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Die Welt · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Article
M. Moses
Date
1903-10-30
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 44 „bis # W^lt" Seite 9 welche die Führer des nächsten Geschlechtes erreichten, Die Klarheit seines Herzens und Kopfes machten ihn zum geschätzten zionistischen Arbeiter in seinem Kreise und auch in den finanziellen Kommissionen auf vier Kongressen, wo sein wohldurchdachter Rat meist zum Beschlüsse wurde. Nun blutet des Edeln Herz nicht mehr beim Anblick des Judentums — es schlägt auch nicht mehr. Im historischen Katfcowitz empfing ihn die Erde. Noch konnte er sich freuen, dass aus alten Worten neue Taten werden: ihre Früchte blieben ihm versagt. Unser aber ist es, in Ehre und Trauer sein Andenken zu preisen, und es unseren Kindern zu geben als eines Braven! Ihm aber sei Friedei Todesfall. In Krakau starb unser Gg. Dr. Samuel Baum, ein stiller, aber opferfreudiger Zionist. An seinem Grabe sprach Herr Dr. Goldwasser namens der Organisation. Ehre seinem Andeuken! ^Mbcioe. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Jüdische Kommilitonen! Der Arbeitsausschuss der zionistischen akademischen Korporationen Wiens (im V. z. a; K. Ö.) erlaubt sich, Euch zu der am 10. Cheschwan (31 Oktober) um l/,8 Uhr abends im Restaurant Guth, IL, Stephaniestrasse 12, stattfindenden Studentenversammlung höflichst einzuladen. Tagesordnung: Der Zionismus und das Ostafrikaprojekt. Proredner : Herr Dr. Marek Sch erlag. Kontraredner: Herr Dr. E. M. Zweig. Diskussion anschliessend« Von der Notwendigkeit der «Klärung dieser Frage durchdrungen, lenken wir Euere besondere Aufmerksamkeit auf diese Versammlung. Wien, im Tischri 5664 (Okt. 1903). Mit Zionsgruss f. d. A.-A. d. z a. K. Wiens „Bar Giora", „Bar Kochba", „Erez Israel", Leo Pinsker, „Theologia", „Vereinigung zion. Hoohschüler". Osias Rosenblatt JochananThau drzt. Schriftführer drzt. Obmann Unser lieber Gg. Paul B r a f f - Bielitz hat sich mit Fräulein Rebekka Fr ie d m an n aus Brody verlobt. Wir gratulieren. — Unser geschätzter Gg. Dr. Heinrich Byk in Stry hat sich mit Frl. Friederike Luft ebendaselbst verlobt. * Wien, im Oktober 1903. An die jüdische Jugend! Die Zukunft jedes Volkes beruht auf seiner Jugend. Der Geist, der sie erfüllt, bestimmt sein Schicksal. Darum ist es bemüht, sie zu seibstbewussten und treuen Söhnen zu erziehen. Und welches Volk hat dazu mehr Grund als das unsere., dessen Jugend ihm gleichgiltig, wenn nicht feindlich gegenübersteht? Diese Gleichgiltigkeit, diese Feindseligkeit müssen wir besiegen. Zur Lösung dieser Aufgabe wollen wir durch die Gründung einer Jugendzeitschrift beitragen, welche die einen ihrem Volke erhalten, die anderen wiedergewinnen soll. Die Zeitschrift wird dieses Ziel durch anregende Vorführung jüdischer Geschichtsbilder, durch Uebersetzungen aus unserer alten und modernen Literatur, durch belehrende, leicht verständliche Aufsätze über jüdische Fragen erreichen, und schliesslich wollen wir in unserer Jugend durch das Studium unserer Nationalsprache die Liebe zu unserem Volke wiedererwecken. Wer könnte da noch zögern? Dich, hoffnungpberechtigte jüdische Jugend, und Euch, ihre Freuode und Förderer, rufen wir auf, an diesem grossen und segensreichen Werke mitzuarbeiten und uns aufs tatkräftigste zu unterstützen. Heiligste Pflicht eines jeden jüdischen Kameraden ist es, das Erscheinen unserer Zeitschrift durch eifrige Sammlungen für den Pressfonds zu beschleunigen und dafür Sorge zu tragen, dass „Unsere Hoffnung" in jedes jüdische Haus Eingang finde; dann ist die Zeit nicht ferne, wo unsere Jugend ihrem Volke wiedergewonnen sein wird. Unsere Jugend ist unsere Hoffnung! Das Presskomitee. Geldspenden und Briefe beliebe man mit dem Vermerke „Unsere Hoffnung" an jur. Josef Hass, jetzt HL, Pfefferhofgasse 4, oder an die Redaktion „Die Welt", IX., Türkenstrasse 9, zu richten. P. S. Die P. T. Vertrauensmänner werden hiemit höflichst ersucht, ihre Sammellisten abzuführen, da wir Anfang Jänner 1904 mit der Herausgabe unseres Blattes beginnen werden. Erster Wiener jüdischer Turnverein. I, Mölkerbastei Nr. 5. Die Wichtigkeit körperlicher Uebungen im allgemeinen und für die Juden im besonderen bedarf unter den heutigen Verhältnissen wohl keiner weiterenBegründung. Wo aber sollen wir Juden Leibesübungen pflegen? Der 15. Turnkreis (Oesterreich) der deutschen Turnerschaft hat sich bereits seit geraumer Zeit „judenrein" erklärt. Sich demselben, wie es leider immer noch von jüdischer Seite versucht wird, trotzdem anzubiedern und — wo es geht _ aufzudrängen, halten wir mit unseren Begriffen von persönlicher Ehre nicht für vereinbar. Darum war die Gründung eines jüdischen Turnvereines eine Notwendigkeit. Um aber auch Unbemittelten die Pflege körperlicher Uebungen zu ermöglichen, müssen wir die Beiträge für Studenten, Handelsangestellte und Arbeiter beträchtlich ermässigen. Auch ist die Erlarjgung eines grösseren, geeigneteren Turnlokales unser dringendes, bisher aus Mangel an Mitteln unerfülltes Bestreben. Dennoch kann der Verein trotz seines kurzen Bestandes bereits auf eine erfolgreiche turnerische und erziehliohe Tätigkeit hin weiser». Das im April d. J. abgehaltene öffentliche Schauturnen hat gezeigt, wie jüdische junge Männer bei uns körperlich gekräftigt und diszipliniert werden. Dies ist — wir wollen es besonders hervorheben — unsere einzige Tendenz. Der „Erste Wiener jüdische Turnverein" hat keinerlei politische Aufgaben, noch steht er im Dienste einer Partei. Unsere Aufgabe ist lediglich eine hygienische, soziale und kulturelle, und zwar eine solche edelster Art: Jüdische Männer voll Mut und Kraft, voll Strammheit und männlichen Selbstbewusstsein heranzubilden! Dass uns dies im Kleinen gelingt, davon kann jedermann sich selbst überzeugen; dass es uns im Grossen möglich werde, dazu kann und sollte wohl jeder Jude durch moralische und materielle Unterstützung beitragen. Denn der Kampf ums Dasein wird uns Juden immer mehr erschwert. Sehen wir zu, dass wir selbst und besonders die heranwachsende Generation denselben wohl gerüstet aufnehmen können! Indem wir jeden Juden zur Besichtigung unseres derzeitigen Turnplatzes, L, Mölkerbastei 5 (Turnzeiten für Herren : Montag und Donnerstag von Va8—9 Uhr abends) höflichst einladen und mit Vereinsstatuten und näheren Daten auf Wunsch gerne zur Verfügung stehen, zeichnen wir Hochachtungsvoll Für den Turnrat: J. U. Dr. Ludwig Werner dz. Obmanrj. Kudolf Pollak M. U. Dr. Josef Weinreb dz. I. Turnwart. dz. Schriftführer. M. U. Dr. Max Jerusalem Hugo Spitzer dz. II. Turnwart. dz. Kassier. Das unterstützende Komitee: Hermann König, Fabrikant, Ehrenmitglied des I. Wiener jüd. Turnvereines; Dr. Salomon Ehrmann, k. k. Univ.- Professor; Dr. Hermann Fialla, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. Josef Grünfeld. Univ.-Dozent; Sofie Grünfeld, Präsidentin des Kaiser Franz Josefs-„ Ferienheim"; Dr. Theodor Herzl, Schriftsteller; Dr. Gustav Kohn, Mitglied des Landesschulrates, Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde etc.; Johann Kremenezky, Ingenieur; Dr. Theodor Lieben, kais. Rat, Sekretär der isr. Kultusgemeinde; Oskar Marmorek, Architekt; Dr. Leopold Oser, k. k. Univ.-Professor, *) Mitgliedsbeitrag: 2 Kronen monatlich. *) Mindestbeitrag für Förderer: 20 Kronen jährlich.

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