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Die Welt · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Article
Ein Blaubuch über die Ugandabahn
Date
1903-10-30
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „bie # Weit" Nr. 44 Seilschaft begonnenen Arbeiten der Eisenbahn von Mombassa nach dem Viktoria-See im Jahre 1895 in die Hand genommen hat, bewilligte das englische Parlament dafür 113 Millionen Mark. Annähernd 107 Millionen Mark waren bis Ende März d. J. ausgegeben worden. Zwischen 5000 und 22.000 Arbeiter, darunter im Jahre 1900 iL 1901 fast 20.000 Indier wurden jährlich beim Bau verwendet. Ueber 30000 Kubikmeter Felsen und noch etwas mehr Erde waren im ganzen zu bewegen. Bis auf einen kleinen Tunnel sind die Erdarbeiten heute vollendet. Am 20. Dezember 1901 erreichten die Schienen Port Fiorence. Die Verbindung des Indischen Ozeans mit dem Viktoria-See war damit hergestellt. Ein festes Stahlband von MO km umklammert seitdem die Deutsch-Oatafrikanische Kolonie im Norden und zieht langsam aber sicher allen Handel aus dem Norden und Nordwesten der deutschen Kolonie an sich. Wenn die Bahn auch in hervorragen ler Weise politische Bedeutung für England hat und das Parlament deshalb vielleicht die erforderlichen hohen Baugeider jedesmal ohne lange Verhandlung nach wenigen Minuten bewilligt hat, so rechneten die Erbauer doch darauf, dass die Bahn in absehbarer Zeit auch wirtschaftliche Bedeutung erlangen würde und die Entwicklung dea Verkehrs hat ihnen recht gegeben. Die Reguliei ungen der Strecke, die nach Erreichung des Sees durch das Arbeitsgleis noch nötig waren, sind jetzt beendet, die Beschotterung ist weit vorgeschritten; bis zu 940 km sind die zeitweiligen Brücken, Uebergänge, Durchlässe uhw. durch 1319 dauernde Anlagen ersetzt, 43 Stationen sind längs der Bahn errichtet, bei 5 Stationen sind Pasthäuser mit Wirtschaften für die Reisenden erbaut worden.Ausser den ausgedehntenMaschinen- und Ausbesserungs-Werkstätten in Mombasaa sind weitere Werkstätten in Nairobi und Port Fiorence angelegt. Mit allen Bahnhofs- und Nebengeleisen liegen im ganzen 1003 km Schienen. Lade- und Löschstaden am Anfangs¬ und Etid-Hafen mit leistungsfähigen Kränen sind vollendet. Ein Dampfer von 600 Tonnen, der Winifred, schwimmt auf dem Viktoria-See. Ein zweiter derselben Grösse, die SybiJ, steht kurz vor seiner Vollendung in Port Fiorence. Drei Drahtleitungen längs der Linie dienen dem amtlichen und privaten Telegraphen-Verkehr. Hand in Hand mit diesen Arbeiten ging die genaue Erforschung und Vermessung der Ufer des Viktoria-Sees. Auf englischem Gebiete ist die Vermessung vollendet. Am deutschen Ufer hat die Vermessungs-Kommission auf Grund einer Abmachnng mit der deutschen Regierung die Aufnahmen ebenfalls fortgesetzt u. d schon um das Ostufer herum bis zur deutschen Station Mwansa hin Ausgeführt. Ein Wag^onpark von 70 Lokomotiven (mit Holzfeuerung), 204 Person- und 950 Güterwagen genügt vorläufig zur Bewältigung des Verkehrs. In den letzten fünfzehn Berichtsmonatpn legten die Züge im ganzen 257.000 km zurück und beförderten im Durchschnitt 1080 Tonnen monatlich, gegen 820 im Jahre 1901. Die Einnahmen beliefen sich 1900 auf 05.805 Lstrl., 1901 auf 80 799 Lstrl. und 1902—1903 bis März auf 115.313 Lstrl. trotz ganz erheblicher Herabsetzung der Tarifsätze. Letzterer Betrag setzt sich zusammen uns 33 834 Lstrl. für Personenverkehr. 7 ».832 Lstrl. für Güt^iveik^hr, 4149 Lstrl. für T^legraphenv^kehr und 1498 Lstrl. für Verschiedenes. Die Tonnenkilometer haben trotz d«*r Herabsetzung der Tarifsätze um 44 Prozent gegen 1901 zugenommen.Der Fehlbetrag stellte sich in den letzten fünfzehn Monaten nur noch auf 49.690 Lstrl. Die durchschnittlichen Transportkosten für das Tonnenkilometer betrugen unter Berücksichtigung alier auch für die Rechnung der Regierung beförderten Güter etwas über 8 Pf., für Kaufmannsgüter allein etwa 21 Pf. Die gesamten Unterhaltungskosten betrugen 1811 M für das Kilometer. Der Preis einer Rückfahrkarte 1. Klasse zwischen Mombassa und dem Viktoria- See beträgt rund 230 M. * Im „Hameliz" behandelt M. L. Lilien blum abermals die Frage, womit Rieh die „Zionisten" angesichts des neuaufgetauchten OstafrikaprojekUs zu befassen hätten. Er vertritt als alter „praktischer" Chowew Zion den Gedanken der kleinkolonisatorischen Tätigkeit in Palästina und führt ungefähr folgendes aus: Die neueren Zionisten sollten daran denken, dass die Geschichte keine Sprünge macht, sie würden dann nicht von jedem einzelnen Kongresse grosse Erfolge erwarten und nicht immer wieder nach jedem derselben sich fragen: „Was soll ich meinen Wählern berichten?* Es gibt Kongresse von Aerzten, Friedensfreunden etc., und nie hofften die Besucher derselben, ihre Mission in der eodgiltigen Lösung des behandelten Gegenstandes erledigt zu sehen, wie etwa dif böspn Krankheiten auszurotten, die Kriege aus der Welt zu schaffen wären u. dgl. Nur unsere Gesinnungsgenossen fahren zu den Kongressen in der Hoffnung, grosse positive Resultate ihren Wählern erzählen au können. Ich zweifle nicht daran, daes so mancher Delegierte in dem Wunsche, seiner Wählergruppe etwas heim- »ubringen, die Veranlassung fand, sich für Ostafrika zu «•klären. Ob nun dieses Projekt gelingt oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Für mich gibt es jetzt eine andere wichtige Frage: Was sollen die Paiästina-Zionisten, die kein anderes Land erwerben möchten, tun? Unser Führer erklärte, dass der Charter für die nächste Zeit nicht zu erwarten sei. Worin soll sich nun die „zionistische* Arbeit äussern? Wenn wir so untätig dasitzen, bis ein Charter erlangt wird, wodurch unterscheiden wir uns dann von all denjenigen, die seit Jahrhunderten im Gebet die Hoffnung zum Ausdrucke bringen, „dass er täglich kommen werde". Sollte man sieh auf „geistige" und „ökonomische* Arbeiten zurück ziehen, die hier im Exil keine Grundlage haben und alle Versuche zu Schanden machen? — Es wurde uns ja erst vor Kurzem offen und unumwunden erklärt, dass man dies nichi dulden und dass man für sie den Zionismus verantwortlich machen werde . . . Ich meine, die Paiästina-Zionisten sollten daran denken, dass übereiliges Hasten nach Erfolgen zwecklos ist Ein Volk entsteht nicht an einem Tage, und das Volk muss vor dem Staate da sein. Man muss wieder die Klein- Koionisation aufnehmen. Nicht, dass man das Baseler Programm aufgebe oder aus der geschaffenen Organisation austrete. Das Programm braucht nicht und kann nicht geändert werden und an der Organisation darf um keinen Preis gerüttelt werden. Diese hat es ja bekanntlich zu Wege gebracht, dass sich alle Juden in den Ländern der Zerstreuung als ein Volk fühlen und sie ist es, die der ganzen Weh unser Streben kundtut. Wir dürften ebensowenig unseren Führer verlassen, den einzigen Mann, der nicht allein in der Zukunft für uns den Charter erwirken kann, sondern auch in der Gegenwart grossartige Dienste zu leisten vermag. Es ist ein altes Mittel, das ich empfehlen möchte: das Neue festhalten und auch das Alte nicht aufzugeben. Ais Zionisten müssen wir der grossen Organisation angehören und die Führer in ihrer vorbereitenden Arbeit mit allen Kräften fördern und unterstützen, als Zionsfreunde zugleich müssen wir den Kolonisationsverein in seiner Tätigkeit weiter unterstützen. Man könnte einwenden: 1. Die Kolonisationsgesellschaft iit klein und wir können nichts Grosses von ihr erwarten; 2. der Zionismus kann seine Tätigkeit nicht auf Geldaammeln beschränken. In einer Volksbewegung aber können nicht alle Grosses leisten. Das ist Sache weniger Einzelner, die vom gesamten Volke unterstützt werden müssen. Wenn nur die Zionisten den Kolonisationsgedai:k^n im Volke verbreiten, wenn sie es zu immer wachsender Beteiligung an diesen kleinen Arbeiten heranziehen, damit allein kann viel Nutzen gebracht werden. Wenn bloss der zehnte Teil der Juden Russlands je 5 Rubel jährlich dem Komitee zuführt, würde er* jahrlich eine halbe Million Rubel einnehmen und es könnte Grosses damit geschaffen werden. Bekanntlich hat das Komitee nur deshalb wenig geleistet, weil s«-ine Mittel ungenügend waren. Andere meinen : durch Wohltätigkeit könne nicht geholfen werden. Aber ich behaupte: 1. Auch der Nationalfonds, der für Boaenkauf bestimmt ist, setzt sich aus Spenden zusammen; X einem Volke kann wohl nicht durch Spenden geholfen werden, aber der Anfang zur Hilfe kann auf Wohltätigkeit beruhen. Die Kolonien, die früher durchwegs unterstützt wurden, befinden sich heute auf existenzfähiger Grundlage. 3. Wenn man schon das philanthropische Moment vermissen möchte, so könnte ja die Kolonisation von solchen weitergeführt werden, die einige Mittel haben und dieselben durch Kredite vergrössern. Die Kolonisation wäre also der kürzeste und sicherste Weg zur Erlangung eines Charters für ein friedfertiges und arbeitsames Volk wie das jüdische, in einem Lande wie die Türkei, deren innere Einrichtungen nicht so sehr an allgemeine soziale Bedingungen geknüpft sind. * In der Nr. 45 der Jüdischen Rundschau" schreibt Doktor Adolf Friedemann über Ostafrika: Es rauscht in den Schachtelhalmen und die Aufregung ist gross. Die Amphibien schwimmen mit Tränen in den Augen umher und beklagen der Zeiten Verderbnis* Da sie in beiden Elementen gleich gut atmen können, wissen sie, die früher unsere Absichten auf Palästina nicht verdächtigen konnten, weil es ein unfruchtbares, unwirtliches Land sei, nicht genug zu klagen, dass wir den

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