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Die Welt · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Article
Die Jewish Lad's Brigade
Date
1903-11-13
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „bis & weit1 Nr. 46 gedrillt wären, wie diese Brigade. Auch Lord Chelmesford hielt eine von Lob übersprudelnde Ansprache. Oberst Goldsmid dankte den Gästen für ihre Teilnahme- und hob die Wichtigkeit und die Bedeutung dieses nationalen Werkes für die kommende Generation hervor. Merkwürdig ist nur, dass die englisch-]'üdisehen Philanthropen sehr wenig zur Förderung dieser Institution beitragen. So betrug das Einkommen im verflossenen Jahre 120 Pfd. St., die Ausgaben, dagegen 150 Pfd. St. Die Parade hat aber viele angespornt, auch an. dem nützlichen Werke mitzuarbeiten. Unter denjenigen, die ihren 'Namen in der Subskriptionsliste eintrugen, waren auch Feldmarschall Sir IL ."N" o r m a n, General Sir Alfred Turner usw. Neue Freunde. Alte Intriguanten in neuen Kostümen. Das ist in kurzen Worten der jetzige Stand der jüdischen Presse deutscher Zunge gegenüber dem Zionismus. Wir sprechen nicht von den letzterstandenen Zeitungskindern unparteiischer Konfession, sondern von unseren altbekannten Freunden, die ohne Ehren grau geworden sind. Diese Organe haben die Zerstöruüg der jüdischen Organisation zum Lebenszweck, und voll Bewunderung antisemitischer Kampfweise ahmten sie diese nach: Keine Verleumdung war zu niedrig, keine Lüge zu dumm, um sie dem Zionismus nicht anzuhängen. Durch unsere Erfolge blamiert, haben die sehr Ehrenwerten eine neue Kampfart angenommen, deren faule Wurzeln mühelos aufzudecken sind. Da die Gesinnungslosigkeit unserer Gegner weder unsere innere noch unsere äussere Grösse zu mindern vermochte, so haben sie ganz einfach zum entgegengesetzten Mittel gegriffen; sie haben sich nämlich eine Gesinnung beigelegt und zwar — man lese und staune — die zionistische! Unter kollosalem Gerassel wird die palästinensische Kleinkolonisation plötzlich auf den Schild gehoben, ihre Vergangenheit gelobt, ihre Gegenwart gepriesen und ihre Zukunft herrlich ausgemalt. Warum ist dieses Vorgehen eine beabsichtigte Täuschung und welche Wirkung wird davon erwartet? Dieselbe Kolonisation wird jetzt in den Himmel gehoben, von der man bis jetzt eine Hiobspost nach der anderen meldete, als man glaubte, damit eine Seite der zionistischen Agitation zu treffen. Ein plötzlicher Johannistrieb wird jetzt kundgetan zu einer Kolonisation, die man längst hätte haben können, gross oder klein, von jeder Art und Grösse, wenn nicht die massgebenden Kreise durch Ohrenbläsereien und Verleumdungen von der Mitwirkung wären zurückgehalten worden. Auch der Zeitpunkt, in welchem unsere gegnerische Presse in den Apfel ihrer neuen Erkenntnis beisst, ist in zweierlei Hinsicht bezeichnend; pro primo erschienen nämlich sämtliche Artikel für die Kolonisation an einem und demselben Freitag in den Blättern, die vormals immer an einem und demselben Freitag sämtlich Artikel gegen den Zionismus brachten. Es scheint also derselbe Regisseur im Hintergrunde zu stehen. Pro secundo hat die neue Aera in einer Zeit eingesetzt, in der das englische Angebot ein lebhaftes Für und Wider im zionistischen Lager hervorgerufen hat. Dieses Für und Wider hält nämlich die Assimilantenpresse für einen Streit und spielt nun die berüchtigte Rolle des Dritten, der den einen Teil lobt und ermuntert, damit er desto hitziger und hartnäckiger kämpfe. Mit ihrer Liebe werden aber die Dunkelmänner ebensowenig Glück haben, wie einst mit ihrem Hass. Denn die Zionisten führen jetzt nur die Debatte, wie sie Eltern über die Erziehung des geliebten Kindes führen, beide unter der Voraussetzung der besten Gefühle und Absichten bei dem anderen. Der wird gewinnen, der die gross» re Vernunft und die besseren Gründe hat. Kann da schon die Erkundigung nach der Güte einer Schule zum Streitgegenstand werden, nachdem man gar schon auch über den endgiltigen Beruf im Reinen ist? Nur die Eifersucht der Liebe verursacht die Leidenschaftlichkeit der Erörterungen. Wenn es aber zur Entscheidung kommt, wird sie nicht von den Eitern gefällt werden, sondern vom Kinde. Ihm werden Gründe und Gegengründe von seinen liebevollen Ratgebern vorgelegt werden und wenn dann sein Wille gesprochen haben wird, wird eine selbstlose Eintracht der Berufenen bemüht sein, ihm die Wege zu ebnen. Die plumpe Anbiederung unserer verbissenen Feinde wird gewiss eine Wirkung auf einzelne unter uns ausüben. Wir wollen hier nicht über Wert oder Unwert der Kleinkolonisation streiten. Das eine aber steht fest, dass Wegweiser dorthin zeigen, die von erklärter Falschheit aufgerichtet sind. Ihre neue Rolle wird aber doch nur die Rolle jener Macht sein, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Wir Wanderer nach Zion haben den Mantel der Eintracht nicht im zornigen Sturm abgeworfen, er wird uns auch vor den Fieberdünsten einer verräterisch lächelnden Sonne schützen. Aufklärung des Volkes in den gewöhnlichen und in Flugblättern; Volksabstimmung in Versammlungen und bei den Wahlen zum betreffenden Kongress, das herbeizuführen ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht eines jeden Zionisten. Seine Pflicht ist es auch, seine Gewissensmeinung wohlbegründet darzulegen. Ueber allen diesen Pflichten aber steht die eine, die als Pflicht der Vernunft und des Herzens von jedem Zionisten stumm und blindlings befolgt werden muss und whd: Wenn unser heissgeliebtes Volk gesprochen haben wird, sofort seinen Willen zur Tat umzusetzen, was immer es auch verlangt. In kurzem wird Jede augenblickliche Misstimmung verschwunden sein, weil jedem Zionisten der Volkswille viel zu heilig ist, als dass er irgendwie sich dagegen auflehnte. Dann wird auch der scheinbare Riss wieder verschwunden sein, zu dessen Ausbeutung die Assimilantenpresse jetzt zu Felde zieht. Dann wird der Bau unserer Eintracht, unserer Macht, von dem wir auch nicht ein Mörtelkörnchen verlieren wollen und werden, festgefügt dastehen und Dr. Herzls kerniges Kampfwort wird unseren neubetrübten Gegnern in die Ohren klingen: „Manche haben schon den Moment gekommen geglaubt, eine Erbschaft anzutreten. Diese Erben haben sich geirrt, der Moment ist noch nicht da.a J* UpHmny. Aus Russland. Kisohenew. Der Prozess gegen die Judenmörder in Kischenew beginnt, wie nun definitiv festgesetzt wurde, am 19. d. M. im Landesgerichte zu Kischenew und wird bis zum 4. Jänner 1904 dauern. Den Vorsitz führt der älteste Präsident der Odessaer Gejichtskammer, Staatsrat Dawydow, die Anklage vertritt Staatsanwalt D s ch ibelli, als Privatankläger fungieren die Petersburger Advokaten Korabtschewskij, Grusenberg, Sarudny, Sokolow, Pseherkeril, Kusar und Kupernik aus Kiew. Am ersten Verhaudlungstage wird der Prozess gegen die Mörder der Juden Baranowitseh, Galanter, Drachmann, Kander und der Jüdin Reise Kazan durchgeführt. Die Zahl der Angeklagten dieser Kategorie beträgt 37. Der ganze Prozess wird bekanntlich auf Anordnung des Justizministers geheim durchgeführt. Wie die „Nowosti" melden, haben 12 Kischenewer Juden, welche während der Massäcres ihr Hab und Hut eingebüsst haben, dem Landesgericht eine Beschwerde darüber eingereicht, dass die Anklage gegen bekannte Vertreter der christlichen Intelligenz von Kischenew, welche die Volksmenge zur Plünderung der Juden aufgestachelt haben, nunmehr niedergeschlagen wurde. Der langjährige Bürgermeister von Kischenew A. S c h m i d t,

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