Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-10-16 · 42 (16.10.1903) · p. 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
42 (16.10.1903)
Article
Die galiläische Bahn Haifa-Bethsaida
Date
1903-10-16
Page
4 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316062-3337649--43616-3337758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite; 4 „b\z # weit" Nr. 42 deren Zahl. sich p Ehrlich gana; -bedeutend vergrössert, wird schliesslich die ErpfTnupg der ,Bahn; besonders freudig begrüsst werden. : ji.iOl t-<h ■• ~i--" '.'fMii- Zion und tystafrika- Um allen irrtürnUchezi Meinungen vorzubeugen, erklärt ,die Redaktion der ,jWell" ausdrücklich, dass sie die Verantwortung für alle die Vorschläge und Meinungen, die in der Rubrik; „Zion und Ostafrika" veröffentlicht werden, ablehnt., C^e, Redaktion will nur eine möglichst vollkommene Diskussion dieser wichtigen Frage nach allen Richtungen hin ermöglichen. * Zwei russische Delegierte über den sechsten Kongress. Der sechste Kongress rief in Odessa ein ungeheueres Interesse wach. Leute, die sich bis nun dem Zionismus gegenüber indifferent, ja sogar feindlich verhalten hatten, lasen die täglichen Kongressberichte in den Tagesblättern mit grossem Interesse. Der Kongress war das Tagesgespräch bei Gross und Klein, Jud und Christ. Die Odessaer Blätter brachten täglich Telegramme, gewissenhafte Kongressberichte ihrer Spez'alberichterstalter, Leitartikel über den Zionismus u. s. w. und fanden im Einzelverkauf einen so reissenden Absatz, dass sich die „Odesskija Nowosti", der, dank unserem Freunde S. Saltzmanr», der erste Platz in Bezug auf Genauigkeit der Berichte und freundliches Verhalten unter den russischen Blättern gebührt, veranlasst sahen, ihre Auflage während und nach der Kongresswoche bedeutend zu vergrössern. Kaum erfuhren die Berichterstatter, dass Sapir, Awinowitzki und andere Delegierte zurückgekehrt seien, als schon die Interviews begannen, unter denen die des Herrn Treczeck in der „Od. Now." die grösste Anerkennung verdienen. Ich suchte die Herren Dr. Sapir und Dr. A win owitzki sofort nach ihrer Rückkehr auf, um sie über ihre Meinung zu befragen, Die Unterredungen nahmen folgenden V erlauf: Bei Dr. Ph. Awinowitzlv*i. „Der sechste Kongress," antwortete mir Dr. Awinowitzki auf meine Frage über die Resultate des Kongresses, „ist unbestreitbar der grösste aller bisherigen Kongresse. Siine Bedeutung, welche den Zeitgenossen, wie gewöhnlich, noch nicht klar genug ist, wird erst von der Nachkommenschaft, von der Geschichte voll geschätzt werden können. Der Ihnen ja bereits bekannte Vorschlag der englischen Regierung in Bezug auf Ostafrika beweist, dass die Stimme, welche sich vor sechs Jahren von der Kongresstribüne vernehmen liess, gehört worden ist, dass man in den Zionisten die Vertreter des jüdischen Volkes anerkennt und mit denselben offiziell verhandelt. Seit der Verbannung der Juden geschieht es zum erstenmale, und dieser grosse historische Moment wird mit der Geschichte des sechsten Kongresses eng verknüpft bleiben. Vor drei Jahren hatte ich Gelegenheit, mit einer hochstehenden Persönlichkeit über den Zionismus zu sprechen. Unauslöschlich drang unter anderem auch folgender ironischer Satz in mein Gedächtnis : „Auf eueren Kongressen verhandelt ihr Ju^en bloss miteinander — welchen Nutzen bringt das?" Ich kann mich nicht entsinnen, was ich darauf geantwortet habe, jeizt aber wäre ich der Antwort enthoben, weil ein ähnlicher Vorwurf uns nicht mehr gemacht werden kann. Derselbe Würdenträger fragte mich: „Wrshaib sind die jüdischen Gebildeten und Reichen keine Zionisten?" Ich beantwortete diese heikle Frage mit einer langen, weit ausholenden Artwoit. Heute häUe ich kurz geantwortet : „Wenu sie Juden sind, werden sie Zionisten sein." Der sechste Kongress wird uns auch in anderer Beziehung einen grossen Nutzen bringen : Er wird die Menschen der Feder zwingen, die Bewegung ernst zu studieren und nicht aufs geradewohl darauf loszuschreiben, und wenn sich ein Rechtsanwalt auch eben jetzt noch entschlossen hat, einen Artikel über den Zionismus zu schreiben, ohne au m nur die leiseste Ahnung von demselben zu haben, dann sehe ich darin den Ueberrest der Kinderjahre des Zionismus, als die Erwachsenen sich gestatteten, den Hilflosen zu bespötteln." „Ist nicht Palästina durch das Ostafrikaprojekl in die zweite Reihe geschoben worden?* A.: „Ich fü lle es als eine moralische Befriedigung, Ihnen a itworten zu können, dass Palästina auf dem Kongresse einen Ehrenplatz einnahm. Es ist beschlossen worden, sofort mit dem Erdankaufin Palästina zu beginnen und der Kongress setzte ein;%e beständige Palästina-Erforschungs-Kommission ein. Er wollte damit sagrn, dass kein Gegenwartsprogramm ihn vom vorgesteckten Ziele ablenken kann. Eher wird der Papst aufhören, Katholik zu sein, ehe der Zionistenkongress Zion verrät." „Hatte Dr. Herzl das Recht, dem Kongresse den Vorschlag Englands vorzulegen?*4 Dr. Awinowitzki geriet bei dieser Frage in Aufregung und begann : A.: „Sagen Sie, bitte — hat ein Nichtarzt das Recht, eine Blutung, an welcher sein Nächster ohne sofortige Hilfe zugrunde gehen niuss, zu stillen? Hat ein spanischer Untertan das Recht, seinen ertrinkenden König aus dem Wasser zu ziehen, obwohl das spanische Gesetz den Untertanen bei Todesstrafe verbietet, den König zu berühren? Wenn Sie dei Nichtarzt, der die Blutung stillte und seinem Nächsten das Leben rettete, in ein Gefängnis sperren wollten, weil er, ohne das Recht dazu zu haben, kurierte, wenn Sie den Spanier, der seinen König rettete, wegen Gesetzesverletzung bestrafen dürfen, dann verdient auch Dr, Herzl Strafe. Herzl klopfte an die Pforten Palästinas. Wie der Adler seine Jungen, möchte er auf seinen Flügeln die Juden in ihr altes Heim tragen; er klopfte, aber zu fest ist das Schloss. Er will nach El-Arisch, aber die Wüste schüttet ihren Sand über ihn; und plötzlich erblickt er eine auf ein Land hinweisende Hand und er vernimmt eine Stimme: „Nimm, und lasse deine Rasse nicht zugrunde gehen." Und Herzl soll das dem Kongresse nicht mitteilen, weil dort ein bestimmtes Programm vorgesehen ist? Pereat mundus, fiat justitia _ möge das ganze jüdische Volk zugrunde gehen, aber das Programm beibehalten werden? Es wäre mir furchtbar bange um unseren Kongress, um unser Ansehen in der Welt, wenn auf dem Kongresse nicht lebendige Juden mit jüdischem Herzen Sitz und Stimme hätten, sondern vertrocknete Mumien mit einem Programm. Das Leben steht über dem Programm. Nicht das Programm macht das Leben, sondern das Leben diktiert das Programm. Die Zionisten gingen immer über das Programm hinaus, sobald das ihre Pflicht als Juden forderte. Steht vielleicht im Baseler Programm etwas vom Geldsammeln für bessarabische und rumänische Juden? Aber es war notwendig, und das Programm wurde erweitert. Dr. Herzl hatte nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, mit der englichen Regierung zu verhandeln und das Resultat dem Kongresse mitzuteilen. Wer kann behaupten, dass der Vorschlag Englands dem Baseler Programm widerspricht? Das Programm spricht von Na-( tionalisierung der jüdischen Elemente. Hat nicht Dr. Herzl in einer Programmrede gesagt, dass wir erst zum Judentum und dann erst ins Judenland zurückkehren müssen? Wir hüten den Käfer und bemerken nicht den fortgehenden El phanten. Wir arbeiten für das Cheder und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.