Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 47 (20.11.1903)
- Article
- Die allgemeine hebräische Enzyklopädie
- Date
- 1903-11-20
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr, 46 „bie # weit" Seite 7 Ihm entgegnete Dr, Elb o gen, dass er gerade jetzt eine ausserordentliche Renaissance der hebräischen Sprache als lebendige Volkssprache konstatieren müsse. Mit besonderer Wärme sprachen sich Prof, Landau und P/of. Baginsky für die Enzyklopädie aus, in der sie eine bedeutsame kulturelle und volksbildnerische Tat, insbesondere für die Brüder des Ostens, erblicken. In seinem Schlusswort hatte der Referent Gelegenheit, auf Kritik, Rat und Anregung erschöpfend und in einer alle Anwesenden befriedigenden Weise einzugehen. Heirn Prof. Berliner entgegnete er, dass religiöse Fragen nicht unter dem Gesichtspunkte vager Hypothesen, sondern unter dem der wissenschaftlichen Objektivität zu behandeln sein würden. Den B-fürchtungen wegen des Schwindens der Kenntnis der hebräischen Sprache konnte der Redner seine fachmännischen Erfahrungen, die das Gegenteil bestätigen, entgegensetzen, zugleich aber auch die Erklärung, dass gerade durch ein Werk, wie die Enzyklopädie, die Pflege der hebräischen Sprache eine erneute und weitreichende Förderung erfahren werde. Bezüglich der Anregung der Herren Prof. Pinn er und Zabludowski wies der Referent in überzeugender Weise den Vorteil eines alphabetischen Werkes nach. Sein nochmaliger, herzlicher Schlussappell, dem er die Mitteilung anfügte, dass sich in Paris bereits ein wissenschaftlicher Beirat gebildet habe, hatte die erfreuliche Wirkung, dass sich folgende Herren in Berlin dem Beirat anschlössen: Prof. Baginsky, Prof. Dr. L. Landau, Dr. E. Landau, Prof. Barth, Dr. Franz Oppenheimer, Prof. Meyerhoffer, Eduard Bernstein, Dr. Hoffmann, Rektor des Rabbinerseminars, Prof. Dr. Berliner, Prof. O. Warburg, Dr. Alfred N os s i g, Dr. Preuss, Prof. Dr. P a g e 1, Prof. O p p e r t, Dr. S. Soskin, Dozent Dr. Ed. Baneth, Justizrat Dr. Heinrich Meyer Cohn, Dr. Gustav Karpeles, Dozent Dr. E1 b o g e n, Oberrabbiner Dr. Fuchs, Dozent Dr. Hirsch Hildesheimer, Prof. Dr. M. P h i 1 i p ps o n, Dozent Dr. J. Wohlgemuth und Prof. Zabludowski. Diesem Beirat werden sich zweifellos eine Reihe von Gelehrten anschliessen, die durch äussere Umstände von der Teilnahme an der Konferenz abgehalten worden waren. Der bereits erwähnte Beirat in Paris, der sich infolge der persönlichen Besprechungen mit Herrn N. Sokolow gebildet hat, setzt sich aus den an gesehensten Vertretern der jüdischen Geisteselite zusammen. Es gehören ihm bis jetzt an : Prof. Op pert. Prof. Derenb o u r g, Prof. Sylvain Levy, Grand-Rabbin Zadoc K a h n, M. S c h u 1 h o f, calculateur principal du Bureau des Longitudes, Israel Levy, Moise Schwab de la biblioteque nationale, Maurice Levy, Dr. Syderski, Dr. Schapiro, Michel L 6 v* y, Inspecteur g<§neral des mines, Michel Br e al, Dr. Max Nordau, Mr. Bigart, Dr. Henry de R o t s c h i Id, Dr. Alexander Marmorek, Prof. Josef H a 1 e v y, Dr. Schwarzfaid und mehrere andere. Diesen wissenschaftlichen Beiräten werden sich solche in anderen Grossstädten anschliessen, um deren Konstituierung der Herausgeber gegenwärtig bemüht ist. Indessensind bereits seit einiger Zeit die redakti on eilen Bureau x konstituiert worden : das eine, hauptsächlich für den Verkehr mit den russischen Mitarbeitern, unter Leitung des Herausgebers in Warschau (Marjanska 2), das zweite, bestimmt für den Verkehr hauptsächlich mit den westeuropäischen Mitarbeitern, unter Leitung des Herrn Dr. S. Bernfeld in Berlin-Charlottenburg (Grolmannstrasse 21). Zur Durchführung der philologischen Arbeiten wird eine Spraohkommissiön eingesetzt, zu der auch mehrere bedeutende Hebräisten Palästinas zugezogen wurden» B. Zion und Ostafrika. In der „Deutschen Volkssstimme" (Berlin) veröffentlichte Dr. Si m ons o n einen Artikel, dem wir folgende wichtige Stellen entnehmen. Die Landfrage auf dem VI. Zionisten-Kongresse. Die Verhandlungen das VX Zionisten-Kongresses, welcher vom 23. bis 29. August d. J. in Basel getagt hat und von etwa 600 gewählten Delegierten aus allen Teilen des Erdballes besucht war, beanspruchen ein weit über die Kreise des Zionismus, ja des Gesamt-Judeniums hinausgehendes Interesse. Insbesondere muss der Leserkreis dieses Blattes, ebenso wie die Bodemeformor aller Länder, welcher Schattierung sie auch immer im einzelnen angehören mögen, sich bewusst werden, dass es auch ihre Sache ist, über welche das jüdische Volksparlament in Basel in stürmischen Tag- und Nachtsitzungen verhandelt hat. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist, dass die Probe auf die Wahrheit und Ausführbarkeit der „utopistischen11 bodenreformerischen Grundsätze in greifbare Nähe gerückt ist. Es handelt sichumnichtsGeringereSj als um die Errichtung eines in allen inneren Angelegenheiten autonomen Gemeinwesens auf bodenreformerischer Grundlage, unternommen mit ausreichenden Mitteln unter Heranziehung der erfahrensten Fachmänner aller für die Organisationsarb.it in Frage kommenden SpezialWissenschaften, ohne Rücksicht auf ihre staatliche und konfessionelle Zugehörigkeit. (Es folgt nun eine Besprechung der zionistischen Organisation und Dr. Simonson fährt fort.) . . . Schon im ersten, 1897 beginnenden Jahrgange des offiziellen Parteiorganes »Die Welt" erschien die erste boden reformerische Kundgebung, und zwar von keinem Geringeren als dem Mitbegründer unseres Bundes, Michael Flürscheimv der unter Billigung der Parteiziele in einer Artikelserie den Nachweis führte, dass das zu begründende Gemeinwesen auf bodenreformerischer Grundlage aufzubauen sein werde, wenn anders man nicht von vornherein die soziale Frage wie einen Infektionskeim mit einschleppen wolle. 1901 erschien dann in der „Welt" von dem Schreiber dieses ein längerer Aufsatz, welcher die Grundzüge der bodenreformerischen Lehre entwickelte und für die Produktivgenossenschaft eintrat. Diese Arbeit hatte das doppelte Ziel und den Erfolg, die fahrenden Kreise des Zionismus einerseits für das Studium der Bodenreform im allgemeinen zu interessieren, andererseits sie auf Dr. Franz Oppenheim ers Siedlungsgenossenschaft hinzuweisen. Schon auf dem folgenden fünften Kongress sprach Dr. Herzl in seiner feierlichen Eröffnungsrede folgende als programmatisch anzusehende Worte: „Wenn man uns aber fragt, was wir mit den Ansiedlern anfangen wollen, so sind wir nicht in Verlegenheit. Wir wollen sie zu Bodenständigen, zu wirklichen Landsassen machen. Sie sollen auf der Scholle, von der Scholle leben, nicht besorgt als kraftlose Händler nach dem 'Marktpreise auslugen, Den Markt sollen sie nur mit den Erzeugnissen aufsuchen, die sie über den Eigenbedarf hinaus haben. Jede Ansiedlung soll sich nach den Grundsätzen, die uns E r f a h r u n g u n d W i s s e n s c h a f t heute schon an die Hand geben, äls landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft selbst verwalten." Auch der etwas später erschienene Staatsroman Dr. Herzls „Alt-Neuland" lässt sowohl „Das neue Dorf", als auch das Städtewesen in Palästina auf bodenreformerischer Basis erstehen. Ein erstes Ergebnis dieser Anschauungen war ein Kongressbeschluss, welcher bestimmt, dass die aus dem N ati o n al f o n d s anzukaufenden Ländereien niemals in Privatbesitz übergeführt werden dürfen, sondern für alle Zeiten Gemeineigentum bleiben sollen. Auf dem letzten Kongress im August d. J. war dann Dr. Franz Oppenheimer, welcher inzwischen den Anschluss an die zionistische Partei gefunden hatte, mit dem Referat über Ansiedlung betraut. 'Es ist überflüssig, den Lesern dieses Blattes den Inhalt seines Referates ausführlich wiederzugeben. Aus seinen Vorschlägen, welche auf die allmähliche Ausbreitung eines Netzes von landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften hinzielen, ohne die ungeheuren Schwierigkeiten des vorliegenden Sonderfalles ausser Acht zu lassen, seien hier nur folgende leitende Gesichtspunkte herausgezogen: 1. Die Kolonisation hat durchaus auf Selbsthilfe zu beruhen, weil das entnervende Bewusstsein, Helfer hinter sich zu haben, stets Armut erzeugt. „Nicht Güte durchbricht die Berge, sondern der stahlbewehrte Wille." Mit diesem Prinzip ist aber wohl vereinbar dasjenige, was Viktor A. Hub er die „aristokratische Hilfe" nannte, zu der besonders auch eine der Breite der neugeschaffenen Kreditbasis voll entsprechende Kreditgewährung gehört. 2. Die Grundlage der zionistischen Kolonisation muss eine agrarische sein, weil die Verwurzelung einer Volksmasse mit dem Boden, auf welcher alles Volkstum beruht nur durch die Landwirtschaft geschaffen wird. Es muss durch Ansiedlung