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Die Welt · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Article
Die Juden in China
Date
1903-11-13
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 46 „bi^ # W^li Seite 11 Streng jüdischem Brauch in den Bund Abrahams aufgenommen worden war. Die Tatsache beweist, dass die Juden in Kaifengfu vor langen Jahren genau mit den jüdischen Eiten Bescheid wussten, dass sie ihre Abstammung kannten und das Bestreben hatten, sich auch äusserlich von den Heiden zu unterscheiden. Ahasver. Im Jahre 1900 wurde d^r jüdische Klempner Gerscovici unter der Beschuldigung der Landstreicherei aus Rumänien ausgewiesen. Von den österreichischen, russischen und bulgarischen Behörden wurde er aber immer wieder zurückgestellt. Bei seiner Rückkunft nach Rumänien wurde er wieder verhaftet und immer wieder abgeschoben. So gieng es bis 1903. Des letztemal erhielt er 5 Monate Gefängnis und wurde wieder ausgewiesen. Diesmal appellierte er; er bewies, dass er und sein Vater rumänische Juden seien, ohne je fremden Schutz genossen zu haben und dass er ohne eigenes Verschulden (!) arbeitslos geworden sei. Diesmal wurde er freigesprochen. Jü&saher Gottesdienst in der österr.-ung. Kriegsmarine. Seit einer Reihe von Jahren wird in Pola für unsere Stammesgenossen, die ihre Präsenzdienstzeit bei der k. u. k. Marine ableisten müssen und in Pola stationiert sind, am 'Passah-Feste, im Neujahrs- und Versöhnungstage im Sinne des Dienst-Reglements ein Gottesdienst abgehalten, an welchem nach Massgabe des Dienstes die jüdischen k. u. k. Marinesoldaten freiwillig teilnehmen. Es ist dies der einzige, jüdische k. u. k. Marine-Gottesdienst in ganz Oesterreich - Ungarn. Bedauerlicherweise erfüllt dieser Gottesdienst au»»r nicht seinen Zweck, zumal der von der Triester Kuit isgemeinde entsandte Funktionär, obwohl ein ganz tüchtig r und stimmbegabter Chasan, seitens der jüdischen Marioosol 'nten, die fast ausnahmslos aus Ungarn, Böhmen r-to. sich rekrutieren und an den aschkenasischen Gottesdienst von Haus aus gewöhnt sind, deshalb nicht verstanden wird, weil er nach sephardischerr Ritus vorbetet. Dazu kommt noch, dass fast kein einziger der Soldaten mit eii^m Festtagsgebetbuch (Machsor) versehen ist, sich ein solches auch in Pola nicht verschaffen kann. Ein Bischof gegen den An'isemitismus. Der gefeierte Bischof von Cremone, Monsignore Bonomelli, hat vor kurzem unter dem Titel „G^i?fn den Antisemitismus" eine vielbemerkte Schrift vei c ff. ntiieht, in welcher er diese „schmachvolle Bewegung" als nicht nur ungerecht, sondern „in ihrem innersten Wesca unchristlich" scharf verurteilt. Er bespricht die beiden Hauptanklagen gegen die Juden, ihre finanzielle Macht und die Rassenverschiedenheit, und legt dar, dass der Kapitalismus, seine Ausschreitungen und seine Praktiken keineswegs ausschliesslich „jüdische" seien, sondern zahlreiche Christen die Vorwürfe, welche man gegen sämtliche Juden erhebt, noch mehr verdienen, und dass eine Kirche, welche sich universell nennt, unmöglich eine Verschiedenheit des ethnischen Ursprungs anerkennen dürfe, um Steine auf die Juden zu werfen. jüdische Aerztinnen. Von den 65 in Paris praktizierenden weiblichen Aerzten sind 30 Jüdinnen, die fast sämtlich aus Russland stammen* Ein interessanter Prozess. Ein Prozess mit dam Fiskus und der Berliner jüdischen Gemeinde ist zu Ungunsten dieser ausgefallen. Es handelt sich um ein Legat, das der in der Verwaltungder Gemeinde stehenden Troppaustiftung zugefallen war, für das der Fiskus 131 Mark Stempelsteuer verlangte. Die jüdische Gemeinde verweigerte die Zahlung und stützte sich hiebei auf die Bestimmung, dass alle deutschen Kirchen und anderen deutschen Religionsgesellschaften gemachten Zuwendungen steuerfrei bleiben sollen. Gegen das Erbschaftsteueramt wurde Klage angestrengt. Das Gericht erkannte in Uebereinetimmung mit einem Reichsgerichtsurteil, dass nur solche Zuwendungen an Religionsgesellschaften st empelsteuerfrei sind, die innerhalb ihres eigentlichen Wirkungskreises liegen. Da die genannte Stiftung nur den Zweck hat, den jüdischen Mädchen eine Beihilfe zur Aussteuer zu gewähren, dies aber nicht gut zu den Aufgaben einer Religionsgesellschaft gerechnet werden kann, ist die Steuerforderung des Fiskus berechtigt. Der Gemeindevorstand beschloss in Anbetracht der Geringfügigkeit der Summe von einer Berufung abzusehen. Darf ein Grabstein auf dem Friedhof gepfändet werden? Ueber diese Frage hat der grossherzogliche Oberrat der Israeliten in Baden die folgende Entscheidung provoziert: ,Der Gerichtsbeschluss, durch welchen für eine Forderung des Bildhauers A. in K. an G. B. in Frankfurt im Betrage von 45 Mark der angebliche Anspruch des Schuldners an den israelitischen FriedhoiVerband K. auf Herausgabe eines Grahateines gepfändet und dem Gläubiger zur Einziehung überwiesen worden ist, würde von diesem gegen den genannten Verband nur dann wirksam geltend gemacht werden können, wenn dem G. B. selbst ein soloher Anspruch zustände. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Denn durch die Aufstellung des fraglichen Grabsteins auf dem Grabe und die feste Verbindung auf dem Boden des Friedhofes ist der Grabstein in das Eigentum des Friedhofsverbandes übergegangen, weloher verpflichtet ist, darauf zu halten, dass auch die Angehörigen eines Beerdigten gegenüber dem Grabe und dem Zubehör nichts unternehmen, was der Bestimmung de« Friedhofs und der für denselben geltenden Ordnung widerspricht. Die Zustimmung zur Wegnahme des Grabsteines ist daher sowohl dem Gerichtsvollzieher, als dem Rechtsanwalt X. gegenüber zu versagen." Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf Dr. Max Nordau: Cijonizam. Pisce vom dozvolom preveo Jochanan Thau. Verlag des Vereines jüdischer Studenten „B&r Giora", Wien* Dr. A. N e u f e 1 d, Warschau-—Berlin, Doktordissertation : Die führenden Natienalexportämter. „Kischenew". (Eine Monatsschrift.) Herausgegeben von M; Sukennikow. Enthält Artikel von Gorki, Tolstoi u. s. w. I. Nummer. Berlin 1903. Russischer Verlag. Lumet itraeiita (die jüdische Welt) Monats-Zeitechrift, Abonnement 15 Francs jährlich. Verlagshaus Ralian und Ignat Samitca, Craiova. Bis jetzt sind zehn Nummern erschienen. Wir behalten uns vor, auf diese Publikationen zurückzukommen. Soeben ist ein neues Buch Dr. Franz Oppenheimers erschienen. Es führt den Titel „Das Grundgesetz der Marx'schen Gesellschaftslehre". Wir geben zur vorläufigen Uebersioht das Inhaltsverzeichnis und werden eine eingehende Besprechung von fachmännischer Seite folgen lassen: Thesen. Der Grundpfeiler derMarx' sehen Gesellschaftslehre. Das Gesetz der Akkumulation und seine Konsequenzen; Akkumulationsgesetz und Mehrwertlehre. Der Marx'sohe Beweis. Die Entstehung des Kapitalverhältnisses. (Die ursprüngliche Akkumulation); Die Reproduktion des Kapital Verhältnisses. (Das Gesetz der kapitalistischen Akkumulation); Der Marx'sohe Kettenschluss; A. Darstellung; B. Kritik. Die Marx'sehe Behauptung im Lichte der Tatsachen. Die Tatsachen der industriellen Entwicklung. (Die „Freisetzung" des Arbeiters und die Kompensationstheorie); Die Tatsachen der landwirtschaftlichen Entwicklung. (Zentralisation, Expropriation und Freisetzung in der Agrikultur); Die Konkurrenz in der Landwirtschaft; Die Akkumulation und Zentralisation des Agrikulturkapitals; Gross- und Kleinbetrieb in der Landwirtschaft; Die Freisetzung des Landproletariats; Die Tatsachen des kapitalistischen Gesamtprozesses. (Die Urbanisierung der Bevölkerung). Die Ursache der kapitalistischenExploitation. Grundeigentumsverteilung und landliche Wanderbewegung; Antikritisches Zwischenspiel; Skizze einer Lohntheorie; Die Tendenz der kapitalistischen Entwicklung. Schlusswort. Die Klassentheorie. Anschliessend sei das Vorwort zu diesem interessanten Buche gebracht: Vorwort. In Karl Marx* „Kapital" ist das logische Gefüge der Gedanken zum Teil durch Polemiken, zum Teil durch geschichtliche Exkurse und gegenständliche Schilderungen in einem solchen Masse verhüllt, dass das Verständnis des gewaltigen Werkes für alle erschwert und für viele unmöglich gemacht wird. Ich habe mich bemüht, den leitenden Gedankengang des grundlegenden ersten Bandes des „Kapital" aus dem üppigen Beiwerk herauszuschälen; dabei ergab sich wieder unzweideutig, dass die marxistischen Theoretiker völlig im Rechte sind, wenn sie die Lehre von der Entstehung der Reservearmee unbeschäftigter Arbeiter für den Kernpunkt des gesamten Systems erklären: nur von hier aus ist in der Tat ein volles Verständnis der über das ganze Gebiet der Gesellschaftslehre verzweigten Theorie zu gewinnen. Darum hätte aber auch eine gründliche kritische Untersuchung an diesem Punkte einsetzen müssen. Das ist,

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