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Die Welt · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Article
[Kommentar]
Date
1903-10-23
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 43 „bie & w^it" Seite 9 „Die Versammlung, die die bereits angesiedelten Kolonisten repräsentiert, protestiert scharf gegen das- Projekt, fremde Juden in ihrer Mitte anzusiedeln und ist entschlossen, diese mit allen Mitteln, die in ihrer Macht stehen, abzuwehren." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Es wurde auch be&chlossen, die Resolution dem High Commissioner mitzuteilen, und sie der Regierung zukommen zu lassen. Auch wurde sie Mr. C hamber la in, dem Urheber des Projektes, telegraphisch mitgeteilt. Es wurde ein beständiger Ausschuss gebildet, mit dem Lord Delamere, der zuerst protestiert hat, an der Spitze, um eine Gegenagitation zu führen. Es fehlt aber auch nicht an sympathischen Kundgebungen. So z. B. veröffentlicht die „East-Afrika und Uganda-Mail" in Mombasa am 5. September einen diesbezüglichen Artikel, betitelt: „Die Erbschaft der Juden. Er befürwortet das Projekt auf das wärmste. Nach der Aufzählung der Leiden des jüdischen Volkes heisst es: „Nun müssen wir mit diesem eigentümlichen Volke Ostafrika teilen, mit dem Volke, das uns die Bibel gegeben hat und die ganze erhabene Geschichte, welche unsere Gedanken erhebt und uns zu hoffen lehrt, sogar nach dem Tode. Wir würden die Juden herzlich willkommen heissen, denn wir können sicher sein, dass die Juden in unser Land den Segen der Bundeslade bringen werden, dass unspr schönes Land gesegnet sein wird, und dass die neue Kolonie, gefördert von den reichen jüdischen Patrioten, ein wichtiger Faktor in dem Britisch-Ostafrikaprotektorat werden wird.tt Der Bischof von Mombasa sprach am 6. September über das Projekt. Er drückte zwar den Juden seine Sympathie aus und forderte seine Zuhörer auf, die Projekte, die dahin gehen „Christus' eigenes Volk" eine Wohltat zu erweisen, selbstlos zu betrachten, meinte aber zugleich, es wäre erwünscht, ein anderes Gebiet längs der Ugandabahn anstatt des angebotenen denZionisten zu offerieren, da dies Anbot die britischen Interessen schädige. Bezüglich des Rücktrittes Mr. Chainberlains und der damit verbundenen Aenderung der englischen Kolonialpolitik, bemerkt der „Jewish Chronicle" vom 9. 1. M.. dass dieser Umstand die Ostafrikavorlage kaum beeinflussen werde, da der neue Kolonial-Sekretär — Sir Alfred Lyttleton — jaidenfreundlich gesinnt sei. * N. Sokolow schreibt in seiner „Hazefirah" in Nr. 223: Wenn der ostafrikanieche Vorschlag Beachtung verdient, so ist es nicht Sache der Zionisten, sondern der „Ica", sich mit ihm zu beschäftigen. Die „Jewish Colonisation Association", die Kolonisationsversuche auf dem ganzen Erdenrund macht, in letzter Zeit auch in Brasilien und in Aegypten, darf diesen Vorschlag nicht unbeachtet lassen. Wenn es für den Kongress ein Gebot des Anatandes war, dieses Angebot der englischen Regierung nicht rundweg abzuweisen, sondern eingehend und ernstlich daiüber zu verhandeln, so ist es umsomebr Aufgabe der „Ica", die ja England gegenüber zu besonderer Höflichkeit verpflichtet ist, die Angelegenheit nicht mit Stillschweigen zu übergehen. Möglich, dass diejca* auch dem jüdischen Volke gegenüber sich einigermassen dazu verpflichtet fühlen wird. Die Zeiten ändern sich und die „Ica" ändert sich mit ihnen. Die Zionisten sind nun eben nicht mehr so geächtet und gemieden. Selbst diejenigen aus der „Ica", die H e r z 1 alles Böse nachsagen, geben nun zu, dass „er eine jüdische Organisation geschaffen und begeistertes Interesse für jüdische Kolonisation hervorgerufen habe". Die grossen Herren lassen sich gnädig herbei, mit ihm zu verhandeln und treten mit ihm grossmütig in einen Briefwechsel. Es war leicht vorauszusehen, dass der einzige Lichtpunkt in der ostafrikanischen Frage, der ihr einen Teil der Zionisten geneigt machte, der „Ica* als Schattenseite erscheinen werde. Was in Basel im ersten Momente Eindruck machte, war die Mitteilung von der verspochenen Autonomie, die der Ostafrikavorschlag enthielt. Ich will das Kind beim rechten Namen nennen: Die politische Bedeutung dieses Vorschlages.brachte ihn dem Zionismus etwas näher. Eine bedeutende Weltmacht schlägt den Juden vor, einen wirklichen Staat zu gründen. Unsere Meinungen teilten sich: Es gab *Ja-a und „Neinsager.u Ich selbst habe es mir gut überlegt und entzog mich der Abstimmung. Der Vorschlag betreffs Ostafrikas schien mir auf einem Zionistenkongresse nicht am richtigen Platze. Wenn es eine Taktfrage England gegenüber war, so hätte der Beschluss ganz anders ausfallen sollen, als dahin, eine Expedition zu entsenden. Ich hatte dem Präsidium eine diesbezügliche Resolution vorgeschlagen, die leider unbeachtet blieb. Welchen Sinn hatte denn eigentlich das „Ja" oder „Nein?" Ob etwa Ostafrika ,,Erez Israel" sei — eine solche Frage verdient nicht einmal die Antwort: Nein. Es blieb also einerein technische Frage: Ob man dort kolonisieren könne oder nicht? Doch darin lag eine blosse .Ironie. Wer von uns wusste es, sei es von den „Ja-'- oder „Neinsagern Es war ein Witz und ein — schlechter. Oder hat es sich etwa bloss um die Frage einer Expedition gehandelt? Das hiesse ja: Entweder „wir wollen es vorerst untersuchen", oder „wir wollen überhaupt davon nichts wissen." Sollen die Leute eine Expedition entsenden, die über die Mittel verfügen! Den einzigen „hellen Punkt", der für uns in dem Schreiben an Mr, öreenberg enthalten war, bildete die Autonomie (über die ich mich noch äussern werde) und der politische Tor, in dem Englands Vorschlag an den Zionismus gehalten war, Und deshalb musste sich die „Ica'- einen Weg frei lassen. In ihrer Zuschrift, deren Inhalt noch nicht in den Einzelheiten mitgeteilt werden kann, erklärt sie ausdrücklich, die Sache dürfe keine politische, sondern müsse eine rein kolonisatorische Angelegenheit sein. Die englische Regierung trägt kein Bedenken, der Sache einen politischen Anstrich zu geben, und die „Ica" fürchtet, wie gewöhnlich, e3 könnte den Anschein haben, dass die Juden sich einen Staat gründen. Nein — beeilt sich die „Ica" von vorneherein zu betonen — bewahre, nicht einen Staat wollen wir gründen, sondern bloss kolonisieren, wo wir kolonisieren können. Wir sind Patrioten! Auch das ist Politik, aber eine uralte, die Politik! furchtsamer Leute, die stets darnach fragt: „Was werden die Völker dazu sagen?" Und wie naiv ist diese Politik. Diejenigen, die etwas sagen wollen, kümmern sich um keine Erklärung, und die, welche nicht r e d e n wollen, sagen eben nichts. Die „Ica" ist nun bereit, sich an den Kosten der Expedition zur Hälfte unter der Bedingung zu beteiligen, dass dieselbe aus drei Delegierten ihrerseits und ebensovrelen seitens der Zionisten bestehe und auch das tut sie mit gewissem Vorbehalt — doch wir wollen jetzt auf die Einzelheiten nicht eingehen. Eines muss zugegeben werden : Die „Ica" bleibt damit ihren Prinzipien treuer als wir Zionisten den unsrigen. Sie ist eine Kolonisationsgesellschaft, die nicht an irgend ein Land gebunden ist, sie hält sich an das System der Zerstreuung und findet es für gut, wenn zu den vielen Ländern, wo sie Kolonien hat, noch eines hinzukommt. Eine Expedition? In Gottes Namen! Wie viel hat sie bereits auf Expeditionen verausgabt! Aber die Sache ist nicht so glatt, sie hat etwas von politischer Autonomie an sich; das kann für die Juden nicht beansprucht werden und deshalb verwahrt sich die „Ica" in Konsequenz ihrer Anschauung dagegen. Sie bleibt sich vollständig treu. Nur noch einen Zug von Naivetät enthält diese Verwahrung. Zugegeben, dass die Expedition unter beiderseitiger Beteiligung zustande kommt, der Vorschlag an-

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