Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 46 (13.11.1903)
- Article
- Kischenew [Nachricht]
- Date
- 1903-11-13
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316066--44315-3338823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Soroca 2× ep/2063172
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
■Nr. 46 # Welt" Seite 7 welcher während der Exzesse gegen unsere Volksgenossen in Kischenew für die Unglücklichen eintrat und den Gouverneur v. R a a b e n unseligen Angedenkens vergebens zu bewegen suchte, dem Blutvergiessen ein Ende zu machen, hat nun sein Amt unwiderruflich zurückgelegt. Für die friedliebenden und humanen Elemente ist dieser Rücktritt ein unersetzlicher Verlust. Soroki (Bessarabien). Der Gouverneur von Bessarabien, Fürst ürussow, hat die in der Nähe von Soroki liegenden, von Juden errichteten und geleiteten Obstgärten besucht und die von unseren Volksgenossen auf diesem Gebiete errungenen Erfolge bewundert und belobt Fürst U r u s s o w erfuhr, dass in Bessarabien hunderte jüdischer Familien leben, welche Ackerbau betreiben wollen und aüch können. Er sagte deshalb zu, alles anzuwenden, um in Bessarabien neue Ackerbaukolonien zu gründen und dem Aufenthalt der Juden in den Dörfern überhaupt keine Hindernisse in den Weg zu legen, weil er überzeugt sei, dass die Juden die;Hebung der interessierten Zweige der Wirtschaft Bessaraoiens bedeutend fördern könnten. Beim Besuche der Stadt Soroki selbst sprach Fürst Urussow sein Erstaunen darüber aus, dass so viele Schneider und Schuster in einer kleinen Stadt seien, wo sie doch unmöglich ein Auskommen finden könnten» Er besuchte hierauf das jüdische Spital und stellte die Erwirkung einer Geldunterstützung in Aussicht. Warschau. Wie der halbamtliche „Warschawskij Dnewnik" meldet, wurde die Bahntechnikerschule Löwi in Warschau, wo mehr als 300 jüdische Schüler sich befanden, auf Anordnung des Ministers des Innern geschlossen. Petersburg. Die „Nowoje Wremja" widmet dem bevorstehenden Prozesse, in Kischenew einen Leitartikel, in welchem sie in ihrer bekannten Gehässigkeit schon jetzt die Richter zu beeinflussen sucht, indem sie die Untersuchungsrichter beschuldigt, nur Christen, aber gar keine Juden zur Verantwortung gezogen zu haben, während doch die „Nowoje WremjV die Hauptschuld an den Massacres in Kischenew den Juden zugeschrieben habe. Sie verlangt deshalb die Einleitung einer neuen Untersuchung und die Heranziehung von Juden als Angeklagten an den Morden und Plünderungen . . . Mit Recht ssgt die „Buduschtnostj", ,,der zügellose Hass der „Nowoje Wremja* gegen die Juden kennt keine Grenzen . . .* Odessa. Vor kurzem hat hier der bekannte Palästin ophile und Publizist Lilien blum seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlasse fand im Komitee der Gesellschaft zur Unterstützung von jüdischen Ackerbauern eine ausserordentliche Sitzung statt, in der der Jubilar als der erste Verkünder der Palästinaidee gefeiert wurde. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Schule in der Kolonie Gedera in Palästina Lilienblum - Schule zu benennen und seinen Namen in das Goldene Buch des Nationalfonds einzutragen. Kischenew. Wie der „Odesskij Listok" meldet, hat die Auswanderung der Juden aus Kischenew in letzter Zeit einen verschärften Charakter angenommen. Arbeiter, Handwerker und Kleinkrämer verlassen das Land, um nach Amerika, Brasilien und Ostafrika zu gehen. Gt. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Repertoire der öffentlichen Veranstaltungen der zionistischen Vereine Wiens. Li t. Verein jüd. Mäd c h e n „M o r i a h". Sonntag den 15. November. Vortragsabend im Kongressbureau. Thema: Der VI. Kongress und die daraus resultierenden Aufgaben für die Frauen. Ref.: Frau Rosa Feigen bäum. Einzelverein „Brigi11 e n au". Dienstag den 17. November. Diskussionsabend im »Cafe Neptun", XX., Mathildenplatz 7. Thema: Die Frau im Zionismus. Ref.: Frau Sidonie Kahn. Beginn Vi8 Uhr. Einzel verein „L andstrasse\ Mittwoch den 18. November. Versammlung im „Cafe* Storchheim", III., Löwengasse. Tagesordnung: Statutenänderung und Ergänzungswahl. Beginn um l/29 Uhr. Mädchenverein Hadassa. Sonntag, den 22. November. ya4 Uhr nachmittags im Kongressbureau. Vortrag des Herrn Prof. Kellner: „Die Entstehung des Judentums. Eine Zurückweisung." Die iminnerösterr. Distriktskonoitee organisierten zionistischen Vereine Wiens. Samstag den 12. Dezember. Makkabäerfeier im Sofiensaale. Jüdische Arbeiter Wiens. Samstag, den 19. Dezember, Makkabäerfeier. * Zur gefälligen Beachtung! Die zur Ausgabe gelangenden Karten für die am 12. Dezember im Sofiensaale stattfindende Makkabäerfeier enthalten den Vermerk „Zuschlag für den jüdischen Nationalfonds" und dabei einen Raum für die aufzuklebende Nationalfondsmarke. Jeder Verkäufer hat ebensoviele Marken als Karten zu verkaufen. Die P. T. Verkäufer erhalten dieselbe Anzahl von Nationalfondsmarken, als sie Karten zum Verkaufe von uns beziehen. Hochachtungsvoll mit zionistischem Grusse: Für dasExekutivkomitee der Makkabäerfeier: Fanny Weiss. Dr. Max Bernhardt, jur. Max Lederer. Programm für den Monat November 1903 der Universite Popul. Juive in Paris. Sonntag 1. Dr. J. W. Marmorek (Wien). Die geistige Erziehung des Volkes. Freitag 6. Mr. Fridmon : Neues vom jüdischen Leben, Sonntag 8. Kabb. Dr. Rabinovici: Der Zionismus und das jüdische Ideal. Sonntag 15. Isch-Jeoudi. Der Gemütszustand der Juden in Russland seit den letzten Ereignissen. Freitag 20. Isch Noomi (Wechsler). Das Buch der Genesis und die Menschheit. Sonntag 22. Moses Schwab. Leben xmd Werke des Dr. J. M. Rabinovicz. Sonntag 29. J. Lieber. Viktor Hugo, die Bibel und die Juden. An den übrige a Tagen finden regelmässige Kursein der hebräischen und französischen Sprache, der Geschichte der hebräischen Literatur, der Naturwissenschaften u. s. w. statt. Vortragende: Herren Loschack, Schapiro, Jacobsohn, Back, Slouschz u. s. w. * Jüdische Toynbee-Halle, Wien,XX., Karajangasse 20. Samstag, 14. November. Konzert. Sonntag, 15. November. Vorlesung und Konzert. Montag, 16. November. Dr Josef Jerusalem : Oesterreichische Verfassimgsgeschichte. IL Dienstag, 17. November. Diskussionsabend: Was und wie sollen wir lesen? II. Mittwoch, 18. November. Dozent Dr. Josef Pollak: Hygiene II. Donnerstag, 19. November. Dr. Heinz Kohn: Die Bibel als Rechtsbuch. Freitag, 20. November. Dr. Rosenmann: Bibelvortrag. Beginn der Vorträge 7 Uhr abends. * Die jüdisch-nationale Frauenvereinigung in Berlin. begann ihre Wintertätigkeit am Montag, den 2. November mit einem Vortrage des Herrn Dr. Bern fei d, der über die Bedeutung der hebräischen Sprache für das jüdische Volk sprach. Der Vortrag wurde vju dem zahlreich erschienenen Publikum mit grossem Beifall aufgenommen. Der Arbeitsplan der „Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung" für den kommenden Winter ist folgender: Es werden regelmässig alle 14 Tage bis 3 Wochen Vorträge gehalten. Der nächste Vortrag findet am Montag, den 16. November statt. Herr Dr. Julius K a t z wird einen Vortrag halten über das Thema „Hygienische Betrachtungen über das Ostafrika-Projekt*. Weitere Vorträge haben bis jetzt die Herren Dr. Max Eschelbacher, Elias Auerbach, Egon Rosenberg, Dr. Emil Cohn, cand. jur. Falken b er g, Dr. Max Oppenheimer, Dr. Julius Moses, Dr4 Heinrich L o ew e, Doktor Th. Zlocisti und Frl. Channah Sachs zugesagt. Die Geschichts- und hebräischen Kurse beginnen Mitte November.