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Die Welt · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Article
Herrn J. Lewi, in B.
Date
1903-11-13
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 46 „bie'^-weit Seite;15> Diese Interpellation hat Sie stutzig gemacht. Es ist hnen zunächst ganz unverständlich, wie sich die Interpellanten die durch die Abänderung jüdischer Namen verursachte „Schädigung des Publikums1' vorstellen. Wenn man sich der unerquicklichen Mühe unterzieht, sich in den sogenannten Gedankengang der Interpellationsverfasser hineinzuversetzen, so findet man allerdings einige plausible Auslegungen. Denken Sie sich beispielsweise, Sie hätten sich vor einer Woche den Namen ändern lassen und hiessen heute — sagen wir — Leonardodavinci. Das Initiale „Ltt muss natürlich bleiben; wegen des Monogramms in den Socken und damit man sich nicht ein neues Petschaft kaufen muss. Sie heissen also Leonardodavinci und in ihrem Freudenrausch ob der wunderbaren Veränderung, die Ihrer Person zuteil geworden ist, stellen Sie sich jedem Menschen vor: dem Sitznachbar in der Tramway, dem Wachmann, den Sie um eine Auskunft bitten, dem Hausierer, der Ihnen Hosenträger anbietet. Da setzen Sie sich nun in einem fremden Wirtshaus neben einen Unbekannten, der laut „auf die Juden schimpft, stellen sich ihm als Leonardodavinci vor und hören ihm nickend zu. Zufällig tritt nach einer Weile einer Ihrer alten Bekannten ein, der noch nichts von Ihrer Metamorphose weiss und geht mit dem Ausrufe „Ah, Herr Lewi!1 auf Sie zu. Ihr Tischnachbar rückt mit einer heftigen Bewegung von Ihnen weg, glotzt Sie grimmig an und schnaubt: „Was? Leeewi? Sö san leicht gar aJud! Was sagen's nach'er, Sö heissen Lemo — Leno — Le .. . Sö Leeewi, Sö!a — Wissen Sie, wie sich der Parteigenosse der Landtagsabgeordneten in einem solchen Falle fühlt? Er fühlt sich „geschädigt". Er empfindet es als „Schädigung des Publikums", dass er ahnungslos, irregeführt durch das Leon-u. s. w., ein Viertelstündchen neben einem sicheren Lewi gesessen ist. Oder stellen Sie sich vor, Sie haben die Firmatafel über Ihrer Eisenhandlung den neuen Umständen angepasst und der Mann,.der auf die Parole „Kauft nicht bei Juden!* eingeschworen ist, geht anstandslos in den Laden und kauft zur Ausübung seines Berufs mehrere Feilen und ein Stemmeisen, ohne ,zu wissen, dass er eigentlich einem Lewi Geld „zu verdienen gibt". Sie werden zugeben, dass ein solcher Kauf, wie er den Landtagsinterpellanten vorschweben mag, eine „Schädigung des Publikums" einleitet. Hoffentlich ist Ihnen jetzt der Sinn der Interpellation schon klar, so dass wir von ferneren Beispielen absehen können. Student, Berggasse: Während des letzten Samstag- Krawalls in den Universitätsarkaden konnten die bedrängten christlich-sozialen Verbindungen nur dadurch freien Abzug erlisten, dass ihr Sprecher an das Rassenbewusstsein der deutschnationalen Studentenschaft appellierte und diese bat, sie möge doch bedrohte Arier vor den Angriffen der jüdischen Studenten sehützen. Das wirkte! Kaum hatten die Deutschnationalen, die bisher in feindlichster Ekstase gemeinsam mit jüdischen Studenten den christlich-sozialen Jünglingen gegenübergestanden waren, die magische Formel „JudM vernommen, als sich eine jähe Sinnesänderung in ihnen vollzog: Sie wendeten sich von den jüdischen Mitstreitern ab, formierten eine Spaliergasse? durch welche die christlich-soziale Besatzung unbehelligt abziehen konnte, und die solchermassen empfindlich kalt gestellten jüdischen Studenten durften hinter dem Spalier stehen und mit gemischten Empfindungen den Abziehenden nachschauen. Das passiert den jüdischen Studenten in der Aula nicht zum erstenmale, Wenn drei — darunter die Juden — sich streiten, so wenden sich bekanntlich alsbald die anderen zwei harmonisch gegen den jüdischen Dritten. Auf dem Rücken der Juden nehmen derlei Versöhnungsfeste den glattesten Verlauf. Drum sollten sich's in ähnlichen Fällen die jüdischen Studenten reiflich überlegen, ob sie sich „Schulter an Schulter" neben solche zweifelhafte Bundesgenossen stellen sollen. Wissbegierig. Ob der Abg. Bauchinger Rech hat, wenn er behauptet, dass durch die jüdischen Künstler der arische Schönheitsbegriff „verdorben" werde, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die Juden dem unbekleideten Menschenleib in der Kunst eine Vorzugsstelle einräumen? Gewiss! Sie kennen doch die Namen Praxiteles, Appelles etc., in denen sie ohne weiters den vertrauten Abeles und sonstige — eles erkennen werden. Und was haben diese Bildner vorzugsweise dargestellt? Den unbekleideten Menschenleib, wie der Bauchinger richtig konstatiert hat. Und schauen Sie sich die knidische Aphrodite des Praxiteles an, so werden Sie sofort zugeben müssen, dass sie eine eklatante Verschandelung des Schönheitsbegriffes repräsentiert, die nur zu paralysieren wäre, wenn man den Rat des Bauchinger befolgen und die Statue in dicke Flanellwäsche und hermetisch anliegende Oberkleider eint wickeln wollte. Briefkasten. Q. Landau, Wien. Ueber Auftrag des Aktions-Komitees ist das Kongressbureau sowie das Bureau der „Welt" am Samstag geschlossen. F. IM. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, IL, Taborstrasse 59. M. St. Galanta. Statuten erhalten sie bei Herrn Sam. Bettelheim in Pressburg. Gg. Zabreh. 1. Samu Bettelheim, Pressburg. 2. Dr. M.* Bodenheimer, Köln a. R. Herrn Mathias K. Bzeczerze. Wir konstatieren über Ihren Wunsch, dass Gg. H. Elias Luft in Ihrem Orte zum Bürgermeister gewählt wurde. Wir können diese Tatsache ohne Beglaubigung des D.-C. oder Ihres Vereines im Rahmen unseres Blattes nicht bringen. Auch fehlt die K-F.¬ Marke, ohne die ein Zionist überhaupt keinen Brief abgehen lässt. G. F. Bikur Chaulim. Wir wiederholen zum letzten male, dass wir Vereinsberichte ohne Stampiglie und N.-F.-Marken absolut nicht bringen. Auch ist in diesem Berichte der Ort nicht ersichtlich. H. Diamant, S. Nagyszombat Sie haben leider vergessen» die angekündigte Erklärung des . rÄchdusu auch wirklich beizulegen. Bitten um Nachtrag. Moriz K. in S. Wollen Sie freundlichst bemerken, dass sich auf dem Titelblatte ausdrücklich erwähnt findet, dass Manuskripte nicht zurückgestellt werden. Gesinnungsgenosse B, Pressburg. Sie begreifen, dass diese Angelegenheit erst ganz klargestellt werden muss. Sowohl der Protest Ihres Vereines als auch der mehrerer anderer ungarischer Zionistenvereine gegen den Artikelschreiber in dem betreffenden antizionistischen Blatte wird nach Abschluss der Sache erledigt werden. Besten Gruss. Hr. B., Kolin. Wie ich Ihnen anlässlich Ihres letzten Besuches in unserer Redaktion versprach, habe ich mit Hr. Archit. O. Marmorek gesprochen. Er ist zwar sehr beschäftigt, doch glaube ich, dass Sie jedenfalls auch noch von Vereinswegen sich an ihn wenden sollen. Adresse: IX., Maximilianplatz 4, 5. — Gruss W. Im Nachhange zur Publikation in Nr. 40 bringen wir nachfolgend die Bewertung durchlochter Coupons von mehr als 10 Shares : 15 Shares Wert 1 Sh. 9 d Kr. 2.10 20 „ , 2 „ 4 „ „ 2.80 25 , „ 2 „ 11 „ „ 3.50 50 „ „ 5 „ 10 „ „ 7— SPENDEN. Für den jüdischen Nationalfonds: K „Agudath Zion", Lodz............... 7.— Sammlung Jonas Hahnenzahn, Solka, bei Hochzeit Adele Stieber-Emanuel Kapaport, zur Eintragung Berisch Hahnenzahn..................• 5.—

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