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Die Welt · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Article
Das Türchen zur Judengasse
Date
1903-11-13
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 46 „bie # w^it" Seite 3 gegen die Juden ist, ist immer im Eecht. Die Juden hatten sich wieder einmal als Retter in der Not bewährt. Zwei Wochen lang waren die Landtagsgesellen von einem dichten Eigenbau unangenehmer.Schwierigkeiten umstellt und sehnten sich nach einem unverfänglichen Ausweg aus der Not. Und als die Drangsal am grössten war, durchbrachen sie das Türchen, das in eine vielbenützte Durchzugsgasse für Bedrängte aller Art führt: das Türchen zur Juden gasse. R. Zion und Ostafrika. Nach dem „Hazofe" schreibt die Warschauer Distriktsleitung in ihrem letzten Zirkular an die ihr unterstehenden Zweigvereine mit Bezug auf die Ostafrikafrage: „. . . Sie haben gewiss grosses Interesse für die Ostafrikafrage, die eine so heftige Diskussion hervorgerufen hat, und derentwillen die Zionisten gleichsam wie in zwei Lager sich gespalten haben. Ich sehe mich daher veranlasst, Sie aufmerksam zu machen, dass bedauerlicherweise die ganze Frage infolge einer falschen Auffassung von Gegnern unserer Bewegung absichtlich missdeutet wird. Es ist nicht die Frage wie sie von vielen stilisiert wird: „Zion oder Ostafrika?a sondern : „Sollen wir, bevor es uns gelungen ist, Palästina zu erlangen, uns um ein anderes Land bewerben, oder nicht?" Die Majorität des Kongresses antwortete „Ja. Wir nehmen das angebotene Territorium unter der Bedingung an, dass es geeignet ist, die Lage eines grossen Teiles unseres leidenden Volkes zu verbessern." Die Minorität sagte: „Nein, wir nehmen das Land, mag es noch so günstig sein, nicht an." Sie müssen diese Frage ernstlich, ohne jede Beeinflussung von künstlicher Agitation erwägen, um sich für eine der beiden Parteien zu entscheiden. Ich selbst sagte „JaÄ, weil ich der Ueberzeuguog war, dass Ostafrika uns nicht allein von Zion nicht abwendig machen werde, sondern umgekehrt, unsere Arbeit für die Renaissance unseres Volkes im Lande der Väter erleichtern könne. Ich hoffe, dass sich auch die Neinsager davon überzeugen und dem Projekte beistimmen werden. Jetzt müssen wir die Mittel für die Expedition aufbringen helfen, die das Aktions- Komitee zufolge des Kongressbeschlusses demnächst entsenden soll, um das angebotene Gebiet nach allen Richtungen zu erforschen. Auf Grund der Aeusserungen dieser Expedition wird der nächste Kongresse die Frage behandeln und seine Beschlüsse fassen. Wie diese Beschlüsse immer ausfallen werden, der triumphierende Ruf unserer Gegner, die darin das Ende des Zionismus erblicken und es aller Welt verkünden, dieser Ruf ist ebenso lächerlich als unwahr. Im Gegenteil, die letzten Ereignisse und das Verhalten massgebender Regierungen zu uns berechtigt uns zum Ausrufe : „Es ist kein Traum mehr! Der Zionismus hat gesiegt!" Und nun, Brüder, an die Arbeit! Arbeiten wir mit mehr Mut und Energie als bisher . . * Uganda und Palästina, zwei jüdische Staaten. Von Seenarj ah b* Mosche in Smyrna. „Elu veelu Dibreh Elokim Chajim", pflegten unsere Weisen zu sagen, wenn verschiedene Ansichten sich gegenüberstanden. Diese und jene sprechen im Namen Gottes; „diese und jene äussern sich nach bestem Wissen und Gewissen", möchte ich die Worte unserer Lehrer frei übersetzen. Durch dieses Zitat will ich nur dargetan haben, wie man bei uns Juden zu jeder Zeit die Stimme der Mehrheit als Gesetz gelten Hess — und wie man andererseits auch die Meinung der Minderheit so weit als möglich berücksichtigte. Jene russische Delegiertin des VI. Kongresses, die den Ausspruch tat: „Wir wollen euer Erbarmen nicht, wir wollen unseren ZioiiSötaat; über Leichen werde ich in Palästina einziehen (über Leichen der inzwischen voi Hunger Gestorbenen, war gemeint)!" Jene russische Dame, sage ich, ist ebenso sehr bewunderungswürdig, als ceteris paribusFrau Rosa Fei eenb a u m, welche für die Besiedlung Ugandas eine Lanze bricht. Beide sind wahrhaftige Vertre'eiiLncn der jüdischen Volksseele: Ein jüdischer Spötter könnte da ausrufer : „Ja wohl, das sind sie sichei lid)!. Nur ivpi äsenfiert die eine den Jezer-tob, die andere den Jczer-haia. Chalilah lanu! Bekanntlich ist der Mensch, gerade .'so wie die Pflanzen und Tiere ein Produkt stiner. Umgchurp. Die westeuropäischen Juden können aus diesen! physikalischen, physiologischen und psychischen Gi unde. ur möglkh gn; u dieselbe Weltanschauung haben als um-ore russischen Brüder. Zion aber ist dennoch, trotz der hin.m~irn:oh verschiedenen Gesamterziehung beider Volkcibestandieile ein Bindeglied derselben — und wird es hoffentlich für alle Zeiten bleiben. Bei den osteuropäischen Juden, die im grossen und ganzen orthodox geblieben sind, ist das Zionsideal eben mehr Glaubensartikel geblieben, während der westeuropäische Jude vielmehr aus politischen Gründen Zionist geworden ist. Alle bis jetzt mir bekannt gewordenen Stimmen sprechen entweder für oder gegen Uganda. Gegen Zion aber wird nicht einmal ein Antizionist, wenn es einen solchen überhaupt gibt, etwas anderes zu sagen haben, als dass Palästina für uns Juden entweder gar nicht oder nur in unabsehbarer Zeit zu haben sein wird. Wir haben keineswegs ein Dilemma vor uns. Nicht „Entweder Palästina oder Uganda0, sondern „Uganda und Palästina" muss unsere Parole sein. Nur so können wir der Willensäusserung der gewaltigen Minorität gerecht werden. Die Modifikation „zunächst Uganda als Nachtasyl und dann Palästina als Daueraufenthalt* ist unrichtig. Hakol bei'to, sagte Saiomo. Für Uganda ißt **e Zeit gekommen; für Palästina wird, mit Gottes Hilfe, auch die Zeit kommen. Wir sind heutzutage ein Volk von mindestens 9 Millionen Seelen. (Viele sprechen von 12 Millionen). Palästina könnte unter den gegenwärtigen Verhältnissen zur Not 3 Millionen Menschen fassen und auch ernähren. Ich gebe gerne zu, dass nach 50 bis 100 Jahren, nachdem zur Agrikultur noch eine intensive Entwicklung der Industrie hinzugekommen sein wird, noch für weitere zwei Millionen Seelen Platz geschaffen werden könnte. Im Laufe der 50 bis 100 Jahre aber werden die ersten Ansiedler schon auf fünf Millionen angewachsen sein. Demnach würde für weitere Nachschübe eigentlich nie Platz vorhanden sein. Da wir nun alle darin übereinstimmen, es seien GG°/0 aller Juden wahre Luftmenschen, so leuchtet die Unmöglichkeit, sämtliche besitzlosen Juden, das heisst 6 Millionen in Palästina unterzubringen, auf den ersten Blick ein. Es bleiben somit noch weitere drei Millionen Luftmenschen übrig, die irgend anderswo unter Dach und Fach gebracht werden müssen. Für diesen Teil des Scheerith Israel bleibt eben nichts besseres übrig als Uganda. Nach allem dem, was mir über Uganda aus der Literatur bekannt ist, Literatur, die lange vor dem sechsten Kongresse veröffentlicht war, ist dieses Land vorzüglich geeignet, eine beglückende Heimstätte eines Teiles unseres Volkes zu werden. Uebrigens wollen wir dem Berichte der Uganda- Kommission nicht vorgreifen. Diese wird gewiss sehr gründliehe Untersuchungen anstellen. Alle geologischen, klimatologischen und hygienischen Verhältnisse werden von unparteiischen Fachmännern an Ort und Stelle studiert werden. Was uns diese Kommission raten wird, dürfen wir ohne weiteres als Dibreh Elokim Chajim entgegennehmen. Von den drei Millionen besser eituierten Juden werden kaum mehr als hunderttausend aus spezifisch jüdischem Patriotismus ihre respsktiven Vaterländer verlassen, um sich, sei es in Uganda, sei es in Palästina, niederzulassen. Damit will ich beileibe nicht gesagt haben, dass die Zurückbleibenden lauter Assimilanten oder lauter Antizionisten sein werden. Hingegen möchte ich besonders hervorheben, dass die obgenannten hunderttausend meiner Meinung nach den besten Teil des Volkes Israel ausmachen werden. Diese Gruppe von Zionisten wird es

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