Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 43 (23.10.1903)
- Article
- Erklärung
- Date
- 1903-10-23
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 14 „bie & w^it" Nr. 43 fribfioe. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Wiesbaden, den 2. Okiober 1903. Erklärung. In der Nummer der »Frankfurter Zeitung* vom 20. September d. J. habe ich ein Feuilleton über „Hebron und die Gräber der Patriarchen" veröffentlicht. Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat den Aufsatz ohne Quellenangabe nachgedruckt. Diese Verwechslung von Mein und Dein wäre mir an sich sehr gleichgültig, wenn nicht durch die Fortlassung der Quelle Gesinnungsgenossen zu der Ansicht verleitet worden wären, ich hätte für das Blatt des Herrn Dr. Bloch Originalartikel geschrieben. Ich bemerke deshalb, dass ich erst durch eine Wiener Zuschrift auf die Eigenmächtigkeit des B 1 o c h'schen Blattes aufmerksam gemacht worden bin. Dr. A. Friedemann. * Erklärung. Geehrte Redaktion der „Welt!* lieber den Vortrag, den ich am 11. d, M. im Pressburger Verein „Ahawath Zion" hielt, brachte tin dortigfs Lokalblatt einen sehr ausführlichen Bericht, der aber bei der anderthalbstündigen Dauer des Vortrages doch nur einzelne Schlagworte enthalten konnte. Wie es bei Wiedergabe solcher Vorträge leider fast immer der Fall ist, enthielt der Bericht neben vielem richtig Wiedergesehenen, auch s^hr viel Missverstandenes, Entstelltes und Falsches, das ich nicht berichtigt habe, weil ich dazu viele Spalten gebraucht hätte. Das Wiener „Deutsche Volksblatt" greift aus dem genannten Referate einige besonders krasse Stellen heraus, um sie als „Ansicht der Zionisten über die übrigen Juden" ihren Lesern darzubieten. Man wird es begreifen, dass ich noch weniger Lust habe, mich mit dem „Deutschen Volksblatt" in eine Polemik einzulassen. Ich bitte nui meiner Erklamr g Raum zu gewähren — woran hoffentlich j^der, der meine Gesinr ung kennt, wohl nicht einen Augenblick geglaubt hat, und was übrigens das zahlreiche Auditorium meit es Vortrages mir bezeugen kann — d a s s ich die mir in den Mund gelegten, vielfach geradezu widersinnigen Phrasen nicht gebraucht habe. Wien, Mitte Oktober 1903. Hochachtungsvoll Arch. Oskar Marmore k. ❖ An die Redaktion der „Welt" in Wien. Am 1. (19.) September a. c. hat in Hornel eine fürchterliche Judenhetze stattgefunden! Hunderte mit Stock, Eisen und Steinen bewaffneter russischer Arbeiter sind auf die ahnungslose jüdische Bevölkerung gestürzt, Unheil und Vernichtung um sich streuend! . . . Wer sein Hab und Gut retten wollte, wurde schonungslos ermordet öder halb zu Tode geschlagen. Mehr als hundert Verwundete füllen unsere Krankenhäuser, acht sind ermordet, zirka dreihundert Häuser und Läden geplündert — vierhundert Familien an den Bettelstab gebracht! Die Verzweiflung ist grenzenlos. Es ist nicht nur das Unglück unserer kleinen Provinzstadt, es ist das Unglück unseres ganzen jüdischen Volkes, das wie ein schrfckliches Phantom uns vor Augen steht! Dip Wunden von Ki^chenew sind noch nicht geheilt, die Erzählungen von der grässlichen Barbarei noch nicht verhallt und schon wieder erfüllt das Wehklagen der russischen Juden die Luft! . . . Ausser den vielen Verwaisten und Verwitweten der 400 Familien, die an den Bettelstab gebracht wurden, die ja dringend der Stütze bedürfen, sind noch bei 80 Mann vollkommen schuldlos arretiert worden, und wie können wir es übers Herz bringen, sie in den engen Kerkern schmachten zu lassen?! Juristische Hilfe, Speise und Trank mu=s herbeigeschafft werden. Enorme Summen sind dazu nötig . . . Unsere Mittel sind sehr knapp; für Kischeuew sind in Russland zirka 700/m Rubel gesammeltxworden, und; deshalb fällt es jetzt schwer, ein« grössere Summe zusammenzubringen. Trotz unserer Energie, Motz hunderter Aufrufe, die wir in Russland und anderwärts verbreiteten, ist es uns kaum gelungen, bis jeizt 35/m Ruhe] aufzutreiben; wir brauchen aber wenigstens 200.000 Rubel. Wir hoff>n, dass die geehrte Redaktion der Welt und die führenden Männer der Wiener hochlöblichen israelitischen Gemeinde die Initiative bei diesem Hilfrwßrk übernehmen werden, um eine Kollekte für die verunglückten Juden in Hornel zu machen. Wir bitten ergebenst, Geldsendungen an folgende Adresse zuwenden zu wollen : G e b r ü d e r G. & S. L o u r i 6, Bankgeschäft in Hornel (z. Z. Mohilew, Russland) und zeichnen Hochachtungsvoll Gebrüder G, & S. L o u r i e\ * Jüdische Mädchen und Frauen! Der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" beginnt wieder seine Tätigkeit. Jüdische Mädchen! Wenn Ihr wollt, dass dieser Verein ein Sammelpui kt für diejenigen werde, die ihre ganze Kraft voller Hingebung und Begeisterung dem hohen Ziele widmen, an der Befreiung unseres teueren Volkes mitzuarbeiten, so folget unserem Rufe! Wir wollen unsere Genossinnen, die nie Gelegenheit hatten, das Judentum in seinem wahren Werfe kennen zu lernen, durch Vorträge und Diskussionen in die Jahrhunderte alt* Kultur unserer Vorfahren einführen, sie v^rtiaut machen mit jener grossen Renaissancebewegung, die sich jetzt innerhalb des jüdischen Volkes vol zieht. Durch das Eindringen in die Geistesschätze unserer Literatur, in das Geistesleben unseres Volkes wollen Wir Euch befähigen, immer und überall für unsere so oft ge* schmähten und gedrückten Brüder einzutreten, wollen Euch aber gleichzeitig den Weg zeigen, Euch wieder Eurem Volke zu nähern, sein Leben verstehen zu lernen, Lust und Leid, Freude und Schmerz mit ihm zu fühlen, mit ihm zu tragen. Nur das zielbewusste Arbeiten für eine Idee, für ein Lebensziel, vermag uns volle innere Befriedigung zu gewähren. Stellet Euch in den Dienst der erhabenen Idee des Zionismus und Ihr werdet reichlich Lohn finden in dem Bewusstsein, für die Befreiung und Erlösung des jüdischen Volk-s gekämpftzu haben, Schulter an Schulter mit den Besten und Edelsten unserer Nation. Auskunft erteilt die Veieinsleitung. Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" Wien Mimi Berliner, Helene Reiter, Mariahilferstrasse 191. Fleischmarkt 10. * Jüdische Toynbee- Halle Wien, XX., Karajangasse 20. Euer Wohlgeboren! Das Bedürfnis nach geistiger Anregung ist ein uraltes Merkmal des jüdischen Charakters und es hat zu allen Zeiten unter alten Himmelsstrichen und Verhältnissen Einrichtungen gegeben, die diesem Bedürfnisse entgegei kamen, Diesem Zwecke dient auch die jüdische „Toynbee-Halle" und sie hat denselben in den drei Jahren ihi>s Bestandes nach Kräften erfüllt. Der Zutritt ist ausnahmslos jedermann gestattet. An 150 Vorträge wurden in jeder Wintersaison gehalten, zirka 30 Kohzertabende veranstaltet und hierdurch der ärmsten jüdischen Bevölkerung Gelegenheit geboten, unentgeltlich treistige Anregung zu empfangen. An den sogenannten Kindernachmittagen, die an jedem zweiten Sonntage und am Chanukafeste stattfanden, wurden durchschnittlich je 200 Kinder mit einer Jause bewirtet, durch Vorträge, Erzählungen und musikalische Aufführungen mit den Freuden einer ihnen sonst nicht zugänglichen edleren Geselligkeit bekannt gemacht und schliesslich durch passende Geschenke erfreut. Während der Sommermonate werden Kurse abgehalten und so die Armen, die nar-h Erweiterung ihrer Kenntnisse verlangen, unentgeltlich in den für ihr besseres Fortkommen wichtigsten Disziplinen unterrichtet. Die Durchführung aller dieser Unternehmungen wurde durch die Mithilfe von Gönnern und Freunden ermöglicht; aber die materielle Lage der „Toynbee-Halle" ist leider noch immer nicht gesichert und dieses zweifellos schöne Unternehmen in Gefahr, an dem Mangel dercnötigen? allerdings nicht bedeutenden materiellen AJittel zu "sc^eiterö.