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Die Welt · 1903-11-06 · 45 (6.11.1903) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
45 (6.11.1903)
Article
Brief aus England
Date
1903-11-06
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „bis # weit Nr. 45 chinesische? Dies alles sind Kleinigkeiten; einige englische Lieder, gesungen in einem Hotel, werden alles wieder gut machen* Also man kann uns beglückwünschen» Wir haben nicht nur einen grossen Staatsmann in aer Person Lucien Wolfs, sondern wir haben auch unsere eigenen Luther. Und wenn wir noch etwas nötig haben.. ., so sind es einige Juden mit besseren jüdischen Herzen und mit mehr Vernunft . .. Die Konferenz der englischen Zionisten, die in Liverpool am 20. v. M. stattgefunden hat, bewies, wie sehr sich unsere Gegner getäuscht haben, die eine Spaltung in den zionistischen Reihen erwarteten. Die Zionisten in England sind ebenso begeistert und tätig wie früher. Zwei grosse Massenversammlungen haben neulich stattgefunden in Manchester und in Liverpool, die der zionistischen Fahne viele neue Anhänger zuführten. Wir gewinnen nicht nur neue Glieder, sondern auch neue Agitatoren, die sich mit jugendlichem Feuer in die Bewegung werfen. Einen solchen Agitator gewannen wir jüngst in der Person des Rsv. Alfred Adler, des Sohns des Chief- Rabbi Dr. Adler. Auch die Liverpooler Versammlung verdankte ihren Erfolg zum Teile ihrem Vorsitzenden Mr. B. L. B e n a s, einem lokalen Beamten, der auch einer von den Neubekehrten des Zionismus ist. Die Einkünfte der „English Zionist Federation" vom 1. Juli 1902 bis 1. Juli 1*03 betrugen 842 Pf. St. (22.208 Kr). 105 Pf. 15 sh. sind für den Nationalfonds eingelaufen und die Schekelsummen ergaben 521 Pf. Vom Juli bis Oktober 1903 sind in der Kasse der Föderation noch 533 Pf. eingelaufen. Leeds. P.M. Raskin. Aus Russland. Baku. Die „Bakinskija Iswestija" publiziert einen Erlass, welchen der Gouverneur von Baku an sämtliche Polizeichefs des Gouvernements gerichtet hat mit der Aufforderung, den Inhalt des Erlasses an alle im Gouvernement Baku wohnenden Juden bekannt zu geben. Dieser Erlass hat folgenden Wortlaut: „Im Jahre 1891 wurde den jüdischen Handwerkern, und 1892 den alten, ausgedienten jüdischen Soldaten und ihren Familien der Aufenthalt in Moskau verboten. Gegenwärtig hat Seine kaiserliche Hoheit der Generalgouverneur von Moskau, das Ministerium des Innern aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen, um die Zu reise von kranken Juden zu verhindern, welche in Moskau eintreffen, um ein dortiges Spital oder eine dortige Klinik ohne vorherige Erlaubnis der Moskauer Behörden aufzusuchen. Infolge dessen hat nunmehr der Minister des Innern beschlossen, zum Zwecke der Verhinderung des Aufenthaltes kranker Juden in Moskau die Gouverneure ' aufzufordern, den in ihren Gouvernements lebenden Juden bekanntzugeben, dass künftighin der Aufenthalt kranker Juden in Moskau nur mit vorheriger Erlaubnis des Moskauer Oberpolizeimeisters zugelassen werden wird.u Yalta (Krim). Wie der „Krymskij kurijer" meldet, wird mit dem 1. Jänner 1904 sämtlichen Juden, auch kranken Juden, welche von den Aerzten nach dem Südufer der Krim geschickt worden, der Aufenthalt in Yalta und seinem Bezirk bedingungslos verboten werden. Wilna. Das national-russische Blatt „Wilenskij Wjestnik" berichtet, dass die Assentierungskommission im Nordwestgebiete den jüdischen Stellungspflichtigen gegenüber folgendes praktiziert: Direkt aus der Assentierungskommission werden die assentierten Juden als Häftlinge nach dem Gefängnisse überführt, um nach Ablauf einer gewissen Zeit per Schub in die Garnisonen geschickt zu werden, wo sie ihre Dienstzeit absolvieren müssen. Das wird angeblich deshalb den Juden gegenüber praktiziert, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, sich dem Militärdienste zu entziehen. Der „Wilensk^j Wjestnik" bemerkt dazu wörtlich: „Wenn der Jude sich der Militärdienstpflicht entziehen wollte, wäre er überhaupt zur Stellung nicht erschienen. Wenn er aber erscheint, warum ihn als Sträfling behandeln? Es ist Zeit, aus Humanitäts- Rücksichten die schweren Massnahmen den Juden gegenüber aufzuheben u Wladikawkas Die „Nowosti" konstatieren die Tatsache, dass in letzter Zeit gegen die jüdischen Gebirgsbewohner in diesem *t biete eine Hetze eingeleitet wurde, an deren Spitze di^ „Terskija Wjedomosti" stehen. Unter anderem fordert»* das Blatt in seiner Nummer Nr. 266 laufenden Jabres die Bevölkerung t auf, den bekannten Kaukasischen Räuberhäuptling C h a t o, welcher unlängst die Juden im Dorfe Axai im Uralgebiete beraubt und geplündert hat, als Nationalhelden zu feiern und ihn zu ersuchen, die Beraubung alier Juden im Uralgebiete vorzunehmen, um dadurch die Befreiung der einheimischen Bevölkerung herbeizuführen . . . Dieser Aufruf zur Verfolgung der Juden im Gebiete wird von der „Terskija Wjedomosti" in verschiedenen Variationen wiederholt. Libau. Wie die „Libauer Zeitung" meldet, sind in der Zeit von Mitte August bis Mitte September 1031 jüdische Auswanderer beiderlei Geschlechtes, darunter 414 halbwüchsige Personen und Kinder unter 8 Jahren, von Libau aus nach den englischen Häfen befördert worden, von wo aus sie nach Amerika, Ostafrika und Australien Weiterreisen. Gt. N. 0. Pruschanskij. (Zum 35jährigen Jubiläum seiner literarischenTätigkeit.) In Petersburg beging vor wenigen Tagen der ausgezeichnete Schilderer des Lebens der russischen Juden, N. O. Prus chanskij die Feier seiner fünfunddreissigjährigen schriftstellerischen Tätigkeit. Für uns ist Pruschanskij mehr als ein talentierter Schilderer der Sitten unserer Volksgenossen in Russland; Pruschanskij hat in zahlreichen Werken die zionistische Bewegung und ihren wohltuenden Einfiuss auf die Hebung des kulturellen und nationalen Niveaus der Juden geschildert und in lebenswarmen Bildern die grosse Begeisterung dargestellt, welche der Zionismus unter den Juden geweckt hat. Von tiefem Schmerze über die Leiden des jüdischen Volkes und vom tiefen Hass gegen die abgefallenen Sohne dieses Volkes erfüllt, weist Pruschanskij auf den Zionismus als auf einen Faktor hin, welcher unseren Volksgenossen eine glückverheiseende Zukunft eröffnet. Pruschanskij, dessen eigentlicher Name Lipows kij ist, wurde im Jahre 1845 im Städtehen Moltsch im Bezirke Pruschany als Sohn eines Schneiders geboren. Bis zu seinem 17. Lebensjahre studierte er Talmud und die hebräische Sprache, um sehon 1862 Artikel in unserer heiligen Sprache zu veröffentlichen. Doch, widmete er sich später dem Studium der russischen Sprache und machte darin solche Fortschritte, dass er bereits 1868 die erste Novelle in russischer Sprache veröffentlichen konnte, Seit 1871 in Petersburg lebend, schrieb Pruschanskij zahlreiche Novellen aus dem Leben unserer Volksgenossen in Russland, in denen deprimierende Bilder voll Leiden und Weh entrollt wurden. Von seinen grösseren Werken verdienen die Erzählungen „Ausserhalb des Gesetzes", „Der neue Moses", „Die Helden des Lebens" aus vielen anderen besonders erwähnt zu werden. Schlicht und mit verblüffendem Realismus schildert Pruschanskij in allen diesen Werken in ergreifenden Farben das Leben unserer Volksgenossen im Zarenreiche, aber mit ebensolcher Wahrheit zeigt er die Fortschritte des Zionismus und seine glückverheissende Zukunft. Möge der Jubilar noch auf lange Zeit hinaus seine Kräfte dem jüdischen Volke widmen, dem er selbst entstammt und dessen Leiden er genau kennt und zu schildern versteht. Gt. Die jüdische Toynbee-Halle in Wien, Am 31. Oktober a. c. wurde das IV. Vortragsjahr der Wiener jüdischen Toynbee-Halle eröffnet. Das Lokal war von geladenen Gästen dicht gefüllt. Ausser dem Vorstande und den Ausschüssen der Toynbee-Halle, ferner mehreren Mitgliedern des zionistischen A.-C. waren zahlreiche Vorstandsmitglieder der Wiener Kultusgemeinde mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n an der Spitze, die Präsidien des L.-K. und D.-K. und der zionistischen Verbände erschienen, die meisten Mitglieder des Vereines

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