Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 46 (13.11.1903)
- Article
- Erklärung / Verein zur Abwehr des Antisemitismus / Wien
- Date
- 1903-11-13
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316066--44369-3338826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 „bi? # w^it Nr, 46 sachen der wirtschaftlichen Not erkannt und blossgeleg*, dass sie nicht in einigen: kaufmännisch tu iiwunir, sondern ganz anderwärts zu suchen sind. Darzulegen, welche riesenhaften Ergebnisre j *ner Art von Fragestellungen an die Natur, welche unter u-ni Titel „ Vivisek'ion" laufen, zu verdanken sind, ist nicht Sache d« r unterzeichneten Verein sie Jtung. Deren Aufgabe kann nur darin bestehen, in dieser'^rage auf den, wenn auch anscheinend nicht mittelbaren, so doch absolut bestehenden Zusammenhang hinzuweisen, welcher zwischen dem ungeheueren Aufschwung der Neuzeit und der Vivisektion besteht. War es doch, um nur ein Beispiel anzuführen, das bekannte Experiment Volta'e — keines,Juden" — mitdem Froschschenkel, welches,die Aera der Elektrizität anbahnte, von der ursprünglichen Telegfaphie bis zur Telephonie, sowie den elektrischen Strassenrund Eisenbahnen aufwärts. Gleichwie der Hetzkapian «trotz seiner empfangenen Weihe stets dessen vergessen bleibt, dass er einzig nur dem Judentum seine Existenz zu "ver&afcken hat, denn aus dem Judentum entwickelte sich ja später das Christentum, so sollten alle übrigen Hetzer schon aus-P a n k b a r k e i t für die so reichen Erfolge der wissens.chafclichen Experimente, die ihnen ihre eigene Entwicklung ermöglichte, sich in das Unvermeidliche ihrer Kleinheit fügen, mit dem Gedanken sich vertraut machen, dass sie ein Atom in dem unvergleichlichen Air bilden, dass ihr ganzes Um und Auf in Nichts zerfliesst vor einer ein zigen wissenschaftlichen Errungenschaft! Dagegen sind wir gerne bereit, sie als vollwürdige Menschen und liebe Bundesgenossen in der Bekämpfung jeglicher Roheit zu nehmen — sei es der Tier-, wie der Menschen-Quälerei, die sich in entsetzlicher Weise und in allen möglichen Formen der, Kinder-, ßehrlings- und sonstigen Misshandlungen überhaupt, in der Vergewaltigung aller Schwächen der Wehrlosen, täglich neu vor uns abspielt — sei es in der Bekämpfung des übermässigen Alkoholismus mit seinen degenerierenden Folgen.., Hier wie auch in der. Beschaffung neuer fylittel der Ernährung durch Urbarmachung des Bodens, Schutz vor Wasserkatastrophen u. dgk läge «in weites, wundervolles Feld ihrer Tätigkeit. Hier blühte ihrem Wirken reicher Segen. Doch dazu gehört allerdings mehr als der blosse Mut inmitten des grossen Haufens;;Gleichgesinnter, über eine geknebelte Minderheit herzufallen! Wiener Verein zur Abwehr des Antisem i ti s m u s s* Verein jü d i s eher jugendli c h er Arbeiter „L eopoidstad t". IL, Stephaniestrasse 8. Sonntag, den 15. November 1903, abends präzise 7 Uhr. Vortrag des Herrn Dr. M. Weissmann. Thema: Prinzipien des Judentum s". Gäste willkommen. * Niederlandsche Zionistenboad Amsterdam. Der Sakretär des Niederländischen Zionistenbundes Dr. phil. E. Slijper hat sich auf eine Reise ins Ausland begeben und deshalb seine Stelle niedergelegt. Briefe sind bis auf weiteres zuadressieren: Herrn A. J. Mendes da Costa, Weesperstaat 20. Personalnachricht. Mr. Isr a el Zangwill hat sich mit Miss Edith Ayrton, Tochter des hervorragenden Physikers, Prof. Ay.rto n, vermählt. Miss Ayrton's Mutter war Schriftstellerin und verfasste das Buch „Das Kinderleben in Japan". * Nachruf! Am 8. November d. J. verstarb zu Bischofsheim in Hessen unser lieber Gesinnuugsgenosse Herr Sigmund Selig. Wir beklagen in dem Dahingeschiedenen einen Vorkämpfer unserer Sache, der nicht nur als Vorstandsmitglied der Mainzer Ortsgruppe, sondern weit über die Givrjz^n seiner engeren Heimat hinaus für unsere Idee erfn^M'eich tätig gewesen ist. Seine grosse agitatorische und or^nnisa;^; '^■r- Befähigung und sein reines, selbstloses Streben für c'as Wohl und; die endliche Erlösung unseres Volkes sichern ü-m im unseren Herzen ein dauerndes,dankbares Andel; leer. Das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung f. Deutschland. I. A. Dr. Friedemann. Todesfä'Ie. Am 29. Oktober starb in Wilna einer der Pioniere der Aufklärm g der musischen Judenschaft H i [ i e l Nuah Steinschneider. Er war einer der ältesten Schriftsteller, ein Bibliograph und Archäolog. Uns*r Gesinnungsgenosse, A. H. der „Ivria", H^rr L gt»nieur E. Fr ied wurde von einem schweren Sehicksal^schlage getroffen. Es verschied seine Mutler, Katharina Fried geb. Kohr», eine hochachtbare und geschätzte Frau und wurde in ihrem Wohnorte Friedtk Oe.-S. Legraben. Ehre ihrem Andenken! Jüdischer Nationalfonds. Das Goldene Buch. Verein „Agudas Hazionim" in Talotschin (durch Herrn Rabbinowitsch) . . Kronen 252 — Verein „Giborei Israel" in Odessa..... „ ö252.40 Die Mitglieder des Shareklubs in Odessa zur Eintragung des Dr. Dorfmann für seine Verdienste um die Jüdische Kolonialbank ............... „ 240.70 „Agudas Serubabel" in Dublin, zur Eintragung des Dr. H e r z 1......... „ 251,50 Die Zionisten Odessas zur Eintragung des Herrn M. L. L i 1 i e n b 1 u m..... „ 252.— Moses Rohatyn in Lemberg, zur Eintragung seiner Frau Viktoria Rohatyn, geb. Korkes............ „ c24<0.— Das Personal der Firma A. B. M a g o s a n i k in Berdyfcschew, zur Eintragung des Herrn Nachim Magosanik, des Sohnes der Frau Feige, zum Andenken an seinen Hochzeitstag mit Fräulein Scheindl Schreiber, Tochter des Herrn J. L. Schreiber aus Drohobycz, die am 3. March, stattgefunden hat ................ „ 252.— Verein .Agudas Hazionis Haschachartf in Pleskau (durch den Zionistenverband) . „ 252.— Verein „B'noth Zion Carmel" in Tg. Ocna (durch Herrn J. Silberstein in Galatz) . ............... Francs 250;— Die Galatzer Zionisten (durch Hrn. J. Sil b ers/fcein)................ „ 250.— Verein „Chowewe Zion David" in Bukarest, zur Eintragung des Hrn.M.Schwarzfeld................. „ 250.— „Ohawei Zion" in Warschau (durch Gebrüder Bachrach).........Kronen 240.— Verein „Societatea filantropica Sionista Dr. Max Nordau* in Galatz......Pf. Sterl. 10.— Wdr«@b*oi)ik. Budapest. Die Pester israelitisohe Kuliusgemeind« erhält von der Hauptstadt eine Jahressubvention von 40.000 Kronen als Beitrag zu ihren konfessionellen und kulturellen Auslagen. Die Zahl der Juden in New-York ist im Jahre 1902 auf 584.788 gestiegen. Die Rumänen in der Bukowina führen derzeit eine Kampagne gegen die Juden. Ihr Führer ist der Landtagsabgeordnete Ritter v. Flond or, ihr Organ das „Bukowinaer Journal". Den Juden wird mit Vorgängen wie in Zablatow etc. gedroht, Abgeordneter Dr. Straucher hat treffend öffentlich geantwortet und sämtliche anderen Parteien haben sich gegen eine Gemeinschaft mit dem „Journal" und seinem Anhang verwahrt. Die Delegierten der Kolke rolnice, der galizischen bäuerlichen Konsumvereine, versammelten sich vorige Woche in Stanislau zu einer Beratung. Dieee Vereine sind in ihrem Wesen ein tödlicher Schlag für den jüdischen Kleinhändler, da sie den Ein- und Verkauf der bäuerlichen Haushaltungen vollständig übernahmen und zwar unter streng antisemitischen Prinzipien. Jetzt hat man beschlossen, das Tätigkeitsgebiet energisch zu vergrössern. Die Judon in China. Einer der vor mehreren Monaten auf Einladung der dortigen jüdischen Gemeinde aus dem Innern Chinas nach Shangai gezogenen Juden ist dieser Tage gestorben und auf dem dortigen jüdischen Friedhof begraben worden; er war ungefähr 70 Jahre alt. Bei Gelegenheit seiner Beerdigung stellte sich heraus, dass der Verstorbene, wahrscheinlich im zartesten Kindesalter nach