch mehr aber seine Söhne, denen immer weniger Türen zum Eintritt ins Erwerbsleben offenstehen, wenn sie den trockenen Weg nicht verlassen wollen. Der schönste Glanz von Lehrbriefen und Zeugnissen schwindet vor dem Wörtchen mosaisch, das alsumgekehrtes Sesam alle Bureaux und Werkstätten christlicher Arbeitgeber vor ihnen schliesst. Weil die Väter nichts anderes zu tun wussten, als den Ariern das Christentum zu predigen, müssen es so schrecklich viele der Söhne annehmen, um eine Lebensmöglichkeit zu finden. Und von den Leuten mit unverkäuflicher Ehre lassen sich die meisten auf den untersten Plätzen des gelehrten und des ungelehrten Proletariates verzweifelnd nieder. Aus einer Menge bedauerlicher Tatsachen erfliesst denn ein vernichtendes Urteil über die Politik, die das westliche Judentum bis jetzt regierte. Wir Zionisten würden gerne auf den Triumph unserer Argumente verzichten, den das Schicksal ihnen bereitet hat. Ob unsere Gegner aus der liberalen Zeit jetzt schon einsehen, wie schade es um das Geld und die Mühe ist, die sie zu unserer Bekämpfung verwendeten, als sie in Büchern und Blättern und Reden gegen uns loszogen? Jetzt wissen sie schon, dass sie damit nichts mehr erreicht haben, als den Zionismus aufzuhalten. Eis ging uns dadurch der grösste Teil ihrer zeitgenössischen Generation im westlichen Judentum verloren. Vielleicht tut den Ehrlichen und Einsichtigen von ihnen auch das schon leid. Mehr als die Feindseligkeit dieser einen Generation haben wir nicht zu ertragen. Denn